Doctor Who – 13 Doktoren, 13 Geschichten

Lesezeit circa: 6 Minuten

 

13 Doktoren, 13 Geschichten und eine Tardis. Das zusammen ergibt eine wilde Reise durch Raum und Zeit, auf der die Leser den beliebten Timelord begleiten können.

13 Doktoren 13 Geschichten
© Cross Cult

Ich als sogenannter „Whovian“ habe „13 Doktoren, 13 Geschichten“ aus dem Cross Cult Verlag mit Freude gelesen. Es hat mir gefallen, mit jeder Inkarnation des Doktors ein Abenteuer zu erleben. Die relativ kurzen, in sich geschlossenen Geschichten lassen den Lesern zwar die Möglichkeit, das Buch problemlos zu pausieren, aber ganz ehrlich, wer will das schon?

Auf jede Geschichte einzeln einzugehen, würde den Umfang des Artikels sprengen. Da ich lieber nicht am Raum-Zeit-Gefüge rütteln möchte, habe ich mir zwei Geschichten herausgepickt. Sicher ist sicher. Daher stelle ich euch später die meiner Meinung nach beste und schlechteste vor.

Aufmachung

Der Einband kommt eher minimalistisch daher. Der Schriftzug sowie die Silhouette der berühmten Tardis heben sich unaufdringlich vom grauen Hintergrund ab. Um dreizehn Doktoren gerecht zu werden, sollte es tatsächlich etwas Einfaches sein. Was haben sie alle gemeinsam und was darf nie fehlen? Neben dem Sonic Screwdriver, der jedes Mal seine Gestalt ändert, eint sie natürlich die Tardis in Form einer Notrufzelle. Was liegt daher näher, als diese auf Umschlag und Buchrücken zu drucken?

Aufgrund der Schlichtheit lenkt „13 Doktoren, 13 Geschichten“ nicht gerade die Aufmerksamkeit auf sich. Prinzipiell braucht es das auch nicht. Es geht um den Inhalt und genügend lesefreudige Whovians gibt es durchaus.

Auf Bilder wurde größtenteils verzichtet. Nur das Schattenprofil des jeweiligen Doktors befindet sich am Anfang jedes Kapitels. Ich persönlich bin kein Fan von Bildern inmitten von Geschichten, da dies den Lesefluss stört. Daher ist die Nichtillustrierung für mich ein positiv anzumerkender Punkt.

Doch nun zum Inhalt.

Mein Top: Der vierte Doktor – Die Wurzeln des Bösen (Philip Reeve)

Ich gebe zu, mein Lieblingsdoktor ist eigentlich Nummer Elf. Dafür dicht gefolgt von Nummer Vier. Hier hat mir „Die Wurzeln des Bösen“ am besten gefallen.

Handlung

Des Doktors Begleitung Leela sehnt sich nach Bäumen. Er bringt sie zum Heligan-Gebilde, einem gigantischen, genetisch veränderten, kugelartigen Baum, groß wie ein Mond. Leela, als sensible Waldbewohnerin, empfindet das Gebilde jedoch als böse.

Sie treffen auf den Jungen Ver. Dann scheint der Baum anzugreifen. Die Tardis wird von Ästen umschlungen. Die Bewohner des Gebildes nehmen den Doktor gefangen. Sie sind der Meinung, er sei verantwortlich dafür, dass ihre Vorfahren mit nur einem Heligan-Exemplar dort gestrandet sind. Es stellt sich heraus, dass nicht der vierte Doktor eingegriffen hat, sondern eines seiner zukünftigen Ichs. Mithilfe von Ver und dessen Mutter will er das Missverständnis aufklären.

Kritik

„Die Wurzeln des Bösen“ ist eine typische fantasievolle Dr. Who-Story. Die Idee eines künstlich veränderten Baumes, welcher eine öde Welt zum Leben erweckt, ist einfach faszinierend. Bereits die ersten Seiten haben mich in den Bann geschlagen. Die Auflösung zum Ende hin, passt hervorragend ins Dr. Who-Universum. Verwoben mit dem Heligan-Gebilde und zu einem Teil des Baumes geworden. So lassen sich die Jahrhunderte bis zum Tag der Rache überdauern. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nun wirklich nicht verraten. Besser, ihr lest es selbst.

Auch die liebenswerten Eigenheiten des vierten Doktors, inklusive eines Rettungseinsatzes mit seinem monströsen Schal, sind geradezu liebevoll eingewoben worden. Am liebsten hätte ich mir auch ein Gummibärchen genommen. Selbst Roboterhund K9, der einen nur kurzen Auftritt hat, wurde nicht vergessen.

Mein Flop: Der Zwölfte Doktor – Licht aus! (Holly Black)

Flop ist etwas zu hart ausgedrückt. Die Geschichte an sich ist nicht übel, allerdings hat sie bei mir nicht so recht gezündet.

Handlung

Während eines Besuches in einem Café geschieht ein Mord. „Zufällig“ ist der Doktor anwesend und nimmt sich des merkwürdigen Falles an. Die Vorfälle häufen sich. Ein Kaffee-Transporteur scheint darin verwickelt zu sein. Auffallend ist auch, dass jedes Mal vorher das Licht ausgeht. Als der Doktor bemerkt, dass Adrenalin und Cortisol eine Rolle spielen, kommt er der Lösung näher. In Begleitung des Verdächtigen, der ein unglückliches Produkt wissenschaftlicher Forschung ist, klärt er schließlich den Fall auf.

Kritik

Die Idee, die Geschichte aus der Perspektive eines Ich-Erzählers darzustellen, passt. So lässt sich das verwirrte gespaltene Innere von „Einundfünfzig“ überzeugender darstellen, als durch einen Blick von außen. So verwirrt wie „Einundfünfzig“ kommt mir auch die Geschichte vor. Allerdings löst sich der Knoten zum Schluss auf, wenngleich es kein Happy-End gibt.

Und doch hat mich die Story nicht so recht mitgerissen. Der Plot ist gut und bietet genügend Potenzial für ein Abenteuer des Doktors. Allerdings erscheint mir das Thema für eine Kurzgeschichte nicht geeignet, diese Geschichte würde ich eher als Drehbuch verfassen. Die Stimmung der Story würde als Bildmaterial hier besser eingefangen werden. Da der Platz einer Kurzgeschichte nun einmal begrenzt ist, fehlt der nötige Raum, um sie fließen zu lassen.

Von Eins bis Dreizehn

Weitere Geschichten stammen aus den Federn von Eoin Colfer, Michael Scott, Marcus Sedgwick, Patrick Ness, Richelle Mead, Malorie Blackman, Alex Scarrow, Charlie Higson, Derek Landy, Neil Gaiman und Naomi Alderman.

Insgesamt gefällt mir der Nachfolger des 2014 erschienenen Bandes „11 Doktoren, 11 Geschichten“ sehr. Die Autoren und Autorinnen haben auf die Eigenheiten der jeweiligen Inkarnation des Doktors geachtet. Für Fans gibt es ein Wiedersehen nach dem anderen. Nicht nur mit dem Doktor, sondern auch mit seinen Begleitern, die mit ihm bzw. ihr durch Raum und Zeit gereist sind.

Die Geschichten sind definitiv ein Schmankerl für Whovians. Ich denke aber, dass auch diejenigen, die noch nicht allzu viel von Dr. Who gesehen oder gelesen haben, an den Kurzgeschichten ihre Freude finden. Zwar beziehen sich die Storys selbstverständlich auf die Serie, aber auch jemand, der beispielsweise Clara oder Susan nicht kennt, wird der Erzählung trotzdem folgen können.

Falls also noch jemand Ferienlektüre sucht, hier wäre eine geeignete.

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Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
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