Mit dieser Folge startet eine neue Star Trek-Serie, die sehr hohe Erwartungen erfüllen muss.
Auf diese Serie kommt es an
Als Star Trek-Fan waren die letzten Jahre ein Schlaraffenland, wenn man sich darauf einließ. Es liefen übers Jahr verteilt unterschiedliche Reihen, die die verschiedensten Geschmäcker bedienten. Picard bot etwas für Nostalgiker, Lower Decks war eine humorvolle Hommage an Star Trek allgemein, derweil Discovery gleich komplett in neue Dimensionen aufbrach.
Doch diese Zeiten waren zuletzt vorbei. Der Großteil der Serien sind ausgelaufen oder, wie Strange New Worlds, enden in absehbarer Zeit. Und die einzigen neuen Serien sind einmal die für ein Vorschulpublikum konzipierte Star Trek – Scouts, sowie Star Trek – Starfleet Academy. Letztere sollte am 15. Januar starten.
Dabei stand die Streamingserie unter besonderer Beobachtung. Denn in den letzten Jahren hat sich das Star Trek-Fandom immer mehr gespaltet. Es gibt jene, die die aktuellen Serien komplett ablehnen, wobei unter anderem auch der Vorwurf gebracht wird, dass das Franchise „woke“ geworden sei, als ob das Franchise dies noch nie gewesen sei. Und es existieren jene, die zwar erkennen, dass die heutigen Reihen Fehler hatten, die aber ebenfalls anerkennen, dass Star Trek sich weiterentwickelt hat und es versuchen musste, ein neues Publikum anzusprechen. Ursprünglich sollte ja Star Trek – Prodigy dies vollbringen. Doch auch wenn die Reihe qualitativ großartig war, konnte sie ihre Mission nicht erfüllen und wurde nach zwei Staffeln und einem Streamingdienstwechsel eingestellt.
Für jeden etwas dabei
Jetzt also Starfleet Academy. Die Reihe war dabei von Anfang an dazu konzipiert, vor allem das sogenannte „Young Adult“(Jugendliche und Junge Erwachsene)-Publikum anzusprechen. Dementsprechend sollte sich der Cast vorwiegend aus jungen Schauspielern zusammensetzen, die stellenweise noch keine nennenswerte Schauspielkarriere haben sollten. Wobei es aber trotzdem auch deutlich erfahrene Darsteller geben sollte. Und dabei gelang es der Serie, den einen oder anderen Coup zu landen.
Die Hauptrolle von Captain und Kanzler Nahla Ake sollte nämlich von niemand Geringeren als Holly Hunter übernommen werden. Die Schauspielerin konnte auf eine illustre Karriere zurückblicken, bei der sie unter anderem einen Oscar für ihre Darstellung in Das Piano gewonnen hatte. Ebenso sprach sie Elastigirl in Die Unglaublichen. Doch auch alte Star Trek-Fans wurden angesprochen, als nämlich bekannt wurde, dass Robert Picardo seine Rolle als der Holodoc aus Star Trek – Voyager und Star Trek – Prodigy wieder aufnehmen würde.
Stellenweise sehr vorhersehbar
Einige Zeit nach dem Brand verhaftet Captain Nahla Ake als Vertreterin der Föderation den Kellariten (Ein Klingonen-Tellarit-Mischling) Nus Braka. Als Zeugin sagt Anisha Mir aus, Mutter des sechsjährigen Caleb Mir. Doch da sie ebenfalls Dreck am Stecken hat, muss sie ebenso eine Strafe absetzen, woraufhin Mutter und Kind voneinander getrennt werden. Und der junge Caleb legt Captain Nahal kurz darauf rein, stiehlt ihren Kommunikator und macht sich auf und davon.
Jahre später ist aus dem Jungen ein Erwachsener geworden, der einiges auf dem Kerbholz hat. Doch bei seinem neusten Versuch, nach seiner Mutter zu suchen, wird er erwischt, und nur das Eingreifen von Captain Nahla Ake verhindert das Schlimmste. Sie bietet ihm einen Deal an: Er tritt der neu eröffneten Sternenflottenakademie bei und sie hilft ihm bei der Suche nach seiner Mutter. Widerwillig willigt er ein. Wobei er weiterhin versucht, seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Was allerdings an einer Stelle für eine Katastrophe sorgt …
Kids These Days – der deutsche Titel war zum Zeitpunkt der Rezension noch nicht vorhanden – hat dicke Bretter zu bohren. Es muss einerseits die Serie vorbereiten, aber andererseits ebenso die diversen Zielgruppen unter einen Hut bringen. Weil eben nicht nur die normalen Trekies angesprochen werden müssen, sondern ebenfalls das Young-Adult-Publikum. Gleichzeitig muss der Plot auch spannend sein, ohne allzu vorhersehbar oder klischeehaft auszufallen.
Die Mission ist nicht ganz erfolgreich gelungen. Stellenweise sind der Plot und die Figurenentwicklungen arg vorhersagbar geraten. Aber das wird durch die Schauspieler und ihre Charaktere mehr als wettgemacht. Es sind es vor allem die Veteranen, die glänzen können, wobei die jungen Darsteller noch nicht komplett in ihren Rollen angekommen sind.
Großartige Darsteller
Vor allem Holly Hunter kann glänzen. Von Anfang spielt sie grandios auf. Sie versucht erst gar nicht, sich bei der Art, ihre Figur darzustellen, an anderen bekannten Captains zu orientieren. Ihr Charakter fläzt auf dem Captainsstuhl und liest ein Buch, ist sehr daran interessiert, der jüngeren Generation etwas beizubringen, und empfindet Schuldgefühle, weil sie Caleb von seiner Mutter getrennt hat. Man merkt ihr wirklich an, dass sie mit Spaß bei der Sache ist.
Doch auch Robert Picardo ist großartig. Die Tatsache, dass der Schauspieler natürlich älter geworden ist, wird in der Episode dadurch erklärt, dass der Holodoc in sich ein Programm eingespeist hat, dass ihn älter aussehen lässt. Die Art und Weise, wie er dann beispielsweise die jungen Kadetten medizinisch untersucht und schonungslos seine Diagnosen präsentiert, erinnert an früher. Doch außerhalb der Krankenstation merkt man, dass der Charakter älter und erfahrener geworden ist.
Außerdem muss Gina Yashere erwähnt werden, deren Figur Lura Thok ein Klingonen-Jem’Hadar-Mischling ist. Sie ist der Erste Offizier der Athena und gibt beim ersten Auftritt einen richtigen Drillmeister ab, als sie Caleb dazu verdonnert, 200 Liegestütze zu machen. Der Charakter wird komödiantisch dargestellt, ohne allerdings zu sehr wie ein Comedy Relief zu wirken. Sie hat eine unglaublich starke Präsenz und ihre eigenwillige Interaktion mit den Kadetten ist großartig.
Wenn die Kinder noch nicht ganz so weit sind
Und zuguterletzt muss auch noch Paul Giamatti erwähnt werden. Sein Nus Braka ist der Antagonist der Reihe. Und der hat eine unglaublich starke Präsenz. Man hat es hier mit einem äußerst intelligent agierenden Schurken zu tun, der anscheinend stets einen Plan in der Hinterhand hat. Er tritt laut und provozierend auf, was jedoch nicht verkehrt ist. Denn dadurch kann man ihn besser unterschätzen.
Während die älteren Figuren gut dargestellt werden und auch schon weitestgehend sehr stark entwickelt wirken, werden bei den Kadetten „nur“ die Grundlagen gelegt. Was kein Fehler ist, da man so im Laufe der Serie am besten miterleben kann, wie sie sich weiterentwickeln. In Kids These Days ist Caleb der Einzige, der einen deutlich ausführlicheren Hintergrund hat. Bei den anderen erinnert man sich nach Episodenende vor allem daran, welche Fähigkeiten sie haben oder welche Funktion sie im finalen Akt erfüllt haben, und weniger an ihre Persönlichkeit.
Um es noch mal zu betonen: Das ist nicht verkehrt. Angesichts der Fülle an handlungstragenden Charakteren, die der Hauptcast hat, ist es nicht verkehrt, bei den Figuren, auf die es ankommt, erst mal nur die Grundlage für die weitere Entwicklung zu legen. Und diese Basis ist teilweise schon sehr vielversprechend.
Vielversprechende Figuren und klischeehafte Charaktere
So ist eine der vielversprechendsten Figuren der Klingone Jay-den Kraag, der Medizinischer Offizier werden möchte. Es wird auch in der Folge angesprochen, dass dies für einen Vertreter seiner Spezies eine ungewöhnliche Position ist. Aber es ist keine schlechte Entscheidung, dem Charakter diese Richtung zu geben, da er so mehr Möglichkeiten hat, sich von einem Worf oder einer B’Elenna Torres abzusetzen, die ja die Vorzeigeklingonen von Star Trek sind.
Die anderen Kadetten fallen dadurch auf, dass Kerrice Brooks Sam ebenfalls ein lebendiges Hologramm ist, das mit seiner unerfahrenen Art wie ein Comedy Relief wirkt und schon fast logischerweise eine Mentorenbeziehung mit dem Doktor eingeht. Derweil wirkt George Hawkins Darem Reymi wie der typische Rivale für Caleb, wobei angedeutet wird, dass er ein Geheimnis hat, was sein wahres Aussehen angeht. Und Bella Shepards Genesis Lythe ist die typische Tochter eines höherrangigen Offiziers, die jedoch das Herz auf dem rechten Fleck hat. Es wird angedeutet, dass zwischen ihr und Darem eine Beziehung entstehen könnte.
Womit eigentlich nur noch Caleb übrig bleibt. Er wirkt wie der typische Rebell, wobei der Grund für sein Rebellentum glaubwürdig erläutert wird. Schließlich hat er ein gewisses Trauma erfahren. Die Suche nach seiner Mutter dürfte das bestimmende Merkmal sein, das ihn vorantreiben wird. Das und gegebenenfalls die eine oder andere Liebesbeziehung. Die Tatsache, dass der Charakter sowohl Auslöser als auch Lösung des Dramas des finalen Akts ist, zeigt dabei die Möglichkeiten der Figur. Angesichts seiner kriminellen Vergangenheit dürfte er sicherlich noch oft genug für Ärger sorgen. Nur muss die Serie aufpassen, ihn nicht zu oft als Problemlöser zu präsentieren. Das könnte nämlich seiner Wirkung bei den Fans abträglich sein.
Ein guter Auftakt
Der Plot von Kids These Days wirkt dabei vor allem am Ende sehr generisch. Eben weil eine Möglichkeit geschaffen werden muss, damit die Kadetten zeigen können, was sie eben können. Was entsprechend stellenweise sehr forciert wirkt. Doch die charmanten Figuren schaffen es, dieses Manko über weite Strecken zu übertünchen.
Am Ende ist dies einfach ein guter Auftakt. Vor allem deshalb, weil die Episode auch offen für Neueinsteiger ist. Man muss nicht eine der anderen Star Trek-Serien schauen, um wichtige Elemente der Handlung zu verstehen. Was wichtig ist: Der Brand und seine Auswirkungen werden im Laufe der Folge auf eine Weise erklärt, dass keine Fragen offenbleiben.
Starfleet Academy hat seitens Paramount einen immensen Vertrauensvorschuss erhalten. Was man daran sieht, dass noch bevor die erste Episode überhaupt gelaufen ist, die Reihe schon für eine zweite Staffel verlängert worden ist. Was angesichts des guten Auftakts sicherlich eine richtige Entscheidung war. Jetzt muss die Serie nur gucken, dass sie das Niveau beibehält.
Info
Regie: Alex Kurtzman
Drehbuch: Gaia Violo
Showrunner: Alex Kurtzman, Noga Landau
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