Es ist faszinierend, wie oft der Humor in diesem Film einen mehr zusammenzucken lässt, anstatt einen laut loslachen zu lassen.
Ein Flop mit prominenten Namen
Heute vor 25 Jahren kam Evolution in die Kinos. Der Film war damals gefloppt. Bei einem Budget von 80 Millionen US Dollar spielte er nur 98,4 Millionen US Dollar ein. Und das trotz durchaus namenhafter Leute wie Ivan Reitman als Regisseur und David Duvochny, Orlando Jones und Julianne Moore als Schauspieler. Das deutet darauf hin, dass hier wohl einiges massiv schiefgelaufen sein muss.
Den Ursprung des Films lässt sich auf ein Skript von Don Jakoby zurückführen. Dieses Drehbuch gefiel niemand geringerem als Ivan Reitman, dem Regisseur von Ghostbusters. Er sah darin das Potenzial, es ist eine erfolgreiche Comedy zu verwandeln. Weshalb er schließlich David Diamond und David Weissman anheuerte, um das Buch stark zu überarbeiten. Wofür auch Elemente eines anderen Skripts der Drehbuchautoren Todd Phillips und Scot Armstrong mit eingebaut wurden, dessen Story sich um drei Freunde drehte, die Aliens jagten. Don Jakoby war zunächst wegen den Veränderungen empört, doch Diamond und Weissman arbeiteten eng mit ihm zusammen, um sicherzustellen, dass er dann am Ende dennoch mit dem Endprodukt einverstanden war. So wurde der ursprüngliche finale Akt, in dem die Menschen sich mit den Aliens intellektuell maßen, gegen ein deutlich actionreicheres Finale ausgetauscht.
Ivan Reitman hatte zuvor bereits 1992 bei Beethoven mit David Duvochny zusammengearbeitet und fand, dass der Schauspieler gut mit Comedy umgehen könnte. Für Duvochny selbst war dies eine Möglichkeit, schauspielerisch mal andere Rollen zu spielen und sich etwas von seiner Rolle als Agent Mulder in Akte X zu distanzieren, weshalb er die Hauptrolle als Dr. Ira Kane kriegte. Seann William Scott (American Pie) wurde als der angehende Feuerwehrmann Wayne Grey gecastet, nachdem er Reitman zuvor schon bei dem Film „Road Trip“ positiv aufgefallen war. Orlando Jones erhielt den Zuschlag für die Figur des Professor Harry Phineas Block, einem Kollegen von David Duvochnys Charakter Julianne Moore (Vergessene Welt: Jurassic Park) wurde zu Dr. Allison Reed, einer Forscherin, die zunächst gegen die anderen beiden Wissenschaftler arbeitete. Ted Levine (Monk) spielte den Part des antagonistischen Brigadegenerals Russell Woodman, derweil Ethan Suplee (The Wolf of Wall Street) und Michael Ray Bower (Tales from the Crypt) als die beiden Brüder Deke und Danny Donald den Maincast abrundeten.
Alles Ungute kommt von oben
Ein großer Meteoroid stürzt in der Wüste von Arizona ab. Der angehende Feuerwehrmann Wayne Grey beobachtet dies. Am nächsten Tag untersuchen die Collegeprofessoren Ira Kane und Harry Phineas Block den abgestürzten Felsbrocken und finden heraus, dass er außerirdisches Leben beherbergt. Leben, dass sich erstaunlich schnell fortentwickelt. Ein evolutionärer Fortschritt von mehrere Millionen Jahren geschieht hier in Stunden.
Leider wird auch das Militär auf das Objekt aufmerksam. Sie holen Dr. Alison Reed dazu und versperren den beiden anderen Wissenschaftlerin den Zugang. Diese wollen ihn zunächst juristisch wieder erlangen, scheitern jedoch, weil Dr. Ira Kane in seiner Vergangenheit Mist gebaut hat. Und noch während sie schreiten, entwickelt sich das Leben des Asteroiden schnell weiter und kann schon bald heimlich die nahe gelegene Stadt heimsuchen. Am Ende müssen die Wissenschaftler zusammenarbeiten, um eine Katastrophe zu verhindern.
Wie bereits oben erwähnt, hat der Film auf dem Papier einiges zu bieten. Ivan Reitman war damals immer noch ein namenhafter Regisseur und einige der beteiligten Schauspieler mögen vielleicht keine AAA-Darsteller sein. Hatten sich aber dennoch einen gewissen Namen erarbeitet. Auch das Grundprinzip der Story, die super schnelle Evolution der Außerirdischen, hat etwas. Und doch ist Evolution am Ende gescheitert. Woran lag das also?
Witze, sprichwörtlich für den Arsch
Hauptursächlich ist es der Humor, der dafür sorgt, dass der Film nicht so gut geworden ist, wie man es eigentlich erwartet hätte. Das große Problem ist, dass in Sachen Gags und Pointen überwiegend ein eher niedriges Niveau erreich wird. Nicht gerade wenig Witze sind äußerst flach, wie etwa, als ein außerirdischer Organismus in den Körper von Harry Phineas Block eindringt. Und die einzige Möglichkeit, ihn zu entfernen, über seinen Arsch führt. Genauso wie auch beim finalen Kampf sich alles um ein wortwörtliches Arschloch dreht.
Ebenso werden die meisten weiblichen Charaktere zunächst übers Äußere definiert. So wird zwar im Film klar gemacht, dass Dr. Allison Reed durchaus intelligent ist. Doch der erste Eindruck, den man von ihr erhält, ist, wie sie stolpert und dann die Kamera dem Zuschauer (Und Dr. Kane) einen Anblick auf ihre Beine gibt, die Strapse tragen. Und so zieht es sich durch den gesamten Film hindurch. Wenn Frauen auftauchen, dann werden sie zuallererst über ihr Äußeres definiert und erst anschließend über ihre Intelligenz.
Und auf der Seite der Männer gibt es dann auch noch ein paar Exemplare, die Klischees erfüllen müssen. Deke und Danny Donald sind beide dick und fett und noch dazu dumm wie Stroh. Ironischerweise sind sie am Ende des Films mit dafür verantwortlich, dass eine Lösung gefunden wird, um den Außerirdischen Organismus aufzuhalten.
Ja, Aber…
Im Prinzip kann man deshalb zu jedem Mitglied des Maincasts ein „Ja, Aber…“ Sagen. Dass man es hier zwar mit intelligenten Leuten zu tun hat. Die sich aber, um der Komik willen, stellenweise extrem dämlich aufführen. Siehe die Szene, in der Harry Phineas Block von dem außerirdischen Organismus angegriffen wird und die anderen die Situation eher schlimmer, als besser machen.
Und dennoch ist Evolution trotz aller Kritik am Ende eine Art „Guilty Pleasure“. Der Humor mag flach sein, die Charaktere oberflächlich. Aber wenn man sich einen Abend lang unterhalten lassen will und nicht nachdenken möchte, dann ist er perfekt für geeignet. Eben weil er mitunter auch ein paar grandiose Ideen hat.
Wie beispielsweise alles, was mit den Außerirdischen zu tun hat. Das Prinzip der beschleunigten Evolution, wie der Alienorganismus stets neue Überraschungen auftischt und so auch langsam seine größte Schwäche ausgleicht, das hat schon etwas. Vor allem deshalb, weil das Design der ganzen Aliens so grandios geworden ist. Bis natürlich auf den Organismus am Ende, aber das liegt einfach an der Story.
Gut gealtert
Die Special Effects sind für damalige Zeiten wirklich gut gealtert. Selbstverständlich sieht man einigen Computereffekten ihr Alter an. Aber das ist etwas, was man unterm Strich vernachlässigen kann.
Es ist am Ende einfach so, dass Evolution eigentlich nur dann funktioniert, wenn man nicht nachdenkt und sich nicht über die flachen Gags und die oberflächlichen Charakterisierungen aufregt.
Info
Regie: Ivan Reitman
Drehbuch: David Diamond, David Weissman, Don Jakoby Story von Don Jakoby
Produktion: Daniel Goldberg, Joe Medjuck, Ivan Reitman
Musik: John Powell
Kamera: Michael Chapman
Schnitt: Wendy Greene Bricmont, Sheldon Kahn
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