[Prometheus Band 6] Arche

Lesezeit circa: 7 Minuten

Mit „Arche“, dem sechsten Band der Prometheus-Reihe von Christophe Bec, erfahren wir, wie es mit der Geschichte weitergeht.

Arche
© Splitter Verlag

Prometheus

Prometheus und sein Befreier Herkules sitzen weiterhin in einer Höhle und rasten. Herkules fragt, weshalb die Ketten, die Prometheus an den Kaukasus gefesselt hatten, nur an der Stelle verrostet waren, die den Lendenbereich des Titanen berührten. So erfahren wir – ob wir nun wollen oder nicht – womit sich Prometheus während seiner 3.000 Jahre andauernden Gefangenschaft die Zeit vertrieben hat … Jedenfalls wollen Herkules und Prometheus nun die Menschen aufsuchen. Der Titan verkündet, sein Schicksal als Retter und Helfer der Menschheit erfüllen oder untergehen zu wollen.

Derweil tobt Göttervater Zeus auf dem Olymp, als er zur Kenntnis nimmt, dass sein Sohn Herkules Prometheus befreit hat. Vor den versammelten Göttinnen und Göttern, die an ihren typischen Merkmalen zu erkennen sind (Poseidon mit Dreizack, Artemis mit Bogen, Aphrodite äußerst erotisch usw.), kündigt Zeus an, die Menschheit zu vernichten. Wir sehen das Bild einer untergehenden antiken Stadt, das an den Untergang von Atlantis erinnert.

Daher stellt sich weiterhin die Frage, auf welcher Ebene der Erzählstrang um Prometheus abläuft. Befinden wir uns in einer mythischen Vergangenheit? Oder doch in der Gegenwart? Oder vielleicht in einem Paralleluniversum?

Historischer Rückblick

Der einzige historische Rückblick führt uns wieder ins Jahr 1943, wo gerade das sogenannte Philadelphia-Experiment an der USS Eldridge durchgeführt worden ist. Wie wir uns erinnern, hat sich das Schiff im Rahmen des Experiments buchstäblich in Luft aufgelöst. Nun erfahren wir, was passiert ist. Das Schiff ist in einen gewaltigen Strudel geraten. Während einzelne Besatzungsmitglieder Feuer fangen, verschmelzen andere mit den Stahlwänden oder beginnen grün zu leuchten.

Providence, Rhode Island

Das Team, das durch den „Spiegel“ am Boden eines der blauen Löcher gedrungen ist, hatte im vorherigen Band in einer post-apokalyptischen Version der Stadt Providence den weltberühmten Golfer Tim Scott gefunden. Dieser hatte einen der 13:13 Uhr-Flugzeugabstürze überlebt und war seinerseits auch durch einen „Spiegel“ gegangen, den er auf einer Insel entdeckt hatte. Es stellt sich heraus, dass die Zeit in dieser Welt anders verläuft als in der ursprünglichen. 20 Tage im post-apokalyptischen Providence scheinen einem Tag in der „normalen“ Zeitlinie zu entsprechen.

Tim Scott berichtet, an anderen Überlebenden nur einen etwa 10-jährigen Jungen gesehen zu haben, der plötzlich von einer Aura umgeben wurde und dann verbrannte. Das Phänomen scheint also dem zu entsprechen, was der Crew auf der USS Eldridge widerfahren ist.

Aufgrund von Zeitungsartikeln versteht die Gruppe, dass sie sich offenbar in der post-apokalyptischen Zukunft ihrer eigenen Welt befindet. Hat sie jemand hier hingeschickt, um die Menschheit vor dem ihr drohenden Schicksal zu warnen?

Das Team fasst den Entschluss, in die Region Epiros nach Griechenland zu reisen, da die Vermutung besteht, von dort in die eigene Welt zurückkehren zu können. Auf dem Weg zum Flughafen begegnen sie einer Gruppe blonder Kinder, die sehr an „Das Dorf der Verdammten“ (Village of the Damned, 1960) erinnern. Es scheint sich um die „arisch“ aussehenden Kinder zu handeln, von denen wir bereits in Band 5 gehört haben.

Sonderbare Ereignisse und 13:13 Uhr

In Venezuela brennt ein Energiestrahl ein kreisrundes Loch in den Boden. Auf dem Boden des Lochs befindet sich ein würfelförmiger Gegenstand, der an den Monolithen aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnert. Gleichzeitig verschwindet am selben Ort ein ganzer See.

Am neunten Tag scheint um 13:13 Uhr nichts zu geschehen, was sich jedoch als Trugschluss erweist. Denn bei Australien befindet sich um diese Zeit plötzlich der „Arche des Kerguelen“ wieder in seinem ursprünglichen Zustand. Es handelt sich hier um einen wohl natürlichen Felsbogen, von dem seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch die Säulen stehen, da der obere Bogen eingestürzt ist.

In der „Prometheus“-Reihe ist der Bogen wohl außerirdischen Ursprungs und erweist sich als ein weiterer „Spiegel“, durch den man in einer andere Zeitebene reisen kann.

Die Außerirdischen und die Regierungen

Es drängt sich mehr und mehr die Vermutung auf, dass einige Regierungen (besonders Russlands und die USA) seit Jahrzehnten über Technologien verfügen, die außerirdischen Ursprungs sein müssen. Haben sie diese aus abgestürzten Raumschiffen und außerirdischen Artefakten gewonnen? Oder ist doch ein direkter Kontakt zwischen den Menschen und extraterrestrischen Wesen möglich?

In Alaska lässt die amerikanische Regierung Experimente an Colin Kramer durchführen, der seit einem der 13:13 Uhr Flugzeugabstürze über übernatürliche Fähigkeiten verfügt. Es stellt sich heraus, dass hier neben Colin Kramer schon seit Jahrzehnten andere Menschen gefangen gehalten werden, die in Kontakt mit Außerirdischen getreten sind oder anderweitig in die Geschehnisse verwickelt wurden.

So findet sich hier ein Besatzungsmitglied der Apollo 20-Mission, die 1970 zur Rückseite des Mondes gereist war. Über die Experimente stellt sich heraus, dass die Außerirdischen einen Weg gefunden haben, den direkten Kontakt mit Menschen überleben zu können, sodass eine Begegnung ab jetzt nur noch für die Bewohner der Erde tödlich verlaufen würde. Eine außerirdische Invasion hätte also fatale Folgen für die Menschheit.

Außerdem will der US-Präsident das U-Boot, das über den Meeresgrund plötzlich im Amazonas gelandet ist – also unwissentlich durch einen „Spiegel“ fuhr – mitsamt Besatzung verschwinden lassen. Schwerwiegender ist wohl, dass der Präsident das Projekt Blue Beam 2 aktiviert, von dem wir bereits zuvor gehört haben.

Arche

Was mögen sich die Leute vom Splitter Verlag dabei gedacht haben, den französischen Titel „L’Arche“, der sich ganz klar auf den Bogen beim Kerguelen-Archipel bezieht, der ja auch das Cover des Bandes ziert, mit „Arche“ zu übersetzen? Schließlich gibt es das Wort im Deutschen nur im Sinne von „Arche Noah“. Auffällig ist auch, dass die französische Bezeichnung „Arche des Kerguelen“ immer äußerst holprig in die Dialoge der im Comic dargestellten Menschen eingebaut wird. (Dies gilt teilweise auch für Band 7.)

Man könnte vermuten, dass das Splitter-Team „Arche“ besser gefiel als „Bogen“, weil es durch die Assoziation mit der Arche Noah mythische Erwartungen weckt. Durch die holprige Einbindung in die Übersetzung der Dialoge überwiegt aber der Eindruck, dass hier ein recht prächtiger Übersetzungs-Fauxpas passiert ist, der scheinbar niemandem aufgefallen ist.

Mein Eindruck von „Prometheus“ Bd. 6: Arche

Christophe Bec scheint bewusst zu sein, dass es gar nicht so einfach ist, allen Erzählsträngen mitsamt den zahlreichen Personen zu folgen, weshalb er zu Beginn des Bandes einen knappen Überblick über die wichtigsten Personen und Ereignisse bietet. Dies ist definitiv hilfreich, da zwischen den Veröffentlichungen der Einzelbände 6 bis 12 Monate liegen können, wodurch Leserinnen und Leser nun wirklich nicht alles im Kopf behalten können.

Trotz der Vielzahl der Personen und Handlungsstränge nimmt die Story jedoch immer weiter an Fahrt auf und wird immer spannender. Was plant der US-Präsident und was weiß er bereits alles? Die wichtigste Frage lautet aber natürlich: Was wollen eigentlich die Außerirdischen? Band 6 hat den Verdacht nahegelegt, dass die Außerirdischen enttäuscht von der Menschheit sind. Woran das liegen mag, erfahren wir hoffentlich in Band 7, der den Titel „Die Theorie vom 100. Affen“ trägt.

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Michael Kleu

Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.

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