Um seine Familie aus der Armut zu retten, lässt sich Ben Richards auf eine tödliche Game-Show ein.
Eine gnadenlose Klassengesellschaft
Ben Richards‘ (Glen Powell) kleine Tochter Cathy (Alyssa & Sienna Benn) ist schwer krank und wie in den USA leider nicht selten, ist die medizinische Behandlung für ihre Eltern unbezahlbar. Da passt es so überhaupt nicht, dass Ben gerade seinen Job verloren hat, weil er sich für die Rechte seiner Kollegen stark gemacht hat. Seine Hilfsbereitschaft hat ihn schon viele Jobs gekostet, weshalb er nun keinen neuen findet. Seine Frau Sheila (Jayme Lawson) überlegt, sich auf zwielichtige Kunden einzulassen, doch das lehnt Ben ab. Sie versucht ihrerseits, ihn davon abzubringen, dass er in der Gaming-Show The Running Man sein Leben riskiert, auch wenn bis zu eine Milliarde Dollar Preisgeld winken.
Richards möchte sich zumindest für eine der weniger gefährlichen Shows bewerben und sucht daher die Zentrale des Netzwerks auf. Dort muss er sich zunächst in einigen Tests beweisen, wird dann jedoch gegen seinen Willen für The Running Man eingeteilt. Er bittet den Senderchef Dan Kilian (Josh Brolin), ihn in eine andere Show zu stecken, doch der lässt nicht locker und bietet ihm direkte Hilfe für seine Familie an. Ben lässt sich schließlich auf den Deal ein, bereut es aber sogleich beim Start der Show, wo ihm ein mieser Charakter angedichtet wird.
Den finanziellen Vorschuss sowie die wenigen Stunden Vorsprung, die ihm das Netzwerk einräumt, nutzt er, um sich bei einem Freund mehrere falsche Identitäten zuzulegen, nach New York City zu reisen und dort in einem Hotel unterzutauchen. Aus dem Plan, den Monat einfach abzusitzen, wird jedoch nichts, da ihm bereits Jäger, angeführt von Evan McCohn (Lee Pace), auf den Fersen sind. Außerdem muss er täglich ein Video einreichen, welches beweisen soll, dass er noch am Leben ist. Da die Briefkastenstationen zurückverfolgbar und Videoüberwachung sowie DNS-Scanner nahezu allgegenwärtig sind, beginnt eine Flucht durchs ganze Land.
Seinen nächsten Unterschlupf muss Richards in die Luft jagen, wobei jede Menge privater Polizeikräfte umkommen, womit er nun ein gesuchter Verbrecher ist. Zum Glück erhält er Hilfe von dem systemkritischen Influencer Bradley Throckmorton (Daniel Ezra), welcher ihn darüber aufklärt, dass das Netzwerk zunächst seine zwei Mitbewerber ausschalten wird und er damit noch etwas Zeit hat. Es gäbe immer einen hoffnungslosen Fall, einen Hedonisten und einen Endgegner, welcher eindeutig Ben sei.
Richards erfährt noch mehr Ungeheuerlichkeiten. Zum Beispiel wie die Bevölkerung durch die Konzerne vergiftet wird. Dies prangert er in seiner nächsten Videobotschaft an, doch das Netzwerk macht mittels Deep Fake eine radikale Hassbotschaft daraus, in welcher er sich über die Todesopfer freut und noch mehr Gewalt ankündigt. Bradleys Familie will daraufhin, dass Ben aus ihrem Haus verschwindet. Sein neuer Unterstützer hilft ihm aber zumindest bei der Flucht und schickt ihn zu einem anderen Aktivisten namens Elton Parrakis (Michael Cera).
Bens Mitstreiter, der hoffnungslose Tim Jansky (Martin Herlihy) und die hedonistische Jenni Laughlin (Katy O’Brian) sind inzwischen beide tot, sodass die Jäger sich nun voll auf ihn konzentrieren. Eltons demente Mutter, die dem Fernsehen alles glaubt, verrät Richards, der erneut flüchten muss. Der versteckte Bunker, von dem ihn Elton erzählt hat, existiert jedoch nicht mehr und ist einer Neubausiedlung gewichen. Von dort wird er erneut gejagt und nimmt auf der Flucht die wohlhabende Amelia Williams (Emilia Jones) als Geisel. Die glaubt zunächst der Propaganda, muss allerdings schnell feststellen, dass sie für das herrschende Regime durchaus entbehrlich ist.
Dan Kilian pfeift die Jäger unerwartet zurück, da er einen besonderen Showdown für maximale Einschaltquoten plant. Er gibt Richards, der mit einer angeblichen Bombe droht, sogar den gewünschten Jet und bietet ihm an, in die Riege der Jäger aufzusteigen. Damit könnte er als erster Runner seit Beginn der Show überleben. Doch Unschuldige zu töten ist nicht Bens Ding und er lehnt ab. Dennoch lässt Kilian es zu, dass er die fünf Jäger, die mit ihm im Flugzeug sitzen, tötet. Anschließend will der Senderchef das Flugzeug per Fernsteuerung ins Netzwerkgebäude lenken und Richards so zum Massenmörder machen. Der Jet wird jedoch zerstört und Ben kann sich absetzen. Für tot erklärt, taucht er wenig später wieder auf, um mit Hilfe des Widerstands die Show gewaltsam abzusetzen.
Anklagende Dystopie
Ebenso wie die erste Verfilmung von Running Man (1987), die auf ihre Weise genial war, wird auch das Remake dem gesellschaftskritischen Charakter der Romanvorlage von Stephen King gerecht. Diese erschien unter dessen Pseudonym Richard Bachman, unter dem auch das ebenfalls 2025 verfilmte Werk Todesmarsch veröffentlicht wurde. Zwischen beiden Romanverfilmungen gibt es gewisse Parallelen. So spielen beide in einem dystopischen Amerika der Zukunft, in dem Menschen zu Propaganda- und Unterhaltungszwecken durch das ganze Land gejagt werden, wobei die meisten sterben. Obwohl auch The Long Walk – Todesmarsch (2025) mit Mark Hamill in der Rolle des fiesen Majors durchaus interessant und sehenswert ist, hat The Running Man eindeutig den höheren Unterhaltungswert und deutlich mehr Action.
Die Action hat das Remake mit dem Original durchaus gemein, allerdings ist das Spielfeld um einiges größer. Wie im Buch wird Ben Richards durch das gesamte Land gejagt und zwar von jedem, der mitmachen will. Neben den Jägern sind ihm vor allem die Sicherheitskräfte des Netzwerks auf den Fersen, die aus der Privatisierung der Polizei hervorgegangen sind. Die Kapitalismuskritik ist damit noch etwas unverblümter als in der Erstverfilmung.
Hilfe erhält Richards unter anderem vom Sohn eines ehemaligen Polizisten, der noch ein Gewissen hatte und durch die Privatisierung seinen Job verlor. Richards selbst hat ebenfalls ein Problem mit der radikallibertären Gesellschaft und zahlreiche Jobs verloren, weil er Kollegen das Leben gerettet oder sich für ihre Belange eingesetzt hat. Gewerkschaften sind in dieser Dystopie selbstverständlich verboten und Verbrechen der Konzerne an Mensch und Umwelt werden vertuscht. Der Film könnte nicht besser in die zweite Amtszeit von Trump passen.
The Running Man ist nicht nur ein rotes Tuch für die neue Oligarchie, im Keller des Widerstandsaktivisten Elton Parrakis wird sogar offen eine rote Fahne mit dem Konterfei von Che Guevara gehisst. Der Film ist mit seiner Botschaft wirklich überdeutlich! Dafür gibt es gute Gründe, denn das Denunziationssystem, welches Ben Richards das Untertauchen erschwert, nimmt in der Realität längst Gestalt an. Die USA erleben gerade ein Comeback der McCarthy-Ära. Doch diesmal wehren sich Teile Hollywoods ganz offen dagegen, statt wie damals mit versteckten Anspielungen.
Selbst zur Erstverfilmung aus den 1980ern gibt es hier eine gewisse Entwicklung. In dieser gab es zwar ebenfalls eine Widerstandsbewegung, die jedoch recht klein war und im Untergrund lebte. Im Remake sympathisieren dagegen immer größere Teile der Bevölkerung ganz offen mit Richards, dessen Widerstand den Funken der Revolution entzündet. Leider stehen aber auch einige Charaktere aus unterschiedlichen Gründen auf der Seite des Regimes. Da wäre zum Einen Eltons betagte Mutter, deren Denkvermögen unter ihrer Demenz leidet. So verrät sie Richards, weil das Fernsehen ihr es befiehlt und obendrein gibt es Geld für jede Denunziation.
Ein anderes Beispiel ist Amelia Williams, die als im wahrsten Sinne des Wortes gutbetuchte Karrierefrau vom System profitiert und es daher bisher nicht hinterfragt hat. Sie weiß nichts von der Armut und dem Überlebenskampf der breiten Masse, weil es sie schlichtweg nicht betrifft und daher auch nicht interessiert. Für sie ist Ben Richards ein eiskalter Killer, vor dem sie zunächst Angst hat, bis sie am eigenen Leib zu spüren bekommt, dass alles nur Propaganda ist. Im Prinzip nimmt sie die Rolle der Amber Mendez aus dem Original ein, hat allerdings weniger zu tun. Sie ist auch kein Love Interest des Protagonisten, sondern nur eine Nebenrolle. Ein starker Frauencharakter wäre hier wünschenswert gewesen.
Natürlich gibt es auch in der Unterschicht naive Charaktere wie die anderen beiden Showteilnehmer. Waren Laughlin und Weiss in der Erstverfilmung noch Teil des Widerstands und haben sich für die Sache geopfert, sind die nunmehr weibliche Jenni Laughlin und Tim Jansky reines Kanonenfutter. Der unbedarfte Tim ist in der Show völlig fehl am Platz und läuft gleich bei der ersten Gelegenheit seinen Mördern in die Arme. Jenni lässt es dagegen noch einmal so richtig krachen und verprasst ihren Vorschuss, um noch einmal Spaß zu haben und mit einem großen Knall abzutreten.
Hilfe bekommt Ben Richards diesmal von anderer Seite, wobei die Widerstandsaktivisten dem heutigen Zeitgeist angepasst worden sind. So ist Bradley ein typischer Youtube-Influencer, der die Massen mit seinen Videos aufklärt und dabei ordentlich Clickbait betreibt. Der einzige Charakter, der sich kaum verändert hat, ist der Senderchef Dan Kilian, der die Quote mit allen Mitteln hochtreiben will und Ben Richards dafür einerseits diffamiert, ihm andererseits aber auch schmutzige Deals anbietet. Der einzige Unterschied zum Original besteht darin, dass er die Show nicht selbst moderiert. Den Part übernimmt Bobby T. (Colman Domingo).
Näher an der Romanvorlage
Im Gegensatz zur Erstverfilmung hält sich das Remake deutlich näher ans Buch. Und zwar nicht nur, was die Größe der Arena angeht, denn tatsächlich wird Ben Richards auch im Roman durch das ganze Land gejagt und jeder kann sich der Jagd anschließen. Die ikonischen Jäger mit ihren Spitznamen wie Sub-Zero und Buzzsaw wurden extra für den alten Film entworfen, was seinerzeit gut funktioniert hat. In der Neuverfilmung gibt es zwar ebenfalls fünf Jäger, von denen aber lediglich Evan McCohn mit seiner Maske hervorsticht. Die Truppe wird diesmal nicht nacheinander in epischen Fights dezimiert, sondern sämtlich im Finale abserviert.
Ähnlich wie in der Romanvorlage steuert Ben Richards am Ende mit einem Flugzeug auf die Senderzentrale zu. Allerdings nicht aus Rache für seine umgekommene Familie, sondern weil Kilian ihn als vermeintlichen Terroristen abservieren will, nachdem er dessen Angebot ausgeschlagen hat. Im Film ist Ben zudem nicht allein an Bord und kann schlussendlich entkommen. Das Flugzeug wird schlussendlich entgegen der Romanvorlage abgeschossen und rauscht nicht ins Gebäude, was in der Post-9/11-Ära wohl nicht gut angekommen wäre. Aber immerhin ist der Part mit dem Flugzeug überhaupt drin, wenn auch völlig neu interpretiert.
Das eigentliche Finale orientiert sich dann wieder mehr an der Erstverfilmung. Das Studio wird gestürmt und die Show von einer Widerstandsgruppe abgesetzt. Danach darf Ben Richards zu seiner Familie zurückkehren, die doch nicht in ihrem Safe House ermordet wurde, wie Kilian behauptet hat. Das Ganze war nur ein Bluff, so wie Richards‘ angebliche Bombe ein Bluff war, den der Senderchefs allerdings dank der Sensoren an Bord des Jets durchschaut hatte. In diesem Punkt weicht der Film abermals vom Buch ab, in dem Richards‘ Familie tatsächlich stirbt. Dabei werden Frau und Kind auch nicht gezielt ermordet, sondern werden Opfer eines Überfalls.
So gemein wollte man in der Neuverfilmung offenkundig nicht sein und hat stattdessen ein Happy End abgeliefert. Ansonsten hält sich der Film jedoch an den Familienhintergrund des Protagonisten, auf den man in der ersten Verfilmung verzichtet hatte, da dieser auf Schwarzenegger zugeschnitten war. Dessen Interpretation von Ben Richards hat man seinerzeit wegen Ungehorsams ein Verbrechen angedichtet, für das er im Gefängnis saß. Das ist im Remake nicht der Fall, obwohl es zumindest einige Anspielungen darauf gibt, indem Glen Powells Rolle ebenfalls kriminalisiert wird und ihm mittels Deep Fake falsche Worte in den Mund gelegt werden.
Das Remake bedient sich also sowohl bei der Romanvorlage als auch bei der Erstverfilmung, was aber völlig legitim ist. Zumal sich das Endergebnis damit sehr nah an den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen orientiert. Eine kleine Hommage darf schlussendlich nicht fehlen. So ist Arnold Schwarzeneggers Gesicht auf der neuen 100-Dollar-Note zu sehen.
Fazit zu The Running Man: Gelungenes Remake
Am Remake von The Running Man ist vieles anders und doch einiges gleich. Während das Original von 1987 in Bezug auf unsere heutige Zeit noch prophetisch war, braucht sich die Neuverfilmung lediglich am Ist-Zustand der USA zu orientieren, um eine ähnlich gruselige Dystopie zu erschaffen. Der Film nimmt dabei kaum ein Blatt vor den Mund und kann schon direkt als Aufruf zum Widerstand gegen das diktatorische Regime und die libertäre Oligarchie der Milliardäre gelesen werden. Damit passt er absolut in seine Zeit und ist vielleicht sogar ein notwendiges Statement.
Info
Drehbuch: Edgar Wright & Michael Bacall
Regie: Edgar Wright
Musik: Steven Price
Kamera: Chung Chung-hoon
Schnitt: Paul Machliss
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