Hicks und Newt werden Jahre nach ihrer Flucht von Archeron erneut mit Xenomorphen konfrontiert.
Handlung
Jahre nach den Ereignissen auf LV-426 leidet Rebecca alias Newt immer noch unter Alpträumen und wird in einem Sanatorium behandelt. Als eine Mitpatientin durch die 5.000 TV-Sender zappt, stolpert sie über die Show eines Fernsehpredigers, der Xenomorphe anbetet. Corporal Dwayne Hicks, dessen linke Gesichtshälfte auf Archeron von Alienblut verätzt wurde, ist immer noch bei den Marines, wo er jedoch von allen anderen gemieden wird.
Im Erdorbit ereignet sich zeitgleich Furchtbares. Ein führungsloses Raumschiff droht, auf den Planeten abzustürzen. Die Weltraum-„Küstenwache“ schickt Sonden aus, um es zu untersuchen. Es stellt sich heraus: Die Crew ist tot. Dafür ist etwas anderes an Bord sehr lebendig und greift die Bergungsmannschaft an. Es handelt sich um einen Xenomorph. Offenbar hat die tote Besatzung die Heimatwelt der gefährlichen Spezies entdeckt, welche von den Marines untersucht werden soll. Aufgrund seiner Expertise wird Hicks als zweiter Kommandant für die Mission angeheuert. Seine Vorschläge zur Bewaffnung werden jedoch vom ersten Kommandanten Stephens in den Wind geschlagen.
Bevor die Mission startet, schleicht sich Hicks ins Krankenhaus, um Newt zu befreien. Diese möchte lieber mit ihm mitkommen, als sich auch nur eine weitere Sekunde gängeln und unter Medikamente setzen zu lassen. Obendrein wollen die Ärzte sie einer Gehirnoperation unterziehen. Nach ihrer Flucht sorgt Hicks dafür, dass sie als blinder Passagier auf seinem Raumschiff mitreist.
Im Hintergrund zieht derweil der sinistere Manager des Bionational-Konzerns die Fäden, der die Exklusivrechte an den Xenomorphen als Biowaffe behalten möchte. Der Konzern beauftragt Captain Massey, das Schiff der Marines zu verfolgen und zu verhindern, dass die Regierung ihrerseits in den Besitz von Xenomorphen gelangt.
Rezension von Aliens Nr. 1
Der Comic ist ursprünglich 1988 bei Dark Horse erschienen, also noch vor Alien 3 (1992). Es stand damals noch nicht fest, dass Hicks und Newt beim Absturz auf Fiorina 161 sterben werden und Ripley kurz darauf eine Alienkönigin ausbrüten wird. Mit dem Erscheinen der Kinofortsetzung wurde der Comic zu einem „Was wäre wenn …?“-Szenario, als welches er allerdings nie intendiert war.
Ripley wird in der Geschichte nur am Rande erwähnt und hat hier keinen Auftritt. Die Story konzentriert sich stattdessen auf Dwayne Hicks und Rebecca, die letzte Überlebende der Kolonisten von Archeron. Für diese wird in der deutschen Übersetzung der altertümliche Begriff „Kolonisatoren“ benutzt, der eigentlich nur männliche Kolonisten meint.
Jedenfalls leidet Rebecca, die lieber Newt genannt werden möchte, auch nach Jahren noch unter dem erlittenen Trauma. Da sie keine erziehungsberechtigten Personen mehr hat, wird ihr Leben von Ärzten diktiert, die ihr das Trauma gerne aus dem Hirn operieren würden. Als ob das so einfach funktionieren würde. Erinnerungen verhalten sich ja nicht wie ein Tumor, den man einfach herausschneiden kann. Da müsste man ihr schon das gesamte Hirn amputieren, was ziemlich gehirnamputiert wäre. Von Medizin und Traumatherapie hat der Autor offenbar nicht viel Ahnung.
Hicks hat derweil vor allem physische Narben davongetragen und wird von den anderen Marines gemieden. Nur seine Erfahrung mit den Xenomorphen rettet ihm den Job, wobei man jedoch auf seine Empfehlungen pfeift. Anlass für die neue Mission ist ein Raumschiffwrack, das im Erdorbit gefunden wird. Diesen hat man über die Jahrzehnte zumüllen lassen, bis es zur Katastrophe durch den Absturz von Weltraumschrott kam. Die Ökobotschaft bleibt leider sehr oberflächlich, zumal es wenig Sinn macht, dass die großen Konzerne ausgediente Raumschiffe nicht bergen, um sie auszuschlachten. Selbst im Kapitalismus unserer Tage gibt es Schrottverwertung.
Inzwischen gibt es jedenfalls eine „Küstenwache“ im Weltraum, obwohl es dort überhaupt keine Küsten gibt. Für eine andere Bezeichnung war man offenbar nicht kreativ genug. Die „Küstenwache“ bekommt es mit einem Xenomorphen zu tun, der vom Wrack zielsicher zum Bergungsschiff überspringt. Xenomorphe können im Vakuum des Weltraums zwar länger überdauern als Menschen, dennoch sind sie keine Weltraumorganismen. Und dass sogar Menschen mit einem Facehugger im Gesicht im All überleben können, ist etwas zu viel des Guten.
Nun ist die Menschheit erneut mit Xenomorphen konfrontiert und hat ferner die Chance, deren Heimatwelt zu erkunden. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Hicks’ Truppe bricht daher nicht alleine auf. Bevor es losgeht, rettet er noch Newt aus dem Krankenhaus. Er sprengt sie und sich selbst einfach aus dem Gebäude und flüchtet mit einem Fassadenlift, der auf mehrfache Schallgeschwindigkeit beschleunigen kann. Zum einen ist es absurd, dass sich zwei Menschen von einer Explosion aus einem Gebäude schleudern lassen und das ohne einen Kratzer überleben. Dabei landen sie noch zielsicher in einem Fassadenlift, wie man ihn von Fensterputzern kennt, der aber gleichzeitig eine Art Fluchtvehikel darstellt. Das ist alles schon sehr bizarr und wenig glaubwürdig.
Getoppt wird das alles noch vom Fernsehprogramm der Zukunft. Es gibt allein in den USA über 5.000 Sender, deren Zuschauerzahlen im zweistelligen Bereich liegen. Das ist einfach absurd, denn keiner dieser Sender könnte sich damit finanziell halten. Auf welchem Monitor Newt das Programm des Fernsehpredigers sieht, wird zudem nicht ganz klar, da das Programm ihrer Mitpatientin offenbar direkt ins Auge projiziert wird. Diese schaltet im Sekundentakt um, was auch immer das bringen soll. In der Zukunft sieht man nicht mehr fern, sondern zappt nur noch. Solche Übertreibungen schaden der Glaubwürdigkeit.
Aus der Rolle des Fernsehpredigers, der irgendwie an Informationen über die Xenomorphe gelangt ist und einen Kult um diese aufgebaut hat, wird man auch noch nicht schlau. Mit diesem Nebenplot wirkt der Comic unnötig überladen.
Fast nichts erinnert an die Filme
Der Zeichenstil ist nicht sonderlich gut ausgeprägt. Weder Hicks noch Newt sind wiederzuerkennen. Zunächst glaubt man, dass Rebecca eine der dunkelblonden Patientinnen ist, doch sie ist die Schwarzhaarige. Wer Aliens – Die Rückkehr (1986) kennt, hat sie anders in Erinnerung. Die Gesichter sind auch nicht sonderlich ausgefeilt, sodass sich die Charaktere nur anhand von Narben, Bärten usw. auseinanderhalten lassen. Immerhin ist der Faltenwurf ihrer Kleidung okay.
Die abgerundeten Raumschiffe erinnern ebenfalls an nichts, was man aus den Filmen kennt. Gleiches gilt für die Inneneinrichtungen. Die Waffen der Marines ähneln mal den Gewehren aus dem zweiten Kinofilm, mal sehen sie völlig anders aus. Einzig beim Atmosphärenumwandler ganz am Anfang sowie beim Aussehen der Xenomorphe hat sich der Zeichner an der Filmvorlage orientiert. Immerhin besser als nichts, aber davon abgesehen will die gewohnte Stimmung nicht so richtig aufkommen.
Die Farbgebung trägt ebenfalls nichts zur Atmosphäre bei. Die Farben sind teilweise komplett unpassend, wobei Hicks’ knallroter Mantel und ein blauer Facehugger besonders unangenehm hervorstechen. Die meisten Farben sind vollflächig aufgetragen und die wenigen Verläufe sehr geradlinig, was für die damalige Zeit aber der normale Standard war. Schatten werden durch Schraffierungen erzeugt, die vor allem im Hintergrund recht grob ausfallen.
Bei der deutschen Übersetzung von Aufschriften im Hintergrund ist der englische Originaltext nicht wegretuschiert, sondern einfach überschrieben worden. An einer Wand steht „Kill us all“ in Blut geschrieben, was einfach mit „Tötet uns alle“ in schwarzen Druckbuchstaben überlagert worden ist. Schlampiger geht es kaum!
Fazit: Was wäre, wenn man besser Alien 3 abgewartet hätte?
Glücklicherweise ist diese Fortsetzung von Aliens – Die Rückkehr nicht Kanon. Hicks und Newt sind tot echt besser dran. Die aus den Filmen gewohnte Stimmung will einfach nicht aufkommen, weder inhaltlich noch optisch. Der Autor saugt sich vieles aus den Fingern, statt zu recherchieren, und der Zeichner hat offenbar nur eine Handvoll Bilder aus den Filmen gesehen. Dennoch ist es eine Unverfrorenheit, dass ihre Namen in der deutschen Ausgabe von Hethke nicht genannt werden.
Info
Autor: Mark Verheiden
Zeichner: Mark A. Nelson
Verlag: Hethke
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Warpskala
Warpskala-
Story3/10
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Zeichenstil4/10
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Kolorierung3/10
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