Was wäre, wenn Carter Burke aus Hadley’s Hope entkommen wäre?
Handlung
Nachdem Carter Burke versucht hat, Ellen Ripley und das kleine Mädchen Newt mit Xenomorphen zu infizieren, ist er selbst den Aliens zum Opfer gefallen. Doch was wäre, wenn er sich aus dem Alienschleim befreien und an Bord des Landungsschiffes der Sulaco schleichen konnte? Was wäre, wenn er das Modul mit den Schlafkapseln von Ripley, Newt und Hicks abgesprengt hätte und danach zur Erde zurückgekehrt wäre?
In diesem Was-wäre-wenn-Szenario wurde Carter Burke für sein Versagen auf LV-426 vom Weyland-Yutani-Konzern auf den Kelland-Außenposten verbannt. Dort leitet er seit nunmehr 35 Jahren die Mine des Asteroiden, in der auch seine Tochter arbeitet. Sowohl Brie als auch seine Angestellten hassen ihn abgrundtief, er ist der unbeliebteste Boss der Galaxis. Obendrein ist auch noch die holografische Kuppel des Außenpostens defekt und zerstört so die Illusion eines blauen Himmels. Es läuft wirklich schlecht für Carter.
Sein trister Alltag wird von der Ankunft des Androiden Cygnus unterbrochen, den er vor über 20 Jahren beauftragt hat, ein Xenomorphen-Ei zu beschaffen. Von diesem verspricht er sich ein Heilmittel für seine todkranke Frau Zoe, die er seit Jahren in einer Kryoschlafkapsel am Leben hält. Doch um an das Heilmittel zu kommen, braucht er erst einmal einen menschlichen Wirt. Er lädt daher die gesamte Belegschaft nacheinander zum persönlichen Gespräch vor, bringt es jedoch letztendlich nicht übers Herz, jemanden zu opfern.
Plötzlich trifft ein hochrangiger Vertreter des Konzerns ein, mit dem nun wirklich niemand Mitleid haben kann. Doch Hiro Yu erweist sich als Hiro Yutani, Sohn des Konzernchefs, der vorgibt, den Konzern genauso zu hassen wie Carter, da sein Vater ihn enterbt und seine Schwester ihm vorgezogen habe. Burke lässt sich erweichen und bewahrt Hiro vor dem Facehugger, der in einen Lüftungsschacht entkommt, welcher direkt in die Minen führt. Die Minen, in denen Carters Tochter arbeitet. Er, Hiro und Cygnus machen sich sofort auf, Brie zu retten, was auch gelingt. Dummerweise erwischt der Facehugger deren Vorarbeiter.
Weil Burke nun wahrlich kein Unmensch ist, setzen er und Cygnus alles daran, den Infizierten mit einer Notoperation zu retten. Da der Android jedoch nicht mit einer Alienkönigin gerechnet hat, verkalkuliert er sich bei den Überlebenschancen und das Opfer stirbt. Hiro entwickelt beim Anblick der Alienkönigin plötzlich neue Ambitionen, da er glaubt, seinen Vater damit genügend zu beeindrucken, um wieder als Firmenerbe eingesetzt zu werden. Auf der Jagd nach der Königin betäubt er Carter und Brie und lässt sie in der Brutkammer zurück.
Alsbald fallen Xenomorphe über die Minenkolonie her, während Hiro ein Xenomorphen-Ei sowie die Kryokapsel von Burkes Frau entwendet und mit seinem privaten Raumschiff zur Erde flüchtet. Carter, der das Raumschiff mit einem Peilsender versehen hat, kümmert sich nun gemeinsam mit seiner Tochter zuerst um seine Angestellten und sie retten so viele wie möglich vor den Aliens. Mit den Überlebenden verfolgt er anschließend Hiro.
Rezension von Aliens – Was wäre, wenn …?
Obwohl es sich um ein alternatives Szenario handelt, fügt sich der Comic hervorragend in den Kanon der Alien-Filmreihe ein. Von Aliens – Die Rückkehr (1986) wird hier nur das Finale in verkürzter Form wiederholt und tatsächlich hätte Burke unbemerkt entkommen können. Allerdings hätte ihm von seinem Versteck im Frachtraum des Landungsschiffes aus die Alienkönigin auffallen müssen. Gleiches gilt übrigens auch für Ripley, Newt, Hicks und Bishop. Um das Drop Ship zu verlassen, mussten sie den Frachtraum durchqueren und die gigantische Alienkönigin wäre dabei wohl kaum zu übersehen gewesen. Filmfehler!
Alien 3 (1992) beginnt ebenfalls mit einem Logikfehler, denn wie ist das Ei vom Hangar ins Kryoschlafmodul gelangt? Carter war jedenfalls nicht so fies, es dort zu platzieren. Stattdessen trennt er das Modul über Fiorina 161 ab, um die anderen Überlebenden zu retten, denn der Konzern hat von ihm verlangt, alle Zeugen zu eliminieren. Der weitere Verlauf der Filmreihe wird damit jedenfalls nicht von dieser Was-wäre-wenn-Geschichte berührt. Sie könnte also tatsächlich so stattgefunden haben.
Für Carter Burke ist dieses Szenario eine Chance, zu zeigen, dass er kein komplettes A*schloch ist. Er ist ohne Zweifel skrupellos, glaubt jedoch, aus seiner Sicht, das Richtige zu tun. Wie es scheint, hat Carter dem Weyland-Yutani-Konzern vertraut, dass dieser die Aliens rechtzeitig aus Ripley und Newt entfernt und die beiden laufen gelassen hätte. Erst, als er den Befehl erhält, alle Überlebenden zu meucheln, realisiert er, was für Unmenschen er dient. Da er kein kaltblütiger Mörder ist, verweigert er den Befehl.
Die Haupthandlung spielt 35 Jahre später und zeigt einen gealterten und ebenso gereiften Burke, der den Konzern inzwischen abgrundtief verachtet, aber seinerseits von seinen Angestellten und seiner Tochter gehasst wird. Gerne würde er die Beziehungen zu seinen Mitmenschen verbessern, doch vor allem Brie kann ihm nicht verzeihen, dass sie wegen ihm ihr ganzes Leben auf einem Asteroiden verbracht hat. Obendrein hat er ihr vorgelogen, sie könne die Minenkolonie nicht verlassen, da ihre Lungen unter einer Planetenatmosphäre kollabieren würden. Und das aus dem egoistischen Grund, damit sie ihn nicht verlässt. Dummerweise ist sie nie auf die Idee gekommen, die Richtigkeit dieser Behauptung zu überprüfen.
Noch schlimmer ist für Brie jedoch, dass ihr Vater sie über den Tod der Mutter belogen und die Kryokapsel vor ihr verborgen hat. Und am allerschlimmsten ist, dass Carter glaubt, die Xenomorphe wären der Schlüssel zur Heilung seiner Frau. Die Idee, die gefährlichste aller bekannten Spezies auf den Asteroiden zu holen, ist so naiv wie fahrlässig. Wobei die Notwendigkeit eines menschlichen Wirtes erneute Zweifel an Burkes Charakter aufkommen lassen. Zumindest erhofft er sich, das Opfer lediglich als Brutkasten zu verwenden und durch eine frühzeitige Operation retten zu können. Doch glaubt er ernsthaft, damit durchzukommen? Wer immer das überlebt hätte, würde ihn doch anschließend in Grund und Boden klagen.
Immerhin ist seine Motivation nachvollziehbar, und er sucht gezielt nach jemanden, der oder die nicht sonderlich nett oder wenigstens entbehrlich ist. Der erste Kandidat erweist sich als Familienvater und Kandidatin Nummer 2 heult ihm etwas vor, weshalb Carter eine ältere Dame vorsprechen lässt, die jedoch als Einzige nett zu ihm ist und ihm ein Präsent überreicht. Am Ende bringt es Carter nicht übers Herz, irgendwen zu opfern, was zumindest dafür spricht, dass er zu Empathie fähig ist. Sogar den schleimigen Hiro Yutani rettet er in letzter Sekunde, wodurch sich am Ende ein Zufallsopfer ergibt.
Wie sich später herausstellt, hätte er ruhig Hiro opfern sollen, denn der verführt erst seine Tochter, nur um sie und ihn anschließend den Xenomorphen zum Fraß vorzuwerfen. Obendrein will er noch Carters Frau als Wirt benutzen und lässt die gesamte Belegschaft zum Sterben zurück. Die Königin, die er zunächst mitnehmen will, muss er indes ebenfalls zurücklassen, da diese zu schnell heranwächst.
Darin liegt der größte Logikfehler des Comics. Wie wir aus Alien 3 wissen, braucht eine Königin wesentlich länger zum Heranreifen als eine Drohne. Während der Dogburster (in der ursprünglichen Fassung eigentlich ein Cowburster) schon nach wenigen Stunden schlüpft und kurz darauf ausgewachsen ist, überlebt die wesentlich früher infizierte Ripley mehrere Tage mit dem königlichen Embryo. Im Comic meint Cygnus, er hätte sich verkalkuliert, denn die Königin reift sogar schneller als eine Drohne heran und sieht bei der Geburt bereits der ausgewachsenen Form sehr ähnlich. Obendrein kann der frisch geschlüpfte Chestburster bereits einen Androiden zerlegen. All das widerspricht dem Filmkanon!
Anschließend wächst die Mutter aller Aliens innerhalb weniger Stunden zur vollen Größe heran, baut in einer Lagerhalle ein Nest, überwältigt mehrere Arbeiter und legt fleißig Eier. Als Hiro, Carter und Brie die Halle betreten, bekommen sie es zudem schon mit den ersten ausgewachsenen Drohnen zu tun. Das geht alles viel zu schnell! Obendrein schafft es kein einziger Arbeiter, aus der Halle zu entkommen. Standen die alle unter Schockstarre oder wieso haben sie sich von Queen Mom einspinnen lassen? Und wieso dachte Burke, in der Halle würden nur Androiden arbeiten? Er ist wahrlich ein lausiger Chef!
Zumindest zum Finale darf er doch noch zum Helden mutieren. Statt sich feige davonzustehlen oder Hiros Schiff mit seiner Frau an Bord zu verfolgen, denkt er endlich mal zuerst an seine Untergebenen. Zunächst schickt er diese zum Raumhafen, wo die Aliens aber aus unerfindlichen Gründen ein zweites Nest angelegt haben. Die Angestellten fühlen sich daraufhin verraten, obwohl Carter sie mitnichten in eine Falle locken wollte. Nachdem sie sich im Bürogebäude verschanzt haben, schnappt sich Carter eine Waffe, die er als Souvenir von LV-426 behalten hat, und macht einen auf John McLane. Er kann zwar nicht alle retten, aber immerhin die meisten. Das verbessert seinen Ruf als Chef erheblich und bringt ihm ebenso Pluspunkte bei seiner Tochter ein.
Jedenfalls hat der Comic ein Happy End und lässt sogar Raum für eine Fortsetzung. Denn Carter und Brie müssen noch Hiro aufhalten und Zoe retten. Die letzte Zeile „Ende … und ein neuer Anfang …“ verspricht ebenfalls, dass Carter Burkes Geschichte noch längst nicht zu Ende erzählt ist.
Sandige Wände?
Der Zeichenstil kann sich durchaus sehen lassen. Die Charaktere sind wiedererkennbar, wenn auch zuweilen etwas kantig geraten. Die Xenomorphe sind ziemlich gut geworden und hätten lediglich bei Close-Ups etwas mehr Details vertragen können. Der Detailmangel bei den Umgebungen und Arbeitsgeräten ist da schon deutlich beklagenswerter. Man merkt, dass hier unter hohem Zeitdruck gezeichnet worden ist.
Die Farbpalette ist soweit okay und überwiegend natürlich. Es wurde mit weichen Verläufen gearbeitet, die auf Gesichtern für eine dreidimensionale Wirkung sorgen, im Hintergrund aber oft zu geradlinig sind. Obendrein sind die Hintergrundfarben zuweilen stark körnig, was bei Sand vielleicht gut sein mag, aber nicht bei glatten Bürowänden. Immerhin ist an Glanz- und Leuchteffekten nicht gespart worden.
Die Coverzeichnungen sind durchwachsen, wobei jene von Phil Noto, die für die Titelseite gewählt wurde, definitiv eine der besten ist. Für das Variant-Cover 3 von Mahmud Asrar und Matthew Wilson stand offenkundig eine Xenomorph-Statue von Sideshow Modell, wenn auch leicht abgewandelt und gespiegelt.
Fazit: Die positiven Seiten eines miesen Charakters
Die erste Was-wäre-wenn-Geschichte des Alien-Franchise ist eine echte Überraschung. Unter vielen möglichen Themen hat man sich ausgerechnet das Überleben des zutiefst unsympathischen Carter Burke ausgewählt. Er gewinnt dadurch mehr Tiefgang und wirkt am Ende gar nicht mehr so übel wie noch im Film. Trotzdem gibt es einige himmelschreiende Logikfehler, die teils schon auf die Filme zurückgehen, sowie Kanonbrüche mit Alien 3 bezüglich der Reifezeit einer Alienkönigin. Sieht man darüber hinweg, überwiegen jedoch die positiven Seiten. Dasselbe trifft auf die grafische Umsetzung zu, die sicherlich besser hätte sein können, aber insgesamt immer noch recht gut ausfällt.
Info
Autoren: Hans Rodionoff, Adam F. Goldberg, Leon Reiser & Brian Volk-Weiss
Zeichner: Guiu Vilanova
Farben: Yen Nitro
Verlag: Panini
Sonstiges: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story7/10
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Zeichenstil6/10
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Kolorierung8/10
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