[TOS 015] Talos IV – Tabu, Teil 1

Spock fälscht Befehle, manipuliert den Computer und entführt seinen einstigen Kommandanten Captain Pike.

Staffel 1, Folge 15 – Sternzeit 3012,4 – 3012,6

„Talos IV – Tabu, Teil 1“ – „The Menagerie, Part 1“

Die Handlung von „Talos IV – Tabu“

Die Enterprise dockt vermeintlich befehlsgemäß an Sternenbasis M11 an. Dort treffen Captain Kirk, Commander Spock und Dr. McCoy auf den ehemaligen Kommandanten der Enterprise Captain Christopher Pike. Nach einem heftigen Unfall und den dabei erlittenen Strahlenschäden sitzt er schwerst körperbehindert in einem Rollstuhl.

Spock führt überraschend ein ausgeklügeltes Täuschungsmanöver durch, wobei er Pike unbeobachtet auf die Enterprise bringt und anschließend ohne Kirk nach Talos IV aufbricht. Kirk und Commodore Mendez (Kommandooffizier der Sternenbasis) verfolgen die Enterprise mit einem kleinen Shuttle.

Spock wird verhaftet und der Meuterei angeklagt. Derweil fliegt die Enterprise weiter Richtung Talos IV. Spock hat den Schiffscomputer manipuliert, um eine Kursabweichung zu verhindern. Er verzichtet auf eine Voruntersuchung und besteht auf ein Kriegsgericht. Dabei bekennt er sich ohne Umschweife schuldig.

Während der Verhandlung lässt er 13 Jahre alte Aufzeichnungen der ehemaligen Mission auf Talos IV unter dem Kommando von Captain Pike aufführen. Die Sequenzen zeigen, wie die damalige Mannschaft der Enterprise, inklusive Spock, auf dem Planeten auf Überlebende eines Absturzes stoßen. Diese sind allesamt unverletzt und wohlauf. Pike möchte den Grund erfahren und begleitet eine junge Frau namens Vina. Dabei wird er von einer kleinen Gruppe Talosianer betäubt und entführt. Spock und die anderen wollen die Talosianer verfolgen, müssen jedoch feststellen, dass der Eingang zu deren geheimnisvollen Behausung nicht zu durchdringen ist.

Talos IV Tabu
Pike nach seinem Unfall ©CBS
Kritik

„Talos IV – Tabu, Teil 1“ lässt hinter die steinerne Fassade des Ersten Offiziers schauen. Wenngleich Vulkanier ihre Emotionen kontrollieren, sind Gefühle natürlich vorhanden. Spock erscheint ungewohnt emotional, als er auf seinen schwer gezeichneten ehemaligen Kommandanten trifft. Während Kirk und McCoy den Raum auf Pikes Wunsch verlassen sollen, bittet Spock darum, bleiben zu dürfen.
Das, was Spock anschließend tut, kann nicht als rein logisch betrachtet werden. Vielmehr handelt er aus Mitgefühl. Pike ist durch seine schwere körperliche Behinderung weder in der Lage, sich zu bewegen, noch zu sprechen. Sein Geist jedoch ist hellwach, eingekerkert in einem nahezu funktionslosen Körper. Spock hat einige Jahre unter Pike gedient. Dass ihn dessen Schicksal rührt, ist nur verständlich, ebenso wie seine immer noch bestehende Loyalität.

Die Entführung Pikes, die Manipulation des Computers, die vorgetäuschten Befehle und der Umstand, dass er seinen aktuellen Captain einfach auf der Raumstation zurück lässt scheinen so ganz und gar nicht zu Spock zu passen. Gleichzeitig ist der Plan sorgfältig durchdacht. Er möchte auf keinen Fall Kirk hineinziehen. Aus diesem Grund lässt er ihn zurück. Der Rest der Mannschaft steht unter seinem Befehl, daher dürfte ihnen nichts vorgeworfen werden können. Natürlich hätte Spock Pike auch klassisch in einem gekaperten Shuttle entführen können. Allerdings hätte er dann Kirk auf den Fersen gehabt und die Chancen, den Plan durchzuführen, wären verschwindend gering gewesen. Gleichzeitig erscheint sein Vorgehen demgegenüber weitaus eleganter. Spock ist Computerfachmann. Unauffällige, versteckte Manipulationen sind für ihn ein Kinderspiel.

Es heißt, Vulkanier können nicht lügen. Spock jedoch scheint davon ausgenommen. Sein erstes Täuschungsmanöver sind angebliche Befehle, die Kirk dazu bringen, die Sternenbasis M11 anzufliegen. Er legt sie Kirk sogar vor. Das ist im Nachhinein eine sehr deutliche Lüge. Entweder neigen Vulkanier mit ihrer Aussage über ihr Unvermögen, eine Lüge auszusprechen, zu geringfügigen Übertreibungen, oder Spock fällt die Lügerei durch sein menschliches Erbe weitaus leichter. Leider wird diese Frage wohl nie beantwortet.

Allen kriminellen Handlungen zum Trotz, ist das Pflichtgefühl in Spock sehr groß. Typisch vulkanisch besteht er auf die Durchführung der Vorschriften, verhaftet sich quasi selbst und bekennt sich schuldig. Ein Mensch hätte Erklärungen gesucht, angefangen zu diskutieren. Für einen Logiker wie Spock ist der Fall klar: er hat gemeutert und muss dafür verurteilt werden. Das muss er bereits im Voraus gewusst haben, als er die Befehle gefälscht hatte und doch setzt er ganz bewusst seine Karriere aufs Spiel.

Die Frage, ob das nun logisch oder emotional oder sogar beides war, kann vielleicht der zweite Teil beantworten.

Funfacts:
  • Jeffrey Hunter war eigentlich für die Rolle des Captain Pike vorgesehen, da er sie bereits im Vorfeld übernommen hatte. Allerdings war dies nicht möglich, so das Sean Kenney die Rolle übernahm. Er sah Hunter recht ähnlich. Jedoch ließ man sein Gesicht und Haare unter Schminke und Perücke verschwinden, damit nicht auffiel, dass es nicht Hunter war.
  • Sequenzen aus dem ersten, abgelehnten Pilotfilm („The Cage“ – „Der Käfig“) wurden verwendet, um die Geschehnisse, auf die Spock sich bezieht, darzustellen.
  • Diese Folge wurde 1966 als „best dramatic presentation“ mit einem Hugo Award ausgezeichnet.
Der deutsche Titel

Da noch der zweite Teil zu besprechen ist, möchte ich mit der Interpretation des Titels nicht vorgreifen.

Steady

Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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