Es zeigt sich mit diesem Film, das Hollywood immer noch in der Lage ist, gute SciFi-Streifen zu produzieren.
Inhalt
Ryland Grace erwacht an Bord eines Raumschiffes, viele Lichtjahre von der Erde entfernt und hat zunächst keine Ahnung wie er dorthin gekommen ist. Erst nach und nach kommt sein Gedächtnis zurück und er beginnt sich zu erinnern, dass er von der deutschen Wissenschaftlerin Eva Stratt zu einer Mission zur Rettung der Erde rekrutiert wurde. Doch während er langen Reise zum Sternensystem Tau Ceti sind seine beiden Crewkameraden verstorben, weswegen Grace nun ganz auf sich allein gestellt ist. Zumindest zunächst. Den als sein Schiff, die Hail Mary, an ihrem Ziel angekommen ist macht er eine ungewöhnliche Bekanntschaft mit einem Wesen, welches sich in der gleichen misslichen Lage befindet wie er…
Rezension
Es geht doch! Hollywood hat es doch tatsächlich geschafft einen wirklich guten Science-Fiction Film vorzulegen, in dem mal keine Superhelden vorkommen.
Der von Ryan Gosling gespielte Titelheld ist beileibe kein Held im klassischen Sinne, sondern ein leicht verpeilter, aber immer grundsympathischer Nerd, dem man als Zuschauer von der ersten Sekunde an ins Herz schließt. Da sieht man dann auch großzügig darüber hinweg, dass es in diesen Film mal wieder ein Amerikaner ist, welcher sich der Rettung der Welt annimmt.
Äußerst clever wechselt der Streifen immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen, wodurch er es dem Zuschauer leichter gemacht wird, der nicht immer ganz unkomplizierten Story zu folgen.
Die Beziehung zwischen Astronaut Grace und den Stein-Alien, das er auf den trefflichen Namen Rocky tauft, geht wirklich zu Herzen und wirkt in jeder Sekunde authentisch. Falls es im nächsten Jahr einen Oscar für das beste Steinwesen in einer Nebenrolle geben würde, hätte er ihn sicher verdient. Lustig ist in diesem Zusammenhang übrigens auch die versteckte Anspielung auf „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ beim ersten Aufeinandertreffen der Beiden.
Aber Spaß beiseite: Wer hier wirklich einen Preis für sein Schauspiel verdient hätte ist zweifellos Ryan Gosling, der praktisch den ganzen Film ohne echten menschlichen Gegenpart auf seinen Schultern trägt. Ihm gelingt es auf grandiose Weise die emotionale Achterbahnfahrt, auf der sich seine Figur befindet erfahrbar zu machen. Etwas enttäuschend ist hingegen Sandra Hüller. Für eine Rolle wie diese wäre eine Schauspielerin ihres Kalibers unnötig gewesen. Erst fast am Ende schafft sie es einige Emotionen wachzurütteln. Ihre Gesangseinlage wirkt dagegen irgendwie überflüssig.
Auch muss man den Film negativ ankreiden, dass er 10 oder 15 Minuten zu lang ist. Gegen Ende schlägt die Handlung einige Hacken, die ihn unnötig in die Länge ziehen.
Aber dies alles ist Jammern auf hohem Niveau. „Der Astronaut“ ist ein Film, der sein Herz am rechten Fleck hat und den Zuschauer zum Lachen aber auch zum Weinen bringt. Er verlässt sich nicht allein auf seine Handlung und Effekte, sondern gibt seinen Charakteren Luft und Raum zum atmen.
Oft wurde „Der Astronaut“ mit „Interstellar“ verglichen, was durchaus auch passend ist, allerdings ist der Film von Lord und Miller wesentlich witziger und in mancher Hinsicht sogar menschlicher als Nolans Werk, vor allem da hier auch der Humor nicht zu kurz kommt. Ähnlich wie sein Vorgänger „Der Marsianer“ nimmt sich der Streifen nämlich selbst nicht wirklich ernst. Auch der Soundtrack ist wesentlich origineller, da er sich stark von dem abhebt, was man sonst in diesem Genre zu hören bekommt. Er klingt wesentlich leichter als Hans Zimmers gewollt bedeutungsschwangerer Score.
Greig Frasers Bilder sind nicht weniger spektakulär und lassen echtes Weltraumfeeling aufkommen.
Allen, denen „Interstellar“ zu kopflastig und kompliziert war sei „Der Astronaut“ als Gegenentwurf wärmstens ans Herz gelegt. Der Film ist zwar nicht das perfekte Meisterwerk, zu dem er oft hochgejubelt wird, aber ein origineller und absolut unterhaltsamer Genrebeitrag geworden, dem jeder Erfolg zu wünschen ist. Klare Guckempfehlung.
Info
Regie: Phil Lord & Christopher Miller
Buch: Drew Goddard nach dem Roman von Andy Weir
Produzenten: Phil Lord, Christopher Miller, Rachel O’Connor, Amy Pascal, Ryan Gosling
Kamera: Greig Fraser
Musik: Daniel Pemberton
Darsteller:
Ryan Gosling (Ryland Grace)
Sandra Hüller (Eva Stratt)
James Oritz (Rocky)
Lionel Boyce (Carl)
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