Wie hätte Alien ausgesehen, wenn der ursprüngliche Drehbuchentwurf verfilmt worden wäre?
Handlung
Die Crew des Frachtschiffes Snark wacht aus dem Kälteschlaf auf, muss aber feststellen, dass sie sich nicht zu Hause im Orbit der Erde befindet, sondern im weit entfernten System Zeta II Reticuli. Der Bordcomputer hat einen fremden Notruf aufgefangen, dem die Crew nachzugehen verpflichtet ist. Sie landen auf einer stürmischen Welt, auf der sie ein abgestürztes Raumschiff einer fremden Spezies entdecken. Der Pilot ist tot und an Bord liegen leere Eier herum. Das Außenteam birgt ein Artefakt und kehrt zur Snark zurück.
Nachdem sich der Sturm gelegt hat, offenbart sich eine gigantische Pyramide, die offenkundig von einer anderen Spezies erbaut wurde als das außerirdische Wrack. Captain Standard schickt ein weiteres Team los, darunter Broussard, der sich allein in die Pyramide abseilt und dort noch mehr Eier entdeckt. Aus einem springt ihm eine fremdartige Kreatur ins Gesicht. Als er überfällig ist, holen seine zwei Begleiter ihn mit der Seilwinde heraus und bringen ihn zum Schiff.
Martine Roby will das Außenteam zunächst nicht an Bord lassen, da Verseuchungsgefahr besteht. An Bord wird Broussard sofort auf die Krankenstation geschafft, wo alle Versuche, ihn von dem Parasiten zu befreien, scheitern. Bei einem Schnitt tritt Säureblut aus, das sich durch mehrere Decks frisst. Später gibt die Kreatur Broussard von allein frei und stirbt. Der entwickelt einen enormen Hunger, doch am Esstisch bricht ein weiterer Alien aus seiner Brust.
Die Crew will die kleine Kreatur einfangen und aus der Luftschleuse werfen, wobei ihnen die Bordkatze immer wieder in die Quere kommt. Auf den stämmigen Hunter fällt das Los, das Alien aus den Lüftungsschächten zu jagen. Mit einem Flammenwerfer bewaffnet, treibt er den Eindringling den anderen entgegen. Die müssen jedoch feststellen, dass die Kreatur deutlich gewachsen und sehr gefährlich ist. Es gibt die nächsten Toten, während die Überlebenden beraten, wie sie weiter vorgehen. Zurück im Weltraum scheitert der Versuch, den Xenomorph in eine Luftschleuse zu treiben. Ein weiteres Crewmitglied stirbt und ein Großteil des Sauerstoffs geht verloren.
Den letzten drei Crewmitgliedern Standard, Hunter und Roby bleiben nur sechs Stunden, um das Problem zu lösen. Sollen sie das Schiff sprengen und sich mit dem Beiboot absetzen? Da dieses nur eine Cryoschlafkapsel hat, kommt das nicht infrage. Also soll das Beiboot mit Sprengstoff versehen und zur tödlichen Falle für das Alien werden. Diesmal fällt das Los auf Roby, die den Köder spielen und das Shuttle von innen verriegeln soll. Doch der Xenomorph holt sich die beiden anderen, wobei er Captain Standard in einen Kokon einspinnt.
Martine erlöst ihre todgeweihte Vorgesetzte mit dem Flammenwerfer, aktiviert die Selbstzerstörung der Snark und geht mit dem erbeuteten Artefakt aus dem außerirdischen Schiffswrack und der Katze an Bord des Rettungsbootes. Doch dort lauert bereits der Xenomorph. Es kommt zum finalen Kampf.
Rezension von Alien – Die Urfassung
Die Urfassung eines Drehbuchs zu nehmen und daraus einen Comic zu machen, hat durchaus seinen Reiz. Bei Ridley Scotts Alien (1979) hat sich immerhin einiges gravierend geändert, grundlegende Elemente sind allerdings gleich geblieben. Die Crew eines Frachtschiffs, das hier noch Snark heißt, wird aus dem Cryoschlaf gerissen, weil der Bordcomputer ein außerirdisches Signal empfangen hat. Dieses stellt sich später als Warnung heraus, doch da ist es bereits zu spät und ein Crewmitglied wird von einem außerirdischen Parasiten befallen. Ein Kampf ums Überleben entbrennt. Soweit, so bekannt.
Die Namen der Crewmitglieder sind noch komplett andere als im Film, und da das Drehbuch bei einigen sehr vage in der Beschreibung war, haben manche ihr Geschlecht und ihre Ethnie geändert. So ist der Captain eine Frau, die auf den ungewöhnlichen Namen Standard hört. Ellen Ripley heißt hier noch Martine Roby und wird als Afroamerikanerin interpretiert. Ein Android fehlt in der Urfassung und damit auch der Mordversuch an Roby. Der Erste Offizier Kane hat lediglich einen anderen Namen, doch ereilt Broussard ein ähnliches Schicksal. Nur die Umstände sind leicht verändert.
Die Welt, auf der die Crew der Snark auf die feindselige Alienspezies stößt, liegt bereits im System Zeta II Reticuli, ist jedoch nur ein Planetoid mit einem Durchmesser von 120 Kilometern. Hier scheint es sich auch nicht um einen Tippfehler zu handeln, denn die Welt wird mehrfach als sehr klein beschrieben. Ein Tag dauert nur vier Stunden. Allerdings hätte ein solch kleiner Felsbrocken keine Anziehungskraft, die 0,86 % der Erdgravitation entspricht, und könnte keine Atmosphäre halten. Der Comic steckt voller unwissenschaftlicher Daten.
Das geht weiter mit der Pyramide, welche auf der toten Welt entdeckt wird. Diese soll von einer steinzeitlichen Zivilisation stammen, wobei Hunter selbst bemerkt, dass sich auf einer toten Welt keine Zivilisation entwickelt haben kann. Captain Standards Spekulation, der Planetoid könnte einst lebensfreundlich gewesen sein, ist absoluter Unfug. Also muss es sich bei den Erbauern um eine hochentwickelte Spezies von Raumfahrern gehandelt haben.
Im Film ist dem auch so, wobei die Story im endgültigen Drehbuch vereinfacht worden ist. Statt eines Raumschiffwrack und einer Pyramide, die von zwei unterschiedlichen Spezies stammen, gibt es im Film nur noch das Wrack. Der Pilot ist ebenfalls von einem Xenomorph getötet worden, allerdings hat seine Spezies dessen Eier selbst transportiert und war kein Zufallsopfer. Die Entscheidung, die Pyramide wegzulassen, war aus dramaturgischen Gründen sinnvoll. Später wurde eine ähnliche Anlage für das Reboot Prometheus (2012) erneut aufgegriffen und auf dem Nachbarmond LV-223 angesiedelt.
Der Lebenszyklus des Xenomorphen entspricht derweil in der Urfassung bereits weitgehend dem fertigen Drehbuch. Ein Facehugger springt aus einem Ei und saugt sich an Broussards Gesicht fest. Roby alias Ripley weigert sich zunächst, den Infizierten an Bord zu lassen, allerdings wird im Comic nicht ganz klar, ob sie dann doch einlenkt oder jemand anders die Luftschleuse öffnet. Jedenfalls verpasst ihr Standard dafür eine Ohrfeige, ähnlich wie Lambert im Film.
Die Versuche, die Kreatur von Broussard zu entfernen, entsprechen ebenfalls dem, was man aus dem Film kennt. Säureblut tritt aus und später verschwindet die Kreatur von selbst. Nur löst sie sich hier in Rauch auf, während Ash sie im Film untersuchen kann. Die Geburt des Xenomorphen verläuft wieder identisch, und auf der Jagd gerät ebenso die Bordkatze vor den Bewegungsmelder. Die Art, wie die Crew dahingemeuchelt wird, weicht dagegen stark vom Endergebnis ab. Einer wird gar von einer Luftschleuse zerteilt, wobei die Snark einen Großteil ihrer Sauerstoffvorräte verliert. Auf dieses zusätzliche Spannungselement wurde im Film verzichtet.
Interessant ist die Szene, in der Roby den Captain lebend in Alienschleim eingesponnen vorfindet. In der Kinoversion ist diese zwar nicht enthalten, allerdings wurde sie gedreht und befindet sich im Extended Cut. Auch hier erlöst Ripley Captain Dallas mit dem Flammenwerfer. Damit wird übrigens bereits angedeutet, dass die Xenomorphe nicht all ihre Opfer sofort töten, sondern einige als Wirte lebend fangen, was in der Kinofortsetzung Aliens – Die Rückkehr (1986) noch eine Rolle spielt.
Das Finale des Comics ist dem Film wieder sehr ähnlich, nur versuchen die letzten drei Überlebenden zunächst, das Alien ins Beiboot zu treiben und so das Mutterschiff samt der wertvollen Fracht zu retten. Im Film fällt die Entscheidung, die Nostromo zu sprengen, viel eher. Zum Schluss bleiben nur Roby und die Katze übrig, während das Alien aus der Luftschleuse fliegt und von einem Triebwerk gegrillt wird. Das ist wieder mit dem fertigen Film identisch, der insgesamt betrachtet eindeutig besser ist als die Urfassung. Diese enthält zu viele Nebenplots und erscheint daher unausgereift.
Moderner Look
Was als erstes auffällt, ist die moderne Interpretation des ursprünglichen Drehbuchs. Der Comic wirkt nicht, als wäre er aus dem Jahr 1979. Zum einen ist die Crew diverser, was noch okay ist, zum anderen besteht sie aus einem subkulturellen Milieu, in dem jeder durch Äußerlichkeiten auffallen will. Der Zeichner hat offenkundig ein Faible für Undercut-Frisuren. Hunter, der mit seinem roten Bart irgendwie Fifield aus Prometheus ähnelt, hat eine Glatze, auf der das nordische Symbol des Oegishjalmr (Schreckenshelm) tätowiert ist. Das alles ist viel zu ausgefallen und lässt die Crew nicht wie Durchschnittstypen auf einem banalen Frachtflug aussehen. Genau das hat beim Film aber gerade gut funktioniert: Gewöhnliche Menschen geraten in eine außergewöhnliche Situation. Im Comic sieht es dagegen aus wie auf einer Szeneparty.
Der Xenomorph weicht logischerweise deutlich von dem Design des Schweizer Künstlers Hans Rudolf Giger (1940–2014) ab, da dieser erst relativ spät von Ridley Scott angeheuert wurde. Die ausgewachsene Kreatur im Comic entspricht jedoch ebenso wenig den frühen Konzeptzeichnungen von Ron Cobb (1937–2020), was schade ist. Der Comiczeichner hat hier seine eigene Fantasie ausgelebt, statt bei der Urfassung auch die ursprünglichen Concept Arts einfließen zu lassen. Ron Cobb wird im Vorwort von Randy Stradley immerhin noch erwähnt, HR Giger hingegen nicht.

Zumindest sind die Charaktere sauber gezeichnet und wiedererkennbar. Der Zeichenstil der Umgebungen passt leider überhaupt nicht dazu, da das Ambiente weitgehend vage bleibt. Die klaren Linien der Figuren treffen auf unfertige, grob angedeutete Flächen. Das Raumschiff Snark bleibt ebenfalls sehr schemenhaft. Anstatt sich an der ursprünglich gelben Version der Nostromo zu orientieren, welche Eaglemoss als limitiertes Konzeptmodell herausgebracht hat, ähneln die Umrisse des Frachters der Prometheus aus dem gleichnamigen Film. Das ist schon extrem fantasielos.
Die Pyramide ist schlussendlich recht schlicht gehalten, wobei es in dem Fall wieder gut ist, dass Gigers Konzeptzeichnungen übergangen worden sind, da diese Eingang in Prometheus – Dunkle Zeichen gefunden haben. Die Hieroglyphen im Innern der Pyramide sind wiederum sehr einfallslos und banal. Wie die Crew darin die Entwicklungsstadien des Xenomorphen erkennen kann, ist nicht nachvollziehbar.
Die Farben sind schlussendlich gut gewählt und die weichen Verläufe erzeugen einen natürlichen Lichteinfall. An Leucht- und Glanzeffekten wird nicht gespart. Einzig die Hintergründe bleiben zuweilen etwas eintönig, was jedoch dem Zeichenstil entspricht.
Fazit: So nah dran und doch so fern
Inhaltlich bleibt der Comic nah am ursprünglichen Drehbuch, wodurch sich gut Nähe sowie Abweichungen zum fertigen Film ablesen lassen. Grafisch fängt der Comic dagegen weder die düstere Stimmung des Films, noch die teils albern wirkenden Konzeptzeichnungen des Xenomorphen ein. Stattdessen orientiert sich der Zeichner an Prometheus, was sehr schade ist, denn mit der Urfassung hat das absolut nichts zu tun.
Erschienen ist die deutsche Ausgabe als hochwertiger und streng auf 999 Exemplare limitierter Hardcoverband. Dieser erzielt inzwischen ein Vielfaches des Ladenpreises, der mit 30 Euro schon nicht günstig war. Sammler hätten hier rechtzeitig direkt nach Erscheinen zugreifen müssen.
Info
Autoren: Christiano Seixas, nach Dan O‘Bannon
Zeichner: Guilherme Balbi
Farben : Candice Han
Verlag: Cross Cult
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story7/10
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Zeichenstil7/10
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Kolorierung9/10
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