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Der Krieg der Schwestern bricht im sechsten Das Spiel der Götter-Roman aus.

Ein ungewöhnlicher Fokus auf ein einziges Schicksal

Karsa Orlong, der Teblor Toblakai, wird von den Geschichten seines Großvaters dazu inspiriert, gemeinsam mit seinen beiden Freunden, auf einen Raubzug in die Länder der benachbarten Völker aufzubrechen. Sie wollen ihrem Volk wieder Ruhm und Ehre verschaffen. Zunächst sind sie erfolgreich, töten jede Menge Feinde und schwängern sogar einige Frauen. Bis nach einem Vorfall die Dinge immer schlechter verlaufen.

Das Malazanische Imperium ist nicht bereit, das Reich der Sieben Städte aufzugeben. Aus diesem Grund soll eine neue Mandata mit dem Namen Tavore das Kommando übernehmen. Sie findet eine demoralisierte Armee vor, geschwächt von den Ereignissen der letzten Zeit, und muss aus dieser wieder eine schlagkräftige Einheit schmieden, um den Wirbelsturm der Apokalypse und seine Unterstützer zu besiegen.

Steven Erikson legt in Der Krieg der Schwestern einen eher ungewöhnlichen Roman vor. Denn anders als in seinen vorherigen Geschichten schildert er im ersten Teil des Bandes nicht mehrere verschiedene Schicksale, sondern widmet sich einzig und ausschließlich dem frühen Leben von Karsa Orlong.

Conan auf Steroiden

Es handelt sich bei ihm um keinen neuen Charakter. Er trat schon in früheren Romanen auf, wo er einer der Leibwächter der ersten Shai’ik, der Avatarin der Göttin des Wirbelsturms der Apokalypse, war. Damals hat man nicht viel über die Figur erfahren, außer eben, dass er ein loyaler und gefürchteter Krieger war.

Jetzt in Der Krieg der Schwestern erfährt man mehr über ihn und sein Volk. Dabei wirkt er wie eine Art Conan der Barbar auf Steroiden. Genau wie Robert E. Howards´ berühmte Figur, macht auch Steven Eriksons´ Charakter sich nichts aus der Zivilisation und folgt seinen eigenen Regeln. Ebenso nimmt er keine Rücksicht auf die Gefühle von anderen. Ihm geht es „nur“ ums Kämpfen, Ruhm und Ehre.

Doch wer den Autor kennt, der weiß, dass eine solch eintönige Charakterisierung nicht zu seiner sonstigen Schreibweise passt, die ja darauf abzielt, möglichst dreidimensionale Figuren zu beschreiben. Und in der Tat lässt er Karsa Orlong einige Erfahrungen machen, die seine ursprünglich simple Darstellungsweise etwas aufbricht. Nicht komplett, weil dies dann doch zu übertrieben wäre, aber zumindest ausreichend, um die Figur glaubwürdiger darzustellen.

Ein krasser Kontrast

Hingegen ist dann die Rückkehr in das Reich der sieben Städte auf dem Kontinent Genbackis ebenso eine Rückkehr zur gewohnten Norm. Sprich, man hat es mit vielen verschiedenen Plots und handlungstragenden Charakteren zu tun, bei denen man auch wissen muss, was sie vorher getan haben. Der Kontrast zwischen der Darstellungsweise zwischen den beiden Teilen ist leider zu groß, um das einfach zu ignorieren. Es wirft einen völlig aus dem Lesefluss und man muss sich erst wieder mühsam einlesen.

Wobei der zweite Teil von Der Krieg der Schwestern im Vergleich zum ersten nicht allzusehr zurückstecken muss. Was vor allem an Tavore persönlich liegt.

Genau wie Karsa Orlong hat man es hier mit einer Figur zu tun, die man schon von früheren Auftritten her kennt. Denn sie ist die ältere Schwester von Ganoes und Felisin Paran, die beide sehr unterschiedliche Erinnerungen an sie haben, die nicht immer positiv sind. Doch anders als beim Teblor Toblakai wechselt Steven Erikson im Laufe des Romans nie in ihre Perspektive, weshalb sie einem fremd und unnahbar erscheint.

Eine ungewöhnliche Rückkehr

Gleichzeitig schreibt Steven Erikson in Der Krieg der Schwestern jedoch auch jede Menge andere Figuren, deren Gedanken man erfährt. Wie beispielsweise dem Brückenverbrenner-Veteran Fiddler, der nicht mit seinen überlebenden Kameraden im Ruhestand bleibt, sondern unter dem Namen Saiten sich wieder der Malazanischen Armee auf dem Kontinent Genabackis anschließt. Es ist interessant zu lesen, was ihn genau dazu bewogen hat und was er denkt.

Es gibt natürlich noch viele andere Figuren und Schauplätze. So wird der Fokus der Handlung auch ins Zentrum der Gegenseite verlagert, wo man erfährt, wie Felisin in ihrer neuen Rolle als wiedergeborene Sha’ik aufgeht, und wie es gleichzeitig um sie herum zu tragischen Ereignissen kommt, die zeigen, dass unter ihren Gefolgsleuten nicht alles in Ordnung ist.

Der Krieg der Schwestern ist zwar kein Überfliegerroman, wie es bei den vorherigen Büchern der Fall war. Aber es ist immer noch ein gutes Lesevergnügen.

Das Spiel der Götter 06 Der Krieg der Schwestern
Cover © Blanvalet

Autor: Steven Erikson
Titel: Das Spiel der Götter 06: Der Krieg der Schwestern
Originaltitel: House of Chains. A Tale of the Malazan Book of the Fallen 4, Part 1
Übersetzer:  Tim Straetmann
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 10/2014
Einband: Taschenbuch
Seiten: 768
ISBN: 978-3-442-26410-0
Sonstige Informationen:
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Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
8/10
Total Score

Positiv

  • Karsa Orlong
  • Tavore
  • Fiddler

Negativ

  • Zu starker Schreibeweise-Kontrast zwischen den beiden Teilen des Buches
Götz Piesbergen

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