Mehrere Überlebende von Begegnungen mit Yautjas schließen sich zusammen, um Jagd auf die Jäger zu machen.
Handlung
Der einstige Soldat Enoch Nakai arbeitet an einer Tankstelle, wo er für seinen rassistischen Boss dessen Schlangen füttern muss. Das Militär hat ihn nach seiner Begegnung mit einem Predator vor vielen Jahren als psychisch krank abgestempelt und für arbeitsunfähig erklärt, um die Präsenz der außeririschen Jäger auf der Erde zu vertuschen. Seither wird er von Journalisten und Aluhutträgern belästigt, für die er eine Freakshow in einem Hinterzimmer eingerichtet hat. Jaya Soames und ihre zwei männlichen Begleiter will er zunächst auch mit der Nummer abwimmeln, doch sie will ausnahmsweise nicht seine Geschichte hören, sondern lädt ihn ein, zur Abwechslung die Predators zu jagen.
Sie selbst entstammt einer Familie, welche die Yautja schon seit vier Generationen jagt und auch die anderen zwei Herren haben schon eine Begegnung mit den außerirdischen Killern überlebt. Raphael Herrera war ein Drogenbaron, der während einer Razzia der DEA im Dschungel Lateinamerikas einen Yautja erschossen hat. Tyler Swain hat in Afghanistan ein Gemetzel zwischen US-Army, Taliban und einem Alien überlebt, indem er sich versteckt hat. Auf Jayas Boot lernt Nakai außerdem noch die toughe Mandy Graves kennen, die ebenfalls einen Predator erlegte, welcher ihr die rechte Hand zerdrückt hat.
Zusammen mit einer Handvoll weiterer Söldner und Seeleute fahren sie zu einer Pazifikinsel namens Kehua. Um ihre Tarnung als Meeresforscher zu etablieren, statten sie zunächst der Nachbarinsel Amelia einen Besuch ab. Das abgelegene Eiland wurde im 19. Jahrhundert von einem Geschäftsmann namens Malcolm Bunting gekauft, der dort mit seiner Kolonie ein Utopia errichten wollte. Sein Nachfahre, der Mediziner Dr. Henry Bunting lädt die Abenteurer zu einem Bankett ein, doch beim Abschied verhält sich eine Frau merkwürdig gegenüber den Gästen. Sie wirkt verängstigt und bittet Jaya heimlich im Flüsterton, sie möge zurückkehren und sie mitnehmen.
Noch denkt sich niemand was dabei und in der folgenden Nacht geht Soames‘ Truppe auf der Insel Kehua den Predator jagen, von dem ihr ein Überlebender berichtet hat. Dank Anzügen mit Kühleinheiten sowie modernsten Waffen ist der Job schnell erledigt und sie können sogar einen Gefangenen befreien. Der warnt jedoch, dass sich noch drei weitere Yautja auf der Insel aufhalten. Als diese beginnen, den Trupp zu dezimieren, bleibt nur der Rückzug. Herrera fällt den Yautja dabei in die Hände und verliert ein Ohr. Auf dem Boot angekommen, warnt der Befreite die anderen erneut eindringlich, dass sie sofort verschwinden müssen. Jedoch nicht wegen der Predators, sondern wegen den Siedlern von der Nachbarinsel.
Diese umstellen bereits das Schiff, an dem sie eine Mine mit Fernzünder angebracht haben, um jeden Widerstand zu brechen. Dr. Bunting stellt sich als irrer Sektenführer heraus, dessen Urgroßvater ein Yautja raumschiff vor den Inseln abstürzen sah. Gemeinsam mit seinen Siedlern wehrte Malcolm die gestrandeten Außerirdischen ab und adaptierte deren Jagdkult. Nachdem der Urenkel Henry seine Familiengeschichte erläutert hat, setzt er Jaya, und ihre übrigen Söldner auf Kehua aus, um sie zu jagen, wobei seine Kolonisten ähnliche Masken wie die Predators tragen.
Auf der Insel wird sie von einem Yautja verschont und erhält Hilfe von Artemis, der Frau, welche aus dem Kult aussteigen wollte. Mit ihr gelingt es, das Schiff zurückzuerobern, da nur eine Handvoll Kolonisten nicht an der Jagd teilnehmen und zur Bewachung der zivilen Crew zurückgelassen wurden. Jaya startet den Helikopter, heizt den Kultmitgliedern ein und rettet Mandy. Danach schaltet sie die beiden Yautja aus, welche Enoch und Tyler bedrohen. Den letzten Predator verschont sie hingegen, so wie er zuvor sie verschont hat. Zum Abschied überreicht sie ihm sogar die Ausrüstung eines anderen Yautja , welche sie erbeutet hat.
Rezension von Jäger
In diesem Predator-Band kehrt endlich Enoch Nakai zurück und er wird immer noch aufgrund seiner Navajo-Herkunft diskriminiert. Sein Boss will gar einen Weißen aus ihm machen, weshalb ihm die Kündigung nicht schwer fällt. Doch wie ist er in diese Lage gekommen und wo war er die letzten Jahrzehnte? Bei Dark Horse war er eigentlich nie ganz weg, aber leider sind nicht alle Comics auf Deutsch erschienen. Wenigstens die Gründe für sein Ausscheiden aus dem Militär werden hier aber für alle Uninformierten kurz erläutert.
Mit diesem Band hat Cross Cult etwas Besonderes herausgepickt, denn diesmal sind die Yautja die Gejagten. Der Navajo ist dabei nicht der Einzige, der schon einen Alien erlegt hat. Jaya Soames, die ihn für die Jagd anwirbt, entstammt sogar einer ganzen Dynastie von menschlichen Yautja -Jägern. Der Begründer der Familientradition hatte einst eine Begegnung mit dem legendären „Spring Heeled Jack“, einem Kryptiden aus dem viktorianischen England, welcher hier als Predator interpretiert wird. Mit Herrera, Swain und Graves sind noch drei weitere vielschichtige Hauptcharaktere dabei. Einer ist ein geläuterter Drogengangster, der zweite ein Feigling, der schnell in Verdacht gerät, Herrera auf dem Rückzug im Stich gelassen zu haben, und Mandy lebt eigentlich nur noch, um sich an den außerirdischen Monstern zu rächen. Fehlen eigentlich nur noch Dutch Schaefer und Mike Harrigan.
Die Yautja sind in diesem Comic allerdings ebenfalls vielschichtig. Es handelt sich um einen gestrandeten Clan, der nach dem Absturz vor über 100 Jahren seiner Technologie beraubt wurde. Nur vier Jäger haben überlebt und mussten sich primitive Waffen aus Naturmaterialien bauen. Sogar ihre Masken sind aus Holz. Ihre Gefährten sind von Malcolm Buntings Siedlern erlegt worden, deren Inselutopia keineswegs so idyllisch ist, wie es sich nach außen darstellt. Bunting hat bereits zuvor wilde Tiere auf der Insel Kehua angesiedelt, um sie aus Sport zu jagen. Die Yautja sind für ihn und seine Nachfahren ebenfalls nur exotische Raubtiere, deren Jagd auf Menschen sich sein Kult zu Eigen gemacht hat.
Wie der Nachfahre Dr. Henry Bunting es geschafft hat, sich auf Neuguinea einen guten Ruf als Arzt zu erwerben, bleibt angesichts seiner geisteskranken Zweitbeschäftigung rätselhaft. Er wäre allerdings nicht der erste Psychopath, der ein perfektes Doppelleben führt. Der Hinweis, dass etwas nicht stimmt, ist die Bitte, die Artemis Jaya zuflüstert. Die Wahrheit wird in der darauffolgenden Nacht von einem Gefangenen der Yautja offenbart, doch da ist es schon zu spät. Jaya kann das Blatt zwar dank Artemis wenden, doch am Ende fragt sie sich, wer die größeren Monster sind.
Teils skizzenhaft, aber durchaus reizvoll
Der Zeichenstil ist ein wenig durchwachsen, Die Charaktere sind recht cartoonhaft gezeichnet und der Faltenwurf der Kleidung wirkt sehr knittrig. Obendrein wechselt Dr. Bunting mehrmals das Aussehen. Erst hat er eine fortgeschrittene Glatze, zwischendrin hat er plötzlich volles Haar und wirkt viel jünger, um dann wieder das zuvor etablierte Aussehen anzunehmen. Aus der Ferne haben manche Menschen zuweilen gar kein Gesicht.
Dennoch gibt es ein paar richtig gute Panels, auf denen unter anderem ein Predator und Jaya Soames exzellent in Szene gesetzt sind. Künstliche Strukturen liegen dem Zeichner offenkundig mehr, womit Autos, Boote und Waffen hervorragend aussehen. Der Detailgrad kann sich auch bei Gebäuden und dem Dschungel der beiden Pazifikinseln sehen lassen.
Die Farbwahl ist sehr stimmungsvoll. Saftiges Grün für den Dschungel, Blautöne für die Nacht und Sepia für Erinnerungsrückblenden. Verläufe wechseln sich mit scharfen Hell-Dunkel-Kontrasten ab, zuweilen ist vor allem Kleidung vollflächig eingefärbt. Der Lichteinfall ist trotzdem stimmig. Bei den Fernansichten der Inseln wurde offenbar gephotoshopt, denn die sehen im Vergleich zum Rest annähernd fotorealistisch aus. Die volle Punktzahl wird hier nur knapp verfehlt.
Für die Titelseite ist ein eher unspektakuläres Motiv gewählt worden, bei dem der Schriftzug dominiert. Der ist so groß, dass das Wort „Predator“ über zwei Zeilen läuft. Auf der deutschen Softcoverausgabe sind die Buchstaben lackiert, während der Rest matt ist. Schöner wäre eines der Motive von Doug Wheatley gewesen, die sich im Heft finden.
Fazit: Interessante Abwechslung
Jäger gewinnt dem Franchise ein paar neue Facetten ab und bietet interessante Charaktere. Der Protagonist Enoch Nakai ist hier um einiges schlagfertiger als bei seinem ersten Auftritt. Die Frage, wer die wahren Monster sind, kennt man bereits aus dem ersten Alien-Film und auch in den Predator-Filmen mischen sich die Yautja immer in bereits laufende menschliche Konflikte. Diesmal werden vier von ihnen wie Tiere auf einer Insel gehalten und müssen ohne ihre fortschrittliche Technologie auskommen. Das gab es bisher noch nicht! Fürs Auge hat der Comic ebenfalls einiges zu bieten. Die Menschen sind zwar nicht ganz optimal getroffen, aber der Zeichner hat auch Stärken, die den Gesamteindruck auf ein durchaus hohes Niveau anheben. Predator-Fans sollten hier unbedingt zugreifen, sofern sie noch irgendwo ein Exemplar dieses verlagsvergriffenen Comics finden.
Info
Autor: Chris Warner
Zeichner: Francisco Ruiz Velasco
Verlag: Cross Cult
Sonstiges: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story9/10
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Zeichenstil8/10
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Kolorierung9/10
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