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Im Namen der Ehre ist der Auftakt zu der Honor Harrington-Spinoff-Serie Der Aufstieg Manticores.

Der Aufstieg Manticores 01 - Im Namen der Ehre
Cover © Bastei Lübbe

Ein weiteres Prequel

Spin-Off-Serien sind im Honor Harrington-Universum nichts Neues. Doch wo die Anthologien, Sklavenplanet und Saganami-Reihen in die Hauptserie integriert wurden, sieht dies bei den anderen Serien anders aus. Sowohl Stephanie Harrington, wie ebenso Der Aufstieg Manticores sind eigenständige Romanreihen, was auch daran liegt, dass beide zeitlich gesehen deutlich vor den Geschehnissen der Hauptreihe stattfinden und thematisch erheblich anders gelagert sind. Erstgenannte Serie fokussiert sich vor allem auf die Erlebnisse der Titelheldin und die Baumkatzen, letztgenannte ist hingegen wieder mehr Military Scifi.

Verfasst wird der Auftaktroman Im Namen der Ehre dabei nicht nur von David Weber alleine. Auch der durch seine Star Wars-Romane bekannte Autor Timothy Zahn arbeitet mit. Wer hingegen nicht aufgeführt wird, ist Thomas Pope, der sich im Hintergrund darum kümmert, dass die technologischen Beschreibungen akkurat sind. Sein Name wird erst ab dem nächsten Band ebenfalls auf dem Cover zu lesen sein.

Gewöhnungsbedürftige Dinge

Travis Uriaha Long weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Kurz bevor er allerdings eine unverzeihliche Tat begeht, stolpert er in ein Rekrutierungsbüro der Royal Manticorian Navy. Fasziniert von dem, was er dort erfährt, beschließt er, der Navy beizutreten.

Doch in Wahrheit ist dieser Zweig des Militärs nur ein Schatten seiner selbst. Es gibt nur wenige kompetente Offiziere und die Organisation leidet darunter, dass es Teil eines politischen Streits ist, zwischen jenen, die sie ausbauen wollen, und jenen, die sie einstampfen und das Geld lieber woanders investieren wollen. Für einen Regelliebhaber wie Long sind dies ärgerliche Umstände, was noch dadurch erschwert wird, dass sein Halbbruder auf der Seite jener agiert, die sich für die Einstellung aussprechen. Was allerdings niemand ahnt, ist, dass ein großes Unternehmen das Sternenkönigreich im Visier hat. Denn ohne dass dessen Bewohner davon wissen, befindet sich in ihrem System ein unglaublicher Schatz: Ein Wurmloch!

Prequels sind immer so eine Sache. Die Vorgeschichte von etwas zu erzählen, von dem man bereits weiß, was geschehen wird, kann so gesehen nicht wirklich für Spannung sorgen. Es sei denn, man wählt einen Fokus aus, der deutlich vielversprechender ist, wie im Falle von Im Namen der Ehre eine Zeit, in der das Manticore-Sternensystem noch nicht mal ansatzweise die Bedeutung und Macht besaß, die es in der Hauptreihe inne hat.

Dementsprechend hat man es hier mit vielen Dingen zu tun, die gewöhnungsbedürftig sind. Die Navy ist heruntergewirtschaftet und die Technologie längst nicht so weit, wie man es von später her kennt. So gibt es beispielsweise an Bord der Raumschiffe keine künstliche Gravitation.

Kein Grund, in Jubelstürme auszubrechen

Jedoch schaffen es beide Autoren nicht, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen. Im Gegenteil: Im Namen der Ehre liest sich zäh und spannungsarm. Was aber auch daran liegt, dass hier ein Fehler wiederholt wird, den man bereits aus der Hauptserie her kennt: Es kommt die Politik mit ins Spiel und die wird als Intrigenstadl und in Schwarz/Weiß beschrieben. Die meisten Politiker, die er hier beschreibt, sind Opportunisten, wie der Earl von Breakwater, der maßgeblich mit für den Niedergang der Navy verantwortlich ist.

Doch auch Travis Long schafft es nicht, Begeisterungsstürme hervorzurufen. Anders als Honor Harrington in ihren ersten Romanen vermag er es nicht, eine Verbindung mit den Lesern zu erzeugen. Im Gegenteil: Er wird als Paragrafenreiter dargestellt, als jemand, der jedes Regelbuch in- und auswendig kennt und dem nichts lieber wäre, als dass die Realität sich an das hält, was er da drinnen liest. Wodurch er nicht nur seinen vorgesetzten Offizieren, sondern auch dem Leser auf den Keks geht.

Und dann zieht er auf ein Mal in Im Namen der Ehre Kenntnisse über Quantenmechanik aus dem Hut, die vorher noch nicht mal ansatzweise angedeutet wurden. Es ist nicht das einzige Versäumnis, das die Autoren ins Buch reingeschrieben haben. Auch wird wiederholt betont, dass er mit dem Politiker Gavin Vellacott verwandt ist und die beiden sich wohl ebenfalls regelmäßig treffen. Was aber im Roman bestenfalls in Nebensätzen erwähnt wird und man nie liest.

Auch die Spannung allgemein lässt zu wünschen übrig. Sogar die Weltraumschlachten, die ja sonst die Stärke von David Weber sind, lesen sich müde und elanlos. Es ist unklar, woran das liegt, ob der Autor keine Lust auf diesem Roman hatte oder ob es andere Gründe hatte. Aber am Ende ist das ein sehr schwacher Auftakt, was angesichts der beteiligten Schriftsteller eher erschreckend ist.

 

Autor: David Weber, Timothy Zahn
Titel: Der Aufstieg Manticores 01: Im Namen der Ehre
Originaltitel: A Call to Duty: Book I of Manticore Ascendant
Übersetzer:  Ulf Ritgen
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 06/2016
Einband: Taschenbuch
Seiten: 638
ISBN: 978-3-404-20826-5
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