[Perry Rhodan 264] Die Invasion der Toten

Lesezeit circa: 5 Minuten

„Die Invasion der Toten“ – Sie kehren zur Erde zurück – mehr als 50.000 Jahre zu früh.

Die Invasion der Toten
© Pabel-Moewig Verlag KG

Erschienen: 1966
Autor: K.H. Scheer
Zeichner: Johnny Bruck

Ab in die Vergangenheit

This is it. Hier geht die Reise Richtung Vergangenheit los. Und wie selten zuvor wird Perry als gemeingefährlicher Depp präsentiert. Aber der Reihe nach.

Der Einstieg in „Die Invasion der Toten“ ist typisch Scheer. „Bla Bla Sülz“, die Terraner sind die Besten in allem, „fasel fasel“. Atlan bewundert sie natürlich wieder mal. Stellt fest, dass es keinem anderen Volk im Universum gegeben sei, Schiffe mit 2500 Metern Durchmesser zu bauen. Ärgerlich nur, dass man diese Aussage dann in seinen später erschienenen Jugendabenteuern völlig ignoriert hat. Aber Schwamm drüber, damals gab es sowas wie Perrypedia nicht, da sind solche Inkonsistenzen verzeihbar.

Was Perry sagt, wird gemacht

Nicht zu verzeihen ist Perrys Agieren vor Vario. Jeder, inklusive Icho Tolot, sagt ihm: „Der Planet ist eine Falle“. Und Perry hat ja mit Fallen der „MdI“ einige Erfahrung. Statt jetzt aber auf alle zu hören und erstmal den Rückzug anzutreten, kehrt er den „Hier geschieht, was ich sage“-Typ hervor und fliegt selbstverständlich voll in die Falle. Echt jetzt? Wenn es je einen Anlass zur Meuterei gab, der berechtigt gewesen wäre, dann hier.

Der Planet erscheint wie eine zweite Erde. Das geschieht mittels Mentaltastern, die aus den Bewusstseinsinhalten der Schiffsbesatzung Emotionen und Gedankenbilder filtern können. „MEEEEEP“. Bei einer solch genialen Technik müsste spätestens auffallen, dass die Besatzung eben NICHT halutisch ist. Beziehungsweise, mit einer solchen Technik kann man eigentlich jede Spionage bei Gegnern sein lassen. Wozu auch, man muss sie nur aus der Ferne analysieren. Und ein Einzelstück ist diese Mentalabtastung wohl auch eher nicht, siehe die Abenteuer in den Systemen „Horror“ und „Twin“. Und Joakin, der Tefroder, geht trotz allem noch von Halutern als Herren der CREST III aus. Es wird sogar nochmals ausdrücklichst erwähnt, dass die Aktivitäten der Terraner im Vorfeld Andromedas bekannt seien, man aber nicht davon ausgehe, dass sie bis Andromeda kommen könnten.

Herr, lass Hirn regnen! Selbst bei allergrößter Arroganz auf Seiten der „MdI“ – Die Terraner haben einige Sonnentransmitter erobert. Wie sollen sie da bitte keinen Weg nach Andromeda gefunden haben? Selbst der dümmste grenzdebile Vollpfosten wird doch als Anführer eines Sternenreichs mindestens mal Spione entsenden, um nachzusehen, was da so abgeht, wenn ein Gegner an seiner Tür kratzt. Aber Fehlanzeige. Selbst Joakin wird nicht misstrauisch, trotz der Auswertung der Mentaltaster. Und das soll die Elite eines Volkes sein?

Es kommt, was kommen muss

Die CREST III wird gefangen und in der Zeit durch den Planeten Vario zurückversetzt . Ab durch einen Situationstransmitter ins Sonnensechseck von Andromeda, von dort weiter nach Kahalo. Was bitte soll es bringen, einen als stark eingeschätzten Gegner einfach nur zu versetzen? Das hat etwas von der Dusseligkeit der James Bond–Gegner, die einfach nur rumsülzen und dann komplizierteste Todesmechanismen nutzen wollen, anstatt einfach „Kugel in den Kopf und aus“. Gut, die Testzentrale Tanta III bestrahlt die CREST III mit einem Resonanzstrahler, der Icho Tolot ausschaltet. Aber Himmel nochmal, die „MdI“ und Joakin gehen doch von Hilfsvölkern an Bord des vermeintlich halutischen Schiffes aus. Was soll ein Ausschalten der Haluter da bringen, wenn die Restbesatzung noch handlungsfähig ist?

Man kommt aus der Falle, da die Lemurer ein halutisches Schiff statt der CREST III erwarten. Wieder einmal ein Beweis für völlig mangelnde Kommunikation des Gegners. Auf der Erde angekommen wird man durch einen Zeitagenten der „MdI“ zwar enttarnt, kann diesen aber töten, bevor er sein Wissen weitergeben kann. Lemuria, Atlantis, beide versunkenen Kontinente existieren noch. Man ist 50.000 Jahre in die Vergangenheit gereist.

Und auch hier wieder „MEEEP“. Dass das Wissen um die Lemurer in 50.000 Jahren verloren ging, bei Akonen und anderen Lemurerabkömmlingen, in Ordnung. Das kann man noch akzeptieren. Dass aber so gar keine Spuren der Vergangenheit auf die Lemurer hinweisen sollten, halte ich für Unsinn. Insbesondere wenn man die Haltbarkeit lemurischer Anlagen wie auf Kahalo bedenkt.

Fazit

Für mich persönlich war „Die Invasion der Toten“ DAS Heft schlechthin, welches perfekt zeigt, wieso der ganze Zyklus einfach nicht wirklich gut ist. Abstrus konstruierte Handlung, unglaubwürdig agierende Menschen, nicht logisch durchdachte Handlunskonsequenzen. War alles drin. Aber mir kam dazu die Tage ein Gedanke. Mir scheint, die Schreiber haben damals Wert darauf gelegt, ihre Figuren völlig Banane agieren zu lassen, damit sich der durchschnittlich gebildete Leser im Vorteil wähnt. Hauptklientel war damals, wie man im Werkstattband und anderen Publikationen lesen kann, männlich zwischen 16 und 25. In dem Alter habe ich auch noch nicht alle Handlungen in aller Konsequenz zu Ende gedacht, habe mich gefreut, wenn ich intelligenter war als eine Romanfigur. Dennoch, manche Hefte waren so abstrus, da bekam ich damals mit elf oder zwölf beim ersten Durchgang schon Zahnweh, heute noch mehr.

Ich gebe zu, in der Erinnerung war der Zyklus tatsächlich besser als beim erneuten Lesen. Dennoch darf man mein Gemecker jetzt nicht unbedingt als Verriss sehen. Denn es wurde meistens, wie in „Die Invasion der Toten“, spannend erzählt. Und unterhaltsam. Meine Aussage, der „MdI-Zyklus“ sei der Schwächste der ganzen Serie, wird sich wohl nicht mehr ändern. Das bedeutet ABER (!) nicht, dass er schlecht ist. Ich meckere und jammere wie immer auf recht hohem Niveau.

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Mario Staas

Mario ist Jahrgang 1974 und seit Ewigkeiten Perry-Rhodan-Leser. Er liest die komplette Reihe gerade zum dritten Mal und lässt uns daran teilhaben.
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