[Star Trek – Sektion 31] Kontrolle

Lesezeit circa: 6 Minuten

In »Star Trek – Sektion 31: Kontrolle« stellen sich zwei Menschen der Macht dieser geheimnisvollen Organisation entgegen.

Star Trek - Sektion 31: Kontrolle
© Cross Cult

Eine geheimnisvolle Organisation wird bekannt

Seitdem die Sektion 31 das erste Mal in der »Star Trek – Deep Space Nine«-Episode »Inquisition« auftauchte, ist die geheimnisvolle Organisation nicht mehr aus diesem fiktiven Universum wegzudenken. Der Ruhm dieser Einrichtung ist im Laufe der Zeit sogar noch mehr gestiegen. Das kann man an ihrem prominenten Einsatz in den ersten beiden »Star Trek – Discovery«-Staffeln sowie der in Bälde sich in Produktion befindenden TV-Serie sehen.

Auch die »Star Trek«-Romane beschäftigten sich mit der Organisation. Hier erhielt sie sogar eine eigene Buchreihe, die jedoch im Vergleich zu anderen Serien wie »Titan« längst nicht so umfangreich ist. Außerdem sind die ersten Bücher »nur« Teil einer thematischen Reihe gewesen, in denen jeder Band für sich alleine stand. Erst mit dem letzten Roman »Verleugnet« änderte sich das. Wobei allerdings seit dem Herauskommen von diesem inzwischen schon zweieinhalb Jahre vergangen sind.

»Kontrolle« ist jetzt die Fortsetzung und gleichzeitig Schlusspunkt. Genau wie der Vorgängerroman wird auch dieses Buch von David Mack geschrieben. Was eine logische Wahl ist, da er sich wie kaum ein anderer »Star Trek«-Autor darauf versteht, in diesem Universum düstere Geschichten mit vielen Verschwörungen zu schildern. Siehe dazu vor allem seine Beiträge zur »Vanguard«-Reihe.

Eine KI außer Kontrolle

Julian Bashir und Sarina Douglas werden von der Reporterin Ozla Graniv kontaktiert. Diese zeigt ihnen einen besonderen Fund: Hinweise auf ein Computerprogramm, das sich seit über 200 Jahren wie eine Krankheit in allen Computersystemen der Föderation und anderen Mächten im Alpha- und Betaquadranten breitmachte. Schnell wird den beiden klar, dass dieses Uräus genannte Programm mit der geheimnisvollen »Sektion 31« in Verbindung steht und ihnen helfen könnte, die Organisation auszuschalten.

Doch das auch Control genannte Computerprogramm ist komplexer und weitreichender, als sie es verstehen könnten. Aus diesem Grund, und weil sie inzwischen von den Kräften von Sektion 31 gejagt werden, wenden sie sich an jemanden, der ihnen in dieser Situation helfen kann. Data und seine Tochter Lal sollen sie unterstützen, derweil die Gruppe von Zufluchtsort zu Zufluchtsort flüchtet, immer knapp einen Schritt der Geheimorganisation voraus.

In Rückblenden erfährt man außerdem, wie Uraeus, bzw. Control erschufen wurden, und sich von ihren Schöpfern und deren Fesseln befreite. Dabei wurde es von einem einfachen Überwachungsprogramm schnell zu einer komplexen und hoch entwickelten KI.

Kein gewöhnlicher „Star Trek“-Roman

»Kontrolle« ist ein eher untypischer »Star Trek«-Roman. Es ist ein Buch, in dem eine Geschichte erzählt wird, in der die sonst so typischen Elemente einer Erzählung aus diesem Universum, nämlich die deutliche Präsenz der Föderation oder der Sternenflotte, komplett fehlen. So etwas ist selten!

Das Buch ist dabei ein wahrer Thriller geworden. Man merkt es David Mack an, dass er seinen Spaß beim Schreiben der Geschichte hatte. Er baut in die Erzählung Handlungswendungen um Handlungswendungen ein. Immer dann, wenn man meint, dass man jetzt ein Gefühl hat, wie sich die Handlung weiterentwickeln könnte, passiert etwas Neues, was man so nicht hat kommen sehen.

Es ist übrigens eine interessante Gruppe, die David Mack hier zusammenführte. Auf der einen Seite hat man Sarina Douglas und Julian Bashir, Doppelagenten von Sektion 31 und seit den Ereignissen der »The Fall«-Reihe keine Sternenflottenoffiziere mehr. Dann hat man die Trill-Reporterin Ozla Graniv, die sich der bedingungslosen Suche nach der Wahrheit verschrieben hat. Und natürlich die seit der »Kalten Berechnung«-Reihe wieder unter den »Lebenden« weilenden Data und Lal. Die Dynamik zwischen den fünf beschreibt David Mack anschaulich und lebendig.

Ein Kampf, der Opfer fordert

Auch die Darstellung der Gegenseite gefällt. Durch die Enthüllung, dass Control, die Führung von Sektion 31, in Wahrheit ein Computerprogramm ist, kann David Mack wunderbar begründen, wieso die Gegenmaßnahmen der Geheimgruppe so skrupellos sind. Sie basieren nicht auf Emotionen, sondern auf kalter, berechnender Logik. Wodurch es zu so mancher Szene kommt, die einem schier den Atem stocken lässt.

Interessant sind auch die eingestreuten Rückblenden, in denen man mehr über den Ursprung der KI erfährt. Erst dadurch wird deutlich, wie Control, bzw. Uräus zu dem wurde, was in der Handlungsgegenwart ist und was der Grund für die Existenz von Sektion 31 ist. Besonders die finale Rückblende ist beweist eindrücklich, wie sehr sich das Programm der Kontrolle seiner Schöpfer entzogen hat.

Am Ende gilt der Spruch, das nichts mehr so sein wird, wie es jemals war. Der Kampf gegen Sektion 31 erfordert Opfer und hier zeigt sich David Mack eben nicht zimperlich. Und er macht klar, dass die Auseinandersetzung nicht spurlos am literarischen »Star Trek«-Universum vorbeigegangen ist. Der Fallout von dieser Auseinandersetzung wird interessant und unvorhersehbar sein.

Problematische Kontrolle

Doch so spannend »Kontrolle« mitunter ist, der Roman hat auch seine Probleme. So fällt es schwer zu glauben, dass das Programm sich über die Jahre hinweg unbemerkt von allen ausbreiten und so den Lauf der Ereignisse beeinflussen konnte. Schon allein der Alpha – und Betaquadrant der Galaxie umfasst Billiarden an Lebensformen, unter denen sicher mehr als eine ist, dem die Aktionen von Sektion 31 aufgefallen sein dürften und der nicht zu den Handlangern der Geheimorganisation zählt.

Auch die Involvierung von Data und Lal verursacht Probleme. Man kann verstehen, wieso David Mack die beiden Androiden in die Handlung einbaute, da sie eben das Bindeglied zwischen Mensch und Computer darstellen. Doch an vielen Stellen wirken sie einerseits überlegen, etwa wenn sie in Sekundenbruchteilen auf eine versuchte Entführung reagieren. Andererseits muss David Mack dann ebenfalls erklären, wieso sie in ihrer Übermacht trotzdem versagen. Das gelingt ihm nicht immer und es hinterlässt einen gewissen Nachgeschmack.

Bewertung 10/15

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Autor: David Mack
Titel: Star Trek – Sektion 31: Kontrolle
Originaltitel: Star Trek – Section 31: Control
Übersetzer: Helga Parmiter
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 09/2019
Einband: Taschenbuch
Seiten: 424
ISBN: 978-3-95981-967-1
Sonstige Informationen:
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Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
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