Leider ist dieser Roman im Vergleich nicht sonderlich besser als sein Vorgänger.

Wird es besser?
Kylar Stern ist der Nachtengel. Dank des Ka’Karis verfügt er über außergewöhnliche Fähigkeiten. Aktuell versucht er die Zwillingskinder seines besten Freundes zu retten. Was allerdings alles andere als einfach ist.
Denn schon bald stellt sich heraus, dass diese Kinder nicht wirklich das sind, für die er sie hält. Und vor allem eines der beiden Babys hat gefährliche Fähigkeiten. Es kann nämlich die Magie anderer Lebensformen annullieren. Weshalb der Nachtengel schon bald vor einer schwierigen Wahl steht. Folgt er seiner ursprünglichen Mission oder tut er das, was am sinnvollsten ist?
Der Auftakt zur Nachtengel-Reihe, Nemesis war eher mittelmäßig. Der Roman hatte zwar Potenzial, aber nutzte dies nicht. Weshalb ich auch darauf gespannt war, ob die Fortsetzung Gemini Dinge besser machen würde.
Was man nicht hat kommen sehen
Vorab sei gesagt, dass die US-Vorlage nicht zwei verschiedene Bücher waren. Sondern im Original ein einziger Roman, der bei der Übersetzung hierzulande aufgesplittet worden ist. Und anders, als beispielsweise bei einigen Adaptionen aus dem Bastei Lübbe-Verlag, hat man hier nicht das Gefühl, dass dies nur aus monetären Gründen geschah. Im Gegenteil: Bereits der ersten Band hatte mit 736 Seiten einen enormen Umfang. Der zweite Teil umfasst sogar 750 Seiten, von denen man nur zehn für das Nachwort des Autoren abziehen kann. Ein Taschenbuch mit 1400 Seiten Umfang wäre vor allem im Phantastik-Bereich nahezu unverkäuflich gewesen.
Dennoch wäre eine Zusammenfassung von dem, was im ersten Band geschehen ist, für das Verständnis der Handlung des zweiten nicht verkehrt gewesen. Es hätte zumindest das Nachvollziehen des Plots erleichtert, da sich doch einiges ereignet hat. Und nicht immer ist alles so erklärt wird, dass man auf Anhieb weiß, woran man ist.
Autor Brent Weeks schreibt eine Geschichte mit lauter Plottwists. Immer dann, wenn man meint, dass man ungefähr ahnen kann, wie es weitergeht, geschieht auf ein Mal etwas Unvorgesehenes, wird etwas enthüllt, das man so nicht hat kommen sehen und so das Geschehen auf den Kopf gestellt. Und das sorgt zumindest dafür, dass eine gewisse Grundspannung stets vorhanden ist.
Was für eine Katastrophe
Wobei diese Spannung einem nicht weiterhilft, wenn der Protagonist gefühlt eine Vollkatastrophe ist. Es ist dasselbe Problem, dass ihn auch schon im ersten Band kennzeichnete: Angeblich soll er ein gefährlicher und intelligenter Mann sein. Aber in Wahrheit agiert er eher wie ein Tollpatsch, der sich ständig selbst überschätzt und dementsprechend in Situationen kommt, aus denen ihn erst andere raushelfen müssen.
Dementsprechend begeht er auch wiederholt Fehler, die ihn früher oder später wieder einholen. Wo er dann wie der Trottel vom Dienst dargestellt wird, weil er einfach nichts dazulernt. Und das hat zur Konsequenz, dass man nicht wirklich Respekt vor ihm entwickelt.
Wobei hier auch die Schreibweise zu Trage kommt. Hier hat sich der zweite Band im Vergleich zum ersten deutlich zum Schlechteren verändert. Kylar Stern erzählt, oder besser diktiert die Geschichte dem Ka’Karis. Der wiederholt verändern in die Story eingreift, weshalb es dann zu Diskussionen zwischen ihm um seinem Träger kommt. Dieses ständige Durchbrechen der vierten Wand führt dazu, dass man aus dem Lesefluss immer wieder rausgeworfen wird. Das geschieht vor allem deshalb, weil diese Passagen nicht wirklich so lustig sind, wie der Autor es sich vermutlich gedacht hat.
Wenn der Roman am besten, wenn die Hauptfigur nicht anwesend ist
Dementsprechend sind das Highlight dieses Romans die Stellen, wo dies nicht zum Tragen kommt. Es sind die Passagen, in denen Kylars Freundin Vi seine Erlebnisse liest. Auch wenn das im Verhältnis nur wenige Stellen sind, lesen sie sich im Vergleich deutlich spannende und abwechslungsreicher.
Enden tut der Roman mit einer Art Cliffhanger, der nach einer Fortsetzung schreit. Wobei diese bislang in den USA noch nicht erschienen ist.
Unterm Strich ist dies einfach ein unterdurchschnittlicher Roman.
Info
Autorin: Brent Weeks
Übersetzung: Clemens Brunn
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 07/2024
Einband: Broschiert
Seiten: 752
ISBN: 978-3-7341-6392-0
Sonstige Informationen: Produktseite
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