Überraschend geht es zurück nach Night City, um ein Leben im Edge zu erleben.
Ein überraschendes Sequel
Es war vor allem Cyberpunk Edgerunners, dass damals dafür sorgte, dass das Cyberpunk 2077 Videospiel sich von seinem katastrophalen Start erholen konnte. Die Animeserie war grandios und konnte perfekt zeigen, wieso es das geflügelte Wort gab, das es in Night City kein Happy End gibt. Umso überraschender war es, dass nach dem Release der ersten Staffel CD Project Red, Entwickler des Videogames, von einer potenziellen Fortsetzung redete. Allerdings sollte diese nicht einfach so eine Fortführung sein, sondern etwas völlig anderes.
Im September 2024 wurde schließlich das Sequel geteasert und im Juli 2025 offiziell bestätigt. Der Titel der Reihe sollte Cyberpunk Edgerunners 2 sein und von dem Kreativteam der ersten Staffel kehrten nahezu alle wieder zurück. Am 20. Oktober 2026 sollte diese Fortführung ihr offizielles Debüt auf Netflix feiern.
Bei einem Run erleidet der prominente Edgerunner King einen Anfall von Cyberpsychose und zerstört damit die gesamte Operation. Er kann gerettet werden, verliert aber dabei nicht nur sein ganzes Vermögen, sondern ebenfalls seine Cyberware. Womit er nur noch ein Schatten seiner selbst ist.
Eine völlig andere Richtung
Der junge Roman Carax ist ein Anhänger des traditionellen Films. Er filmt den Amoklauf von King und soll im Versprechen für eine neue, bessere Kamera bei einem verlassenen Haus Mitglieder von Maelstrom filmen. Dabei stößt er auf deren Mitglied Talia und wird von der Gang gefangen genommen. Nur das Eingreifen des mysteriösen Netrunners D rettet ihn.
Mit Edgerunners 2 gehen CD Project Red und Studio Trigger wirklich in eine komplett andere Richtung, als das allererste Edgerunners. Während bei letztem überwiegend nur das Leben des jungen David Martinez im Mittelpunkt des Geschehens stand, fokussiert man sich dieses Mal gleich auf mehrere Figuren gleichzeitig.
Und die sind allesamt sehr interessant. Man hat mit King, oder Weak Kingsley, wie er später auch gerufen wird, einen ehemaligen Edgerunner, der wegen einer Cyberpsychose alles verloren hat. Roman Carax wirkt für sein Alter verdammt frühreif und hält nicht viel von Braindance. Derweil Talia vollkommen in Maelstrom aufgegangen ist. Und dann ist da noch D, aus dem nicht so recht schlau wird.
Wo ist die Handlung?
Alles interessante Figuren. Aber eben viele Charaktere. Die Auftaktfolge verwendet viel Zeit damit, sie alle einzuführen und darzustellen. Und vergisst dabei ein wenig, die Handlung für die kommenden Episoden vorzubereiten.
Denn sobald die Credits laufen, weiß man zwar viel über die Figuren. Es fehlt allerdings das Element, dass sie alle zusammenführen und ein gemeinsames Abenteuer erleben lassen wird. So wirkt der Auftakt etwas fragmentiert und kann nicht ganz überzeugen.
Wobei die Anfangsepisode jetzt kein kompletter Reinfall ist. Im Gegenteil: Viele der auftretenden Figuren schließt man sofort ins Herz und sie erhalten auch ihre nötige Charakterisierung.
Abgebrüht
Mein Lieblingscharakter ist Roman Carax, der in vielerlei Hinsicht aus der Zeit gefallen wirkt. Er liebt es mit der Filmkamera alles festzuhalten, was er sieht. Und hält von vielen Elementen der Moderne überhaupt nichts. So ist sein Körper, sehr zum Erstaunen von Talia, kaum verchromt. Und wie er ihr sagt, hat er auch nicht vor, dies zu machen.
Die Tatsache, dass er vom Äußeren her vielleicht gerade mal 12 ist und trotzdem schon sehr abgebrüht erscheint, plus eben die Äußerungen, die er tätigt, lassen ihn sofort das Herz des Zuschauers gewinnen. Er wirkt anachronistisch, wie aus der Zeit gefallen. Und sticht dadurch in der Welt von Cyberpunk Edgerunners hervor.
Gleichzeitig ist er aber ebenfalls die Figur, die am meisten Fortschritt macht. Nicht, dass die anderen in ihrer Charakterisierung das nicht auch machen. Doch im Vergleich ist es eher wenig. Überwiegend nur Angetease, was mit ihnen geschehen könnte.
Kein Auftakt nach Maß
Davon am meisten betroffen ist Talia. Sie erhält keine tiefgehende Charakterisierung, außer, dass sie Mitglied von Maelstrom ist und entsprechend stark verchromt ist. Und eben, dass sie von Romans verhältnismäßig geringerer Cyberware stark fasziniert ist.
Letzten Endes ist dies kein Auftakt nach Maß. Es muss vor allem in Sachen Plot noch einiges passieren.
Info
Regie: Akira Furukawa
Drehbuch: Masahiko Otsuka
Story: Bartosz Sztybor
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