Die Familie Garrity sucht eine neue Heimat in einer postapokalyptischen Welt.
Die Erde nach dem Asteroideneinschlag
Im ersten Teil von Greenland mussten John Garrity (Gerard Butler) und seine Frau Allison (Morena Baccarin) mit ihrem Sohn Nathan (Roger Dale Floyd/Roman Griffin Davis) vor einer Reihe Asteroideneinschläge fliehen. Der Familienvater hatte aufgrund seiner beruflichen Qualifikation als Bauingenieur Tickets für einen Schutzbunker, sollte jedoch seinen Sohn zurücklassen, da dieser an Diabetes leidet und die medizinischen Ressourcen begrenzt waren. Über zahlreiche Umwege schaffte es die gesamte Familie doch noch nach Grönland in den rettenden Bunker, bevor der Hauptasteroid Clarke einschlug.
Fünf Jahre sind seither vergangen und die Erdoberfläche scheint immer noch unbewohnbar. Radioaktiver Fallout, tödliche Gewitter und Meteoriteneinschläge aus dem Trümmerring, der sich um die Erde gebildet hat, sind nur einige der Gefahren. Hinzu kommen Erdbeben, denn der Einschlag des globalen Killers hat die Plattentektonik durcheinander gebracht. Ein besonders heftiges Beben, welches Grönland erschüttert, treibt die Überlebenden schließlich nach draußen, da es den Bunker zum Einsturz bringt. In Panik versuchen die Menschen, einige Rettungsboote am Strand zu erreichen, bevor ein Tsunami die Küste erreicht. Nur wenige schaffen es.
Unter den Geretteten befindet sich die Familie Garrity, die mit einigen anderen in Richtung Großbritannien fährt bzw. sich nach dem Ende der Kraftstoffreserven dorthin treiben lässt. Sie kommen in Liverpool an, wo am Tor eines anderen Schutzbunkers ein Soldat auf einen ihrer Begleiter schießt, der seine Zutrittskarte verloren hat. Als dann noch ein Gewittersturm aufzieht, müssen die Garritys und Dr. Amina (Amber Rose Revah) erneut fliehen. Ein Migrant nimmt die vier in seinem Auto mit, welches jedoch samt dem Fahrer bei einem Meteoritenschauer zerstört wird.
Zu Fuß in London angekommen, suchen die Überlebenden eine Bekannte von John auf, die sich in einem Krankenhaus um demente Patienten kümmert. Sie bietet an, dass sie alle bleiben können, doch John hat sich in den Kopf gesetzt, zum Einschlagskrater des Clarke-Asteroiden weiter zu reisen. Er hofft dort auf ein Wunder. Auf dem Weg stirbt Dr. Amina bei einem Überfall von Plünderern und die Garritys stürzen fast in einen Graben des nunmehr trockenen Ärmelkanals.
In Frankreich angekommen, muss die Familie feststellen, dass der Krater aufgrund seiner Ressourcen hart umkämpft ist. Erneut erhalten sie von einer französischen Familie das Angebot, an einem halbwegs sicheren Ort unterzukommen. John besteht jedoch darauf, seine Familie an der Kriegsfront in Gefahr zu bringen. Da er durch die Verstrahlung Krebs im Endstadium hat, will er unbedingt noch einen letzten Blick auf das vermeintliche Paradies im Clarke-Krater werfen.
Die Garritys nehmen Laurents Tochter Camille (Nelia Valery Da Costa) mit und kämpfen sich mit anderen Flüchtlingen bis zum Krater durch. Dort stirbt John an einer Schusswunde, die er sich bei der Verteidigung des Busses zugezogen hat, mit dem sie den letzten Teil der Strecke zurückgelegt haben. Im Krater wartet auf die Überlebenden ein Paradies, welches von der globalen Katastrophe verschont geblieben ist.
Als hätte es nie eine globale Katastrophe gegeben
Greenland war ein passabler Katastrophenfilm, der im Gegensatz zu Armageddon (1998) und Deep Impact (1998) nicht davor zurückschreckte, den globalen Killer auf der Erde einschlagen zu lassen. Teil zwei zeigt nun die Konsequenzen des Einschlags, welche zumindest in der ersten Filmhälfte noch halbwegs glaubhaft sind. Die aufgeworfenen Trümmer des Einschlags haben einen Ring um die Erde gebildet, aus dem immer wieder Meteoritenschauer herunter hageln. Zudem sind die Platten der Erdkruste erschüttert worden, was zu einer Häufung von Erdbeben führt.
Ein heftiges Beben zerstört fünf Jahre nach dem Haupteinschlag des Clarke-Asteroiden den Bunker in Grönland, in dem die Vorräte ohnehin langsam zur Neige gehen. So gerne man neue Flüchtlinge aufnehmen würde, es reicht kaum für die Anwesenden, woraus sich moralische Dilemmas ergeben. Mit dem Einsturz des Bunkers erledigen sich diese allerdings schnell.
John Garrity hat in den letzten Jahren sein Bestes gegeben, die Menschen im Bunker am Leben zu halten, indem er gestrandete Schiffe an der nahen Küste geplündert hat. Dabei wurde er einer hohen Strahlendosis ausgesetzt, aufgrund der er nun im Sterben liegt. Und das alles umsonst, denn die meisten Überlebenden sterben nun beim Bunkereinsturz und durch den anschließenden Tsunami. Der Platz in den Rettungsbooten reicht einfach nicht und es grenzt schon an ein Wunder, dass die Familie Garrity es in ein Boot schafft und diese kleine Nussschale die lange Fahrt nach Großbritannien übersteht.
Dort wird es noch dystopischer und zugleich absurder. In den Großstädten Liverpool und London haben tausende Menschen überlebt, obwohl Großbritannien viel näher am Haupteinschlagskrater liegt als Grönland. Außerdem ziehen ständig tödliche Gewitter über die Erdoberfläche, die einen in Sekunden töten können. Nicht zu vergessen der radioaktive Fallout, dank dem John Garrity nun Krebs im Endstadium hat. Die Menschen, die sich die ganzen vergangenen fünf Jahre an der Oberfläche aufgehalten haben, müssten demnach schon längst tot sein, sind jedoch quicklebendig und obendrein kerngesund.
Dennoch leiden die Menschen Not und versuchen, in die Bunker der Eliten einzudringen. Deren Wachpersonal lässt nur Menschen mit einem gültigen Zugangscode hinein. Als ein Begleiter der Garritys sein Ticket nicht finden kann, wird er kurzerhand erschossen, obwohl er sich lediglich erklären wollte. Man kann schließlich nicht erst mal in die Luft ballern, um die Menge fern zu halten. Ist ja nicht so, als wäre die Menschheit vom Aussterben bedroht, also glaubt das Militär, mal eben so wahllos Zivilisten abknallen zu können wie die US-Miliz ICE.
Es ist kaum zu ertragen, wie irrational die überlebenden Menschen handeln. Der nächste, der sinnlos stirbt, ist der nette Typ, der die Garritys und Dr. Amina mit nach London nimmt. Statt während eines Meteoritenschauers wie die anderen in Deckung zu bleiben, rennt er zu seinem Auto und wird prompt getötet. Selbstverständlich bieten ein paar Bäume auch nicht wirklich viel Schutz und eigentlich hätte der Wald durch die glutheißen Trümmer in Brand geraten müssen. Warum nach dem Impact vor fünf Jahren überhaupt noch ein gesunder Wald in Europa steht, darüber denkt man besser gar nicht nach.
Aus den Fehlern anderer wird natürlich nicht gelernt uns so bringt Familienvater John ebenfalls sich selbst und andere in Gefahr, da er es ablehnt, seine letzten Tage in einem halbwegs sicheren Krankenhaus zu verbringen, in dem es sogar eine funktionierende Stromversorgung gibt. Weil er unbedingt zum Clarke-Krater will, stirbt bei der Weiterfahrt Dr. Amina durch ein Überfallkommando. Warum sie unbedingt mitkommen wollte, erschließt sich allerdings ebenso wenig. Nachdem die Übrigen aus dem Auto ausgestiegen sind, ballert John erst mal sein halbes Magazin blind in die Nacht, sodass er keine Patrone mehr übrig hat, als einer der Räuber vor ihm steht. Es ist nicht sein Verdienst, dass seine Familie die Situation überlebt und weiter bis zum Ärmelkanal fährt. Dort müssen sie das Auto dann aber zurücklassen, weil sich ein tiefer Graben aufgetan hat.
Die tektonischen Verschiebungen durch den Asteroideneinschlag müssen enorm gewesen sein, dass der Ärmelkanal nunmehr trocken liegt. Da der Atlantik immer noch dasselbe Niveau hat und Liverpool immer noch am Meer liegt, muss das Gelände zwischen Großbritannien und Frankreich enorm angehoben worden sein. Anders ließe sich ein solcher Rückgang des Meeresspiegels nur durch eine neue Eiszeit erklären, wie man sie durch den aufgewirbelten Staub des Impacts sogar erwarten würde. Doch dafür gibt es keinerlei Anzeichen. Wenn nicht gerade ein Gewittersturm übers Land zieht, scheint die Sonne, als sei nichts geschehen.
Auch sonst scheint Europa ziemlich unverändert. Rund um den zentralen Einschlagskrater wimmelt es geradezu von Menschen, die sogar noch genug Ressourcen haben, um gegeneinander Krieg zu führen. Der Asteroideneinschlag hätte zwar eigentlich die komplette Infrastruktur und ebenso alles Leben im Umkreis von tausenden Kilometern durch die Druckwelle, die Feuerwalze, herabregnende Trümmer und anschließende Erdbeben sowie Tsunamis zerstören müssen, aber da hatten die Drehbuchautoren offensichtlich andere Pläne. Genug Soldaten für einen Krieg gibt es ebenfalls noch und die haben nach der Katastrophe auch alle so richtig Bock darauf, sich auf Befehl gegenseitig umzubringen.
John Garrity findet es dabei eine tolle Idee, mit seiner Familie Urlaub an der Frontlinie zu machen. Zum zweiten Mal schlägt er ein freundliches Angebot aus, an einem sicheren Ort zu bleiben. Sein Gastgeber Laurent würde sogar gerne mitkommen, doch ist seine schwerkranke Frau nicht transportfähig. Immerhin seine Tochter Camille schickt er aber mit, weil Nathan Garrity ein Love-Interest braucht. In was für eine Gefahr John alle bringt, zeigt sich an der Front schon daran, dass der Kommandant, an den er sich wenden sollte, tot ist.
Auf wundersame Weise kommen die Garritys unbeschadet durch die Frontlinie und werden anschließend zusammen mit anderen Flüchtlingen per Bus zum Clarke-Krater gefahren. Ein paar Feinde haben es jedoch ebenso durch die Frontlinie geschafft und überfallen den Bus. Mutig stürzt sich John ihnen entgegen und kann sie sogar überwältigen, wird dabei allerding tödlich verwundet. Er schafft es die letzten paar Meter zu Fuß zum Kraterrand und wird dort mit einem sensationellen Ausblick belohnt, bevor er stirbt.

Paradies am Ground Zero
Das Finale ist an Irrationalität und unwissenschaftlichem Hokuspokus kaum zu überbieten. Der Grund, warum John unbedingt zum Krater will, ist die gewagte Hypothese, dass Asteroiden die Bausteine des Lebens enthalten und daher am Ort des Einschlags neues Leben entstehen könnte. Die Panspermie-Theorie ist dabei gar nicht mal so abwegig, nur hat es in der Frühgeschichte der Äonen gedauert, bis nach dem Abkühlen der Erde aus den Bausteinen des Lebens erste Einzeller entstanden waren. Danach vergingen noch einmal hunderte Millionen von Jahren, bis sich höheres Leben entwickelte, was nach den Ozeanen schließlich auch das Land eroberte.
Eine Evolution im Schnelldurchlauf gab es bereits im Film Evolution (2001), der sich als Komödie jedoch selbst nicht allzu ernst nahm. Greenland 2 möchte hingegen als Mischung aus Familiendrama und Survival-Film durchaus ernst genommen werden. Und genau daran scheitert er kläglich! Wo könnte es nach einem Asteroideneinschlag globalen Ausmaßes wohl am sichersten sein? Also abgesehen von einem Bunker, der ja leider über den Garritys zusammengestürzt ist. Man sollte vermuten, dass die gegenüberliegende Seite der Erde am wenigstens abbekommen hat. Vorzugsweise ein hoher Punkt, der von den Tsunamis verschont geblieben ist.
Aber wo möchte John unbedingt hin? Zum Ground Zero! Man muss wahrlich kein Wissenschaftsgenie sein, um zu erkennen, dass das eine unfassbar beknackte Idee ist. Doch zum Glück für Familie Garrity haben es die Drehbuchautoren nicht so mit logischem Denken. So gestaltet sich bereits das nähere Umfeld des Clarke-Kraters als unerwartet lebensfreundlich. Während John Garrity in Grönland nach nur wenigen Stunden pro Woche eine tödliche Strahlendosis abbekommen hat, sind die Franzosen (ohne Ironie) anscheinend kerngesund. Dabei müsste Frankreich mit all seinen Atomkraftwerken, die bei dem Asteroideneinschlag unweigerlich hätten zerstört werden müssen, noch verstrahlter sein als Tschernobyl.
Das letzte bisschen Realismus verabschiedet sich dann am Ende des Films, welches im Clarke-Krater ein fruchtbares Tal zeigt. In diesem wird bereits munter Landwirtschaft betrieben und es sind sogar schon einige Dörfer errichtet worden. Eigentlich bräuchte es schon mindestens fünf Jahre, bis sich ein solcher Krater halbwegs abgekühlt hat, dass man ihn überhaupt wieder betreten kann! Nach dem Asteroideneinschlag, der vor rund 65 Mio. Jahren die Dinosaurier ausgerottet hat, dauerte es darüber hinaus tausende Jahre, bis sich das Leben auf der Erde langsam wieder zu erholen begann. In Greenland 2 existiert derweil schon nach einer halben Dekade eine fruchtbare Humusschicht am Einschlagsort und die Menschen haben binnen kürzester Zeit eine landwirtschaftliche Infrastruktur aufgebaut, obwohl sie gerade fast ausgelöscht worden sind.
Obendrein gibt es am Ground Zero weder Meteoritenschauer noch Gewitter oder Erdbeben, obwohl hier doch eigentlich das Epizentrum liegen sollte. Stattdessen scheint es fast so, als sei der Clarke-Krater ein abgeschirmter Ort, an dem ein neuer Garten Eden entstanden ist. Die Drehbuchautoren sind nicht nur wissenschaftlich völlig unbedarft, sondern geradezu wissenschaftsfeindlich! Wer diesen Film nach einem realen Asteroideneinschlag als Survival Guide versteht, wird mit 100%iger Sicherheit nicht überleben!
Fazit zu Greenland 2: Unwissenschaftlicher Nonsens
Das erste Drittel des Films erweckt noch den Eindruck, daraus könne ein spannender Action-Katastrophen-Trip werden, wie es bereits der erste Teil war. Spätestens mit der Ankunft in Liverpool werden jedoch alle Erwartungen bitter enttäuscht. Die Charaktere treffen sagenhaft dämliche Entscheidungen, die so einigen das Leben kosten, und der Plot um den Paradiesgarten im Clarke-Einschlagskrater wäre selbst für das Fantasy-Genre zu hanebüchen. Manche Filme sollten einfach keine Fortsetzung erhalten. Ein Hit wird dieses Sequel bestimmt nicht und dabei hat man bei der deutschen Übersetzung des Titels schon auf den Zusatz Migration verzichtet, weil das Thema hierzulande aktuell eher unbeliebt ist.
Info
Originaltitel: Greenland 2: Migration
Regie: Ric Roman Waugh
Drehbuch: Mitchell LaFortune & Chris Sparling
Musik: David Buckley
Kamera: Martin Ahlgren
Schnitt: Eric Freidenberg & Colby Parker Jr.
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