Im nächsten Kapitel der Resident Evil-Reihe kommen wir den Geschehnissen rund um Raccoon City auf die Spur.
Fast fünf Jahre hat uns Capcom auf eine Fortsetzung der Reihe warten lassen, stattdessen bekamen wir 2023 ein Remake vom vierten Teil. Auf frühere Games wie Zero und Code: Veronica warten wir aber immer noch vergeblich. Angekündigt wurde das Spiel im Juli 2024, damals noch ohne den Titel Requiem. Im Juni 2025 kam der erste Trailer, der den Handlungsort als Raccoon City festlegte. Ich versuche möglichst wenige Handlungsspoiler einzubauen.
Handlung
Die FBI-Analystin Grace Ashcroft wird von ihrem Vorgesetzten in ein verlassenes Hotel geschickt, in diesem wurde das neueste Opfer einer bizarren Todesserie gefunden. Grace sagt nur zögerlich ja, denn ihre Mutter starb in diesem Hotel. Außerdem ist sie eigentlich eine Schreibtischermittlerin, die nur selten Tatorte aufsucht. Grace entdeckt, dass jemand auf sie gewartet hat.
Zur gleichen Zeit ist auch Leon S. Kennedy, ehemaliger Polizist des RPD und jetzt beim DSO, in der Nähe des Hotels. Er entdeckt, dass sein Ziel, Victor Gideon, gerade das Hotel verlässt, mit einer jungen Frau über seiner Schulter. Er macht sich auf die Verfolgung bis zu einem Krankenhaus, wo er nicht nur Gideon sondern auch Grace findet …
Rezension
Die Messlatte lag hoch, oder sagen wir besser, die Erwartungen. Immerhin ist Leon S. Kennedy einer der beliebtesten Figuren des Franchise, mit den meisten Auftritten in der Hauptreihe als spielbarer Charakter. Mit der Ausnahme von Teil 6 gelten seine Spiele als absolut gelungen. Raccoon City ist obendrein ein beliebter Schauplatz der Reihe und Fans waren gespannt darauf, wie die zerstörte Stadt dargestellt werden würde. Mit Grace haben wir die Tochter von Alyssa Ashcroft aus den Outbreak-Ablegern, die ebenfalls in der gleichen Stadt spielen, als neue Protagonistin, die natürlich frischen Wind reinbringt. Denn wenn wir ehrlich sind: Unsere alten Helden werden nicht jünger.
Gameplay
Es ist nicht das erste Mal, dass wir zwei spielbare Charaktere haben und diese auch beide steuern müssen. Ähnlich wie in den Revelations-Ablegern springen wir zwischen Leon und Grace hin und her, das Gameplay ändert sich aber wesentlich gravierender. Ist der Teil von Leon eher auf Action ausgelegt, also in Richtung des Remakes von Resident Evil 4, haben wir bei Grace den Survival Horror im Fokus. Passend dazu können wir uns zwischen First-Person und Third-Person-Perspektive entscheiden – empfohlen wird Grace in First und Leon in Third, was ich so übernommen habe.
Und tatsächlich: Was bei Resident Evil 7 schon so gut funktionierte, klappt auch hier. Grace ist sichtlich überfordert mit der Situation, das eingeengte Sichtfeld verschärft diesen Eindruck merklich und sorgt immens für Spannung. Dazu kommt, dass Munition bei ihr wirklich rar gesät ist. Zum Glück kann man manche Gegner auch heimlich ausschalten, ohne Waffeneinsatz. Grace ist oft im Dunkeln unterwegs und hat ein Feuerzeug oder eine Taschenlampe als Lichtquelle dabei. Licht lockt die Gegner aber an, also muss man sich vorsichtig verhalten. Grace hat obendrein einen Stalker-Gegner und zwei sehr starke Gegner, die ebenfalls stalken, aber besiegbar sind. Grace hat auch die meisten Puzzle, man spielt also tatsächlich in ihrem Teil einen klassischen Vertreter des Survival Horrors, bei dem das Inventar ebenfalls ein Gegner ist. Dieses können wir zwar erweitern, aber Platz ist nicht wirklich ausreichend da, deswegen hat sie auch klassische Itemboxen und speichert an einer alten Schreibmaschine. Grob die erste Hälfte des Spiels – das Hotel in Wrenwood und das Krankenhaus Rhodes Hill – ist Graces Teil, Leon ist zwar ab und zu steuerbar, das sind aber eher kleine Einlagen.
Am Ende dieser ersten Hälfte wechselt der Fokus zu Leon, der sich auf den Weg nach Raccoon City macht. Und dieser spielt sich total anders. Nicht nur, dass sein Inventar wie schon im vierten Teil ein Aktenkoffer ist und Gegenstände nun unterschiedlich viel Platz brauchen, er bekommt ab hier auch Credits, mit denen er seine Waffen aufrüsten und neue kaufen kann. Auch Munition, eine Körperpanzerung und die obligatorische Inventarerweiterung stehen zum Kauf. Dafür hat er aber keine Itembox. Kaum angekommen, macht er sich schnell auf den Weg ins RPD, wo ihm der Drahtzieher hinter allem zum ersten Mal begegnet. Zeno, der eine frappierende Ähnlichkeit mit Albert Wesker hat, schickt ihm hier erneut einen Tyrant hinterher. Nicht der erste Flashback, den er hat, und auch nicht der erste Bossgegner für ihn. Auf dem Weg zum RPD gab es auch eine nette Motorradfahrt, bei der mutierte Hunde angreifen, die eine Weiterentwicklung des Cerberus sind, die in früheren Teilen uns oft das Leben schwer gemacht haben. Wurde früher aber teilweise richtig durchgehetzt, gibt es hier nun auch sehr ruhige Phasen. Das RPD ist zum Beispiel eher ruhig – erst wenn der Tyrant kommt, wird es hektisch, aber das ist relativ schnell vorbei.
Unabhängig von diesen Szenarien hat Capcom vor allem an der Physik gearbeitet. Treffer fühlen sich wirklich wie Treffer an. Das liegt daran, dass es mehr Trefferzonen gibt. In den Vorgängern war es noch überwiegend so, dass ein Schuss ins Bein den Gegner verlangsamt oder sogar zu Boden bringt. Hier ist es auch entscheidend, wo der Treffer genau einschlägt. Natürlich überzieht Capcom das Spiel aber auch wieder maßlos, so haben wir jetzt nicht einen Kettensägen-Gegner wie Doctor Salvador, sondern theoretisch mehrere. Leon bekommt es ab und zu mit einem Zombie zu tun, der eine Kettensäge dabei hat. Ist er besiegt, kann Leon die Kettensäge aufheben, aber auch die Gegner. Diese sind auch nicht mehr die schlurfenden, stummen Zombies, sondern eine andere Form. Sie reden – wenig, aber sie tun es. Sie haben Eigenschaften und bleiben im Prinzip in ihren Gewohnheiten gefangen. Obendrein können die Zombies auch nochmal mutieren, ähnlich wie die Crimson Heads im Remake von Resident Evil 1.
Manche Spieler kritisierten, dass es nicht üblich ist, eine Kettensäge in einem Krankenhaus zu haben. Woher kommt diese also? Nun, ihr habt wohl den Rest des Spieles nicht aufgepasst. Absolut nichts in diesem Krankenhaus ist üblich – erst recht nicht diese gigantische Anlage darunter, in der Blut gesammelt wird. Es ist Resident Evil – das war schon immer ein wenig drüber. Lediglich das Pacing kann man kritisieren, denn das ist stellenweise dann einfach zu langatmig.
Generell ist die Liebe zum Detail hier unglaublich. Wir haben Reflektionen in der Brille von Grace, blutige Fußspuren, wenn wir durch eine Blutlache laufen und Grace wird im Laufe des Spiels tougher. Genau diesen Punkt finde ich grandios. Grace ist zu Beginn am Zittern und Stolpern und hat später eine wesentlich ruhigere Hand beim Zielen und wirkt generell selbstsicherer.
Plot
Wenn es etwas gibt, dass Capcom nicht kann, dann ist es, eine plausible Geschichte zu erzählen. Absolute Logik darf man nicht erwarten, denn das ist nicht der Kern eines Spieles. Und bei Resident Evil – mit Viren, Zombies, Verschwörungen und Heilungssprays – kann man eben die Messlatte nicht zu hoch ansetzen. Auch Requiem macht hier keine große Verrenkungen und versucht irgendwie logisch zu erklären, warum die traumatisierte Grace – die ja nur eine Analytikerin beim FBI ist – an den Ort ihres Traumas zurückgeschickt wird. Kein Vorgesetzter der Welt würde so ein Risiko eingehen. Aber der Plot muss ins Rollen gebracht werden und irgendwie muss man ja Grace in die Handlung bringen. Sie sollte ja ein Angsthase sein, damit wir als Spieler tatsächlich auch Grusel empfinden. Im Vergleich zu anderen Vertretern der Reihe ist diese Story aber bis auf ein paar Kleinigkeiten durchaus nachvollziehbar, wenn auch vorhersehbar und nun wirklich nichts Neues.
Puzzles
Die kleinen Rätselaufgaben gehören einfach in ein gutes Resident Evil, auch wenn sie meistens absolut unlogisch sind. Hier haben wir es leider mit sehr geringen Anforderungen zu tun. Safe-Codes erfahren wir aus Notizen und eigentlich auch die Lösung zu jedem anderen Puzzle. Lediglich die Blutanalyse, die ist ein wenig knackiger. Puzzles kommen bis auf eine kleine Ausnahme nur bei Grace vor, während Leon überwiegend Teile besorgen muss, um einen Weg freizuschalten. Das muss natürlich auch Grace an manchen Stellen – um das Krankenhaus zu verlassen, muss sie zum Beispiel drei Würfel finden, die natürlich hinter Puzzles und anderen „Besorg das, damit du dies tun kannst“- Aufgaben versteckt sind. Das ist für manche eine der Schwächen der Reihe, das ewige Gelaufe von A nach B über C bis E. Für mich gehört dies aber zur DNA der Reihe – so war es schon im allerersten Spiel und in denen, die Action-orientierter waren, gab es auch Gelaufe über verschiedene Punkte. Ja, es kann gerade beim Spielen auf Zeit nervig sein, aber wir wären sonst auch in 10 Minuten durch. Gerade bei einem Single-Player-Spiel wäre das doch sehr blöd.
Herausforderungen
Seit einiger Zeit gehören auch Herausforderungen zu Resident Evil. Diese beinhalten oft ganze Durchgänge ohne sich zu heilen oder andere Hilfsmittel zu nutzen. Haben wir diese abgeschlossen, bekommen wir dafür Punkte, die wir für Goodies ausgeben können. Von Concept Art über Extra Waffen bis zu Unendlicher Munition ist alles dabei. Besonders knackig ist die Herausforderung „Das letzte Puzzle“ – hier gibt es nur einen kryptischen Hinweis, den Rest muss man sich selbst aus Notizen und den Zwischensequenzen zusammenreimen. Oder man liest es im Internet nach.
Fazit
Resident Evil 4 wurde gefeiert als gelungene Modernisierung des alten Franchises, welches nur wegen der Limitierungen der Playstation so entstand, wie es entstand. Ursprünglich sollte schon dort die First-Person-Sicht genutzt werden. Resident Evil 7 wurde gefeiert als großartige Rückkehr zum Horror, Protagonist Ethan Winters kam allerdings nicht so gut an. Requiem verbindet beides und hat neben alten Schauplätzen für die alten Hasen auch jede Menge neue Orte und auch Gegner zu bieten. Zum Zeitpunkt dieses Artikels bin ich in meinem vierten Durchgang, wenigstens einer steht mir noch bevor. Und auch danach werde ich mich ganz bestimmt noch öfter in das Spiel begeben, denn die Atmosphäre ist einfach gigantisch.
Ich möchte nun ein zweites Remake von Resident Evil 1 – in der Egoperspektive. Das Herrenhaus so abzusuchen, wäre eine wahre Freude.
Info
Entwickler: Capcom
Publisher: Capcom
Veröffentlichung: 27. Februar 2026
Plattform: Windows, PlayStation 5, Xbox Series, Nintendo Switch 2
Spiel-Engine: RE Engine
Genre: Survival Horror
Spielmodus: Einzelspieler
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