Green Lantern verpufft kolossal.

Die lange Suche nach einem Regisseur

Eine Green Lantern-Realverfilmung muss sehr herausfordernd sein. Denn von allen großen DC Comichelden hat die grüne Laterne am allermeisten einen SciFi-Charakter, mit jeder Menge Außerirdischen, sowie natürlich den Ringkonstrukten, die ein Ringträger erschaffen kann. Trotzdem kam 2011 ein Kinofilm heraus. Und scheiterte kolossal.

Die Idee, die Figur und ihre Erlebnisse zu verfilmen gab es bereits seit 1997. Damals trat Warner Bros., denen die Filmrechte gehören, an den bekennenden Comicbuchfan und Filmemacher Kevin Smith heran, ob der nicht Interesse daran hätte, den Superhelden für die Leinwand zu adaptieren. Doch der hatte keins. In den kommenden Jahren kam es immer wieder zu neuen Anläufen, die anschließend aus dem einen oder Grund scheiterten. So wurde das Projekt zeitweise Quentin Tarantino oder David S. Goyer angeboten, die dann aus jeweils eigenen Gründen ablehnten.

Schließlich unterschrieb 2007 Greg Berlanti einen Vertrag, bei Green Lantern Regie zu führen und das Drehbuch zu schreiben. Was er gemeinsam mit den Comicbuchautoren Mark Green und Marc Guggenheim machte. Dabei sollte sich das Skript an den legendären Runs von Denny O’Neil/Neal Adams sowie Dave Gibbons orientieren, sowie zusätzliche Inspirationen von dem damaligen Schreiber der Comicserie, Geoff Johns zu erhalten.

Ein plötzlicher Wechsel auf dem Regiestuhl

Doch dann muss etwas geschehen sein. Denn 2009 wurde Greg Berlanti gefeuert und Martin Campbell trat in Verhandlungen, als Regisseur zu übernehmen. Was er anschließend auch tat. Dabei wurde das Releasedatum ebenfalls gleich verändert. Anstatt im Dezember 2010, wurde als Release der 17. Juni 2011 anvisiert.

Was den Cast angeht, so waren für die Hauptrolle verschiedene Namen die Topwahl. Personen wie Jared Leto, Justin Timberlake oder Bradley Cooper kamen in Frage, ehe dann Ryan Reynolds den Zuschlag hielt. Der hatte ja bereits durch X-Men Origins – Wolverine Erfahrung mit Comicadaptionen. Als weibliche Hauptdarstellerin wurde Blake Lively gecastet, während Peter Sarsgaard zu Hector Hammond wurde, einem der Antagonisten des Films. Mark Strong erhielt den Zuschlag für die Rolle von Thaal Sinestro, der obersten aller Green Lanterns, derweil Angela Bassett zu Amanda Waller wurde. Wobei bei ihr der große Unterschied zur Comicvorlage war, dass sie nicht deutlich übergewichtig war. Tim Robbins wurde zu Hector Hammonds Vater Robert Hammond. Im Green Lantern Corps waren Temuera Morrison als Abin Sur, Geoffrey Rush als Tomar-Re und Michael Clarke Duncan als Kilowog die entsprechenden MoCap-Darsteller. Taika Waititi konnte man als den Inuit Ingenieur Thomas Kalmaku sehen, derweil Clancy Brown die Parallax-Entität zum Leben erwecken sollte.

Seit Milliarden von Jahren beschützt das Green Lantern Corps unter der Führung der Guardians of the Universe das Universum. Ihre Waffe sind Ringe, mit denen sie die grüne Energie der Willenskraft nutzen und manipulieren können. Eines Tages kann ein Mitglied von dem Corps, Abin Sur, die bösartige Wesenheit Parallax besiegen und einsperren. Doch einige Zeit später bricht es aus und greift die Green Lantern an. Der kann schwer verletzt fliehen und baut eine Bruchlandung auf der Erde. Dort schickt er seinen Ring aus, um einen würdigen Nachfolger zu finden.

Eine deutliche Meinung

Die Wahl trifft auf den furchtlosen Testpiloten Hal Jordan. Dieser wird zu dem sterbenden Außerirdischen gebracht, erhält dessen Ring und eine Batterie. Er spricht einen Eid nach und wird somit zur neuen Green Lantern. Doch aller Anfang ist schwer, vor allem, weil er sich noch erst in seine neue Rolle zu Recht finden muss. Und derweil wird Hector Hammond, ein Wissenschaftler, mit einem Bruchstück von Parallaxe infiziert, was ihm extrem starke, psionische Kräfte verleiht. Ihn aber ebenfalls verrückt werden lässt.

Warner Bros. ließ sich nicht lumpen und spendierte Green Lantern ein Budget von 200 Millionen US Dollar. Der Film kam auch durchaus gut in den Kinos an, allerdings nicht so erfolgreich, wie von Warner Bros. erhofft. Denn am Ende verdiente der Kinofilm gerade mal 220 Millionen Dollar.

Was Ryan Reynolds von dem Film hielt, zeigte er einige Jahre später. Als er als Deadpool in einer Postcreditszene von Deadpool 2 präsentierte, wie seine Filmfigur durch Raum und Zeit reiste. Und dabei seinem damaligen Reynolds eine Kugel durch den Kopf jagte, als er das Skript zu der Comicverfilmung gelesen hatte.

Gute Schauspieler..

Auch die Aussage des Regisseurs Martin Campbell lässt tief blicken. Denn der meinte in einem Interview Jahre später, dass er besser bei Green Lantern nicht hätte Regie führen sollen und das es einfach nicht funktionierte. Er gestand außerdem, dass Superheldenfilme einfach nicht seine Kragenweite waren.

Das alles deutet natürlich darauf hin, dass der Film seine Probleme hatte. Was auch stimmt. Denn die Comicbuchadaption hat massive Schwierigkeiten. Und zwar wirklich enorme.

Positiv an Green Lantern sind die gecasteten Schauspieler. Sie alle probieren das Beste zu machen. Weswegen es hier auch keinen Ausfall zu vermelden gibt. Ryan Reynolds gibt einen glaubwürdigen Hal Jordan, der zwar schon furchtlos ist. Aber dann nochmal neu lernen muss, was das wirklich bedeutet. Mark Strong als Thaal Sinestro hat die richtige Aura einer Person, die haarscharf an der Arroganz und Überheblichkeit entlangschrammt, der man allerdings ebenso gleichzeitig abkauft, dass sie nur das Beste für das Universum im Sinn hat. Auch wenn einige seiner Beschlüsse und Maßnahmen zu extrem sind. Und Peter Sarsgaard als Hector Hammond merkt man seinen Frust und seine Wut auf seine Umgebung und die Personen ringsum ihm deutlich an. Zumindest so lange, bis er nicht das einengende Make-up des Mutierten Hector Hammonds tragen muss, was ihn doch spürbar eingrenzt.

… schlechtes Skript

Wenn also die Darsteller nicht das Problem des Films sind, was ist es dann? Kurz gesagt leidet die Comicadaption unter einem entsetzlichen Skript mit teilweise grauenhaften Dialogen. Sowie auch Charakteren, deren Motivation und Charakterisierung sehr sprunghaft und zu wünschen übrig lässt.

Das fängt schon mit Hal Jordan an. Der wird zu Beginn von Green Lantern als absolut furchtlos dargestellt, ein echter Teufelskerl, der wahnsinnige Flugmanöver macht und während einer Autofahrt auf Höchstgeschwindigkeit noch so nebenbei ein Geschenk zusammenbaut. Dann erhält er seinen Ring und auf ein Mal scheint er seine Furchtlosigkeit zu verlieren und muss sie einmal mehr erlernen? Ganz zu schweigen davon, dass er nach dem er beim Training mal etwas härter angefasst wird, gefühlt den Schwanz einkneift und zurück zur Erde flieht. Vieles an der Figur wirkt dabei erzwungen und nicht sonderlich durchdacht. Er hat anscheinend ein Traumata aus seiner Kindheit, weil er mit ansehen musste, wie sein Vater, ebenso wie er Testpilot, ums Leben kam. Was aber im Film kaum wieder aufgegriffen wird. Oder dass er Carol Ferris, die Tochter seines Bosses liebt.

Bei deren Darstellung man sich am liebsten die Haare raufen möchte. Zu Beginn wird die Figur als Testpilotin eingeführt, die zumindest ansatzweise mit Hal Jordan mithalten kann. Danach wird sie überwiegend nur als hübsches Gesicht eingesetzt, die von Green Lantern immer mal wieder gerettet werden darf und dementsprechend in einen starken Armen hinschmelzen darf. Nur um dann am Ende nochmal Intelligenz zu beweisen, als sie ihm im Kampf gegen Parallax hilft.

Ein sehr düsteres Design

Und das ist gefühlt symptomatisch für den gesamten Film. Alle Figuren agieren teilweise wie gehirnamputiert oder geben Plattitüden von sich, damit der Plot weiterkommt. Was man vor allem bei Sinestro merkt. Die Figur hat deutliches Charisma, doch jedes Mal, wenn sie den Mund aufmacht, dienen die Worte, die da rauskommen nur einem Sinn und Zweck: Die Handlung voranzutreiben und Sachen zu erklären oder eine Erklärung in die Gänge zu bringen. Es sind eben solche Dinge, die einem das Sehvergnügen von Green Lantern vergällen.

Auch schadet es dem Film, dass er versucht sich auf zwei Schurken gleichermaßen zu fokussieren, nämlich Hector Hammond und Parallax. Letzterer kommt bis auf eine Handvoll von Szenen im Film nicht vor, beeinflusst aber trotzdem die Aktionen von Ersterem. Dennoch hat man das Gefühl, dass die Macher der Comicadaption sich hier verzetteln. Hammond mag ein interessanter Antagonist sein, doch kommt seine Charakterisierung über die des enttäuschten Mannes nicht hinaus. Er wirkt über weite Teile weinerlich, weil er sich von diesem oder jenen nicht genug gewürdigt zeigt. Und als dann seine Mutation offen ausbricht, wirkt es so, als ob seine Darstellung ursprünglich Grusel hervorrufen sollte. Aber am Ende sorgt sie mehr für Gähnen.

Auch irritiert es, wie das gesamte Design von Green Lantern, bzw. der Szenen beim Green Lantern Corps einen Grim’N Gritty Look hat. Alles hat Schatten, wirkt dunkel, eckig, kantig. Die Guardians of the Universe sehen aus wie alte Aliens, die sich mit aller Macht an Physische klammern und deren Körper trotzdem ihre, vermutliche, Geistesmacht kaum noch aushält und deshalb langsam auseinanderbrechen. Das beißt sich mit der Comicvorlage, die zwar auch, je nach Periode, wo sie erschienen ist, ebenfalls düster war. Aber hier im Film wirkt es einfach forciert und nicht glaubwürdig.

Miese Special Effects

Es beißt sich auch mit den wenigen Stellen, in denen Humor mit reinkommt. Der wirkt zwar ebenso äußerst gezwungen, aber immerhin versucht, der Film nicht vollkommen ernst zu sein. Sondern erlaubt sich ein paar wenige Momente der Aufmunterung.

Und dann sind da noch die Special Effects. Hier greift Green Lantern komplett ins Klo. Ein solcher Film ist natürlich sehr spezialeffektlastig. Doch immer wieder haben ausgerechnet diese erhebliche Schwächen. Wo man eindeutig sieht, dass die Schauspieler durch Computerfiguren ersetzt worden sind, die einfach nur entsetzlich wirken. Was auch für Parallax selber gilt, der ja im Prinzip der große Gegenspieler ist. Aber am Ende einfach nur irgendeine graugelbe Wolke, die ab und an physikalisch ist. Ganz abgesehen davon, dass seine Charakterisierung bestenfalls rudimentär ist.

Doch am meisten schwächelt der Film bei den Kreationen, die die Lanterns mit ihren Ringen erstellen können. Es hat seinen Grund, wieso diese nur selten im Kinofilm eingesetzt werden. Denn wenn sie auftauchen, wirken sie absolut künstlich und nicht sonderlich glaubwürdig.

Zum Glück für alle Beteiligte hat sich Green Lantern nicht negativ auf ihre Karrieren ausgewirkt. Und vor allem Ryan Reynolds sollte schon bald zeigen, wie eine sehr gute Comicverfilmung aussieht.

 

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