In New York treibt ein Bad Blood Predator sein Unwesen.
Handlung
In New York City tauchen immer mehr gehäutete und verstümmelte Leichen auf. Als Peter Parker in Verkleidung eines Forensikers Fotos von einem Tatort macht, wird er von Detective LaPearl verdächtigt, etwas mit der Verbrechensserie zu tun zu haben. Auf dem Weg zum Daily Bugle rettet er als Spidey ein paar Kinder vor einem Transporter, den er sogleich verfolgt. Die rücksichtlosen Ganoven werden jedoch kurz darauf selbst zu Opfern eines Predators.
Der Jäger verschwindet daraufhin in den Untergrund und mischt ausgerechnet die U-Bahn auf, in der Parkers Freundin Mary Jane und eine weitere junge Frau mit Platzangst festsitzen. Aufgrund der brütenden Hitze ist nämlich der Strom in der gesamten Stadt ausgefallen. In der Dunkelheit hat der Predator leichtes Spiel, da er im Infrarotspektrum sehen kann. Ein Obdachloser hilft MJ und ihrer Freundin bei der Flucht und wird dabei selbst vom Predator abgeschlachtet. Die zwei jungen Frauen können durch ein Rattennest entkommen.
An der Oberfläche sind inzwischen neue Jäger aufgetaucht. Zum einen Kraven the Hunter, der zum ersten Mal Jagd auf einen Außerirdischen machen kann, sowie drei weitere Yautia, die ihren ehrlosen Artgenossen, zur Strecke bringen wollen. Peter Parker hat unterdessen recherchiert, dass die Außerirdischen schon sehr lange auf der Erde Menschen jagen. Als er seinem Boss davon erzählen will, werden die beiden von dem Yautia-Jagdtrupp überrascht. Die haben eigentlich gar kein Interesse an ihm, doch als er in sein Spider-Man-Kostüm schlüpft und sich mit ihnen anlegt, wird er übel zugerichtet.
Als die Jäger sich endlich ihrem eigentlichen Ziel widmen, wird einer von ihnen auf der Straße vom Bad Blood erwischt. Den erledigt wiederum Kraven, der dafür die Anerkennung des Yautia-Clans erhält und markiert wird. Spider-Man muss sich derweil um den Armbanddetonator des erlegten Bad Bloods kümmern, dessen Countdown ihm nur wenig Zeit lässt, die Bombe in den nächsten Fluss zu entsorgen. Die Stadt ist vorerst gerettet, doch war der Blutzoll hoch.
Rezension von Jagd auf die Spinne
Spider-Man bekommt es nicht mit irgendeinem Predator zu tun, sondern mit einem sogenannten Bad Blood. Das sind besonders fiese Yautia, die ohne Ehre jagen und dabei weder vor Schwachen noch vor Kindern halt machen. Im Prinzip handelt es sich um Psychopathen, die nicht für Ruhm und Trophäen jagen, sondern aus purer Mordlust. Das verstößt gegen den Ehrenkodex der Yautia, die deswegen ein Killerkommando entsenden, um den Massenmörder zur Strecke zu bringen.
Für Peter Parker ist das eine große Story, die er dem Daily Bugle verkaufen kann. Dumm nur, dass der Strom ausfällt. So muss er in alten Büchern und Zeitschriften recherchieren, statt sich schnell über das Internet zu informieren. Außerdem kann die Story nicht auf der Webseite veröffentlich werden. Parker meint zwar, man müsse „analog drucken“, doch auch Druckerpressen brauchen Strom. Oder laufen die beim Daily Bugle mit Handbetrieb? Wie eine antike Gutenbergpresse sehen sie jedenfalls nicht aus.
Grund für den Stromausfall ist die Hitzewelle, mit der man hier auf den Klimawandel hätte aufmerksam machen können. Doch für solche Statements nimmt sich der Autor keine Zeit und konzentriert sich ganz auf die Jagd. Dabei unterläuft ihm aber ein gewaltiger Patzer, denn während er in der Gegenwart bestätigt, dass es die Yautia heiß mögen, lässt er Parker unter den historischen Belegen für die außerirdischen Jäger auf die Ardennenoffensive stoßen. Diese fand im Winter 1944/45 in Europa statt. Da war es also viel zu kalt für die Yautia, die wohl eher Rommels Afrikakorps aufgemischt hätten.
Neben solchen Logikfehlern krankt die Story zudem an der rohen Gewalt, die so gar nicht zu der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft passt. Obendrein wird Spidey auch noch die Show von seinem Erzrivalen Kraven gestohlen, der den Bad Blood erlegt. Dieses Crossover passt viel besser, was die Frage aufwirft, warum man nicht gleich eine Kraven-Story daraus gemacht hat? Immerhin darf Spider-Man New York City vor der Bombe retten, mit welcher sich der besiegte Bad Blood in die Luft sprengen will.
MJ kann derweil nicht auf die Hilfe ihres Geliebten zählen, sondern muss von einem Obdachlosen gerettet werden, der dafür mit seinem Leben bezahlt. Warum musste er ihr und ihrer Freundin auch die Trophäenhöhle des Predators zeigen? Und warum mussten die beiden Damen dann noch laut quatschen, um auf sich aufmerksam zu machen? Am Ende schafft Mary Jane es dann doch in die Arme ihres Geliebten und der Comic endet mit einem Kuss. Eigentlich wäre es realistischer, wenn MJ erst mal unter die Dusche springen und sich mit Desinfektionsmittel einreiben würde, nachdem sie sich durch eine rattenversuchte Kanalisation kämpfen musste. Sie scheint sich jedoch keine Sorgen um eine Infektion zu machen und Peters verstärkte Spinnensinne stören sich auch nicht an dem Gestank.
Neben Spidey und den Jägern gibt es nur noch eine Handvoll Nebenfiguren, darunter Parkers Boss John Jonah Jameson, der einmal mehr klischeehaft als skrupelloser Geschäftsmann dargestellt wird. Wie er seinen Lesern die Story über außerirdische Menschenjäger verkaufen soll, weiß er allerdings selbst nicht. Wenn es nach Detective LaPearl geht, am besten gar nicht, denn sie untersagt ihm, weitere Fotos von Tatorten zu veröffentlichen. Der Versuch, dem Bad Blood Predator mit ihr eine knallharte Bad Ass Polizistin gegenüberzustellen, scheitert derweil kläglich. Da hätte man schon auf Kraven verzichten und ihr was zu tun geben müssen. So bleibt ihr nur, die Tatorte zu untersuchen, Parkers Wohnungstür einzutreten und staunend daneben zu stehen, wie andere ihren Job erledigen.
Grauenvolle Bilder zur grauenvollen Story
Der Zeichenstil ist recht unausgegoren. Nur in einigen Close-Ups zeigt der Zeichner, was er drauf hat. Doch selbst auf den wenigen guten Panels mangelt es den Hintergründen an Details. Offensichtlich wurde hier unter hohem Zeitdruck gearbeitet, was dem Comic sehr abträglich ist. Der Stil bleibt so oberflächlich wie die Story, es mangelt in jeder Hinsicht an Tiefe bzw. an Detailschärfe.
Die grauenvoll geschändeten Leichen machen den Comic auch nicht ansehnlicher. Zumal sie nicht mal sonderlich realistisch aussehen, sondern eher so, als hätte hier ein gelangweilter Schüler seine kranken Gewaltfantasien dahin gekritzelt. Der Fetisch des Bad Blood, die Gesichter seiner Beute als Maske zu tragen, ist einfach nur abartig und grotesk. Das Ergebnis ist einerseits zu brutal für einen Spidey-Comic, allerdings ebenso zu abstrakt, um den ernsthaften Horror einer Predator-Geschichte aufkommen zu lassen.
Der Bad Blood Predator wirkt extrem deformiert, wobei die entstellte Kopfform seinem verdrehten Schädelinhalt entspricht. Seine Hände scheinen mutiert zu sein, wobei die extrem langen, verkrüppelten Finger an die Kopfkrabbenzombies aus Half Life erinnern. Zumindest die anderen Predators sehen halbwegs normal aus.
Die Kolorierung ist soweit guter Durchschnitt. Es wurde mit weichen Verläufen gearbeitet, hier und da gibt es mal einen Hauch von Glanzeffekten. Die heißen Tage sind in erdigen Farben von Gelb über Orange bis Braun gehalten, die Nächte und U-Bahnschächte in Blautönen. Zumindest etwas Atmosphäre kann dadurch noch aufgebaut werden.
Vergleicht man den Inhalt jedoch mit dem Cover von Paulo Siqueira und Yen Nitro oder dem fast schon fotorealistischen Variant-Cover von Björn Barends, ist die Enttäuschung groß. Mit etwas mehr Zeit und Mühe wäre hier zumindest optisch deutlich mehr drin gewesen.
Fazit: Bad and Bloody
Von allen bisherigen Marvel-Predator-Crossovern ist der Spider-Man-Comic der schwächste. Die Yautia im Black Panther-Band hatten eindeutig mehr Background und selbst der eher durchwachsene Wolverine-Band hatte mehr interessante Momente. Vielleicht eignet sich Spider-Man nicht für ein Horror-Crossover und da man es Peter Parker ohnehin nicht abgenommen hätte, einen Bad Blood Predator zu besiegen, hat man kurzerhand Kraven in die Handlung eingebaut, damit er die Drecksarbeit erledigt. Bei den Nebencharakteren wird ebenfalls Potential verschenkt, sodass der Comic nicht wirklich zufriedenstellen kann. Grafisch bringt er es ebenfalls nicht und ist bestenfalls Durchschnitt. An der Verarbeitung stören schlussendlich mal wieder haufenweise Papierschnitzel an den Seitenrändern.
Info
Autor: Benjamin Percy
Zeichner: Marcelo Ferreira
Tusche: Jay Leisten
Farben: Frank D‘Armata
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite
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Story3/10
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Zeichenstil5/10
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Kolorierung7/10
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