[Orion 6] Die Raumfalle

Lesezeit circa: 5 Minuten

 

In „Die Raumfalle“ gerät die Crew der Orion in die Fänge eines verbannten Wissenschaftlers. Er fordert das Schiff, um zu den Frogs überlaufen zu können.

Folge 6
Die Raumfalle

Die RaumfalleHandlung

McLane bekommt den Auftrag Partikelproben zu sammeln. Mit ihnen soll die sogenannte Panspermtheorie gefestigt werden. Darüber hinaus soll er einen Gast an Bord aufnehmen. Der Autor Pieter-Paul Ibsen möchte Stoff für seinen neuen Zukunftsroman sammeln.

Bis auf Legrelle und Jagellovsk ist die Crew von ihrem Gast nicht begeistert.

Während die Suche nach Sporen beginnt, bittet Ibsen darum, einmal mit einer Lancet fliegen zu dürfen. McLane stimmt widerwillig zu. Dabei kommt die Lancet plötzlich vom Kurs ab und landet auf dem Planetoiden Mura. Dort wird der Schriftsteller von bewaffneten Männern gefangen genommen und verhört. Der Wissenschaftler Tourenne zwingt ihn, die Orion in eine Falle zu locken. Kurz darauf wird die gesamte Crew in mehrere Gefängniszellen gesperrt. McLane wird Folter angedroht, da Tourenne das Schiff haben will.

In der Zwischenzeit gelingt es Legrelle und Jagellovsk (Eva Pflug) eine Wache zu überwältigen. Sie befreien alle bis auf McLane und schaffen es, zur Orion durchzukommen. Anschließend droht Sigbjörnson, das Schiff mitsamt der Kolonie zu sprengen. Tourenne gibt Ibsen und McLane frei. Dennoch kann die Orion durch den elektromagnetischen Schirm nicht entkommen, woraufhin die Kolonisten die Orion kapern. Mit einem Trick kann McLane die Barriere sprengen. Die überraschten Kolonisten werden kurzerhand überwältigt. Kurz darauf befiehlt McLane den Rücksturz zur Erde.

Kritik

„Die Raumfalle“ ist eindeutig eine gelungene Episode. Nicht nur die Story ist überzeugend, sondern es ist merklich mehr Tiefe entstanden.

Charaktere

In den Grundzügen haben sie sich nicht verändert. Allerdings wird hier sehr deutlich, dass McLane und Jagellosvk einander anziehend finden. Der Kommandant und die Sicherheitsoffizierin flirten ganz offen miteinander. Zwar ist das Gespräch halboffizieller Natur, schließlich geht es darum, ob Mura überhaupt angeflogen werden darf, aber die zwischenmenschlichen Zeichen sind nicht zu übersehen. Beide lächeln und necken sich. Da könnte sich etwas anbahnen.

Auch die Beziehung zwischen Jagellovsk und der Crew ist eindeutig freundschaftlicher geworden. Sie nimmt weiterhin ihre Aufgabe wahr, ist jedoch nicht mehr der unnahbare Eisklotz wie zuvor. Prinzipiell ist diese Entwicklung gutzuheißen, vorausgesetzt Jagellovsk verliert ihren eigentlichen Auftrag nicht aus den Augen. Trotz aller Kollegialität hat sie einen Befehl auszuführen, was sie auch immer mal wieder deutlich werden lässt. Dieser Balanceakt ist den Drehbuchschreibern durchaus geglückt.

Als eindeutig gelungen betrachte ich die schauspielerische Leistung von Wolfgang Büttner, der den Wissenschaftler Tourenne verkörpert. Das ausdruckslose Gesicht, der durchdringende Blick und die unbehagliche Ruhe lassen Tourenne überzeugend gefährlich wirken. Er wird zwar als „irre“ bezeichnet, wirkt jedoch vollkommen klar. Das ist kein Verrückter. Vielmehr ist Tourenne ein in seiner Eitelkeit gekränkter Narzisst, der in der Zeit seiner Verbannung nicht untätig geblieben ist.

Die RaumfalleHumor

Eine weitere angenehme Entwicklung ist der Humor. „Die Raumfalle“ wirkt bei Weitem nicht mehr so steif wie die vorigen Folgen, in denen auch der Witz etwas zu verkrampft schien.

Durch den Autoren Ibsen nehmen die Produzenten das Genre gutmütig aufs Korn. Science-Fiction sei doch Blödsinn, heißt es, alles Hirngespinste und Märchen. Und etwas später macht sich die Crew über „Menschen, die sich entmaterialisieren können“ lustig. Ich hätte gerne behauptet, dass hier heimlich über Star Trek gelacht wird, aber das gehört definitiv dem Bereich der Fantasie an.

Auch McLanes bereits bekannte charmant-ironische Art, welche zuweilen minimal ins Herablassende kippt, wurde beibehalten. Es wäre schade gewesen, solcherlei herauszuschreiben. Auch hier liegt eine ordentliche Portion Potenzial. Die anderen Charaktere bieten ebenfalls genug Grundfläche, um sie zu entwickeln. Da dies bereits die vorletzte Folge ist, ist es jedoch unglaublich schade, dass die Charakterentwicklung erst jetzt stattfindet. Eine tiefer gehende Ausbildung der Figuren und ihrer Eigenheiten hätten bereits früher gutgetan.

Kulisse

Natürlich sind es relativ einfache Mittel. Aber auch hier fällt auf, dass fremde Welten durch einen erstaunlich überzeugenden Hintergrund dargestellt werden. Zwar ist auch hier wieder eine karge Oberfläche zu sehen, aber die Wirkung ist bemerkenswert. Das geht absolut als Planetoid durch. Der bekannte Ausdruck „weniger ist mehr“ trifft hier voll zu. Auch, weil eine Kolonie für verbannte, unerwünschte Zeitgenossen sicherlich nicht auf einem traumhaft schönen Planeten errichtet würde.

Mura

Dorthin werden unerwünschte Zeitgenossen verbannt. Wie wir erfahren, sind damit nicht ausschließlich Kriminelle gemeint. Auch Personen mit zweifelhaften wissenschaflichen Forschungen und Erfindungen landen dort. Ebenso wie Menschen mit Ansichten, welche politisch nicht gewollt sind.

Diese Vorgehensweise scheint mir etwas unglücklich, denn es erinnert an eine Sortierung nach Gusto der Regierung. Wer politisch genehm ist, darf bleiben. Andersdenkende werden als „unerwünschte Personen“ verbannt. Hierbei besteht die Gefahr einer speziellen Säuberung der Erde von bestimmten Personen, die der Regierung nicht gefallen. Ich möchte an dieser Stelle nicht unbedingt wieder auf faschistische Strukturen verweisen, aber es geht ein wenig in diese Richtung.

Weiterhin fällt auf, dass es auf Mura keine Frauen gibt. Jetzt frage ich mich doch, warum. Theoretisch müssten unter den gefährlichen Wissenschaftlern, Kriminellen und politischen Gegenpositionen auch weibliche Vertreter sein. Und doch leben auf Mura nur Männer. Entweder verbannt man unerwünschte Frauen anderswohin, oder es gibt tatsächlich keine. Diese Frage bleibt leider offen.

Fazit

„Die Raumfalle“ ist meiner Meinung nach eine sehr gute Folge. Die minimalen Kritikpunkte schmälern das Vergnügen keinesfalls. Kann man sich durchaus noch einmal anschauen.

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Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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