Es ist faszinierend, wie es der Autorin gelingt, einem schon oft verwendeten Thema Neues abzugewinnen.

Ein bekanntes Thema, mit einer neuen Interpretation
Aihui Ying träumt davon, eines Tages eine Ingenieurin zu werden. Wäre da nicht die Tatsache, dass sie ein Mädchen ist und es ihrem Geschlecht verboten ist, die Ausbildung zu durchlaufen. Doch dann wird ihr Vater ermordet und in seinem Tagebuch findet sie eine Spur, die an die Akademie führt. Also nimmt sie die Identität ihres Bruders an und besteht die Aufnahmeprüfung.
Womit der Stress für sie allerdings erst anfängt. Denn nicht nur muss sie herausfinden, wer wieso ihren Vater umgebracht hat. Ebenso muss sie die harten Prüfungen überstehen und darauf achten, dass niemand ihre wahre Identität herausfindet. Wobei, als der Prinz Aogiya Ye-Yang dies tut, er ihr einziger Verbündeter wird.
Das Thema Geschlechteridentitäten wird immer wieder gerne verwendet. Und auch, wenn bestimmte Storyelemente anscheinend ein wiederkehrendes Muss sein müssen, schaffen es die Autoren, ihm häufig etwas neues abzugewinnen. Wie jetzt ebenfalls Amber Chen in Von Jade und Drachen.
Interessante Einflüsse
Die Autorin lebt in Singapur. Sie hat an der Universität Cambridge Abschlüsse und ein Diplom im Drehbuchschreiben. Sie hat bereits schon einige Webromane verfasst, von denen einer The Cutting Edge sogar fürs Fernsehen adaptiert wurde.
Es ist bei solchen asiatischen Autoren immer wieder interessant, welche Einflüsse dieser Weltregion sie in ihre Geschichten einfließen lassen. Im Fall von Amber Chan meint man Elemente der Mongolen zu finden, aber ebenso Bestandteile wie durch eine verstärkt präsentierte chinesische Kultur die von anderen Völkern langsam verschwindet. Wobei ihr Roman eben nicht nur aus solchen Themen besteht.
Natürlich muss die Autorin auch solche Szenen einbauen, in denen sie schildert, wie Aihui Ying in Situationen kommt, wo die Biologie ihres Frauenkörpers sie in eine schwierige Lage bringt. Das gehört zu solchen Geschichten dazu. Dabei nutzt Amber Chen dies für einige spannende Passagen.
Kein Ort für Träumer
Doch geht es in ihrem Roman eben nicht nur um das Hinterfragen von Geschlechteridentitäten. Das geschieht hier natürlich ebenfalls. Hauptsächlich geht es hier jedoch um etwas anderes.
Es geht um Aihui Yings Weg durch die Akademie, wie sie versucht, gleichzeitig die Prüfungen zu bestehen. Aber ebenso, wie sie herausfinden will, wer ihren Vater wieso ermordet hat. Dabei geht die Autorin clever vor, in dem sie wiederholt Szenen einstreut, in denen man beides mit erleben kann.
So macht sie klar, dass die Akademie kein Ort für Träumer ist. Sie schildert gnadenlos, wie die einst zahlreichen Anwärter aus dem einen oder anderen Grund eliminiert wird. Es ist ein stetes Aussieben, dass sogar so manches Großmaul entfernt wird. Und dabei schafft die Autorin es, dass selbst das Schicksal von eigentlichen Unsympathen einem nahegeht.
Silkpunk?
Doch ebenso viel Wert wird auf die Beziehung zwischen Aihui Ying und Aogiya Ye-Yang gelegt. Der Prinz wird dabei geheimnisvoll und faszinierend dargestellt. Er ist, wie Aihui Ying, im Prinzip ein Außenseiter, wenn auch aus anderen Gründen. Es zeigt sich jedoch wiederholt, dass er sehr intelligent ist und man ihn nicht unterschätzen darf. Zum Glück verzichtet die Autorin darauf, eine Liebesbeziehung zwischen den beiden aufzubauen. Es sind Verbündete, vielleicht sogar Freunde. Mehr aber auch nicht.
Die Welt von „Von Jade und Drachen“ ist eine, die vom Verlag als Silkpunk bezeichnet wird. Gemeint ist, dass es eine Fantasy-Welt ist, die Ähnlichkeiten zu der unsrigen besitzt. Aber gleichzeitig auch sehr unterschiedlich ist. In der relativ Dampftechnologie auf Fantasyelemente trifft. Das Ergebnis sorgt dafür, dass dieser Roman ein gewisses Alleinstellungsmerkmal erhält.
Es ist ein großartiger und gut lesbarer Roman.
Info
Autorin: Amber Chen
Übersetzung: Katrin Aust
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 12/2024
Einband: Gebunden
Seiten: 454
ISBN: 978-3-98666-663-7
Sonstige Informationen: Produktseite
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