[Star Trek – New Frontier] The Captain’s Table – Gebranntes Kind

Lesezeit circa: 4 Minuten

 

»Gebranntes Kind« ist kein normaler Teil der »Star Trek – New Frontier«-Reihe.

Star Trek New Frontier Captains Table Gebranntes Kind
© Cross Cult

Am Tisch des Captains

»The Captain‘s Table« ist der Titel einer Romanserie, die ein einfaches, aber bestechendes Prinzip hatte: Irgendwo existiert eine Bar, zu der nur die Leute Zugriff haben, die mächtige Schiffe jeglicher Art kommandierten. Die Besucher können dort Drinks genießen und sich untereinander austauschen. Es gibt nur eine Bedingung: Dass die erste Runde an Getränken immer mit einer Geschichte bezahlt wird.

»Gebranntes Kind« ist »Star Trek – New Frontiers«-Beitrag zu der Serie. Der Roman gehört nicht zu der offiziellen Zählung, das macht bereits der Titel klar. Aber er ist dennoch Teil der Kontinuität. Man kann ihn gewissermaßen als eine Art Prequel ansehen, in der Fragen geklärt werden, die sich einem so noch nie stellten.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Mackenzie Calhoun, der Jahre, bevor er Kommandant der U. S. S. Excalibur wurde und überhaupt auf die Sternenflottenakademie ging, noch ein Freiheitskämpfer war. Eines Tages wandert er ziellos durch ein Dorf und stößt auf eine ihm unbekannte Taverne, die übersetzt »The Captain‘s Table« heißt. Dort trifft er allerhand Leute und verlässt schließlich die Bar, nicht ohne einen freundlichen Hinweis vom Barkeeper, dass er das nächste Mal, wenn er das Lokal aufsucht, mit einer Geschichte bezahlen muss.

Ein untypischer Peter David-Roman

Jahre später besucht ein rastloser Captain Calhoun das Holodeck der Excalibur. In der Simulation einer Stadt wandert er umher, bis er auf eine Bar stößt, die ihm bekannt vorkommt. Er betritt sie und beschließt zu bezahlen. Und so erzählt er die Geschichte des jungen Mackenzie Calhoun, Erster Offizier an Bord der U. S. S. Grissom. Es ist eine Erzählung, in der es um Verantwortung geht, bzw. wann man diese annehmen soll. Dabei handelt es sich um eine der größten Tragödien seines Lebens.

»Gebranntes Kind« ist keine typische »New Frontier«-Geschichte. Genauso wenig ist es ein typisches Peter David-Buch. Für diese Geschichte, die erstaunlich düster ist und Mackenzie fast introspektiv wirken lässt, fährt er seinen sonst so bezeichnenden Humor so stark zurück, dass man ihn kaum noch wahrnimmt. Er ist noch vorhanden, da es wiederholt kleinere Szenen gibt, in denen er einen Gag einbaut. Doch die melancholische Story überdeckt das.

Bislang kannte man Captain Calhoun nur auf eine Weise: Als Mann, der sehr selbstbewusst ist und keine Schwäche zeigt. Diese Darstellung wird gleich zu Beginn des Romans aufgebrochen, als man mitbekommt, wie ein junger Mackenzie um einen gerade getöteten, feindlichen Soldaten trauert. Das ist eine Charakterisierung, die man bei dieser Figur noch nie zuvor sah.

Kein Roman, der einen kalt lässt

Und so ähnlich geht es in der Geschichte weiter. Wiederholt gibt es Szenen, mit denen man so nicht gerechnet hat. Dabei hat die Story von »Gebranntes Kind« etwas von einer Tragödie. Man lernt durch Calhoun den Captain der U. S. S. Grissom kennen, Captain Norman Kenyon. Dieser wird für Mackenzie ein Vorbild, derweil er gleichzeitig auch eine Beziehung zu dem Executive Officer Katerina Mueller beginnt. Alles nimmt dann eine Wende zum Schlechten, als der Bruder des Captains und dessen Tochter auf deine diplomatische Mission gehen, auf der sie ums Leben kommen. Was dann alles verändert.

Als Leser wird man in den Bann des Geschehens gezogen. Zu keiner Sekunde lässt der Roman den Leser kalt. Man fühlt mit Mackenzie Calhoun und mit Norman Kenyon. Man sympathisiert mit Letzterem, auch wenn dieser etwas macht, was ein Sternenflottenoffizier im Prinzip nicht machen sollte.

Am Ende ist »Gebranntes Kind« eine Geschichte, die ein kurzes Innehalten in der normalen Story von »New Frontier« darstellt. Aber es ist ebenso gleichzeitig eine Erzählung, die wahnsinnig gut geworden ist. Mit diesem Roman beweist Peter David, was für ein grandioser Autor er ist!

Großes Lob gebührt auch dem Coverkünstler Martin Frei. Dies ist sein bislang bestes Cover, welches er jemals für den Cross Cult Verlag erschuf!

Bewertung 15/15

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Autor: Peter David
Titel: Star Trek – New Frontier: The Captain’s Table – Gebranntes Kind
Originaltitel: Star Trek – New Frontier: Captain’s Table – Once Burned
Übersetzer: Stephanie Pannen
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 08/2011
Einband: Taschenbuch
Seiten: 251
ISBN: 978-3-942649-00-1
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Götz Piesbergen
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Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.

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