Man kann diesen Film definitiv als einen der einflussreichsten Animes aller Zeiten bezeichnen.
Kein normaler Anime
Jeder kennt das Meme. Wo jemand etwas fährt, häufig ein Zweirad und dann seitwärts ins Bild reinslidet. Der Ursprung ist eine ikonische Szene aus dem Anime Akira.
Wobei es sich dabei nicht nur um irgendeinen handelt. Vielmehr ist dies ein Film, der für die Historie der Animes von enormer Bedeutung ist. Bevor er überhaupt im Westen erschien, waren diese japanischen Trickfilme- oder Serien wenn überhaupt aufs Kinderprogramm beschränkt. Mangas selbst wurden zwar auch schon verlegt. Aber häufig im Albenformat und gespiegelt.
Mit Akira sollte sich all dies ändern. Der Anime legte die Grundlage, auf der dann anschließend in den 1990ern Reihen und Mangas wie Dragon Ball oder Sailor Moon aufbauen konnten. Und wodurch anschließend sie einen Siegeszug sondergleichen antraten. Heutzutage sind sie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.
Ein gewaltiges Budget
Der Anime basiert hierbei auf dem gleichnamigen Manga von Katsuhiro Otomo. Dabei wollte er ursprünglich nicht, dass sein Werk adaptiert wird. Bis ihm ein Angebot gemacht wurde, dass ihn sehr beeindruckte. Eine seiner Bedingungen war allerdings, dass er die kreative Kontrolle über den Anime behalten sollte. Was dann auch erfolgt wurde.
Letzten Endes taten sich mehrere Firmen zusammen, um die Finanzierung der Animeadaption zu stemmen. Denn das Budget des Films sollte für damalige Zeiten sagenhafte 700 Millionen Yen, also ungefähr 5,5 Millionen US Dollar betragen. Angeblich soll das kombinierte Produktions- und Werbebudget sogar 1,1 Milliarden Yen, also ungefähr 9 Millionen US Dollar betragen haben. Es gab sogar Gerüchte, dass das damit der teuerste Anime aller Zeiten sein sollte, doch dem wurde später widersprochen.
Das Geld wurde allerdings auch gut angelegt. So wurden die Dialoge aufgenommen, noch ehe überhaupt der erste Frame animiert worden war. Es wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Bewegungen des Films super flüssig aussehen und werden ebenfalls CGI-Effekte eingesetzt.
Ein Problem, wenn noch zu viel Ideen überbleiben
Der erste Teaser-Trailer zu Akira wurde 1987 herausgebracht, im selben Jahr, wo ebenso die Hauptproduktion fertiggestellt wurde. Ein Jahr darauf wurden dann auch noch die letzten Soundaufnahmen und Abmischungen beendet.
Interessanterweise kam der Anime heraus, noch ehe Katsuhiro Otomo mit dem Manga fertig war. So sollte der Film nur die erste Hälfte der Vorlage adaptieren und dabei teilweise auch stark vom Plot von diesem abweichen. Die Adaption hatte für Otomo außerdem zur Konsequenz, dass er später Schwierigkeiten hatte, sein Werk zu einem Abschluss zu bringen. Was vielleicht ebenso daran lag, dass der Anime von über 2000 Notizbuchseiten, die der Mangaka und Drehbuchautor vorbereitet hatte, am Ende „nur“ 738 umsetzte. Weshalb er am Ende auch das Gefühl hatte, das zu viel vom Original in der Filmumsetzung rausfiel.
Am Ende kam der Film am 16. Juli 1988 in die Kinos. Für den Vertrieb zeigte sich Toho verantwortlich, jenes berühmte japanische Filmstudio, das auch für die Geschicke von Godzilla zuständig ist.
Wenn die Katastrophe ihren Lauf nimmt
Im Jahr 2019, über 20 Jahre nach einem Weltkrieg, der durch die plötzliche und mysteriöse Zerstörung von Tokyo getriggert wurde, ist Neo-Tokyo eine große Metropole. Aber auch eine, die von Innen heraus verfault. Gangs treiben in den Straßen der Stadt ihr Unwesen, es gibt terroristische Anschläge und die Politik zeigt sich unfähig oder unwillig, daran etwas zu ändern.
In dieser Zeit leben Shōtarō Kaneda, Anführer einer Motorradgang, und sein bester Freund Tetsuo Shima. Beide treiben auf den Straßen ihr Unwesen und führen einen Bandenkrieg gegen ihre Rivalen, die Clowns. Doch eines Tages, bei einer neuen Auseinandersetzung, kommt es zu einem Unfall. Tetsuo verliert die Kontrolle über sein Bike und kracht beinahe in einen merkwürdig aussehenden Jungen. Noch ehe seine Freunde sich um ihn kümmern können, wird er von dem Militär aufgesammelt. Die entdecken, dass er über enorme Psi-Kräfte verfügt. Er ist ungefähr genauso stark, wie ein gewisser Akira. Womit die Katastrophe ihren Lauf nimmt.
Ich muss zugeben, ich bin jetzt nicht so sehr der Animegucker. Ich versuche zwar immer wieder da rein zu finden, weil ich durchaus viele Mangas lese. Aber die Zeit lässt es nicht zu, obwohl es viele Werke gibt, die ich mir gerne mal anschauen möchte.
Ein legendärer Ruf, zu Recht
Und dann bin ich auf Netflix darüber gestolpert, dass der Streamingdienst Akira im Programm hatte. Etwas, womit ich nicht gerechnet habe. Schließlich ist der Film schon alt und passt damit eigentlich nicht so wirklich zu Netflix, auch wenn der ein enormes Animeprogramm im Angebot hat. Neugierig geworden habe ich mir also einen Abend lang Zeit genommen und wurde nicht enttäuscht.
Ich kann verstehen, wieso der Anime einen solch legendären Ruf hat. Weil hier wirklich alles stimmt. Jedes kleinste Detail wurde beachtet. Derweil gleichzeitig eine Story erzählt wird, die sehr erwachsen und düster daherkommt.
Das Besondere an Akira ist, dass er keine Schwarz/Weiß-Charakterisierungen bietet. Kaneda ist ein Hitzkopf, der sich gerne rauft und ein schon fast übertriebenes Selbstbewusstsein hat. Tetsuo steht zu Beginn noch in seinem Schatten, wird aber, je weiter sich seine Kräfte entwickeln, immer größenwahnsinniger. Und ist dabei doch ein Opfer von eben diesen. Oder der Colonel Shikishima, der nach außen hin wie ein typischer Mann vom Militär wirkt und später dann auch noch einen Umsturz wagt. Derweil er dies nur macht, um die Stadt zu schützen und er sich rührend um die jungen Psitalente kümmert, die unter seiner Aufsicht stehen.
Kein eindeutiges Gut oder Böse
Es gibt in diesem Film kein eindeutiges Gut und kein Böse, kein Schwarz und Weiß. Und gerade das macht seine Anziehungskraft aus. Eben weil er den Zuschauer nicht für dumm hält, sondern ihn respektiert. Und sich deshalb auch traut, eine Geschichte mit komplexen und realistischen Figuren zu erzählen.
Die Story ist natürlich auch irgendwie eine Tragödie. Sie erzählt, wie ein junger Mann Kräfte erhält, die ihn überfordern. Der ständig um sein Leben und die Kontrolle darüber kämpfen muss, weil ihn diverse Leute entweder töten oder lenken wollen. Der, je stärker er wird, sich immer mehr von denjenigen entfremdet, die ihm ursprünglich was bedeutet haben. Der sogar irgendwann auf seinen besten Kumpel Kaneda herabsieht, obwohl der versucht, ihn aufzuhalten. Bis er zu spät merkt, dass er nicht mehr er selbst ist und es für eine Rückkehr zu spät ist.
Es ist ein fantastisches Figurensemble, dass diesen Film bevölkert. Wo auch vieles nicht verbal erzählt wird, sondern über das Aussehen selbst. Die Psitalente sind alles körperlich noch Kleinkinder, sehen aber gleichzeitig aus, wie alte Menschen. Alt und verbraucht und doch im Geschehen teilweise die Vernünftigsten aller Protagonisten. Kei, in die Kaneda sich verliebt hat, ist eine leidenschaftliche Terroristin, die jedoch nie ein Leben genommen hat. Bis sie es irgendwann in Notwehr tun muss und daran stark zu knabbern hat.
Ein Spektakel
Und dann ist da noch Neo-Tokyo an sich. Die Stadt weist starke Cyberpunk-Einflüsse auf. Blade Runner lässt teilweise grüßen. Und doch ist es eine Metropole, in der nicht alles in Ordnung ist. In der man merkt, dass sie von innen heraus vergammelt. In der die Lehrer ihre Schüler blutig schlagen dürfen. Und religiöse Fanatiker frei herumlaufen dürfen. Wo die Politiker sich gegenseitig streiten, wenn sie nicht sogar insgeheim auf den Untergang der Stadt hinarbeiten.
Und Akira selbst? Die Titelfigur wirkt lange Zeit wie ein bloßer McGuffin, also ein Objekt, dass nur dazu da ist, um die Handlung vorwärtszutreiben. Doch nach und nach erfährt man mehr über ihn. Bis es gegen Ende eine Enthüllung gibt, die einen umhaut.
Der Film ist von Anfang bis Ende ein Spektakel. Er reißt einen mit, lässt selbst geringe Nebenfiguren Storyarcs haben und erzählt gleichzeitig die Story zweier Freunde, die das Schicksal gegeneinander treibt. Noch dazu ist er unglaublich gut gealtert. Wenn man ihn sich so ansieht, merkt man, wieso einige KIs seine Optik als Vorlage für einige ihrer „Grafiken“ gewählt haben.
Es ist ein großartiger Anime. Der nicht umsonst ein zeitloser Klassiker geworden ist und so einen Einfluss aufs Zeitgeschehen hatte. Er ist ein Must-See!
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