Warnung: Wenn ihr Stranger Things noch nicht ganz bis zum Ende gesehen habt, werdet ihr ohne Ende gespoilert. Und eine Zusammenfassung der letzten Folgen wird es so auch nicht geben!
Es ist zu Ende
Mit Folge 8 der 5. Staffel geht also Stranger Things zu Ende. Und leck mich Fett, was war das für eine geniale und auch emotionale Reise! Mit jeder Staffel wurde es erwachsener, härter, dunkler. Und die Erwartungen wuchsen und wuchsen. Das Finale konnte diese Erwartungen tatsächlich nur zum Teil erfüllen. Zu hoch hatte man in Staffel 4 im Midseasonfinale mit der Enthüllung von Vecna/Henry Creel die Latte (hihi, er hat Latte gesagt …) gelegt.
Die Stärken der Serie wurden in der Abschlussstaffel und insbesondere in der letzten Folge zur Selbstironie. Die berühmte Rettung in allerletzter Sekunde wurde derart überstrapaziert, dass selbst der Zufall in Perry Rhodan vor Neid erblassen würde. Dabei wurde und wird jedes einzelne Mal auch noch auf die emotionale Tränendrüse gedrückt, dass es quietscht.
So opfert sich Elfie (Milie Bobby Brown) wie längst erwartet am Ende, um dem bösen Militär die Möglichkeit zu nehmen, weitere Mutanten wie sie zu erschaffen. Schön untermalt von Purple Rain von Prince. Und damit bewusst auf über-episch und super-traurig getrimmt. Was in der Masse der packenden Momente irgendwie beliebig und belanglos wird.
ODER? Opfert sie sich wirklich? Natürlich nicht. Die letzten Minuten zeigen dann auch die erwartete positive Wendung auch für unseren Liebling Elfie. Zumindest als mögliche Wendung, denn man überlässt es uns als Zuschauer, welche Version des Endes man wählen mag. Und diesen Twist muss man einfach lieben. Zumal er eine Option offenlässt, irgendwann einmal doch noch in einem Special mit einer neuen Story die alte Truppe auftreten zu lassen.
Ein langer Abspann
Einer der positivsten Punkte war dann tatsächlich Nancy Wheeler (Natalia Dyer), die im erfreulich schnell abgespulten Endkampf gegen den Mindflayer/Vecna zu einer Homage an Ellen Ripley aus Alien wird.
Der Abspann zieht sich dann über fast 45 Minuten und lässt vieles mit einer Art Happy End ausklingen. Auch hier bemüht man wieder eine Art Best Of der 80er-Jahre-Musik wie auch in Art der Filmzitate. Und erfüllt wieder eines der sich durch die Reihe ziehenden Dungeons & Dragons-Motive. Die Helden ziehen am Ende des Abenteuers aus ihrem Heimatdorf weg, einfach weil sie sich fremd zu fühlen beginnen. Weil sie einfach zu viel erlebt haben.
Ein wenig kann nur überraschen, wie Henry Creel zu Vecna wurde. Man erspart uns hier lange Erklärungen. Ein geflohener Wissenschaftler mit einem Koffer mit zwei Bruchstücken entarteter Materie, gegen den Mindflayer in seinem Kopf kämpfend und vom jungen Henry erschlagen. Henry berührt eines der Teile, es geht in ihm auf und zack, hat er Kontakt zum Mindflayer. Und man fragt sich, ob es noch den Plottwist gibt, dass Vecna nur ein Opfer war. Nein, war er nicht – er hat nie Widerstand geleistet und „das Böse“ liebevoll und willentlich angenommen. Gleichzeitig war diese Erinnerung das, was Vecna von der Höhle fernhielt, in der sich die Kinder und Max (Sadie Sink) versteckt hielten.
Manches muss nicht erklärt werden
Jetzt hätte man die Vergangenheit der 50er Jahre wie im Stranger Things-Bühnenstück einarbeiten können, um mehr Verständnis für einige Figuren und auch Henry Creel zu schaffen. Hätte. Hat man aber nicht. Was jetzt auch nicht schlecht war. Manches MUSS man nicht in epischer Breite zu Tode erklären, siehe die Rückkehr des Imperators in Star Wars. „Somehow Palpatine returned“ reicht zum Verständnis der Handlung völlig aus.
Das Finale beinhaltet dann auch einen Antrag von Chief Hopper an Joyce Byers. Eben jener Hopper, der auf der anderen Seite noch zig Soldaten als Rambo-Verschnitt getötet hatte. Da geht dann fröhlich winkend der letzte Rest Logik flöten. Ja, das Militär muss einiges vertuschen, doch glaubt da noch wirklich jemand, dass da zig Todesopfer einfach so hingenommen werden? Ja neee is klaaaaaar.
Und so endet die Reihe auch wie erwartet so, wie sie einst begann: Mit einer Kampagne Dungeons and Dragons. Und endloooooooosen Dialogen. Bla sülz Liebe bla fasel bla tolle Zukunft für alle süüüüllllzzzz. Klingt negativer, als es gemeint ist. Denn man hat sich wirklich Mühe gegeben, alles „rund“ enden zu lassen. Sehr rund.
Gerade diese letzte Folge erinnert in so vielen Aspekten an Stephen Kings ES, dass man es nur feiern kann. Nicht nur die Figuren, ihre Schicksale, der Storyaufbau. Auch Jamie Campbell Bower als Henry Creel/Vecna erinnert in seinem Schauspiel so stark an ES aus der zweiteiligen Verfilmung mit Bill Skarsgård als IT. Er liefert dabei eine Brillanz ab, wie man sie für einen solchen Schurken erwarten darf und muss.
Das liebe Internet
Scharfe Kritik gibt es mal wieder aus Internetforen. Von wegen gay und woke und derartiger Käse. Weil wir am Ende das Coming-Out von Will Byers drin haben. Oh wie schlimm, zirka sechs Minuten von über drei Stunden (wenn man die letzten zwei Folgen, in denen es nebenbei zum Thema wird, zusammenrechnet) werden dem gewidmet – und das auch noch in einer für die Story nicht unwichtigen Form. Wie kann man nur!
Natürlich ist dieser Kritikpunkt Bullshit von zumeist rechtsdrehenden, homophoben Quellen. Das Wort „gay“ wird nicht mal erwähnt, keine zwei Männer knutschend gezeigt. Also mal wieder der typische Hater-Käse aus der untersten Primitiv-Schublade. Kann man also getrost ignorieren. Oder sich freuen, dass diese Klientel wieder mal ordentlich eine reingewürgt bekam.
Und so endet eine der besten Serien in der Geschichte des TV/Streaming. Für viele Zuschauer etwas unbefriedigend, man durfte eigentlich mehr Epik erwarten. Für mich, den kleinen unbescheidenen Reviewer war es aber genau das Ende, das man brauchte, und die beste Variante.
Viele Serien, Bücher und Filme verkomplizieren ihr Ende durch noch einen Plottwist hier und eine unerwartete Verknüpfung da. Nicht Stranger Things. Der Plot bleibt relativ simpel, größere Überraschungen in letzter Sekunde werden nicht aus dem Hut gezaubert. Verdammt gut und richtig gemacht. Manchmal ist ein Böser eben einfach böse, eine Bedrohung nur diese eine Bedrohung und nicht mit anderen verknüpft.
Klar bleibt für manche Zuschauer jetzt auch ein Gefühl der Leere, hat uns die Serie doch über viele Jahre begleitet und erfreut. Doch es war an der Zeit, es zumindest mit dieser Truppe zu beenden. Die Story war auserzählt und jedes „Weiter“ hätte alles zerstört. Immerhin gibt es ja die Zusage von Netflix, man wollte noch eine animierte Reihe nachliefern und auch andere Projekte aus dem Serienuniversum – so wird dann auch in der letzten Einstellung der Stab an eine neue Gruppe Kinder weitergereicht, die ihrerseits Dungeons and Dragons für sich entdecken.
Und man darf positiv vermerken, dass nicht jedes Mitglied des im Laufe der Zeit doch arg angewachsenen Casts ein ausformuliertes Ende bekam. So bleibt dieses Gefühl, das man am Ende eines langen und guten Buches kennt: eine frohe Melancholie und ein Abschied. Im Guten. Weil es nicht endlos weitergeht. Weil man Schluss gemacht hat, als einem die Figuren noch am Herzen lagen.
Die Wertung für die 5. Staffel an sich bekommt somit auch verdiente 8 von 10 Sternen. Und die Finalfolge? Trotz oder gerade wegen ihrer Schwächen hat sich diese bei mir 11 von 10 Sternen verdient. Eben weil man nicht immer dem Fan geben kann und darf, was er will. Weil eine Story manchmal relativ simpel und sauber enden muss. Wie hier.
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