Bioware brachte 2021 die Trilogie rund um Commander Shepard in ihrem eigenen Sci-Fi-Universum Mass Effect noch einmal auf den Markt.

Im Jahre 2148 entdeckt die Menschheit auf dem Mars den Schlüssel zu den Massenportalen, die es ermöglichen, ohne Raumkrümmung schnell durchs All zu reisen. Beim ersten Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform kommt es zum Krieg, der aber durch das Eingreifen eines Verbundes von Völkern diplomatisch beigelegt werden kann. Die Menschheit wird Teil dieses Bündnisses und beginnt damit, das All zu kolonisieren.

Der Spieler übernimmt in allen drei Teilen die Rolle von Commander Shepard, dem ersten menschlichen SPECTRE, einer Sondereinheit des Rates des Bündnisses. Er und sein Team machen sich erst auf die Suche nach Saren, einem abtrünnigen SPECTRE, kommen dabei aber einer ganz anderen Bedrohung auf die Spur – die Reaper. Dieses Maschinenvolk scheint alle paar Jahrtausende, immer dann wenn das Universum einen gewissen Stand der Entwicklung erreicht hat, alles Leben zu vernichten.

In der Legendary Edition sind fast alle DLCs enthalten, lediglich Pinnacle Station zum ersten Teil fehlt, da hier der Code nicht mehr verfügbar war. Der Verlust ist allerdings auch nicht sonderlich schlimm, da es sich hier nur um virtuelles Training handelt.

Mass Effect 1

Rollenspieltypisch erstellen wir uns erstmal einen Charakter, ein wenig Hintergrund, Aussehen, Name, Geschlecht – zwar heißt der Charakter immer Shepard und wird auch nur so angesprochen, aber einen Vornamen dürfen wir ihm oder ihr schon geben. Wir bekommen den Befehl, einen Angriff auf eine Kolonie zu untersuchen und erfahren dabei einiges mehr. Saren, die Geth, die Reaper, die Protheaner – wie es sich im Rollenspielbereich gehört, werden wir nicht einfach nur in einer Welt ausgesetzt, wir erfahren überall und von fast jedem einen Teil der Geschichte, die vor unserem Abenteuer passierte. Ebenfalls typisch sind Erfahrungspunkte, mit denen wir Fähigkeiten steigern können, auswechselbare Ausrüstung, die wir teilweise sogar selbst anpassen können, und verschiedene Klassen für uns als Protagonisten.

Aber schnell wird klar, dass Mass Effect kein Rollenspiel wie alle anderen ist. Es ist einiges an Action dabei, und wir bekommen auch einige interessante Möglichkeiten geboten. So fliegen wir nicht nur von Planet zu Planet, um dort unsere Quests zu erledigen, wir erkunden ganze Sonnensysteme. In der Regel kann man auf einem Planeten pro System landen und einen Teil der anderen Planeten vom Orbit aus erkunden – so finden wir Ressourcen oder Relikte, die allerdings nur für einige Nebenquests Bedeutung haben.

Das Landen auf den Planeten ist da schon interessanter, denn hier setzt uns unser Schiff, die Normandy, mit dem Mako ab – einem dreiachsigen Radpanzer, der extrem geländegängig ist, es gibt kaum eine Steigung oder ein Terrain, das er nicht meistern kann, was auch an den Schubdüsen liegt. Auch auf diesen Planeten finden wir Ressourcen und Relikte für diese Nebenaufgaben, haben aber oft auch noch ein „richtiges“ Ziel.

Das Team, welches wir im Laufe der Zeit rekrutieren, ist dabei recht unterschiedlich, was Volk und Fähigkeiten angeht. Und hier muss man dann auch mal ehrlich sagen, Bioware hat grandiose Arbeit geleistet, diese Welt zu erdenken. Es ist nicht einfach so „Die Geth wurden als Arbeitervolk der Quarianer geschaffen und rebellierten schließlich gegen diese“ (was uns natürlich an Isaac aus The Orville erinnert) – wir bekommen auch noch mehr Infos dazu, warum diese erschaffen wurden, wie die Quarianer mit der Schuld umgehen und noch sehr viel mehr über beide Völker. Und das eben nicht nur bei diesen beiden Völkern, sondern bei so ziemlich jedem Volk, welches wir treffen. Alle haben ihre Eigenarten und wenn es nur der Sprachgebrauch ist. In Gesprächen lernen wir unsere Crew kennen und können sogar eine Romanze eingehen.

Mass Effect
Mass Effect 1

Im Spiel treffen wir Entscheidungen, die Konsequenzen haben. Dabei können wir vor allem auch „gute“ und „böse“ Entscheidungen treffen, die uns „Vorbildlich“- und „Abtrünnig“-Punkte geben, die bestimmte Dialogoptionen freischalten.

Rollenspielfans, die ein kleines Faible für Science-Fiction und vor allem Entdeckung haben, kommen hier voll auf ihre Kosten. Und wer noch ein wenig Überzeugung braucht: Bioware hat auch Knights of the Old Republic gemacht, was heute als Klassiker gilt. Und im Original spricht Marina Sirtis eine der Antagonisten.

Aber natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt immer mal wieder Clipping-Fehler, man muss die Karte umständlich über das Pausenmenü aufrufen, welches obendrein auch noch kreisförmig angeordnet ist, was der Übersichtlichkeit schadet, außerdem gibt es keinen Hinweis darauf, ob wir eine Welt schon einmal besucht haben, lediglich eine (erneute) Landung auf dem Planeten und ein Aufrufen der Karte bringen uns da Klarheit. Der Mako fährt sich obendrein nicht sehr intuitiv, und es ist schon schwierig, einfach nur geradeaus zu fahren. Und oft springt man von der Galaxiekarte nochmal raus und besucht das Questlog, da man nicht genau weiß, wo der nächste Nebeneinsatz stattfindet.

Mass Effect 2

Starten wir den zweiten Teil der Reihe, bekommen wir die Option, den Charakter aus dem ersten Teil zu importieren. Machen wir dies, sind gewisse Sachen vorgegeben, wie Name und Geschlecht, und manche unserer Entscheidungen aus dem Vorgänger haben Auswirkungen auf den Spielverlauf hier. Importieren wir nicht, können wir anhand eines interaktiven Comics diese Entscheidungen nachholen.

Im Intro erfahren wir, dass die Normandy zerstört wird und Shepard beim Versuch, die Crew zu retten, verschollen ist. Er oder sie wird für tot erklärt und war dies wahrscheinlich auch. Cerberus, eine menschliche Organisation, die im Vorgänger auch bekämpft wurde, hat den Helden der Citadel gerettet und schenkt den Warnungen, dass die Reaper nicht besiegt sind, Beachtung. Dafür bekommt Shepard ein neues Schiff und ein neues Team. Die ehemaligen Mitglieder der Crew treffen wir teilweise wieder, manche kommen auch wieder mit uns mit.

Das Spiel entwickelt sich hier mehr in Richtung Shooter mit Rollenspielelementen, da die Kämpfe insgesamt sehr viel härter sind und wir sehr viel öfter in Deckung gehen müssen. Völlig unerwartet tut dies dem Spiel aber erstaunlich gut, denn viele Kämpfe machen so erst als Team und mit den Fähigkeiten der Einzelnen Sinn. Die Galaxiekarte wurde komplett überarbeitet, wir springen nun nicht mehr von System zu System, sondern können auch direkte Routen nehmen, wir bewegen nicht mehr einen Cursor auf einer Karte, sondern das Schiff selbst. Haben wir einen Planeten erreicht, können wir diesen für Rohstoffe und eventuelle Nebenaufgaben scannen – diese Ressourcen können wir aber wieder einsetzen und z. B. neue Waffen erforschen oder unsere bestehenden verbessern.

Während wir im Vorgänger noch einfache QTEs hatten, um zu bergen oder zu hacken, haben wir hier Minispiele, die sich zwar durchaus mit der Zeit abnutzen, aber trotzdem interessanter sind als X, Y , Y , B, A zu drücken. Loot gab es schon im Vorgänger kaum, hier plündern wir nur selten Waffen, sondern meistens Geld oder Forschungsprojekte. Genauso nutzt sich das Scannen nach Rohstoffen ab, aber das ist normal bei Rollenspielen – es gibt immer Aspekte, die sich stärker abnutzen als andere.

Dafür verzichten wir auf den Mako und bekommen Shuttleflüge an das entsprechende Ziel serviert. Für manche Missionen bekommen wir allerdings den Hammer, der im Prinzip ein Mako mit Hover-Eigenschaften ist. Der steuert sich noch schwerer, aber sein Einsatz ist zum Glück auf wenige Missionen beschränkt. Und eben deshalb machen sie Spaß, aber den Bogen muss man auch erstmal raus haben.

Mass Effect
Mass Effect 2

Graphisch ist der zweite Teil ein riesen Schritt nach vorn, denn die verschiedenen Locations sind nicht nur hübsch anzusehen, sie sind vor allem unterschiedlich. War im Vorgänger noch irgendwie ein Planet wie der andere, nur mit einem anderen „Grundflair“ (Eis, Wüste, Felsen …), sehen hier auch Planeten der gleichen Art unterschiedlich aus. Dazu sind die einzelnen Stützpunkte sehr unterschiedlich. Sah in Mass Effect 1 noch eine Mine wie die andere aus, ändert sich das hier. Und in manchen Missionen sehen wir Bereiche z. B. der Citadel, die wir sonst gar nicht zu Gesicht bekommen.

Apropos Missionen – diese sind gefühlt nun einfach weniger. Zumindest, wenn wir sie auf die Haupthandlung runterbrechen. Im Prinzip besteht die daraus, das Team zusammenzustellen und ein paar Kollektoren/Reaper-Dinge zu machen, bevor wir das Omega 4 Portal durchqueren. Wie auch immer, die Missionen, die wir nebenher machen, haben einen großen Einfluss darauf, was am Ende passiert, denn die letzte Mission ist ein Selbstmordkommando. Es ist fast unmöglich, diese ohne Verluste zu bewerkstelligen, es sei denn, wir machen bestimmte Sachen während des Spiels. Klingt kompliziert, aber ist es gar nicht. Wie im ersten Teil bekommen wir persönliche Missionen der Crewmitglieder, die nach der Absolvierung nicht nur Erfolge freischalten, sondern auch besondere Eigenschaften und die Loyalität des Mitglieds. Dies sorgt dafür, dass sie in der letzten Mission eine höhere Chance aufs Überleben haben.

Apropos Missionen zum Zweiten – diese werden nun auch auf der Galaxiekarte angezeigt, man muss also nicht mehr zurück ins Tagebuch (warum heißt das überhaupt so?) und nachsehen, wo das Ziel ist. Bestimmte Orte, wie die Citadel oder Omega,  stehen immer dran, andere Orte nur, wenn es dort was zu tun gibt. Leider funktioniert dies aber mit den Planeten zum Abbauen nicht ganz so gut, denn durch den Shadowbroker-DLC bekommen wir die Möglichkeit, dass uns solche Planeten angezeigt werden, aber selbst wenn diese komplett abgebaut sind, stehen sie noch auf der Galaxiekarte, was der Übersichtlichkeit nicht dienlich ist. Generell hätte man hier viel mehr machen können, denn die Planeten werden zwar namentlich gezeigt, aber eben nicht mit der Höhe des Rohstoffvorkommens. Dafür muss man immer wieder die Planeten direkt anfliegen, was immens viel Zeit in Anspruch nimmt.

Die Citadel ist übrigens der einzige Ort, den wir aus dem ersten Teil noch kennen, und sie wurde gehörig umgebaut. Hier sieht nichts mehr aus wie früher, allerdings haben wir nur Zugang zu den Märkten und einigen Sonderbezirken. Lediglich die Botschaft der Menschen ist grob wiedererkennbar.

Alles in allem fühlt sich Mass Effect 2 weniger wie ein Rollenspiel an – Erfahrungspunkte gibt es nur für den Abschluss einer Mission, irgendwann ist also Schluss mit dem aufleveln. Die Credits, die wir z. B. brauchen, um Sonden für die Rohstoffgewinnung zu kaufen oder auch Forschungsprojekte, bekommen wir auch nur in Missionen. Das sorgt dafür, dass wir entscheiden müssen, was geht und was nicht, bzw. was wir brauchen und was nicht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der DLC Die Ankunft, der quasi die Brücke zwischen Teil 2 und 3 ist, schon während dem zweiten Teil gespielt werden kann.

Mass Effect 3

Die Reaper greifen die Erde und die Milchstraße an. Shepard wird in den aktiven Dienst zurückgeholt und macht sich auf die Suche nach Unterstützung im Krieg und nach einem neuen Team. Zu Beginn sehen wir Ashley oder Kaidan wieder, während wir Cerberus jagen, diese sind nach dem zweiten Teil wieder da, wo sie hingehören. Etwas abstrus ist die Geschichte aus dem zweiten Teil damit schon, aber es ist verschmerzbar. Unser alter Teamkollege wird verletzt und kommt in ein Krankenhaus auf der Citadel, die natürlich erneut umgebaut wurde. Dafür wurden die ganzen Minispiele aus dem zweiten Teil entfernt, gehackt wird nun einfach so und Mineralien werden auch einfach so abgebaut, gescannt wird die Region, nicht der Planet – das spart so viel Zeit, es ist unglaublich. Auch wurde der Rollenspielanteil wieder erhöht und Shepard ist so agil wie nie. Leitern hoch, über Abgründe springen, rollen und lange Sprints – alles kein Thema mehr. Während man also wieder für allerlei Dinge Erfahrung sammeln kann, fühlt sich das Spiel auch gleich viel dynamischer an.

An meinen ersten Ausflug in Mass Effect 3 kann ich mich nicht mehr erinnern, was wahrscheinlich eine gute Sache ist, denn so fühlt sich dieser Teil neu an und ich kann nur schwer sagen, was ein DLC war und was nicht – ich habe aber bei dem einen oder anderen Quest eine starke Vermutung, wie die Geschichte rund um den Leviathan oder auch die mit der Party. Der dritte Teil jedenfalls fühlt sich an, als würde man in der Tat die Galaxie vereinen, aber irgendwie ist auch alles ein wenig viel. Hier eine kleine Mission, die man so beim Vorbeigehen aufgeschnappt hat, hier eine große Mission, die den Hauptplot vorantreibt, hier ein paar Gespräche, hier ein wenig Detektivarbeit – das Questlog wird nicht leer. Was auch daran liegt, dass man einmal verlassene Orte nicht erneut besuchen kann, aber die Quest von dort trotzdem im Log bleibt. Das ist mega nervig und zieht den Spielspaß für „Completionists“ wie mich runter – fairerweise kann ich da aber keinen Punkt Abzug geben, denn das ist eine sehr persönliche Vorliebe.

Und einer anderen Vorliebe meinerseits folgt dieses Spiel einfach grandios. Es fühlt sich komplett an, als hätte das eigene Handeln Auswirkungen und zwar nicht nur in diesem Teil, sondern auch die Geschichte der vorherigen Teile. Im Laufe der Spielreihe werden Crewmitglieder sterben – Jenkins und Ashley oder Kaidan im ersten Teil sind zum Beispiel unausweichlich. Im zweiten Teil kommt es auf den Spielverlauf an, wer stirbt und wer lebt. Es ist möglich, dass dort alle überleben. Die Gefallenen jedenfalls stehen an einer Gedenktafel an Bord der Normandy. Alle, die leben, trifft man auf die eine oder andere Art im letzten Teil der Trilogie wieder. Der Turianer Garrus ist dabei die große Konstante, denn dieser ist der einzige Charakter, der in allen drei Teilen dauerhaft unserem Team angehört. Die Asari Liara ist ebenfalls wieder mit an Bord, nachdem sie im zweiten Teil zum temporären Teammitglied degradiert worden ist. Interessant ist hier: Hat man mit Shepard im ersten Teil eine Romanze mit ihr und geht im zweiten Teil keine Romanze ein, kann man sie hier erneut bezirzen.

Mass Effect
Mass Effect 3

Die Story schlägt hier einen geschickten Bogen zu den Ursprüngen der Reihe, denn der Grund für die Reaperinvasion sind die Völker selbst. Das wirkt zwar mit der heißen Nadel gestrickt, aber trotzdem immer noch konsistent. Das ist halt immer so ein Problem, wenn man eine große, zusammenhängende Story schreibt, ohne von Anfang an zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Das ist hier wie erwähnt geschickt gelöst, wirkt aber trotzdem immer noch, als wolle man einfach nur diese Trilogie beenden und danach eine neue Geschichte anfangen.

Gerade für den dritten Teil gab es von Seiten der Fans eine Menge Kritik. Die DLC-Politik – direkt zum Start waren bereits zwei Erweiterungen käuflich zu haben – und vor allem das Ende sorgte für einigen Unmut. Das ist durchaus nachvollziehbar, ist für die Legendary Edition aber nicht mehr von Belang. Lediglich das Ende ist immer noch nicht das, was man sich als Fan der Reihe wünscht.

Fazit zu Mass Effect: Legendary Edition

Wer die Reihe noch nicht kennt und generell etwas für Sci-Fi und Rollenspiel übrig hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Veteranen der Serie müssen sich überlegen, ob eine  hübschere Grafik und ein nahtloser Übergang zwischen den Teilen, sowie ein neu Erspielen alter Erfolge (und ein paar mehr) den Kauf rechtfertigen. Das Spiel ist zwar nicht für Series X oder PS5 optimiert, läuft aber anstandslos auf den aktuellen Systemen.

Die Stufe „Wahnsinn“ ist jedenfalls eine echte Herausforderung, vor allem in Mass Effect 2.

 

Info

System: Microsoft Windows, PlayStation 4, Xbox One
Veröffentlichung: 14. Mai 2021
Freigabe: ab 16

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Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
8/10
Total Score
  • Mass Effect 1
    7/10
  • Mass Effect 2
    9/10
  • Mass Effect 3
    9/10
Marco Golüke

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