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Review: Ms. Marvel 04 – Rot sehen

Lesezeit circa: 4 Minuten

Wer wird denn in Ms. Marvel Rot sehen?

Luftveränderung

Kamala (Iman Vellani) und ihre Mutter Muneeba (Zenobia Shroff) reisen nach Pakistan, um Kamalas Großmutter Sana (Samina Ahmad) wiederzusehen. Das junge Mädchen erhofft sich von dieser vor allem mehr Infos über das Armband, das sie von ihr erhalten hatte. Dabei erfährt sie auch, dass der Zug, den sie in ihrer Vision hatte, eine Nachricht des Armreifes war.

Während sie versucht, mehr darüber herauszufinden, trifft sie auf eine Geheimorganisation, Die Roten Dolche. Diese versuchen zu verhindern, dass die Clandestine zurück in ihre Dimension können. Denn sollte dies geschehen, bedeutet dies für die normale Realität nichts Gutes. Nur zu blöd, dass diese Djinn sich durch nichts und niemanden aufhalten lassen.

In Rot sehen verlagert sich der Handlungsort von Amerika nach Pakistan. Es ist eine Veränderung, die sich auch auf die Atmosphäre der Ms. Marvel-Serie auswirkt. Denn damit verändert sich vor allem für Kamala alles.

Lernfähig

In dieser Episode gleicht sie mehr einem Fisch ohne Wasser. Sie ist fern der Heimat, fern ihrer Familie und ihrer Freunde. Zwar ist sie mit ihnen noch über Handy in Verbindung, doch wenn ihr darüber niemand antwortet, ist das nicht sonderlich hilfreich. Was ihr auch deshalb zu schaffen macht, weil ihr die Verbündeten fehlen. Ein Verwandter von ihr macht sich ständig über sie lustig und eine andere ist zwar bemüht, ihr den Aufenthalt so gut wie möglich zu gestalten, wirkt aber am Ende eher unbeholfen als hilfreich. Und es sind eben keine Gleichaltrigen.

Auch deshalb ist der Kontakt zu dem roten Dolch Kareem in Rot sehen auch so wichtig. Wirkt er zu Beginn noch eher antagonistisch, damit das klassische Prinzip erfüllt wird, das zwei Superhelden vor ihrem Team-Up zunächst gegeneinander kämpfen, erweist er sich später als jemand, der ihr die nötige Normalität gibt, wobei er ihr aber auch gleichzeitig mit seinem Mentor hilft, ihre Kräfte zu trainieren.

Was man in dieser Episode besonders merkt, ist, dass Kamala immer mehr dazu lernt. Das ist schon beim Kampf gegen Kareem zu sehen. Denn hier schlägt sie sich besser als noch bei der Auseinandersetzung gegen die Clandestine in der letzten Folge. Natürlich kann man auch einwenden, dass es sich hier mehr um ein Geplänkel handelt, bei der beide ihre jeweiligen Fähigkeiten testen. Doch der Kampf am Ende der Folge macht erst recht klar, wie sehr das Mädchen aus allen Erfahrungen gelernt hat.

Familie ist wichtig

Das Schöne an Rot sehen ist dabei nicht nur, dass man Kamala beim Wachsen zu sehen kann, sondern ebenso, dass der Familienaspekt nicht ignoriert wird. Im Gegenteil: Er ist sogar ein essentielles Element dieser Folge.

Der Umgang zwischen Mutter und Tochter ist für diese Episode ein zentrales Thema, sei es zwischen Kamala und Muneeba oder zwischen dieser und ihrer Mutter Sana. Es geht ums gegenseitige Verständnis bzw. auch irgendwo um Enttäuschung über gewisse Entscheidungen. Doch ebenso betont diese Folge, wie wichtig Vergebung ist, wie wichtig es ist, über diese Fehler hinwegzusehen und sich zu vertragen.

Denn das ist das, was die Clandestine eben nicht machen. Im Gegenteil: Man sieht, wie die Anführerin der Djinn, der Najma, ihren eigenen Sohn Kamran verstößt, weil der in der letzten Folge Kamala vorgewarnt hatte. Damit wird ein Zeichen gesetzt, das klar macht, dass diese Familie, diese Gruppierung nicht in der Lage ist, über Fehler hinwegzusehen, was sie eindeutig antagonistisch wirken lässt.

Klischee lässt grüßen

Problematisch ist allerdings die Darstellung des Gefängnisses, in dem die Djinn in Rot sehen gefangengehalten werden. So ist doch arg klischeehaft, da sie in einer Szene mit an einer Schiene gefesselten Armen durch einen dunklen Korridor geführt werden. Es ist nach der letzten Episode klar, dass diese „Damage Control“-Gruppierung eher antagonistisch eingestellt ist. Doch hier wird das ein Mal mehr mit dem Holzhammer rübergebracht, was schlicht und ergreifend unnötig ist.

Auch die Auseinandersetzung zwischen den Clandestine und den Roten Dolchen irritiert. Es stellt eine weitere Eskalationsstufe in der Darstellung dieser Gruppierung dar. Aber es ist eine besonders blutrünstige, was sich noch mehr der ursprünglichen Charakterisierung gegen Anfang der letzten Folge anpasst.

Immerhin wird am Ende von Rot sehen ein spannendes, neues Szenario aufgebaut. Eines, bei dem man sich fragt, ob das, was Kamala da sieht, wirklich real ist, oder, ob da was anderes geschehen ist. Klar ist, dass das zentrale Motiv des Zugs hier einmal mehr aufgegriffen wird.

Am Ende ist Rot sehen eine weitere, gute Folge.

Warpskala

Warpskala
9 10 0 1
9/10
Total Score

Positiv

  • Kamala lernt
  • Familie ist wichtig

Negativ

  • Darstellung von Damage Control wirkt übertrieben
  • Charakterisierung der Clandestine
Götz Piesbergen
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