Dieser Film hat in gleich mehrfacher Sicht Geschichte geschrieben und Fans und Kritiker gleichermaßen begeistert.
Einstieg in den Kaninchenbau
Als ich neulich mal wieder länger mit dem Auto unterwegs war, hatte ich das Radio am Laufen. Die meisten Lieder waren nette Hintergrundgeräusche, wunderbar angenehm, um den Verstand davon abzuhalten, einzuschlafen. Doch dann hörte ich auf ein Mal ein Lied, das eine andere Wirkung hatte. Es war packend, faszinierend. Es war Golden von einer Gruppe mit dem Namen Huntrix. Dass ich von denen nie gehört hatte, wunderte mich nicht. Schließlich bin ich schon etwas älteren Jahrgangs und dementsprechend, was die aktuelle Musik angeht, nicht auf dem Laufenden.
Als ich wieder zu Hause war, habe ich dann als Erstes im Internet geguckt, was genau für eine Gruppe Huntrix ist. Und bin in einen wahren Kaninchenbau gestolpert. Überall fand ich Videos und Texte darüber, wie genial die Musik sei. Und fand schnell heraus, dass diese aus einem Animationsfilm mit dem Titel KPop Demon Hunters stammt, der letztes Jahr auf Netflix herauskam und wohl sensationell erfolgreich sei. Nach weiteren Videos, die einige Clips zusammengeschnitten hatten, war meine Neugierde geweckt. Und so setzte ich mich eines Abends hin, um mir den Film anzusehen. Und war am Ende wie weggeblasen.
Die Idee zu diesem Streamingfilm stammt von der südkoreanisch/kanadischen Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Kang. Sie wollte schon immer einen Film machen, der sich von der Kultur ihrer Heimat Südkorea inspiriert zeigte. Sie schlug diese Idee 2018 dem Produzenten Aron Warner vor. Und 2021 verkündete das Medienunternehmen Sony Pictures, dass die Produktion an K-Pop: Demon Hunters, wie die Produktion zu Beginn noch hieß, gestartet hätte.
Ein anderer Stil ist nötig
Maggie Kang sollte dabei mit Regie führen und am Skript arbeiten. Ihr Regiekollege sollte Chris Appelhans werden, der 2021 sein Regiedebüt mit dem Animationsfilm Wish Dragon feierte. Das Drehbuch, das auf der Story von Maggie Kang basierte, sollte am Ende von Hannah McMechan, Danya Jimenez, Maggie Kang und Chris Appelhans verfasst werden.
Was die Animationen anging, so ließ sich Regisseur Chris Appelhans von verschiedenen Quellen wie Musikvideos oder koreanischen Drama-Serien inspirieren. Ursprünglich war geplant, den Film in einem hybriden 2D/3D Stil zu halten. Doch nachdem die Spider-Verse-Filme diesen Animationsstil so populär machten, entschieden sie sich dagegen. Stattdessen wählten sie 3D CGI, wobei sie auch darauf achteten, dass die Gesichtsanimationen die koreanischen Identitäten der Figuren unterstrichen.
Am Ende sollte der Film am 20. Juni 2025 auf Netflix erscheinen. Das Budget sollte 100 Millionen US Dollar betragen.
Dem Ziel so nahe und doch so fern
Vor langer Zeit wurden die Menschen von Dämonen gejagt und ihre Seelen ihrem Herrscher Gwi-Ma zum Fressen gegeben. Erst als drei Frauen zu Dämonenjägerinnen wurden und mit ihrem Gesang eine Barriere zwischen der Welt der Menschen und der der Dämonen errichteten, auch Honmoon genannt, schien die Lage sich zu bessern. Seitdem ist in jeder Generation ein solches Trio aktiv, um die Barriere einerseits zu schützen, aber andererseits ebenfalls zu stärken. Denn irgendwann soll ein goldenes Honmoon erscheinen, dass die Welten endgültig voneinander trennt.
Die aktuelle Generation an Jägerinnen nennt sich Huntrix und besteht aus Rumi, Mira und Zoey. Sie sind sehr erfolgreich, sowohl was die Jagd auf Dämonen angeht, wie auch was ihre Musikkarriere anspricht. Denn sie scheinen kurz davor zu sein, endlich das goldene Honmoon zu erreichen, derweil ihre Konzerte komplett aus verkauft sind. Deshalb beschließt Rumi, kurz nach ihrer letzten Tournee sofort eine neue Single zu releasen, die sie natürlich entsprechend promoten wollen. Doch dann läuft alles schief.
Zunächst verliert Rumi ihre Stimme. Und anschließend taucht eine Boy Band namens Saja Boys auf, die in Wahrheit Dämonen sind und das Honmoon zerstören sollen. Doch deren Anführer Jin und Rumi verstehen sich sofort, denn sie haben beide etwas Geheimnis. So war Jin früher ein Mensch, der durch Gwi-Man Ruhm und Anerkennung bei den Menschen erhielt, ehe er in die Welt der Dämonen verbannt wurde. Und Rumis Vater ist ein Dämon, was sie zu einer Halbdämonin macht. Das sich unter anderen am Mustern bemerkbar macht, die sie vor aller Welt versteckt. Nur, dass diese in der letzten Zeit immer mehr gewachsen sind. Ob sich beide gegenseitig helfen können?

Die perfekte Einstiegsdroge
Ich will ehrlich sein. Ich hatte, als ich mir den Film ansah, mit allem gerechnet. Aber nicht damit! Nicht mit einem Film, der gefühlt mit allen Animationsfilmen der letzten Zeit den Boden aufwischt. Der nicht wie die bekannten Disney-Filme, brav und formelhaft daherkommt. Sondern der bewusst Ecken und Kanten aufweist. Der in nahezu jedem Aspekt einen mitreißt und nicht mehr loslässt.
Das fängt schon bei den Liedern an. Golden war meine Einstiegsdroge, dann wurde es von How it’s done abgelöst. Und jetzt läuft aktuell What it Sounds Like bei mir rauf und runter. Jeder Song ist ein Banger! Jedes Lied einfach nur grandios! Und ich bin schon gespannt darauf, welcher Track bei mir dann als nächstes heißlaufen wird.
Dabei sind es nicht nur die Songs an sich, die großartig sind. Auch, wie sie in den Film eingebaut werden, sorgt für Begeisterung. What it Sounds Like funktioniert für sich alleine genommen zwar schon sehr gut. Aber so richtig zündet der Titel erst dann, wenn man ihm im Kontext der Handlung sieht. Wenn man sieht, wieso er gesungen wird und was seine Lyrics aussagen.
Eine Achterbahn der Gefühle
Gesungen wird auf Englisch und Koreanisch. Weshalb es in diesem Zusammenhang auch Sinn ergibt, dass die Lieder nichts ins Deutsche übersetzt wurden, sondern „nur“ deutsch untertitelt wurden. So kann man die Songs genießen und trotzdem nachvollziehen, was da gerade gesungen wird.
Wobei die Handlung von KPop Demon Hunters auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle ist. Man lacht über die Eskapaden des Trios, nur um dann im nächsten Moment nägelkauend den nächsten dramatischen Plottwist mit zu erleben. Der Übergang ist nahtlos und funktioniert perfekt.
Was auch an den Figuren liegt. Überwiegend fokussiert sich der Film auf Rumi und Jin, weil sie zwei Seiten darstellen, die doch viel miteinander gemein haben. Beide sind eben keine reinblütigen Vertreter, beide leiden unter ihrer anderen Seite und sehen den jeweils anderen nach etwas Zeit nicht als Feind. Und dennoch entwickelt sich ihre entsprechende Story vollkommen anders, als bei dem anderen.
Wunderbare Charakterisierungen
Vor allem Rumi muss im Laufe des Films und vor allem im letzten Akt einiges durchleiden. Aber auch nur dadurch funktioniert das Finale. Nur so macht es Sinn, was hier geschieht. Und nur so kommt ebenso die Message des Films perfekt rüber: Nämlich, dass man jemanden ebenfalls akzeptieren sollte, wenn er/sie anders ist.
Wobei dies natürlich nicht so einfach ist. Das zeigt nämlich die Beziehung zwischen Rumi und ihren Freundinnen. Es bricht einem das Herz, wenn man sieht, wie sie sich im Laufe der Handlung langsam voneinander entfremden, eben weil Rumi ihre wahre Natur vor ihnen geheim hält. Was schließlich in einer herzzerbrechenden Szene mündet.
Dabei werden Mira und Zoey auch wunderbar charakterisiert. Mira wirkt zunächst arrogant und hochnäsig, was sich dann aber im Laufe des Films immer mehr ändert. So hat sie beispielsweise einen grandiosen Running Gag, dass ihr beim Anblick des Six Packs eines Mitglieds der Saja Boys das Popcorn aus den Augen schießt. Zoey ist hingegen die jüngste des Teams, lebhaft und immer gut drauf. Schon ihre Präsenz alleine sorgt für gute Laune.
Ein Gute-Laune-Film
Der Film ist storytechnisch und von den Charakterisierungen wirklich großartig. Aber auch von den Animationen her. Der Animeeinfluss ist stark spürbar, wenn man sieht, welche Grimassen die Figuren teilweise ziehen. Ebenso sind die ganzen visuellen Gags grandios, wie eben das Popcorn, dass Mira aus den Augen schießt. Oder das Verhalten einiger Fans der Huntrix. Oder, oder, oder..
KPop Demon Hunters ist ein Film, den man sich angucken sollte, wenn man schlechte Laune hat. Oder wenn man gut drauf ist. Oder einfach nur so. Denn er macht Spaß und lädt zum Immer-Wieder-Sehen an. Das hat Netflix auch erkannt und bietet jede Menge Zusatzmaterial an. Wie beispielsweise Lyric Videos, eine Version mit eingeblendeten Liedtexten oder ganz neu, Bonusmaterial.
Meiner Meinung nach ist dies ein Film, über den man noch Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte später reden wird. Eine Fortsetzung ist übrigens bereits Arbeit. Und auf die bin ich jetzt schon gespannt.
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