Wenn diese Episode eins schafft, dann ist es, dass man Hank, Lucys Vater, nur noch mehr hassen wird.
Skrupellos auch damals schon
Im Jahr 2283 haben Überlebende in Shady Sands einen Ort eingerichtet, wo es sich leben lässt. Darunter auch Maximus und seine Eltern. Doch dann taumelt ein verwirrter Mann mit einem Karren in die Siedlung. Der Mann wird von einem Chip kontrolliert und hat auf seinen Wagen eine Atombombe, die am Ende von Hank (Kyle MacLachlan) ferngezündet wird. Nur ein junger Maximus überlebt die Explosion, weil er zuvor von seinen Eltern in einen Kühlschrank gesteckt (Indiana Jones lässt grüßen).
Jahre später ist aus dem Jungen ein Mann (Aaron Moten) und ein Ritter der stählernen Bruderschaft geworden. Er wird in einen Plan des Ältesten verwickelt, einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Derweil beweist Lucy (Ella Purnell) wieder ihre weiche Seite, sehr zum Ärger des Ghouls. Ihr Bruder Norm (Moisés Arias) muss während dessen mit den Konsequenzen seiner Verzweiflungstat fertig werden, während ihr gemeinsamer Vater sich immer mehr von seiner skrupellosen Seite zeigt.
Die Goldene Regel war ja immer die Hauptregel, nach der Lucy lebte. Auch wenn sich ja wiederholt zeigte, dass wenn sie dieser folgte sie damit häufig eher das Gegenteil von dem erreichte, was sie wollte. Was nicht zuletzt immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen mit dem Ghul führte.
Ist dies… Rache?
Auch diese Folge zeigt einmal mehr, wie wenig Lucy aus ihrer Haut kann. Und doch ist es nicht so wie früher. Dieses Mal mischt sich zum ersten Mal ein wenig Zynismus mit ein. Denn als sie ihrer Regel folgt, lässt sie den Ghul zurück, wohl wissend, dass er seine Verletzung überleben dürfte.
Es ist interessant zu sehen, wie die ehemalige Vault-Bewohnerin zum ersten Mal ihre goldene Regel anpasst. Dass dabei der Ghul der Leidtragende ist, dürfte hierbei sicherlich kein Zufall sein. Schließlich ist er mit seiner zynischen Sichtweise und der Tatsache, dass er oft genug mit seinem Verhalten und Vermutungen richtig lag, das passende Ziel dazu. Es ist jetzt weniger Hass, der hier im Spiel ist. Als vielmehr wohlkalkulierte Abrechnung. Es ist für Lucy die Gelegenheit, ihrem Reisengefährten endlich mal klar zu machen, dass ihre goldene Regel auch im Wasteland funktioniert. Wobei das Ende dieses Plots eher darauf hindeutet, dass das wieder nach hinten losgehen dürfte.
Ebenso interessant ist die Handlung um Maximus. Der Beginn der Episode, wo eine indirekte Verbindung zwischen ihm und Hank aufgebaut wird, ist großartig. Doch dazu später mehr. Wichtig ist, dass man in dieser Folge sieht, dass Maximus in seiner mehr oder weniger unfreiwillig erlangten Rolle als Ritter angekommen ist. Er ist mittlerweile ein williger Erfüllungsgehilfe des Ältesten seines Ablegers der stählernen Bruderschaft. Und oft genug ist er von allen Mitgliedern ausgerechnet der Vernünftigste, was man unter anderem daran sieht, dass er, als zwei andere Ritter mit einer scharfen Granate spielen, die einkassiert.
Ein Bürgerkrieg als gute Idee?
Wobei seine Hörigkeit gegenüber dem Ältesten nicht unbedingt überall auf Gegenliebe stößt. Sein früher Freund Dane zeigt sich mehr als skeptisch und ablehnend. Weshalb die beiden auch einmal deswegen fast streiten.
Dennoch ist die Idee eines Bürgerkriegs innerhalb der stählernen Bruderschaft eine befremdliche. Anscheinen hat der Älteste Quintus eigene Pläne, an deren Ende er selbst derjenige ist, der am meisten davon profitiert. So richtig deutlich wird das nicht, aber es deutet vieles daraufhin. Wobei das Finale dieses Plots darauf hindeutet, dass sein Vorhaben sich eventuell nicht so entwickeln könnte, wie vielleicht geplant.
Der Plot von Norm und den wiedererweckten Vorstandsvorsitzenden wirkt dabei wie Comedy Relief. Denn die künftige Hoffnung der Führungspositionen der Vaults zeigen sich stellenweise als weltfremd und unbeholfen. Es ist erstaunlich, wie gut es Lucys Bruder gelingt, diese dahingehend zu manipulieren, dass sie ihm einen Weg in die Freiheit ermöglichen. Wobei sich am Ende die Frage stellt, wie es weitergehen soll. Denn wie man ja aus der ersten Staffel weiß ist außerhalb der Vaults eine lebensfeindliche Einöde.
Wenn jemand noch hassenswerter wird
Wenn es einen „Gewinner“ dieser Folge gibt, dann ist es Hank. Denn diese Episode beweist deutlich, wie skrupellos er sein kann, wenn es um das Erreichen seiner Ziele geht. Das zeigt sich zu Beginn der Folge, als er aus dem sicheren Vault heraus Shady Sands vernichtet, wobei die Motive dafür noch unklar sind. Vermutlich ist ihm und seinen Vorgesetzten diese Siedlung ein Dorn im Auge, eben weil sie eine Möglichkeit des friedlichen Überlebens gefunden hat.
Doch so richtig hassenswert entwickelt er sich dann im Laufe der Folge. Als er nämlich zunächst die neue Chipgeneration, mit denen sich andere fernsteuern lassen, zunächst an Mäusen ausprobiert. Mit für diese tödlichem Ausgang. Bis er schließlich sie an einem Menschen testet. Hierbei zeigt er sich eher genervt davon, dass die Köpfe der Testsubjekte explodieren. Es geht ihm also einzig und allein darum, sein Ziel zu erreichen. Dass dabei Leben auf der Strecke bleiben, ist ihm herzlichst egal. Und das sorgt eben dafür, dass man noch mal so richtig Hass auf ihn entwickelt.
Es ist wieder eine großartige Folge.
Informationen:
Drehbuch: Chris Brady-Denton
Regie: Frederick E. O. Toye
Showrunner: Graham Wagner, Geneva Robertson-Dworet
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- Fallout – 10 – Die Goldene Regel - 20. Januar 2026
- Star Trek Enterprise – 092 – Die Abweichung - 19. Januar 2026
- Star Trek – Starfleet Academy – 01 – Kids These Days - 18. Januar 2026

