Ein Manöver der US-Navy entwickelt sich zu einem Zeitreise-Abenteuer.
Top Gun mit Sci-Fi-Elementen
Warren Lasky (Martin Sheen) arbeitet für eine Firma, die Kriegsschiffe herstellt. Als Beobachter wird er auf den Flugzeugträger USS Nimitz entsandt, der im Pazifik ein Manöver abhalten soll. Captain Matthew Yelland (Kirk Douglas) führt das Kommando. Während des Manövers gerät die Nimitz jedoch in eine physikalische Anomalie, die alle zunächst für eine Unwetterfront halten, bis eine absolute Kakophonie ausbricht. Die Crew mutmaßt, ob es sich um die Auswirkungen eines Atomkriegs handeln könnte. Der Kontakt zur Außenwelt kann jedoch wiederhergestellt werden, wobei im Radio ein Retroprogramm mit Oldies zu laufen scheint.
Nach einem Überflug über Pearl Harbor wird die Brückencrew dann aber endgültig stutzig, da die gemachten Aufnahmen zeigen, dass dort Schiffe ankern, die am 6. Dezember 1941 beim Angriff der Japaner zerstört worden sind. Außerdem entdecken sie in der Nähe eine zivile Yacht, die sich dort nicht aufhalten sollte, aber offenkundig unter US-Flagge fährt. Bald tauchen zwei antiquierte japanische Flugzeuge auf, welche die Yacht unter Beschuss nehmen, wobei Menschen getötet werden. Captain Yelland lässt die Überlebenden bergen. Es handelt sich um den längst verstorbenen Senator Samuel Chapman (Charles Durning), dessen Assistentin Laurel Scott (Katharine Ross) und deren Hund. Außerdem wird einer der japanischen Piloten (Soon-Tek Oh) aus dem Meer gefischt.
Alle Geretteten reagieren beim Anblick der modernen Technologie und insbesondere dem Helikopter sehr verwundert und werden erst einmal unter Deck gebracht. Spätestens nun wird den Nimitz-Offizieren klar, dass sie durch die Zeit gereist sind und zwar wenige Stunden vor den Überfall der Japaner auf Pearl Harbor. Das bedeutet, dass ihre Gäste zu viel gesehen haben. Im Falle des Japaners erledigt sich das Problem von selbst, da dieser sich einer Waffe bemächtigt und Laurel als Geisel nimmt. Nachdem er einige Crewmitglieder getötet hat, kann er überwältigt und seinerseits erschossen werden.
Senator Chapman erweist sich ebenso als schwierigerer Fall, denn er ist US-Amerikaner und verlangt, dass Pearl Harbor vor den Japanern gewarnt wird. Schließlich wird ihm tatsächlich gestattet, den Militärhafen anzufunken, doch dort glaubt ihm niemand seine Identität und erst recht nicht seine Story. Captain Yelland ist noch unentschlossen, wie er verfahren soll, will aber erst einmal die Zivilisten von Bord haben. Er lässt sie zu einer abgelegenen Insel fliegen, wo Laurel aussteigt und Wing Commander Richard T. Owens (James Farentino) ihr beim Ausladen der Überlebensausrüstung hilft. Chapman greift sich derweil eine Waffe und versucht, den Hubschrauber unter seine Kontrolle zu bringen. Ein Schuss löst sich und der Helikopter explodiert. Owens und Scott sind gestrandet.
Auf der Nimitz hat Yelland unterdessen alle Flugzeuge losgeschickt, um die japanische Flotte im Meer zu versenken. Ausgerechnet da taucht plötzlich wieder der Zeitwirbel auf und da der Captain nicht zulassen kann, dass seine Leute in der Vergangenheit zurückbleiben, muss die Mission abgebrochen werden. Alle schaffen es noch rechtzeitig zurück, nur Commander Owens sitzt immer noch auf der Insel fest. Im Jahr 1979 besuchen er und Laurel als altes Ehepaar erneut die Nimitz.
Verpasste Chancen
In den ersten Minuten des Films, die sich wie Kaugummi ziehen, fühlt man sich an in Top Gun (1986) erinnert, der allerdings erst sechs Jahre später in die Kinos kam. Wenig überraschend wurde auch Der letzte Countdown aktiv vom US-Militär unterstützt. Es gibt also jede Menge Pathos, um nicht zu sagen Propaganda.
Dann nimmt der Film jedoch eine überraschende Wendung, als eine Raum-Zeit-Anomalie auftaucht und mit der USS Nimitz etwas Ähnliches geschieht, wie mit der USS Eldridge in Das Philadelphia Experiment (1984). Der Flugzeugträger wird fast 40 Jahre in der Zeit zurück versetzt. Das Zeitreise-Element stellt die Führungsoffiziere vor schwierige Entscheidungen. Wie sollen sie sich verhalten? Dürfen sie in den Lauf der Geschichte eingreifen? Das macht den Film letztendlich wieder interessant.
Ein erstes Zusammentreffen mit zwei japanischen Kampfflugzeugen demonstriert die Überlegenheit der modernen Kampfjets aus dem Jahr 1979. Doch schon die Aufnahme von zwei überlebenden Angriffsopfern der Japaner sowie eines japanischen Piloten an Bord der Nimitz verursacht massiven Ärger. Der Japaner, der extrem klischeebeladen dargestellt wird, ist mehr daran interessiert, ein paar Amerikaner über den Haufen zu schießen, als seine ungewöhnliche Lage zu begreifen. Warum man sich überhaupt ein solches Sicherheitsrisiko an Bord geholt hat, bleibt fraglich.
Ein weiteres Risiko stellt der arrogante Senator Chapman dar, dem man in Pearl Harbor zum Glück nicht glaubt. Später findet er durch seine eigene Schuld den Tod, wie es die Geschichtsschreibung verlangt. Und das ist der Knackpunkt der Geschichte. Nur durch äußere Umstände bleibt die Zeitlinie intakt. Der Plan, den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor zu verhindern, scheitert nur am erneuten Auftauchen des Wurmlochs. Captain Yelland muss seine Piloten notgedrungen zurückpfeifen, wenn sie nicht in der Vergangenheit stranden sollen.
Dadurch wird eine Diskussion um das moralische Dilemma umgangen, die wirklich interessant gewesen wäre. Einerseits ist die Crew der Nimitz durch ihren Eid verpflichtet, ihren Kameraden in Pearl Harbor zu helfen. Das hätte jedoch massive Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte gehabt. Ohne das Opfer von Pearl Harbor wären die USA nicht in den 2. Weltkrieg eingetreten. Das hätte zur Folge gehabt, dass Nazideutschland und Japan die Oberhand in Europa sowie Asien gewonnen und am Ende nur noch die Sowjetunion sowie Großbritannien gegen die Achsenmächte gekämpft hätten – mit ungewissem Ausgang.
Wie die Welt hätte aussehen können, wenn die Nimitz die Japaner gestoppt hätte, zeigt der Film Vaterland (1994). Es wäre daher schön gewesen, wenn zumindest einer der Charaktere in Der letzte Countdown die Frage nach der historischen Richtigkeit eines Eingriffs aufgeworfen hätte, sodass der Captain das Für und Wider abwägen muss. Stattdessen entpuppen sich alle als Hitzköpfe, die zuerst schießen und dann nachdenken. Warren beharrt sogar darauf, „alle Fehler“ der letzten 40 Jahre zu „korrigieren“. Nur der Zufall verhindert Schlimmeres. Damit verspielt der Film sein großartiges Potential. Was bleibt, sind ein paar beeindruckende Luftkämpfe zwischen ungleichen Gegnern, bei denen man allerdings die Lautstärke besser runter regelt.
Starbesetzung
Eines muss man dem Film lassen: Er ist hochkarätig besetzt. In der Rolle des Nimitz-Kapitäns ist Kirk Douglas (1919-2020) zu sehen. Die Liste seiner Filme ist endlos lang, für Science-Fiction-Fans dürfte aber vor allem seine Rolle als Ned Land in der Jules Verne-Verfilmung 20.000 Meilen unter dem Meer (1954) relevant sein. Kirk Douglas erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Golden Globe, die Goldene Kamera und einen Stern auf dem Walk of Fame, bevor er im gesegneten Alter von 103 Jahren verstarb. Er war Vater des Filmproduzenten Joel Douglas und des nicht weniger berühmten Schauspielers Michael Douglas, den Marvel-Fans als Hank Pim aus den drei Ant-Man-Filmen (2015/2018/2023) kennen dürften.
Die zweite Hauptrolle Warren Lasky wird von Martin Sheen (bügerl. Ramón Antonio Gerardo Estévez) gespielt, der in Meisterwerken wie Apocalypse Now (1979) und Gandhi (1982) mitspielte. Im Bereich Science Fiction war er u. a. im Babylon 5-Film Fluss der Seelen (1999) und als Ben Parker in den The Amazing Spider-Man-Filmen (2012/2014) zu sehen. Seine Kinder Joseph, Emilio, Ramon und Renée sind ebenfalls allesamt im Schauspielgeschäft tätig, allerdings unter dem bürgerlichen Familiennamen Estévez. Am bekanntesten dürfte sein Sohn Charlie Sheen (bürgerl. Carlos Irwin Estévez) sein, der mit Platoon (1986) ebenso wie der Vater in einem Vietnam-Antikriegsfilm dabei war. In der Top Gun-Parodie Hot Shots! Der zweite Versuch (1993) waren sogar beide gemeinsam zu sehen.
Die einzige weibliche Darstellerin Katharine Ross kann ebenfalls auf eine lange Karriere zurückblicken, wobei sie in Donnie Darko (2001) erneut mit Zeitreisen konfrontiert war. Neben einer Handvoll anderer Darsteller sind in Der letzte Countdown zahlreiche Militärangehörige als Statisten zu sehen. Die Nimitz befand sich während der Dreharbeiten übrigens im Atlantik und nicht im Pazifik.
Fazit zu Der letzte Countdown: Zeit für ein Remake
Die Idee des Films ist vielversprechend und es mangelt ihm weder an Ausstattung noch an namhaften Darstellern. Leider wird das moralische Dilemma nicht ausgereizt, es findet keine Debatte darüber statt. Sollte es jemals ein Remake geben, müsste an diesem Punkt unbedingt nachgebessert werden. Recht ähnlich, aber kein Remake, ist der Film Das Philadelphia Experiment, der vier Jahre später in die Kinos kam. In diesem reist die USS Eldridge jedoch nicht durch Zufall, sondern aufgrund eines Experiments durch die Zeit, und das vom Jahr 1943 in die Zukunft des Jahres 1984. Auch sonst unterscheiden sich die beiden Filme stark.
Erschienen ist Der letzte Countdown unter anderem als limitiertes Mediabook mit verschiedenen Covern exklusiv bei Müller. Besonders schön ist das gemalte Cover B. Enthalten ist der Film auf DVD, Blu-Ray und in UHD mit 4K-Auflösung. Da die Mediabooks zum Sonderpreis verramscht werden, können Sammler hier ein gutes Schnäppchen machen.
Info
Drehbuch: David Ambrose, Gerry Davis, Thomas Hunter & Peter Powell
Regie: Don Taylor
Musik: Alan Howarth & John Scott
Kamera: Victor J. Camper
Schnitt: Robert K. Lambert
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
- Aliens – Nr. 1 (Hethke) - 10. Februar 2026
- Aliens – Was wäre, wenn …? - 3. Februar 2026
- Waxwork II: Lost in Time (1992) - 30. Januar 2026


