Auf Numenor kommt es zu vielen Abschiede.

Aufbruch nach Mittelerde

Die Numenorer bereiten eine Armee vor, die nach Mittelerde aufbrechen soll, um dort die Orks zu bekämpfen. Doch nicht jeder ist mit der Entscheidung einverstanden und es gibt nicht gerade wenige, die versuchen, aktiv Sabotage zu betreiben. Und wiederum einige haben ganz und gar eigennützige Zwecke für diese Expedition im Sinn, die sich sicherlich nicht mit denen Galadriels (Morfydd Clark) decken dürften.

Auf Mittelerde wird Elrond (Robert Aramayo) von Gil-Galad (Benjamin Walker) befragt, ob die Zwerge Mithril haben, doch die Antwort könnte seine Freundschaft zu Durin IV. (Owain Arthur) beschädigen. Die Harfüße machen sich weiter auf den Weg zu ihrem Winterquartier und machen dabei dank dem Fremden Fortschritte. Doch Gefahren lauern überall, selbst dort, wo eigentlich keine sein sollten. Und Adar (Joseph Mawle) erhält unerwartet Verstärkung, als der Tavernenwirt Waldreg (Geoff Morrell) sich ihm mit ungefähr der Hälfte der Flüchtlingen aus Ostirith unterwirft.

Die Harfüße kehren in Abschiede wieder zurück. Und sind damit erneut einer der besten Plots dieser Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht-Folge. Die jedoch insgesamt betrachtet eine der eher Schwächeren der bisherigen Serie ist.

Eine Hilfe oder eine Gefahr?

Die Tatsache, dass die Harfüße in Die große Woge nicht auftauchten, macht sich bezahlt. Denn dadurch ist sowohl für den Zuschauer wie ebenfalls für sie einiges an Zeit vergangen, wenn auch je nach Perspektive unterschiedlich viel. In jedem Fall drückt sich dieser Zeitwandel bei den Hobbit-Vorfahren dadurch aus, dass der mysteriöse Fremde anscheinend immer mehr und mehr die Sprache seiner Gastgeber lernt. Und anhand dieser, genauso wie aus den Kommentaren von Nori lernt er mehr, als man es für möglich hält.

In jedem Fall scheint er daraus zu schließen, dass er eine Gefahr für die Harfüßer sein könnte, obwohl er sie als durchaus warmherzig und freundlich beobachtet. Genauso, wie er sie sich kabbelnd sieht. Dass sie allerdings auch eine unfreundliche, ja schon fast fremdenfeindliche Seite an sich haben, wird dann später deutlich, ohne, dass er dies jedoch mitkriegt.

Wie sehr ihm seine Gastgeber in Abschiede am Herzen liegen, merkt man daran, dass er, als sie von Wölfen angegriffen werden, sie verteidigt. Doch hat er dies nicht ohne Blessuren überstanden, weshalb es später zu einem Moment kommt, der das Vertrauen von Nori in ihm anscheinend erheblich erschüttert. Was natürlich für ihn ein herber Verlust wäre, weil sie von allen die Einzige ist, die ihm ohne Einschränkungen vertraut.

Der Buch erfolgt

Auch die Ereignisse in Ostirith sind interessant. Zum einen kommt es hier zum offenen Bruch und Waldreg zeigt seine Zuneigung zu den Mächten des Bösen, als er sich öffentlich dafür ausspricht, sich den Orks zu unterwerfen. Was er schließlich auch später tut, wobei er zu seiner Enttäuschung feststellen muss, dass es nicht Sauron ist, dem er sich unterwirft. Sondern „nur“ Adar, der ihn dann gleich auf die Probe stellt.

Es tut gut, dass es in Abschiede zum offenen Bruch zwischen jenen kommt, die bereit sind, Sauron und damit ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und jenen, die davon nicht loslassen können, sondern sich mit voller Macht und Bewusstsein wieder unterwerfen. Der Konflikt wurde ja in den letzten Folgen wiederholt angedeutet und dass er jetzt offen ausbricht, verspricht viel.

Wobei natürlich noch einige Fragen offen sind. Wie zum Beispiel, was Theo und das zerbrochene Schwert für eine Rolle in der Auseinandersetzung haben werden. Immerhin scheint er sich Arondir zu öffnen, was eine vielversprechende Entwicklung ist.

Ein Missklang

Der Plot um Elrond und Durin erhält in Abschiede einen erheblichen Missklang. Eben weil Gil-galad enthüllt, dass er von der Existenz des Mithrils bereits wusste und dass er Galadriel deshalb weggeschickt hat, weil er glaubte, dass er dadurch das Schwinden der elbischen Macht aufhalten kann. Die Enthüllung, dass diese verschwindet, ist eine Überraschende, eine, mit der man nicht gerechnet hat.

Aber gleichzeitig eine, die in Kombination mit den sonstigen Enthüllungen des elbischen Hochkönigs und seiner Anweisung an Elrond, die zwergische Freundschaft zu ignorieren, ihn nicht gut aussehen lässt. Es wirkt so, als ob er ein Arschloch ist, den die Interessen und Sorgen anderer Völker wenig interessieren. Zum Glück für ihn und Elrond ist Durin ein wahrer Freund, der sich die Sorgen Elronds anhört und ihm helfen möchte. Was nicht selbstverständlich ist.

Tiefpunkt von Abschiede ist ein Mal mehr die Handlung Numenor. Es ist klar, dass hier auf den Untergang der Insel hingearbeitet wird, der sich vermutlich anders abspielen wird, als es aus den Werken Tolkiens her bekannt ist. Aber am Ende sind nahezu alle Charaktere irgendwie Arschlöcher oder Egoisten, die ihr eigenes Interesse vertreten und auf das der anderen keine Rücksicht nehmen.

Nervige Figuren auf einer nervigen Insel

Es ist ein Wunder, dass die Numenorer überhaupt etwas gebacken kriegen, wenn man mitkriegt, wie sie einerseits darüber spekulieren, was sie mit den Ländern auf Mittelerde anfangen wollen, die ihnen gemäß Plänen, gehören sollen. Oder wenn sie auf die Elben herabblicken und sie hassen. Oder wenn sie versuchen, die Abreise zu sabotieren und damit zum Glück scheitern. Oder, oder, oder…

Es werden in Abschiede zwar auch positive Numenorer vorgestellt. Doch wirken sie im Vergleich schwach und nicht sonderlich überzeugend. Isildur scheint beispielsweise gerne als Prügelknabe für seine ehemaligen Kollegen herzuhalten.

Und auch Galadriel vermag in der Folge wieder nicht zu überzeugen. Einmal mehr wirkt sie nicht minder arrogant und überheblich, was sich unter anderem daran zeigt, dass sie über Halbrands Kopf für ihn mit entscheidet, was er verständlicherweise nicht so prickelnd findet. Ihre Überlegenheit im Kampf stellte sie dann bei einem Duell gegen gleich mehrere junge Krieger zur Verfügung, was vollkommen übertrieben wirkt und sie für den Zuschauer noch mehr unsympathischer macht.

Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Immerhin wird in Abschiede versucht, der negativen Darstellung Galadriels gegenzuwirken. Als sie in einem versöhnenden Gespräch mit Halbrand das erste Mal ausspricht, was sie motiviert, wieso so handelt, wie sie es tut. Aber das ist am Ende nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Irgendwie scheint das Niveau von Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht immer mehr abzubauen. Mal schauen, ob die Serie noch den Bogen kriegt.

Info

Drehbuch: Justin Doble
Showrunner: J. D. Payne & Patrick McKay
Regie: Wayne Che Yip

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Götz Piesbergen
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