Neil Gaiman

Spotlight: Neil Gaiman

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Neil Gaiman erschafft Träume.

Früh liest sich, was ein Schriftsteller sein will

Mit der The Sandman-Serie hat es Neil Gaiman geschafft. Eine seiner bekanntesten Kreationen wurde verfilmt und zwar genau so, wie er es sich vorgestellt hat. Und sogar mit ihm als einen der Produzenten.

Geboren wurde der bekannte Autor am 10. November 1960 in Portchester, Hampchester, England. Seine Familie hat Wurzeln im polnisch-jüdischen sowie im osteuropäischen Judentum. Dabei entdeckte sein Vater in den 1960ern Scientology und schloss sich der Sekte an. Noch heute sind Familienmitglieder von ihm Teil dieser religiösen Gesellschaft, wobei der Schriftsteller selbst nichts zu seiner Einstellung in Sachen Glauben sagt.

Neil Gaiman konnte schon mit vier Jahren lesen. Und das tut er mit großem Vergnügen. So las er mit zehn bereits die Werke des berühmten britischen Autors Dennis Wheatley. Einen besonderen Eindruck machte auf ihn allerdings vor allem die Herr der Ringe-Reihe von J. R. R. Tolkien, auch wenn seine Schulbibliothek nur die ersten beiden Bände hatte. Trotzdem lieh er sie immer wieder und wieder aus, um sie zu lesen. Später konnte er als Schüler einige Preise gewinnen, wodurch es ihm möglich war, endlich auch den dritten Teil zu kaufen.

Was man nicht so alles findet …

Doch der Roman, der ihn in Sachen Berufswunsch am meisten beeindruckte, war C. S. Lewis Die Chroniken von Narnia-Reihe, die er zu seinem siebenten Geburtstag erhielt. Zu den weiteren Vorbildern zählte er unter anderem Will Eisner, Mary Shelley oder Harlan Ellison. Tipps, wie er schreiben könnte, holte er sich schließlich im Alter von 19 Jahren von seinem Lieblings SciFi-Autor R.A. Lafferty ab.

Seinen Weg in das Schreiben als Beruf fand er, als er anfing, als Journalist zu arbeiten. Er verfasste Anfang der 1980er Jahre Buchreviews und Interviews für die British Fantasy Society. 1984 schrieb er schließlich seine erste professionelle Geschichte, nämlich Featherquest, die im Imaginary Magazine herauskam.

Was endgültig dafür sorgte, dass er beschloss, sich als Autor zu versuchen, war, als er eines Tages eine Ausgabe von Alan Moores Swamp Thing-Run fand und las. Er wurde sofort von der Erzählung in den Bann gezogen und unternahm damals regelmäßige Besuche in dem berühmten Londoner Comicladen Forbidden Planet, um sich mit neuem Material einzudecken.

Eine abgekürzte Nachfolge mit Folgen

Wie so viele andere britische Autoren vor und nach ihm verdiente sich Neil Gaiman seine ersten Sporen, als er von 1986 bis 1987 einige Stories für das englische Comicanthalogienmagazin 2000 A.D. verfasste. Doch zeitgleich fasste er auch langsam in den USA Fuß, wo er es 1989 schaffte, bei DC Comics seine The Sandman-Reihe zu landen. Zu sagen, dass dies der Durchbruch für ihn war, ist noch untertrieben.

The Sandman wurde ein Riesenerfolg und katapultierte den Autor zu Weltruhm. Seine Geschichte von dem Herren der Träume und dessen Abenteuer faszinierte jede Menge Leser. Und führte schließlich auch dazu, dass für diese und andere Serien der Verlag extra den Imprint „Vertigo“ gründete, der über lange Zeit Comics herausbrachte, die sich an erwachsenen Leser orientierten und mit den Superhelden des Hauptverlags nichts am Hut hatten. Und vor allem in der Anfangsphase wurde dieser Ableger rein um Neil Gaimans Sandman-Universum aufgebaut.

In Großbritannien hatte er Freundschaft mit seinem Kollegen Alan Moore geschlossen. Der ihn schließlich persönlich auswählte, sein Nachfolger bei der Serie Miracleman zu werden. Gemeinsam mit dem Illustrator Mark Buckhingham verfasste er die ersten Geschichten, ehe dann der Verlag Eclipse Comics 1994 plötzlich pleite ging, wodurch die Serie vorzeitig beendet war und weitere Ausgaben in den Sternen standen. Irgendwann sollte Marvel Comics die Rechte an der Reihe erhalten, doch bis dahin sollten noch mehrere Jahrzehnte vergehen und es war ein steiniger Weg, bis es soweit war.

Erste Bucherfolge

1990 fing auch die Schriftstellerkarriere von Neil Gaiman an, Fahrt aufzunehmen. Denn gemeinsam mit Terry Pratchett verfasste er den Roman Good Omens, der Jahre später mit David Tennant in der Hauptrolle als Fernsehserie adaptiert wurde. Und auch im Fernsehen fasste er Fuß, als er 1996 das Konzept für die BBC-Miniserie Neverwhere schrieb und im gleichen Jahr ebenso zu einem sehr erfolgreichen Roman umwandelte.

Neil Gaiman war auf mehreren Gebieten erfolgreich unterwegs. Wobei ein Ausflug noch für Turbulenzen sorgen sollte. Denn 1993 schrieb er für den damals noch sehr jungen Image Comics-Verlag die #9 der Spawn-Comicserie. Für diese Ausgabe der zu Todd MacFarlane gehörenden Serie erfand er einige Charaktere, darunter auch die Engelskriegerin Angela, um die es dann später Streit geben sollte. Doch dazu an einer anderen Stelle mehr.

1997 war er für die englische Adaption des Ghibli-Animes Prinzessin Mononoke verantwortlich und schrieb ein Jahr darauf das Drehbuch für die Babylon 5-Folge Der Tag der Toten. 2001 verfasste er den Roman American Gods, der, wie so viele andere seiner Werke, später in eine Serie adaptiert wurde. Allerdings hielt sich die Reihe, die von 2017 bis 2019 auf Amazon Prime lief, nach der ersten Staffel nicht mehr an der Vorlage. Ein Jahr darauf brachte er gemeinsam mit seinem Freund, dem Illustrator Dave McKean, das Kinderbuch Coraline heraus, das 2009 verfilmt wurde.

Erste Produktionen

2003 geschah eine Sensation. Neil Gaiman, der zuvor ausschließlich für DC seine diversen The Sandman-Serien verfasst hatte, sollte eine Comicserie für Marvel schreiben. Diese war die Miniserie Marvel 1602, die bis 2004 lief. Und von 2006 bis 2007 schrieb er die Geschichte für die siebenteilige The Eternals-Minireihe, die von John Romita Jr. gezeichnet wurde. Das Geld, das er mit diesen Arbeiten verdiente, finanzierte den Gerichtsprozess, den er gegen Todd MacFarlane führte.

2007 war ebenso das Jahr, wo er das erste Mal als Produzent tätig wurde. Genauer gesagt war er der verantwortlich dafür, dass sein mit Charles Vess 1998 verfasstes Buch Sternenwanderer verfilmt wurde. Und 2010 trat er auch das erste Mal als Schauspieler in Erscheinung, als er in einer Episode der Animationsserie Erdferkel Arthur und seine Freunde sich selbst sprach.

In den 2010er Jahren verringerte sich ein Wenig sein Output an Comicsachen. Es wurde sich zwar noch immer auf seine The Sandman-Serie bezogen, wenn zum Beispiel DC eine neue Reihe startete, die in dem Kosmos spielte, den er erfunden hatte. Doch ansonsten fokussierte er sich überwiegend auf die Bücher und das Fernsehen.

Die heißersehnte Realverfilmung

So schrieb Neil Gaiman beispielsweise 2013 Der Ozean am Ende der Straße, für den er unter anderem den Locus Award für das beste Fantasy Buch gewann. 2017 produzierte er die bereits erwähnte American Gods-Serie und sprach 2018 in einer Episode der Serie Lucifer, die übrigens auf einer Figur beruhte, die er in The Sandman einführte, niemand geringeren als Gott.

Apropos The Sandman: Sein bekanntestes Comicwerk sollte in den letzten Jahren auch zu seinem größten Erfolg werden. Zunächst kam 2020 eine Podcast-Adaption heraus. Und 2022 startete schließlich die The Sandman-Serie auf Netflix und wurde ein Riesenerfolg. Lange Zeit war eine Fortsetzung ungewiss, doch vor Kurzem kam die Nachricht, dass es eine Staffel 2 geben würde.

Und auch in die Welt der Comics kehrte er zurück. Wobei hier ein wenig ausgeholt werden muss, da die Sache komplex ist. Hier fließen zwei Ereignisse zusammen. Zum einen die Tatsache, dass er in den 1990er die Nachfolge von Alan Moore an der Miracleman-Reihe antrat. Und zum anderen, dass er für Todd MacFarlane die #9 von dessen Spawn-Comicserie schrieb und dabei einige wichtige Figuren einführte.

Wem gehört was?

Konkret ging es darum, wer die Eigentumsrechte an den Charakteren besaß, die er für den Comickünstler erschuf. Laut Neil Gaiman gab es einen mündlichen Vertrag, gemäß dem diese Rechte zwischen ihm und Todd MacFarlane aufgeteilt seien. Das gab letzterer auch zunächst zu, ehe er dann aber von seiner ursprünglichen Aussage abwich und meinte, dass die Arbeit des Schriftstellers „Work-For-Hire“ gewesen sei, womit das Copyright dem Serieneigentümer gehörte und nicht dem Autoren. Dabei ging es auch darum, dass der Zeichner die Rechte an Miracleman gekauft hatte und der Autor diese im Tausch gegen die Rechte an den Figuren haben wollte. Am Ende kamen die Gerichte zum Schluss, dass Neil Gaiman im Recht war, wodurch er in den Besitz von Miracleman kam.

2015 verkündete Marvel, dass die künftigen Abenteuer der Figur bei ihnen erscheinen würden. Doch bis es schließlich so weit war und alle offenen, rechtlichen Fragen geklärt waren, sollten noch weitere sieben Jahre dauern. Erst vor kurzem sind die ersten Ausgaben der neuen Abenteuer erschienen, die Neil Gaiman schreibt und Mark Buckingham zeichnet.

Privates

Neil Gaiman war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe war mit Mary McGrath, mit er drei Kinder hatte. Sie ging von 1985 bis 2007. 2011 ehelichte er die amerikanische Sängerin Amanda Palmer, die er seit 2009 datete. Das Paar bekam 2015 einen gemeinsamen Sohn, trennte sich allerdings 2020 inmitten der Covid-19-Pandemie. Sie beschlossen, es noch einmal zu versuchen, ließen sich aber 2022 scheiden. Er ist außerdem gut mit der Sängerin Tori Amos befreundet.

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Götz Piesbergen

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