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Nach einer Idee von Chris Carter entstand mit Akte X eine der erfolgreichsten Mystery-Serien aller Zeiten.

Um genau zu sein, hat Akte X dieses Genre sogar definiert, also kein Wunder, dass sie auch die erfolgreichste ist. Zwar gab es vorher schon Serien dieser Art, wie z. B. The Twilight Zone oder Outer Limits, diese waren aber Anthologien ohne Verbindung untereinander. The X-Files, so der Originaltitel, verband die größtenteils eigenständigen Geschichten mit einem roten Faden, der im Hintergrund mitlief und in späteren Staffeln zum Hauptthema wurde.

Die Handlung in Kürze

Der junge Fox Mulder (David Duchovny) wird Zeuge, wie seine Schwester von Außerirdischen entführt wird. Er beginnt seine Ausbildung beim FBI, wo er den sogenannten X-Akten zugewiesen wird. In diesen Akten geht es um ungeklärte Fälle, bei denen nicht erklärbare Vorfälle zu Grunde liegen. Diese werden unter X abgelegt, da es dort am meisten Platz gibt. Ihm wird die Forensikerin Dana Scully an die Seite gestellt, offiziell zur Unterstützung, inoffiziell zur Beobachtung. Mulder hat keinen guten Status in der Behörde, seine Kollegen nennen ihn Spooky, da er sich mit Dingen beschäftigt, die für die anderen nur Gruselgeschichten sind.

Im Laufe der Jahre kommt das Duo einer Verschwörung auf die Schliche, die bis in die höchsten Regierungskreise reicht und die Existenz außerirdischen Lebens auf der Erde verschleiern will. Das Team bekommt so immer wieder Steine in den Weg gelegt, aber auch Hilfe von hochrangigen Informanten.

Episoden, Staffeln, Filme

Insgesamt kommt die Serie auf 218 Episoden, die in elf Staffeln gesendet wurden. Die ersten neun Staffeln liefen von 1993 bis 2002 (202 Episoden), 2016 folgte eine sechsteilige zehnte Staffel, die eigentlich eine eigenständige Miniserie sein sollte. 2018 folgten noch einmal zehn Folgen als elfte Staffel. Zwei Kinofilme erschienen zur Serie. Während Akte X – Der Film zwischen den Staffeln fünf und sechs spielt, bei uns aber schon nach Staffel Vier im Kino lief, ist die Handlung von Akte X – Jenseits der Wahrheit (The X-Files: I want to believe) nach dem Ende der neunten Staffel angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass weitere Staffeln kommen würden.

Mit Die einsamen Schützen (The Lone Gunmen) bekam die Serie auch ein Spin-Off, welches aber nur auf 13 Episoden kam. Hier wurden die Abenteuer einer Gruppe von Computerspezialisten beleuchtet, die mit Fox Mulder befreundet sind. Die Serie endet mit offenen Fragen, die dann aber in der Hauptserie beantwortet werden.

Ein geplantes Spin-Off mit dem Namen The X-Files: Albuquerque, welches animiert werden sollte und mehr auf Comedy fokussiert war, wurde augenscheinlich abgesagt, seit Anfang 2023 steht allerdings ein Reboot im Raum, welches von Erfinder Chris Carter persönlich angekündigt wurde.

Akte XSynchronisation, Ausstiege und neue Gesichter

Der deutsche Titel lehnt sich natürlich an den originalen an, gibt diesen aber nicht korrekt wieder. In der Serie ist immer wieder die Rede von den X-Akten, die im Kontext der Serie ja auch den meisten Sinn ergeben. Von einer (einzelnen) Akte X ist aber nie die Rede und der Titel macht somit auch keinen Sinn. Die Serie bekam im deutschsprachigen Raum auch noch den erklärenden Untertitel Die unheimlichen Fälle des FBI spendiert, was leider hierzulande oft gemacht wurde, damit die Zuschauer auch direkt wissen, um was es geht.

In Staffel 8 verlässt David Duchovny größtenteils die Serie, er wird von Robert Patrick als John Doggett ersetzt. In Staffel 9 wird Agent Scully versetzt und Annabeth Gish als Monica Reyes übernimmt ihre Aufgaben bei den X-Akten. Der Ausstieg Duchovnys wirkte sich aber negativ auf die Quoten aus, was zur Einstellung nach Staffel neun führte.

Auf der Synchro-Seite hat kaum eine (Haupt)Rolle ihren Sprecher über die Jahre behalten. Benjamin Völz (Mulder) wollte ab dem zweiten Film zu viel Gage für 20th Century Fox, also wurde er für Jenseits der Wahrheit durch Johannes Berenz ersetzt. Sven Gerhardt sprach ihn dann in den Staffeln zehn und elf, was heftig kritisiert wurde.

Auch die Stimme von Mulders Vorgesetztem Skinner (Mitch Pileggi) wurde für die letzten beiden Staffeln getauscht, dies hatte aber sehr einfache Gründe. Norbert Gescher, der ihn zuvor sprach, war im Ruhestand und Dieter Memel übernahm. Weniger Glück hatte da Alex Krycek (Nichoals Lea), dieser hatte im Laufe der Jahre mit Michael Deffert, Boris Tessmann und Michael Iwannek gleich drei deutsche Stimmen. Das toppt nur noch Der Krebskandidat (William B. Davis) mit vier Sprechern, namentlich Hans Klima, Eckhard Bilz, Dietmar Richter-Reinick und Thomas Kästner. Wenn wir seine junge Version mitzählen, müssen wir auch noch Martin Keßler erwähnen, er sprach auch seinen Sohn Jeffrey, beide wurden von Chris Owens gespielt.

Lediglich Franziska Pigulla sprach durchgehend Gillian Anderson und auch die beiden Neuzugänge in den Staffeln acht und neun behielten ihre Sprecher. Keiner der Schauspieler war in allen Episoden zu sehen, Gillian Anderson fehlte aber nur in drei Episoden, die obendrein Rückblenden waren.

Da die Serie vor allem zu Beginn aus in sich abgeschlossenen Geschichten bestand, gab es logischerweise viele Gastdarsteller. Unter den Gastauftritten gab es zahlreiche bekannte Gesichter, teilweise aber auch vor dem großen Durchbruch. Tony Shalhoub (Monk), Bruce Campbell (Tanz der Teufel), Brad Dourif (Einer flog über das Kuckucksnest), Jack Black (King Kong) und viele mehr waren für kleine Rollen mit dabei.

Easter Eggs

Bei einer solchen Laufzeit sammeln sich logischerweise auch etliche Gags, Easter Eggs und Querverweise an. Mulder lebt zum Beispiel in Appartement 42, was in Per Anhalter durch die Galaxis die Antwort auf alle Fragen ist. Geburtstag hat Mulder übrigens am gleichen Tag wie Serienschöpfer Chris Carter, der auch den Geburtstag seiner Frau des Öfteren in der Serie als Uhrzeit (11:21) anzeigen ließ.

Eine der schönsten Referenzen ist aber die Abschiednahme von Kim Manners. Der Regisseur inszenierte 52 Episoden, mehr als je ein anderer. Er verstarb 2009 an Lungenkrebs. In der zehnten Staffel legt Mulder Blumen an einem Grabstein nieder, der mit den exakten Daten und der Inschrift In Memory of Kim Manners versehen ist. Robert Patrick war auch der T-1000 in Terminator 2, auch er bekommt ein eigene Referenz: In einer Episode ist der Gegenspieler lebendiges Metall.

Der von Lance Henriksen gespielte Frank Black aus der Serie Millennium: Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst hatte auch einen Auftritt in der siebten Staffel von Akte X. Die Serie wurde ebenfalls von Chris Carter konzipiert.

Da Akte X einen enormen Beitrag zur Popkultur leistete, wurde natürlich auch in anderen Werken Bezug auf Mulder und Scully genommen. In der Episode Die Akte Springfield der Trickserie Die Simpsons ermittelt das Duo bei einer Außerirdischen-Sichtung, bei der es sich am Ende um Mr. Burns handelt. In der Serie Supernatural gibt es zahlreiche Anspielungen auf die Serie, so z. B. in der ersten Folge, in der die Serienhelden zwei FBI-Beamte mit Agent Mulder und Agent Scully ansprechen. Im Babylon 5-Spin-Off Crusade gibt es eine komplette Folge, bei denen zwei außerirdische Beamte der Meinung sind, die Menschen würden im Geheimen ihren Planeten infiltrieren. Diese sind in typischer Kleidung für Mulder und Scully gekleidet und der weibliche Alien hat rote Tentakel auf dem Kopf.

Auszeichnungen

Die Serie gewann mehrere Emmys. 1994 gab es den ersten, 1995 gab es von sieben Nominierungen aber keinen Gewinn, dafür gewann die Serie 1996 alle fünf Emmys, für die sie nominiert worden war. 1997 gewann sie drei Emmys und drei Golden Globes für Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin und Beste Serie (Drama). Diese Kategorien gewann sie auch bei den Satelite Awards im selben Jahr. 1998 gab es 15 Nominierungen bei den Emmys, davon gingen aber nur zwei an die Serie. 2003 ging der Curt-Siodmak-Preis an die Serie, 2016 wurde sie in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen, die ab diesem Jahr auch für Werke aus diesem Genre offen war.

Andere Medien

Wenn ein Franchise Erfolg hat, dann wird es zu anderen Medien portiert, da ist auch Akte X keine Ausnahme. Ab 1997 erschienen so immer wieder Spiele für den PC, Heimkonsolen oder Smartphones. Erst 2013 kamen die ersten Comics zur Serie auf den Markt. Schon recht bald nach dem Start erschienen die ersten Romane. Dabei muss man unterscheiden zwischen Adaptionen der Originaldrehbücher und eigenständige Geschichten.

Und die Zukunft?

Mit der abgesagten Animationsserie und dem geplanten Reboot ist die Zukunft noch ungewiss. Wenn das Reboot kommt, ist es natürlich fraglich, ob sich neue Zuschauer auf eine solche Serie einlassen können und ob alte Fans sich mit neuen Gesichtern anfreunden können. Sicher ist nur eines: Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

 

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Marco Golüke

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