Spotlight: Gene Roddenberry

Lesezeit circa: 8 Minuten

Am 19. August 1921 wurde Eugene »Gene« Wesley Roddenberry geboren, der Schöpfer von »Star Trek«.

Gene Roddenberry
Quelle: IMDb

Ein Mann geht in die Luft

Er war das erste Kind seiner Eltern und wurde in El Paso, Texas, geboren. Als der Vater Eugene Edward zwei Jahre nach der Geburt Polizist wurde, zog die gesamte Familie nach Los Angeles. Gene selbst liebte es, als kleiner Junge zu lesen. Vor allem die sogenannten Pulp-Geschichten hatten es ihm angetan.

Als er älter wurde, studierte er Polizeiwissenschaften am Los Angeles City College. In dieser Zeit lernte er nicht nur seine spätere Ehefrau Eileen-Anita Rexorta kennen, sondern entwickelte ebenfalls Interesse an Luft- und Raumfahrttechnik. Er erhielt seine Pilotenlizenz über ein spezielles Programm des United States Army Air Corps, dem er 1941 beitrat. Ein Jahr später heiratete er schließlich seine Freundin.

Als Mitglied der Armee flog er auch im Zweiten Weltkrieg Einsätze. Allerdings war er 1943 in einen Flugzeugabsturz involviert, wonach er hauptsächlich in den Vereinigten Staaten unterwegs war. Seine Tätigkeit bestand vor allem darin, solche Abstürze zu untersuchen.

Als Polizist kommt man schnell zum Fernsehen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verließ Gene Roddenberry die Armee und arbeitete als Pilot bei Pan American World Airways, wobei er einige der damals längsten Routen flog. Nach einem dritten Crash, wo er heldenhaft seine Passagiere retten konnte, kündige er 1948 bei der Firma. Er tat dies, weil er eine Karriere als Schriftsteller, vor allem im damals noch neuen Medium Fernsehen, anstrebte.

Ehe es allerdings so weit war, trat er in die Fußstapfen seines Vaters und wurde 1949 Polizist. Zunächst arbeitete er im Verkehrsdezernat, ehe man ihn in die Zeitungsabteilung versetzte, aus der später die PR-Abteilung wurde.

Zu diesem Zeitpunkt startete er ebenfalls seine Karriere im Fernsehen. Zu Beginn diente er als technischer Berater bei der »Mr. District Attorney«-Serie. Bald begann er ebenfalls Drehbücher für die Reihe zu schreiben, wenn auch zu Beginn nur unter dem Pseudonym »Robert Wesley«. Bald war er damit so erfolgreich, dass es ihm schwer fiel, gleichzeitig Drehbuchautor und Polizist zu sein. Er beendete 1956 seine Karriere bei der Polizei, um sich vollständig aufs Schreiben zu fokussieren.

Ein Zug zu den Sternen

In der Frühphase seiner Karriere begann er für die Serie »The West Point Story« Drehbücher zu verfassen. Doch ebenso hatte er allerdings auch den Wunsch, eine eigene Fernsehserie zu produzieren. Etwas, was sich durch jene Anfangsjahre wie ein roter Faden zog. Wiederholt versuchte er sein Glück und stand durchaus einige Male kurz davor, erfolgreich zu sein. Nur um an verschiedenen Umständen zu scheitern, zum Beispiel daran, dass er einen gemischtrassigen Cast haben wollte, was damals undenkbar war.

Doch jene Zeit war für ihn nicht umsonst. Er lernte jede Menge Leute kennen, mit denen er später zusammenarbeiten sollte. Zu jenen Personen gehörte auch Majel Leigh Hudec, die er Ende der 50er, Anfang der 60er kennenlernte. Ebenso sollte bei einem seiner erfolglosen Pilotfilme DeForest Kelley die Hauptrolle spielen. Und bei der Serie »The Lieutenant« arbeitete er unter anderem mit Gene Coon, Leonard Nimoy oder Nichelle Nichols zusammen.

1966 war es endlich so weit. Mit »Star Trek« konnte Gene Roddenberry eine Fernsehserie verkaufen, die seine Visionen am besten umsetzte. Dies geschah dank eines Deals mit den Desilu Studios und dem Fernsehsender NBC. Für die Arbeit an der Serie heuerte er viele Leute an, mit denen er früher schon zusammengearbeitet hatte, darunter auch Dorothy »D. C.« Fontana.

Der tägliche Kampf ums Überleben

Während der Frühzeit von »Star Trek« begann er eine Affäre mit Majel Barret. Für sie schrieb er die Rolle der Number One in dem Pilotfilm. Doch dieser fiel beim Testpublikum und dem Fernsehsender durch. Immerhin gab Letzterer einen Zweiten in Auftrag, der dann am Ende dazu führte, dass die Serie von dem Sender gekauft wurde.

Jedoch bereitete ihm die Reihe von Beginn an Sorgen. Niedrige Einschaltquoten animierten ihn, mit den bekannten Sci-Fi-Autoren Harlan Ellison und Isaac Asimov zusammenzuarbeiten, um die Fernsehserie zu retten. Er organisierte Proteste und Briefkampagnen und konnte sein »Kind« zwei Mal davor bewahren, wegen fehlendem Erfolg eingestellt zu werden. Doch die Kämpfe ums Überleben und mit dem Fernsehsender hörten nicht auf. Am Ende führte es dazu, dass er sich in der dritten Staffel auf den Posten eines Executive Producers zurückzog, womit er nicht mehr in das tagtägliche Geschehen involviert war.

Während dieser Zeit zeigte sich eine Angewohnheit von Gene Roddenberry, die dazu führte, dass er es sich mit vielen Personen verscherzte. So nahm er Drehbücher anderer Autoren und schrieb sie um. Das betraf auch Harlan Ellisons Skript zu »Griff in die Geschichte«, die der Schöpfer von »Star Trek« mit seinem Eingriff angeblich erst fernsehtauglich machte. Was allerdings den als sehr streitbar bekannten Sci-Fi-Autoren überhaupt nicht gefiel, weshalb sich dieser im Streit von Roddenberry trennte.

Unterschätze niemals die Fans

Anfang der 1970er-Jahre war »Star Trek« eingestellt worden und sein Schöpfer hatte monetäre Probleme. Seine Ehe mit Eileen-Anita Roxita war wegen seinen Affären in die Brüche gegangen und er musste jeden Monat 2000$ an Alimenten zahlen. Zwar war er jetzt mit Majel Barret verheiratet, doch er fühlte sich gleichzeitig in der Funktion eines Sci-Fi-Produzent festgezurrt, obwohl seine Wurzeln im Western- und Krimi-Genre lagen.

Um finanziell über die Runden zu kommen, begann er auf diversen Conventions aufzutreten. Er zeigte dabei wiederholt den ursprünglichen Pilotfilm und Blooper-Aufnahmen, wobei er auch die Fragen der Fans beantwortete. Dadurch gelangt es ihm, das Interesse von diesen an »Star Trek« nicht nur weiter aufrechtzuerhalten, sondern gleichzeitig weiter anzufachen. Übrigens sollten diese Auftritte später noch für Probleme sorgen. Speziell, wenn es um Kanonfragen ging. Gene Roddenberry änderte seine Antworten nämlich gerne, je nachdem, wie er die Atmosphäre wahrnahm.

In dieser Zeit gelangt es ihm irgendwann, weitere Drehbücher und Konzepte zu verkaufen. Doch wiederholt war das Schicksal nicht auf seiner Seite. »Genesis II« zum Beispiel wurde zwar auf CBS mit guten Quoten ausgestrahlt und es sollte auch eine Fernsehserie darauf basierend entwickelt werden. Nur später strahlte der Sender »Planet der Affen« zu noch besseren Einschaltquoten aus und produzierte stattdessen auf diesem Film eine TV-Serie, die jedoch nicht sehr erfolgreich war und nach einer Staffel eingestellt wurde.

„Star Trek“ ist nicht tot!

1973 wurde Gene Roddenberry von Paramount, die damals die Rechte an »Star Trek« besaßen, dafür angeheuert, eine Zeichentrickserie basierend auf seiner Serie zu entwickeln. Er wurde »Executive Consultant«, hatte die vollständige kreative Kontrolle über die Reihe und las alle Drehbücher. Doch die eigentliche Verantwortliche war D. C. Fontana.

»The Animated Series« war leider kein großer Erfolg. Die Reihe saß quasi zwischen allen Stühlen und wagte einen Spagat, der nicht gut gehen konnte. Sie versuchte einerseits, Alt-Fans anzusprechen, musste sich aber ebenso an Kindern orientieren. Trotzdem konnte sie einige Ideen verwirklichen, die so im normalen Fernsehen nicht möglich gewesen wären.

Doch »Star Trek« war damit nicht tot. Im Gegenteil: Basierend auf dem großen Fansupport wurde Gene Roddenberry beauftragt, einen Film mit der Serie als Grundlage zu entwickeln. Im Laufe der Zeit änderte sich allerdings die Idee, sodass zeitweise eine Fernsehserie mit dem Arbeitstitel »Star Trek: Phase II« in Produktion war. Am Ende wurde daraus »Star Trek: The Motion Picture«. Ein Kinofilm, der zwar große Budgetprobleme hatte, aber trotzdem ein Erfolg an den Kinokassen war.

Am Ende des Lebens

Bei allen nachfolgenden Leinwandstreifen gab es im Vergleich zum Ersten eine massive Änderung. Roddenberry selbst wurde in die Funktion eines »Executive Consultants« mit wenig Mitspracherecht zurückgestuft, sehr zu seiner Unzufriedenheit. Immerhin wurde die Rolle gut vergütet, auch wenn die Verantwortlichen all seine Memos ignorierten.

Dafür hatte er 1987 eine weitere Chance, »Star Trek« ins Fernsehen zu bringen. Er half dabei, »Star Trek: The Next Generation« zu entwickeln, und war während der ersten Staffel stark involviert. Doch gesundheitliche Probleme führten dazu, dass er sich im Laufe der Zeit immer mehr zurückziehen musste. Am 24. Oktober 1991 verstarb er schließlich an einem Kreislaufstillstand. Er hinterließ seine Frau Majel Barret-Roddenberry und drei Kinder, von denen sein Sohn Eugene Jr., auch Rod Roddenberry genannt, sein Erbe fortführt und Executive Producer von »Star Trek: Discovery« ist.

Gene Roddenberry war beileibe kein Heiliger. Er war ein Schürzenjäger, der selbst verheiratet nicht aufhören konnte, Affären zu haben. Besonders gegen Endes seines Lebens muss er wohl ein schwieriger Mensch gewesen sein. Aber andererseits hat er sich stets für Diversität eingesetzt und mit »Star Trek« ein Erbe hinterlassen, dessen Message im Laufe der Zeit an Wirkung nicht verlor!

Gene Roddenberry in der IMDb.

Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
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