[TOS 007] Der alte Traum

Lesezeit circa: 7 Minuten

Ein Wissenschaftler will Kirk von einer sensationellen Erfindung und ungeahnten Möglichkeiten überzeugen.

Staffel 1, Folge 7 – Sternzeit 2712,4
„Der alte Traum“ – „What are little girls made of?“

Die Handlung von “Der alte Traum”

Die Enterprise ist auf der Suche nach dem verschollenen Wissenschaftler Dr. Roger Korby. Als das Schiff den Planeten Exo III erreicht, nimmt der totgeglaubte Korby überraschend Kontakt auf. Er bittet Captain Kirk, sich zu ihm auf den Planeten zu beamen, er habe eine bahnbrechende Entdeckung gemacht.

In Begleitung von Christine Chapel, die mit Korby verlobt war/ist beamt Kirk direkt in einen der Eingänge zu dem weit verzweigten unterirdischen Höhlensystem, in dem Korby vor der Eiseskälte des Planeten Zuflucht gefunden hat.

Da niemand vor Ort anzutreffen ist, lässt Kirk zwei Angehörige des Sicherheitsdienstes (Rayburn und Matthews) hertransportieren. Bei der Suche nach Korby treffen Kirk und Chapel auf dessen Assistenten Dr. Brown. Matthews kommt bei einem Absturz ums Leben. Auch Rayburn wird von einer riesenhaften Gestalt namens Ruk getötet.

Kirk und Chapel begleiten Brown zu der Unterkunft der Wissenschaftler, wo sie erst auf die Assistentin Andrea, dann auf Korby treffen. Kirk will die Enterprise kontaktieren, worauf Brown eine Waffe zieht. Er und Korby verbieten den Kontakt nach außen. Kirk erschießt Brown, wobei sich herausstellt, dass dieser ein Android ist.

Korby beginnt über seine Entdeckung zu sprechen. Er habe perfekte Androiden geschaffen, mit denen er der Menschheit eine großartige Zukunft verspräche. Nur der riesige Ruk sei ein Überbleibsel aus der Zeit der ehemaligen Bewohner des Planeten.

Um seine Erfindung zu demonstrieren, erschafft Korby eine exakte Kopie des Captains, wobei er sogar dessen mentale Muster kopiert. Chapel kann nicht erkennen, wer der echte Kirk ist und beginnt ihr Vertrauen in Korby zu verlieren.
Korby erklärt, dass er sogar das komplette Bewusstsein in die Androidenkopie übertragen könne. So wolle er Unsterblichkeit ermöglichen und durch eine gezielte Programmierung negative Gefühle als auch das Böse auslöschen.

Mithilfe des Kirk-Androiden will Korby die Enterprise nutzen, um an Rohstoffe auf anderen Welten zu gelangen. Der Androide beamt sich an Bord, wobei sein ruppiges Verhalten Spocks Misstrauen erweckt.

Unterdessen erfährt der echte Kirk von Ruk, dass dieser und andere Maschinen die Ureinwohner des Planeten getötet hatten, weil sie diese als minderwertig ansahen und ihrer drohenden Abschaltung entkommen wollten. Kirk versucht Ruk zu überzeugen, Korby sei gefährlich, um den Wissenschaftler zu stoppen. Ruk greift Korby an, in dem Glauben, vor sich einen „Minderwertigen“ zu haben. Er wird dabei zerstört. Dabei stellt sich heraus, dass auch Korby ein Androide ist. Er erklärt, er habe der Eiseskälte wegen im Sterben gelegen und deswegen sein Bewusstsein in eine exakte Androidenkopie von sich transferiert, doch er sei immer noch derselbe. Chapel wendet sich entsetzt ab.

Andrea, ebenfalls eine Androidin, hat für Korby Gefühle entwickelt, was er negiert, da sie nicht diesbezüglich programmiert wurde. Als sie ihn küssen will, löst Korby einen Phaser aus, wobei beide ausgelöscht werden.

Unterdessen hat Spock mit einem Sicherheitstrupp Kirk und Chapel ausfindig gemacht. Auf seine Frage nach Korby antwortet Kirk, dass dieser nie hier gewesen sei.

Der alte Traum

Kritik

„Der alte Traum“ stellt eine bekannte philosophische Frage: Mensch oder Maschine? Was ist besser? Der Mensch mit allen seinen Fehlern, seinen Emotionen, seiner Phantasie, seinen Irrtümern? Oder die Maschine, welche durch einfache Austauschreparaturen eine immense Langlebigkeit verspricht und bei der sämtliche negativen Eigenschaften und Emotionen einfach „wegprogrammiert“ werden können? Die Folge bringt die Zuschauer dazu, sich zu fragen, ob das, was Korby sich vorstellt, wirklich das erstrebenswerte Paradies ist. Dazu kommt die Vorstellung der Maschinen/Androiden, dass alles, was nicht ihrer Perfektion entspricht, als minderwertig betrachtet auszulöschen ist.

Es ist eine alte Frage, die hier thematisiert wird, und welche immer wieder in der Science-Fiction auftaucht. In Hinsicht auf die reale technologische Entwicklung wird diese Frage immer wichtiger und drängender. Sobald sich künstliche Wesen natürlichen Wesen gegenüber überlegen fühlen, wird es gefährlich. Künstliche Intelligenz wird nicht durch Emotionen gesteuert, sondern folgt der festgelegten Programmierung. Ruk erwähnt, dass er gehorchen muss. Aber sobald seine Existenz auf dem Spiel steht, schaltet sein Programm automatisch auf Verteidigung. Ruk muss schützen. In diesem fall schützt er sich selbst.
Denkbar, dass dies kein Einzelfall sein könnte.

Korby erwähnt, er könne das komplette Bewusstsein in einen künstlichen Menschen transferieren und sogar programmieren. Gefühle wie Angst, Habgier, Neid könnten verschwinden. Es sollen nur noch die angenehmen Emotionen bleiben. Bis auf den Umstand, dass man dann eben ein Android sei, solle es keine besonderen Unterschiede geben. Allerdings stellt Chapel fest, dass sich Korbys Einstellung zum Leben sehr verändert hat. Statt das Leben zu ehren, verliert es für ihn immer mehr an Wichtigkeit. Natürlich, denn er ist nun kein Lebewesen mehr. Er hat sich, laut seiner eigenen Aussage, verbessert. Hier ist die nächste philosophische Frage versteckt: Wie sehr kann Künstlichkeit einen Menschen verändern bzw. menschliche Regungen zerstören? Ist er als Kunstwesen überhaupt noch zu wirklicher Empathie fähig oder verliert er sich zwischen all der Eletronik und wird selbst zur Maschine ohne Gefühlsregung? Die Frage wird nicht beantwortet. Die Zuschauer können/sollen selbst nachdenken, was aus dem Menschen werden kann.

Korby hat es offenbar getan und kam zu einer erschreckenden Erkenntnis, welche ihn dazu brachte, den Suizid zu wählen.

Das Wissen, besser zu sein als andere, führt bereits bei einem Menschen aus Fleisch und Blut oft zu arroganten, egoistischen Verhaltensweisen. Dazu kommt, dass es ja nicht nur möglich wäre, negativ konnotierte Gefühle zu entfernen, sondern stattdessen die positiven. Das Ergebnis wäre ein bösartiges Geschöpf ohne Skrupel. Eine perfekte Kampfmaschine… welche sich mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit gegen seine Erschaffer richten würde.

„Er war nie hier.“ sagt Kirk zum Schluss. Möchte er nicht über das Erlebte sprechen? Oder meint er den Satz ganz anders? Chapels Verlobter, der als Wissenschaftler bekannt war, als jemand, der das Leben verehrte, war vor dem erwähnten Hintergrund betrachtet, tatsächlich nicht da gewesen. Er starb, als sein Körper erfror. Der Android, der das Bewusstsein Korbys aufnahm, ist nicht mit dem vorigen Menschen vergleichbar. Korbys Überzeugungen veränderten sich mit der Zeit völlig. Aus ihm wurde ein fanatischer Geist, der das Dasein als Kunstwesen regelrecht propagierte. Etwas, was der einstige Roger Korby wohl nie getan hätte.

Fazit: „Der alte Traum“ bietet reichlich Zündstoff und viel Thematik zum Nachdenken.

Funfacts:
  • Geht man nach der Produktionsreihenfolge kommen in „Der alte Traum“ zum ersten Mal in der Serie sogenannte Redshirts ums Leben.
  • Ruk (Ted Cassidy) dürfte einigen Leuten bekannt sein als der schweigsame Diener Lurch aus „Addams Family.
  • In dieser Folge kommen weder Dr. McCoy, noch Scotty oder Sulu vor.
Der deutsche Titel

„Der alte Traum“ wird ständig geträumt. Es ist ein Traum, die Menschheit voran zu bringen, ihr Leben zu verbessern, ein Paradies zu schaffen. Die Mittel sind beliebig austauschbar, der uralte Wunsch nach einer wunderbaren Zukunft besteht jedoch seit Anbeginn.
Der englische Titel „What are little girls made of?“ könnte sich auf die Androidin Andrea beziehen. Sie ist ein künstliches Wesen, was einem menschlichen Geschöpf so nah wie möglich nachempfunden wurde. Am Ende scheint sie sogar Gefühle zu entwickeln. Sie spricht von ihrer Liebe zu Korby. In ihr steckt mehr als geglaubt: woraus ist sie gemacht?

Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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Ein Gedanke zu „[TOS 007] Der alte Traum

  • 17. Juli 2019 um 14:07
    Permalink

    „Ruk erwähnt, dass er gehorchen muss. Aber sobald seine Existenz auf dem Spiel steht, schaltet sein Programm automatisch auf Verteidigung.“

    Ich musste da gleich an Asimovs drei Robotergesetze denken, bei denen das nicht möglich wäre.

    Ah, daher kenne ich Ruk! Ich dachte mir, dass ich ihn kenne, aber ich kam nicht darauf, woher.

    Das Kleid! Du hast vergessen, das Kleid zu erwähnen 😉

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