Was als harmlose Folge anfängt, endet mit einem traumatischen Plottwist.
Zwei unterschiedliche Hälfte
David (Zach Aguilar) wird von der Gruppe von Maine in die Welt der Edgerunner eingeführt. Nach und nach lernt er Auto fahren, erfüllt kleinere Aufträge und joggt jede Nacht mit Lucy (Emi Lo). Nach und nach lernt er, was es braucht, um in dieser brutalen Welt zu überstehen.
Und brutal ist sie in jederlei Hinsicht. Das sieht man unter anderem daran, als Pilar (Ian James Corlett) eines Abends einen Obdachlosen hänselt. Und dies am Ende mit seinem Leben bezahlt.
Lucky You ist eine Episode, die man getrost in zwei Hälften aufteilen kann. Nicht nur inhaltlich, sondern auch animationstechnisch. Der erste Teil zeigt, wie David trainiert wird. Die zweite schließlich das Schicksal von Pilar und wie alle damit umgehen.
Training muss sein
Die erste Hälfte dient ebenfalls dazu, dass man einige Mitglieder von Maines Gruppe näher kennenlernt. So zeigt sich Rebecca einerseits als freundlich und großmütig. Hat aber andererseits ebenso eine kurze Zündschnur und kann wegen jeder Sache in Rage geraten. Gleichzeitig scheint sie an David Gefallen gefunden zu haben. Maine hingegen gibt den großen Bruder, der Anweisungen gibt und sich ansonsten regelmäßig nach Fortschritt erkundigt.
Man sieht in eben jener ersten Hälfte David wachsen. Getragen wird dieser Part auch von wiederkehrenden Elementen. So geht der Junge regelmäßig mit Lucy joggen, obwohl sie ihn eher kühl behandelt. Oder er sitzt mit Maine zusammen und berichtet ihm, was er für Fortschritte gemacht hat.
Dabei sieht man auch, wie der Bursche trainiert und sich verbessert. Er lässt sich neue Cyberimplantate einbauen und macht unter der Dusche körperliches Training. Daran merkt man, wie sehr er wirklich Teil der Welt der Edgerunner werden will. Trotz der Tatsache, dass diese eben sehr brutal ist, was er selbst oft genug erlebt hat.
Langweilige Routine?
Animationstechnisch ist dieser Part nicht gerade überwältigend. Es werden hier viele Standbilder oder wiederkehrende Animationen eingesetzt. Doch diese im Verhältnis nicht eben berauschende Optik hat einen bestimmen Zweck: Sie fühlt sie wie einlullende Routine an. Alles wirkt ruhig und beschaulich, bis auf ein paar wenige Ausreißer.
Das alles ändert sich dramatisch, als dann Pilar ums Leben kommt. Er wird durch einen Cyberpsycho ermordet, den er vorher verbal angegangen ist. Der Tod von diesem ist natürlich für alle ein Schock. Eben war er noch am Leben und im schon kurz darauf ist er kopflos.
Sein Ableben ist ein Fanal. Ein Zeichen dafür, dass in der Welt von Cyberpunk der Tod quasi direkt um die Ecke lauert. Und es keine Möglichkeit gibt, das vorherzusagen. Vor allem auch, weil es so plötzlich geschieht.
Härte, körperlich und emotional
Die Reaktionen der anderen Mitglieder sind dabei überraschend. Rebecca nimmt es natürlich am meisten mit, schließlich war er ihr Bruder. Maine hingegen bleibt verhältnismäßig kühl und gelassen, schon fast zu sehr kühl und gelassen. Er zeigt keine sichtbaren Anzeichen von Trauer, sondern gibt Kommandos, die sich zunächst nur mit den Lebenden befassen.
Aber diese abgehärtete Reaktion kommt sicherlich nicht von ungefähr. Es ist unklar, wie lange er schon Edgerunner ist. Aber vermutlich kann er bereits auf einiges an Lebenserfahrung zurückblicken und ist dementsprechend abgehärtet. Man darf das nicht mit Gefühlskälte verwechseln, denn das ist er nicht. Er versteckt nur seine Gefühle unter der Maske des abgeklärten Anführers, der die Prioritäten wichtig setzt. Und diese sind, die Lebenden in Sicherheit zu bringen und sich erst dann um die Toten zu kümmern.
Für David selbst ist das Ableben von Pilar ein Wechselpunkt. Man sieht ja, wie ihn das an seine Mutter erinnert. Was ja dann ebenso der Trigger ist, aktiv zu werden und dem Cyberpsycho eine Kugel in den Kopf zu jagen. Auch wenn dies diesen erstmal nicht außer Gefecht setzt.
Einfach nur grandios
Animationstechnich zeigt Studio Trigger, was kann. Es ist verstörend, aber auch faszinierend. Wie zum Beispiel, wie es Cyberpsychose visuell umsetzt. Und beweist dabei, wie sehr es mit dieser „langweiligen“ ersten Hälfte den Zuschauer aufs Eis geführt hat.
Es ist einfach erneut eine grandiose Folge.
Info
Drehbuch: Yoshiki Usa and Masahiko Ōtsuka
Story: Bartosz Sztybor, Jan Bartkowicz und Łukasz Ludkowski
Regie: Akira Furukawa
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- Cyperpunk: Edgerunners – 04 – Lucky You - 19. Februar 2026
- Avatar: Der Herr der Elemente – 43 – Sokka und sein Meister - 19. Februar 2026
- Logan – The Wolverine (2017) - 18. Februar 2026

