Special: Stargate

Lesezeit circa: 7 Minuten

Über die vergangenen gut zwei Jahre hinweg konnte ein interessantes Phänomen beobachtet werden. Plötzlich brodelte es im Stargate-Universum. Irgendetwas tat sich da. Und die große Allgemeinheit bekam davon gar nichts mit.

Im deutschen Fernsehen – Free-TV und Pay-TV gleichermaßen – laufen die Stargate-Serien rauf und runter. Na gut, zumindest Stargate SG-1 und Stargate: Atlantis. Wiederholungen natürlich. Neues kommt aktuell ja nicht. Nicht so wirklich.

Es wird jedenfalls ein merkwürdiger Tag sein, wenn man feststellt, dass seit Monaten nirgendwo auch nur eine einzige Folge ausgestrahlt wurde. Ein sehr, sehr merkwürdiger Tag. Denn, wenngleich die Stargate-Serien aufgrund ihrer langen Abstinenz in Sachen neuem Material ganz heimlich, still und leise im Schatten der beiden Riesen Star Wars und Star Trek abgetaucht sind, gehören sie doch zu den ganz Großen – und dienen vielen, vielen Menschen seit Jahren als treue Begleiter durch die Sci-Fi-Welten.

Stargate

Stargate SG-1 – Die Serie, mit der alles begann

Eigentlich ist diese Zwischenüberschrift gelogen. Denn natürlich begann alles mit dem Kinofilm von 1994. Aber es darf auch zurecht bezweifelt werden, ob Stargate jemals eine so große Fanbasis versammelt hätte, wenn es nicht wegen dieser Serie gewesen wäre, die später auch noch Ableger hervorbrachte.

Obwohl es einige (kleinere) Abweichungen zwischen Kinofilm und Stargate SG-1 gibt, bleibt man gerade anfangs doch dicht an der Mythologie des Filmes. Erst nach und nach entfernt man sich davon und baut sich seine eigene kleine Welt auf – die sich aber wiederum in ihren Grundgedanken auf den Film zurückführen lässt.

Die Hauptcharaktere

Von den Hauptcharakteren wurden lediglich Jack O’Neill und Daniel Jackson übernommen, im Kinofilm von Kurt Russell und James Spader gespielt. In der Serie nehmen diese Rollen bekannterweise Richard Dean Anderson und Michael Shanks ein, wobei ersterer der Grund sein dürfte, weshalb viele anfangs überhaupt erst in Stargate reingezappt haben. Wie häufig man davon hört, dass jemand einfach mal in die neue Serie mit „MacGyver“ reinschauen wollte, bewegt sich unlängst in nicht mehr zählbaren Dimensionen.

Das in der Serie gebildete SG-1-Team um O’Neill und Jackson wird von Samantha Carter (Amanda Tapping) und Teal’c (Christopher Judge) abgerundet, während General Hammond (Don S. Davis) die Aufsicht über die Basis im Cheyenne Mountain und das Stargate Command hat.

Später wird Jackson zeitweise von Jonas Quinn (Corin Nemec) abgelöst. Sollte jemand bis heute tatsächlich nicht mitbekommen haben, weshalb – no spoilers!

Ab Staffel 9 gestaltet sich der Cast dann grundlegend anders. Nachdem eine Staffel zuvor bereits Don S. Davis aus gesundheitlichen Gründen ausstieg, folgte dieses Mal der Ausstieg von Richard Dean Anderson. Seine Nachfolge trat Ben Browder als Cameron Mitchell an, der gleich auch noch seine Farscape-Kollegin Claudia Black mitbrachte.

Das Stargate Command befehligte daraufhin Beau Bridges als General Landry und mit Andromeda-Star Lexa Doig fand man nach dem „Ausstieg“ von Teryl Rothery – die bis einschließlich Staffel 7 die Dr. Fraiser spielte – erstmals wieder eine bleibende Ärztin. Mit allen bis dahin versuchten Alternativen zeigten sich weder die Verantwortlichen noch die Fans zufrieden.

Die Mythologie – das Universum

Stargate gelang es, die Fans nicht nur mit seinen Charakteren und seinem besonderen Humor zu begeistern. Die Serie baute im Laufe der Zeit auch ein immenses Universum auf, das sich von den ersten Episoden an andeutete, als man neben der ägyptischen Mythologie schon in der ersten Staffel unter anderem auch die griechische und nordische ins Spiel brachte und die vier großen Völker anteaste.

Daraus ergeben sich unzählige Schurken. Aber auch an Verbündeten und neuen Freunden fehlt es dem SG-1-Team nicht. Und als wäre das nicht genug, weißt die Stargate-Datenbank auch unglaublich viel Technologie, hunderte Planeten und Dutzende Raumschiffe vor. Ja, trotz Stargate kommen – zumindest in den späteren Staffeln – Raumschiffe nicht zu kurz. Sogar Raumschlachten stehen auf dem Programm!

Stargate: Atlantis – Der erste Ableger

Mit dieser Serie, die es letztlich auf insgesamt fünf Staffeln brachte, erweiterte man die Mythologie des Stargate-Universums nach Stargate SG-1 Staffel 7 erheblich. Mit Starthilfe einiger alter Bekannter verschlägt es ein Expeditionsteam in die mystische Stadt Atlantis, die nicht auf der Erde in den Fluten versank, sondern fernab der Erde – in der Pegasus-Galaxie.

Endlich erfahren die Zuschauer, was es mit einem der beiden weiteren Chevrons auf dem Stargate auf sich hat, denn obwohl das Tor neun vorweist, wurden bislang stets nur sieben verwendet.

Und das Publikum hatte die Expedition John Sheppard (Joe Flanigan) und Elizabeth Weir (Torri Higginson) auch schnell ins Herz geschlossen. Ebenso selbstironisch wie die Originale erkundeten sie mit ihrem Team die Pegasus-Galaxie und stießen dabei auf einen uralten Feind. Die Wraith sind Kreaturen, die sich zur Nahrungsaufnahme an Menschen nähren. Es beginnt also im wahrsten Sinne des Wortes ein Kampf auf Leben und Tod.

Während Stargate: Atlantis fernab der Milchstraße ein eigenes Universum mit eigenen Spielregeln (aber demselben Humor) etabliert, werden gelegentlich Verbindungen zu SG-1 hergestellt, die beide Kriterien erfüllen: 1. Wer Stargate SG-1 kennt, hat Spaß daran. 2. Wer Stargate SG-1 nicht kennt, hat ebenfalls Spaß dran.

Stargate: Universe – Düster muss es sein

Nachdem bei Stargate: Atlantis urplötzlich nur wenige Folgen vor Drehschluss der fünften Staffel der Stecker gezogen wurde, wurde mit Stargate: Universe bereits das nächste Spin-off angekündigt. Doch der Schuss ging nach hinten los. Während es natürlich Fans der beiden anderen Serie gab, die Stargate: Universe deshalb boykottierten, weil Atlantis zu einem so plötzlichen Ende gekommen war, gaben sich viele auch einen Ruck und schauten rein.

Als eine Offworld-Basis der Erdlinge evakuiert werden muss, stranden deren Besatzung und ihre Gäste über die Aktivierung des neunten Chevrons auf einem uralten Antikerschiff, der Destiny. Dieses wurde einst von den Antikern losgeschickt, um Planeten mit Stargates zu erkunden, die zuvor von einem vorausfliegenden Schiff gesetzt wurden.

Die Massen konnte Stargate: Universe allerdings nie begeistern. Während die einen es als Geheimtipp bezeichnen, verteufeln es die anderen als schlechten Battlestar Galactica-Abklatsch. Und – neutral betrachtet – leugnen kann man das nicht unbedingt. Düster ist die Serie, die Charaktere sind Folge für Folge munter am Intrigieren und wo die Galactica anfangs alle 33 Stunden springen musste, um den Zylonen zu entkommen, hat die Crew der Destiny jeweils nur wenige Stunden Zeit, bis es an den nächsten Ort geht.

Stargate

Und dann?

Nach zwei Staffeln war dann auch schon Schluss – nicht nur mit Stargate: Universe, sondern gleich mit dem ganzen Stargate-Franchise. Das verschwand danach (auch der Insolvenz MGMs geschuldet) in der Versenkung.

Ob man es als Versuch, das Stargate-Franchise wiederzubeleben sehen kann, dass MGM 2018 die Webserie Stargate Origins an den Start schickte, mag man anzweifeln. Mit geringstem Budget versuchte man mit Catherine Langford (Ellie Gall) als Protagonistin die Brücke zwischen Kinofilm und Serienuniversum zu schlagen. Das gelang zumindest bis zu einem gewissen Grad, fand bei den Fans aber dennoch herzlich wenig Anklang.

Interessant scheint dagegen zu sein, dass – auch wenn wir vielleicht noch Jahre warten müssen, bis die Chancen erkannt werden, die das Stargate-Universum auf dem TV-Bildschirm zu bieten hat – zumindest wieder Bewegung in die Sache kam. Während der Gatecon 2018 bestätigte Serienschöpfer Brad Wright, dass immerhin wieder Gespräche mit MGM stattfinden würden. Zu viel sollte man da nicht rein interpretieren, aber ein kleiner Lichtblick dürfte das für viele Stargate-Fans zumindest sein.

 

Gastautor: Nicole Sälzle von Stargate-Project.de

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