Beim Lesen des zweiten Bandes der Reihe stellt sich die Frage, wohin ihr Plot eigentlich will?

Ein völliger Widerspruch
Die Gruppe, die hinter der schwarzen Wand war, ist zurück. Doch erzählen sie nicht, was sie dort gesehen oder belassen es bei Andeutungen. Zur „Belohnung“ wird werden die Überlebenden aufgeteilt und an verschiedene Orte gebracht. Wo sie über kurz oder lang den Tod finden sollen.
Einer soll sein Glück als Gladiator probieren, eine andere wird an ein Freudenhaus verkauft. Doch für eine Person hat Gouvernour Achab etwas besonders vor. Denn Esther ist nicht irgendeine Frau. Sie ist nämlich in Wahrheit seine Tochter.
Wohin will die Black Horizon-Reihe? Was will sie bezwecken? Denn der zweite Band Hosianna steht im kompletten Widerspruch zu dem, was man im ersten Teil, Sitra Ahara gelesen hat.
Der Fokus verändert sich
Der erste Teil der Serie war schon fast klassischer Space Horror. Es wurde ein Mysterium um eine schwarze Wand aufgebaut, dann durfte man, sobald die Protagonisten durchgekommen sind, den ganzen Horror miterleben, der da existierte. Ehe am Ende ein weiteres Rätsel aufgemacht wurde, dieses Mal in Form von deutlichen Überbleibseln einer alten Zivilisation.
Eigentlich hätte der zweite Band dies alles aufgreifen müssen und weiterentwickeln sollen. Stattdessen jedoch macht der Comic etwas vollkommen anderes. Er erzählt seine eigene Story, unabhängig von den Geschehnissen der Vorgängerausgabe. Es wird zwar gesagt, dass die Ereignisse stattgefunden haben. Doch überwiegend hat man das Gefühl, dass dieser Teil in seiner eigenen Welt existiert, wo die früheren Geschehnisse nicht Teil der Realität sind.
Auch der Fokus der Story verändert sich. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen jetzt vor allem zwei Figuren. Einmal Gouvernour Acheb, der Antagonist. Sowie seine Tochter Esther, die Teil der Expedition hinter die schwarze Mauer war und nichts von ihrem Vater wissen möchte.
Eben ein typischer Antagonist
Dabei wird sich in diesem Album bemüht, die Charakterisierungen fast aller Protagonisten nachzuholen, die ja in der letzten Ausgabe nicht wirklich stattfanden. Man lernt sie besser kennen, sieht, wie sie in ihren jeweiligen Positionen versuchen, sich zu behaupten. Und wie sie nach und nach Teil einer Rebellion gegen die unterdrückenden Herrscher werden.
Das ist zwar einerseits gut. Die Figuren werden dadurch sympathisch und man fühlt mit ihnen. Aber andererseits wirkt vieles von dem, was man hier so liest, äußerst plakativ und nicht sonderlich subtil.
Das macht sich vor allem bei Achab bemerkbar. Von Anfang an wird er wie ein typischer Antagonist dargestellt. Er ist brutal, unterdrückend und bestraft im Grunde genommen all diejenigen, die es wagen, sich ihm zu widersetzen. Wie eben Esthers Mutter, die er weggesperrt hat.
Was ist passiert?
Gleichzeitig versucht er, sein Kind in seinem Sinne zu erziehen. Er zeigt ihr, wie man die Massen mit Lügen manipuliert, versucht sie genauso wie er selbst zu machen. Doch etwas muss dann schiefgelaufen sein, sonst wäre sie ja nicht am Anfang des ersten Bandes im Gefängnis gelandet.
Doch was genau passiert, das erfährt man nicht. Stattdessen scheint sich Autor Phillipe Pelaez darauf zu fokussieren, immer neue blutige Szenen zu präsentieren. So schön es auch ist, wenn man so liest, wie hier langsam aber sicher eine Rebellion gegen das Regime des Gouverneurs entsteht. So langweilig ist es wiederum, wenn man wiederholt neue Gewaltszenen sieht, die dem Plot gegenüber scheinbar bevorzugt werden.
Um nochmal auf die eingangs gestellte Frage zu kommen: Mit diesem Album wird nicht klar, wohin der Autor gehen möchte. Oder wie er es schaffen will, diese zwei so unterschiedlichen Erzählweisen miteinander zu verschmelzen. Denn der Horror des ersten Bandes ist im zweiten nicht mehr zu finden.
Ein zuviel an Farbe
Die Illustrationen von Benjamin Blasco-Martinez werden stellenweise in der Farbgebung förmlich ertränkt. Gleichzeitig hat er auch Passagen, wo seine Illustrationen fahrig wirken. Insgesamt macht er immerhin eine gute Leistung.
Es ist ein merkwürdiger Band. Mal sehen, wie es dann beim Dritten aussehen wird.
Info
Autor: Philippe Pelaez
Zeichnungen und Farbe: Benjamin Blasco-Martinez
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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