Auf der Erde wird aus Xenomorphen ein neues Dopingmittel gewonnen.
Handlung
Nachdem die Königinmutter der Xenomorphe entführt und auf der Erde samt ihrer Brut ausgelöscht wurde, ist auf der Heimatwelt der Aliens ein Krieg um die Vorherrschaft ausgebrochen. Zwei neue Königinnen ringen darum, welche die neue Königinmutter wird, wofür sie ihre jeweiligen Krieger in die Schlacht gegeneinander schicken.
Auf der Erde nehmen unterdessen Sportler und Soldaten ein neues Dopingmittel namens Xeno-Zip, das ihnen übermenschliche Stärke und Geschwindigkeit verleiht. Leider hat die Droge auch eine fatale Nebenwirkung: Einige Konsumenten verlieren die Selbstbeherrschung und drehen komplett durch. In der Folge kommt es zu Todesfällen. Daniel Grant, Chef des Konzerns Neo-Pharm, der Xeno-Zip herstellt, steht vor einem Dilemma. Die Nebenwirkungen des Mittels könnten ihn ruinieren, doch das Militär will Xeno-Zip weiterhin als Aufputschdroge für seine Soldaten.
Von seinem Wissenschaftler Wyckoff erfährt Grant, dass dem aus Xenomorphen-DNS gewonnenen Stoff eine wichtige Komponente fehlt, die durch einen künstlichen Ersatz ausgeglichen wurde. Dieser kann bei einigen Menschen heftige Reaktionen auslösen. Für ein nebenwirkungsfreies Aufputschmittel braucht Wyckoff das Gelée royale einer Alien-Königin, von denen es jedoch keine mehr auf der Erde gibt. Grant bittet das Militär um Unterstützung für eine Mission zur Heimatwelt der Xenomorphe, die er mit etwas Überzeugungsarbeit auch erhält. Missionsleiterin wird ausgerechnet die skeptische Major Lee.
Auf der Reise weiht der Firmenboss Lee in seinen Plan ein. Er hat heimlich ein Alien-Ei sowie einen geklonten Wirtskörper an Bord geschafft, um eine normale Alien-Königin auszubrüten. Diese will er mit dem zu erbeutenden Gelée royal füttern, auf dass sie sich in eine Königinmutter transformiert. So erhofft er sich eine dauerhafte Quelle für das Gelée royale. Irgendwer sabotiert jedoch die Mission und erschießt die Königin. Noch bevor es auf den Heimatplaneten der Xenomorphe geht, auf dem immer noch ein Bürgerkrieg tobt, steht die Mission bereits auf der Kippe.
Rezension von Aliens: Völkermord 1
Der im Original mit Genocide betitelte Handlungsbogen baut auf der alternativen Forterzählung von Aliens – Die Rückkehr (1986) auf, welche die ersten sieben Bände der Hethke-Ausgaben umfasst. Allerdings tauchen in der neuen Story keine Filmcharaktere mehr auf. Es scheint auch etwas Zeit vergangen zu sein, denn die Erde ist inzwischen wieder bewohnbar. Wobei nach der kataklysmischen Alien-Invasion deutlich zu viele Menschen übrig zu sein scheinen – fast so, als wäre die Erdbevölkerung nie ausgelöscht worden. Dabei konnten nur wenige auf die Gateway-Station und zu den Kolonien fliehen. Oder hat es etwa so viele aus den Kolonien zurück zur zerstörten Erde gezogen? Das ergäbe nicht unbedingt viel Sinn.
Jedenfalls sieht es auf der Erde so aus, als wäre nie ein Unglück geschehen. Das einzige Relikt der Katastrophe ist eine Wunderdroge namens Xeno-Zip, welche beim Sport als Doping- und beim Militär als Aufputschmittel genommen wird. Dumm nur, dass einige Menschen heftig darauf reagieren. Was bringt es schon, beim 100-Meter-Lauf der Schnellste zu sein, wenn man ungebremst vor einen Pfosten läuft? Was bringt einem Soldaten übermenschliche Stärke, wenn er damit seinen Kameraden die Arme ausreißt?
Doch statt über ein Verbot von Xeno-Zip und überhaupt von Doping zu debattieren, soll das Mittel optimiert werden. Und dafür braucht es Gelée royale der Königinmutter. Der Begriff stammt aus der Bienenkunde und bezeichnet einen besonders nahrhaften Futtersaft der Bienenkönigin. Dieser wird allerdings an alle Larven verfüttert, wobei die Larven von Königinnen ihn länger erhalten als die von Arbeiterinnen. Das ist nicht ganz 1:1 auf die Xenomorphe übertragen worden. Normale Alien-Königinnen produzieren zudem kein Gelée royale, da der Nachwuchs in Wirtskörpern heranwächst und sich nach dem Schlüpfen eigenständig auf die Jagd nach Fleisch begibt. Die Substanz hat bei den Aliens also eine andere Funktion als bei Bienen.
Hinter den Bestrebungen, Xeno-Zip mit Gelée royale aufzuwerten, steckt neben dem Hersteller vor allem das Militär, welches stärkere Soldaten will. Damit ergibt die Handlung schon mal mehr Sinn als in allen bisherigen Comics der Reihe. Um die Spannung zu erhöhen, befindet sich ein Saboteur an Bord des Expeditionsraumschiffs, welcher eine extra gezüchtete Alien-Königin eliminiert und die gesamte Mission in Gefahr bringt. Wenigstens ist der Konzernchef Grant, der durchaus soziopathische Züge trägt, nicht so grausam, Menschen direkt für die Alienzucht zu opfern. Er verwendet Klonkörper ohne Kopf, die kein Denkvermögen oder Schmerzempfinden besitzen. Trotzdem ist die Idee, sich eine Alien-Königin zu halten, ziemlich krank und kann nur schiefgehen. Wobei das Thema dank des Saboteurs ohnehin schnell wieder vom Tisch ist.
Wirklich interessant ist das Chaos, welches nach der Entführung der Königinmutter auf der Heimatwelt der Aliens ausgebrochen ist. Zwei Königinnen kämpfen nun mit ihren Clans um die Vorherrschaft – eine rote und eine schwarze. Ob hier auf Alice im Wunderland angespielt wird, ist nicht ganz klar, da der roten Königin dort eigentlich eine weiße Königin gegenübersteht. Die rote Alien-Königin ist derweil sogar als große Actionfigur bei Neca erschienen, was die anhaltende Beliebtheit dieses Comics unterstreicht.
Zwischen blass und grell
Der Zeichenstil ist alles in allem okay. Er könnte zwar hier und da detaillierter sein, ist aber auch nicht schlecht. Die Darstellung der Xenomorphe hält sich weitgehend an die Filmvorlage, nur die Königinnen weichen stark ab. Wobei Neca für seine Figur der Red Queen nur deren Tentakel am Kopf übernommen und sich sonst mehr an der Filmvorlage orientiert hat.
Die Menschen wirken stark comichaft und weniger realistisch, haben aber durchaus Wiedererkennungswert. Etwas altertümlich erscheinen die Kordeln an den Schulterklappen der hohen Militäroffiziere. Das war vor allem bei Marineoffizieren der frühen Kolonialzeit in Mode und fand sich in der Moderne nur noch bei den schrillen Fantasieuniformen von Muammar al-Gaddafi. An den Uniformen von Space Marines der Zukunft wirkt solcher Schnickschnack eher deplaziert und albern.
Die Architektur der Zukunft ist okay, wobei das Raumschiff der Marines nicht dem Design der Alien-Filme entspricht. Von hinten sieht es aus wie ein riesiger Käfer. Das Einzige, was an den ersten Teil von Alien (1979) erinnert, sind die sternförmig angeordneten Schlafkapseln.
Die Farben sind leider nicht sehr natürlich. Die Kolorierung, die zuweilen nach Aquarellfarben aussieht, ist überwiegend sehr blass und eintönig, zwischendurch tauchen jedoch ebenso unpassende intensive Farben auf. Allen voran das Giftgrün des Raumschiffs, welches bestenfalls zu einem romulanischen Warbird passen würde. Das Blut der Xenomorphe ist dafür rot statt gelb. Leuchteffekte gibt es keine und Glanz wird bestenfalls auf Fliesenböden angedeutet. Das Cover verspricht hier deutlich mehr als der Inhalt hält.
Bei der deutschen Ausgabe hat Hethke diesmal auf allzu grobe Schnitzer verzichtet. Was dennoch auffällt, sind einige per Hand reingequetschte Buchstaben, mit denen Tippfehler in der Übersetzung ausgebessert worden sind.
Fazit: Inhaltlich eine Verbesserung
Der neue Handlungsbogen wartet mit einer interessanten Story auf, die in sich logischer erscheint als die bisherigen Bände. Sofern man natürlich davon ausgeht, dass sich aus Xenomorphen stärkende Präparate gewinnen lassen. Grafisch ist der Comic jetzt kein großer Wurf, allerdings entstand er in einer Zeit, in der es vor allem bei der Kolorierung noch nicht die heutigen Möglichkeiten durch Computerprogramme wie Photoshop gab. Von daher kann man diesem Werk ruhig eine Chance geben und Vorkenntnisse aus den vorangegangen Ausgaben braucht man nicht zwangsläufig, da er nur lose darauf aufbaut.
Info
Autoren: Mike Richardson & John Arcudi
Zeichner: Damon Willis
Farben: Arthur Suydam
Verlag: Hethke
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Warpskala
Warpskala-
Story7/10
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Zeichenstil5/10
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Kolorierung2/10
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