In dieser Folge wird wieder ein langjähriges Merkmal der Reihe präsentiert, wenn auch etwas anders, als gewohnt.
Das eine Merkmal
Jack Duquesne (Tony Dalton) ist im Red Hook inhaftiert. Zwar kann seine Anwältin Kirsten McDuffie (Nikki M. James) ihn besuchen. Doch ist von Anfang an klar, das sein Prozess kein fairer sein wird, dass im Gegenteil das Urteil gegen ihn schon vorneherein feststeht. Auch wenn sie alles in ihrer Macht stehende versucht, das doch noch zu verhindern.
Wilson Fisk (Vincent D’Onofrio) setzt derweil alles darauf, seine Macht weiter auszubauen. Als ihm die Gouverneurin des Staates New York droht, in die Quere zu kommen, setzt er seine Leute darauf an, Material gegen sie zu finden. Derweil er parallel dazu versucht, seine Spuren zu verwischen und Leute umzubringen, die ihm gefährlich werden könnten.
Es ist das Merkmal der Daredevil-Serie: Das mindestens einmal pro Staffel eine lange Sequenz stattfindet, in der die Titelfigur sich einen heftigen Kampf gegen mehrere Feinde liefert. Und diese Auseinandersetzung dann ohne sichtbare Schnitte auskommt. Mit Die Waage und das Schwert gibt es jetzt eine solche Szene in der zweiten Season von Daredevil: Born Again.
Wenn noch nichtmal das Recht funktioniert
Doch die Episode lässt sich Zeit, dieses Highlight zu präsentieren. Zeit, die sie dazu nutzt, um das Szenario aufzubauen, in dessen Kontext dieser Kampf stattfindet. Zeit, in der dann ebenfalls gezeigt wird, wie viel Macht und Einfluss Wilson Fisk bereits hat. Auch wenn er in dieser Folge wieder gewisse Grenzen aufgezeigt werden.
Im Prinzip erhält die Gouverneurin des Staates New York ein wichtiges Dokument, dass sie gegen Fisk einsetzt. Sie droht ihm damit, was dieser natürlich nicht so einfach wegsteckt. Im Gegenteil: Er setzt seine Leute darauf an, dass sie Dreck über sie herausfinden. Oder allgemein ein Mittel, um sie unter Druck zu setzen und gefügiger zu machen.
Im Prinzip will er dasselbe erreichen, wie bereits bei vielen anderen Leuten: Das sie ihm bedingungslos gehorchen. Dass sie seine Befehle haargenau ausführen. Auch wenn offensichtlich ist, dass dies gegen das geltende Recht verstößt. Doch wenn die Rechtsvertreter sich überwiegend auf der Seite des Kingpins befinden, dann gibt es niemanden, der für die gerechte Anwendung der Gesetze sorgt.
Eine großartige Szene
Der Prozess gegen Jack Dquuesne ist dafür das beste Beispiel. Man weiß, genau wie seine Anwältin Kirsten McDuffie, dass der Gerichtsprozess eine einzige Farce ist. Dass hier nichts wirklich fair ist. Dass das Urteil bereits schon von vorneherein feststeht, weil sowohl Staatsanwalt wie auch die Richter freiwillig oder unfreiwillig für Fisk arbeiten. Insofern ist das Vorgehen von McDuffie lobenswert. Es gleicht allerdings mehr einem Kampf gegen Windmühlen, zwar irgendwo ehrenwert, aber ohne Aussicht auf Erfolg.
Allerdings ist dies auch der Moment, wo mal wieder die einzelnen Räder der Folge ineinandergreifen. Denn man hat zu Beginn der Episode gesehen, wie ein Mitglied der AVTF Karen Page und Matt Murdock eine Zugangskarte zum Red Hook gibt, weil er nicht mehr ansehen kann, was gerade geschieht. Derweil später auch offensichtlich wird, dass Kirsten McDuffie zwar beim Zugang zum Gefängnis die Augen verdeckt wurden. Sie aber mit Hilfe ihrer anderen Sinne Hinweise erfasst hat, wo sich das Gebäude befinden könnte.
Und das gipfelt in einer fantastischen Befreiungsaktion. Wo es dann auch zu der eben beschriebenen Szene kommt. In der man sieht, wie Daredevil und Duquesne zusammenarbeiten, um sowohl die Gefangenen zu befreien, wie ebenso die Wachmänner zu erledigen. Das wirkt wieder wie aus einem Guss, auch wenn man, wenn man genau hinschaut, den Einsatz des einen oder anderen CGI-Effekts bemerkt. Trotzdem ist dies optisch eine großartige Szene.
Es findet sich alles zusammen
Dieser Part der Episode ist dabei auch einer, in der man sieht, wie die verschiedenen Protagonisten zusammenfinden. Man sieht, wie Karen Page sich verteidigt und Daredevil unterstützt. Und wie Angela del Toro auftaucht und ebenfalls einiges zum Gelingen des Ausbruchs beisteuert. Hier ist es interessant, dass sie das Amulett ihres verstorbenen Vaters trägt, derweil ihr Outfit entfernt an dessen Kostüm erinnert.
Interessant ist dabei, wie Wilson Fisk reagiert. Er bleibt äußerlich gefasst, reagiert nicht mit einem Wutausbruch. Sondern befiehlt, dass das Wrack der Northern Star mitsamt der Bergungsmannschaft, die noch an Bord ist, in die Luft gesprengt wird. Womit er zeigt, dass er in dieser Stadt immer noch die Fäden zieht.
Eine Szene muss noch erwähnt werden: Im ersten Drittel der Folge sprechen Karen Page und Matt Murdock über den Punisher, der anscheinend verschwunden ist. Und hier zeigt die ehemalige Reporterin durchaus Sympathien für dessen Vorgehensweise. Sehr zum Entsetzen Daredevils. Sie kann ihn zwar beschwichtigen, aber hier deutet sich ein Schisma an.
Es ist wieder eine großartige Folge.
Info
Drehbuch: Heather Bellson
Showrunner: Dario Scardapane
Regie: Solvan „Slick“ Naim
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Warpskala
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