[TOS 004] Implosion in der Spirale

Lesezeit circa: 6 Minuten

In der Folge „Implosion in  der Spirale“ befällt ein Virus die Besatzung der Enterprise und das Schiff gerät in eine fast auswegslose Lage.

Staffel 1, Folge 4 – Sternzeit 1704,2 – 1704,4
„Implosion in der Spirale“ – „The Naked Time“

Handlung von „Implosion in der Spirale“

Der Planet Psi 2000 befindet sich in einer instabilen Phase und zerfällt. Daher soll eine Gruppe Wissenschaftler von dort abgeholt werden. Das Landungsteam, bestehend aus Commander Spock und Lieutenant Tormolen, findet diese jedoch tot vor. In seltsamen Positionen liegen sie steif geforen in ihren Räumlichkeiten.

Tormolen infiziert sich unabsichtlich mit einem Virus, welches nach der Rückkehr an Bord zunächst nicht entdeckt wird. Der Erreger hat es jedoch in sich. Sämtliche Infizierte verlieren, ähnlich wie unter Alkoholeinfluss, ihre Hemmungen.
Tormolen stirbt überraschend nach einem Suizidversuch. Das Virus breitet sich aus und die Besatzung verfällt nach und nach in einen Zustand der Unzurechnungsfähigkeit. Ein normaler Ablauf ist an Bord nun nicht mehr möglich. Stattdessen verlassen Crewmitglieder ihre Stationen, reagieren nicht auf Befehle und tun einfach, was sie wollen.

Lieutenant Riley schließt sich im Maschinenraum ein und übernimmt die Kontrolle über die Enterprise. Dabei schaltet er Warpantrieb und Hilfstriebwerke ab, wodurch das Schiff in große Gefahr gerät. Da ohne Antrieb ein stabiler Orbit nicht möglich ist, droht der Absturz auf Psi 2000. Die Schwerkraft des Planeten zwingt das Schiff in eine Abwärtspirale. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Während McCoy nach einem Gegenmittel fahndet, versucht Scott, Zugang zum Maschinenraum zu erlangen. Allerdings ist der Warpantrieb inzwischen erkaltet. Die Zeit reicht nicht aus, um ihn wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Enterprise würde vorher auf dem Planeten zerschellen.

Die einzige Möglichkeit ist die Auslösung einer Implosion in den Schiffstriebwerken. Mit dieser Methode kann der Warpantrieb theoretisch auch kalt gestartet werden und stünde schneller wieder zur Verfügung. Hierbei benötigt Kirk Spocks Hilfe. Aber dieser hat sich ebenfalls mit dem Virus infiziert und befindet sich mitten in einer heftigen emotionalen Krise. Kirk bringt seinen Ersten Offizier wieder zu Verstand, indem er ihm beherzt einige Ohrfeigen versetzt.
In der Zwischenzeit hat McCoy ein Gegenmittel gefunden und hat die Herstellung in großen Mengen veranlasst.

Buchstäblich im letzten Moment werden Schiff und Mannschaft gerettet. Die künstlich hervorgerufene Implosion reaktiviert den Warpantrieb und reißt die Enterprise aus der Abwärtsspirale. Obendrein wird das Schiff mitsamt der Mannschafft um etwa 70 Stunden zurück in die Vergangenheit geworfen.

Implosion in der Spirale

Kritik

„Implosion in der Spirale“ ist eine mitreißende Folge mit einem fantastischen Spannungsbogen. Das Schiff ist in großer Gefahr, Besatzungsmitglieder sind handlungsunfähig und die Zeit wird knapp. Aus diesen Elementen haben die Macher eine fesselnde Geschichte gestrickt.

Vor allem im Weltraum muss man mit dem Unfassbaren rechnen, wie hier eindrucksvoll dargestellt wird. Auch mit einem Virus, der die Körperchemie so durcheinander bringt, dass ein normales Verhalten unmöglich wird.
Hierbei erhalten die Zuschauer einen Einblick in das Seelenleben verschiedener Crewmitglieder. Minderheitsgefühle (Tormolen), Eigensinnigkeit (Riley), heimliche Liebe (Chapel), der Kampf gegen die eigenen Emotionen (Spock). Der Virus holt unterdrückten Charakterzüge, Wünsche und Vorlieben hervor und breitet sie gut sichtbar aus. Diese Idee halte ich für sehr plausibel, denn in den Weiten des Alls kann alles möglich sein.

Die ursprüngliche Herkunft des Erregers wird hingegen nicht beschrieben. Meiner Meinung nach ist dies auch gar nicht nötig, denn manches lässt sich einfach nicht klären, sondern nur hinnehmen. Eine völlige Auflösung des Rätsels wäre hier auch unangebracht, da dies der Geschichte ihre Glaubwürdigkeit nehmen würde.

Auch diese Folge kommt mit wenigen Spezialeffekten aus, was mir persönlich gut gefällt. Der Virus löst bis auf Schweißausbrüche und verändertes Verhalten keine weiteren Symptome aus. Dabei ist der Übertragungsweg für den Zuschauer von Anfang an gut erkennbar. Ein kurzer Hautkontakt reicht aus und der Erreger hat leichtes Spiel. Hier sind die minimalen Effekte sind hier meiner Meinung nach überzeugender als ein großes Drumherum. Gerade Krankheitserreger sind tückisch und werden, wie hier, zu oft spät bemerkt.

Rein körperlich gefährlich ist die Erkrankung nicht. Dabei hatte der Drehbuchschreiber (John D. F. Black) eine zündende Idee. Die wirklich ernsthafte Krise zeigt sich nämlich erst nach und nach durch die Handlungen der infizierten Personen.

Zeit ist hier der entscheidende Faktor. Die Reaktivierung des Warpantriebes, die Suche nach einem Gegenmittel, der drohende Aufprall auf Psi 2000. Dementsprechend werden Kirks Nerven arg strapaziert. Die Darstellung eines Captains, dessen Schiff in ernster Gefahr schwebt, dessen Crew fast völlig ausfällt, dessen Verantwortung immer schwerer wiegt, ist gelungen. Kirk versucht überall gleichzeitig sein und behält trotz der brenzligen Lage einen kühlen Kopf. Bis das Virus auch ihn erwischt. Aber selbst da zeigen sich seine Führungsqualitäten, als er um Fassung und Haltung bemüht seinen Platz auf der Brücke einnimmt.

Ich muss sagen, ich finde hier wenige schwache Punkte.

Nach den ersten Vorfällen, hätte McCoy alle Beteiligten kurzerhand unter Quarantäne stellen müssen. Denn untypisches Verhalten führt normalerweise zu sofortigen Maßnahmen seitens der Verantwortlichen. Allerdings wäre die Folge dann wohl etwas kürzer gewesen.

Der zweite Punkt ist die haarsträubende Unvorsichtigkeit von Tormolen. Eine chaotische Station, Menschen, die auf mysteriöse Art umgekommen sind und er zieht seinen Handschuh aus, um sich ins Gesicht zu fassen. Wobei diese unprofessionelle Handlung zugegeben irgendwie auch zutiefst menschlich ist.

Zum Nachdenken bringt mich ebenfalls, dass McCoy bei der Routineuntersuchung des Landungsteams keine Viren oder zumindest das Vorhandensein unbekannter Substanz findet. Hat er seine medizinischen Scanner nicht fein genug justiert oder hat sich der Erreger verkapselt?

Fazit: Insgesamt eine sehenswerte Folge.

Funfacts:
  • George Takei nahm extra Fechtunterricht.
  • „Implosion der Spirale“ diente als Grundlage für die Star Trek TNG-Folge „Gedankengift“, in der Captain Picard und seine Mannschaft in eine ähnliche Lage geraten .
  • Diese Episode war ursprünglich als Zweiteiler geplant.
  • In der Originalfassung findet Kirk Janice Rand wunderschön – in der deutschen Fassung wird Yeoman mit Krankenschwester übersetzt und somit ist es Christine Chapel, die er wunderschön findet.
  • Uhura deutet in der Originalfassung an, dass sie als unverheiratete Frau Sex hat – zu einer Zeit, in der im TV sogar Eheleute nur in getrennten Betten gezeigt wurden.
  • Sämtliche Hinweise auf die irische Abstammung von Riley wurden in der deutschen Fassung entfernt.
Der deutsche Titel

„Implosion in der Spirale“ bezieht sich hier ganz eindeutig auf das Vorgehen, die erkalteten Triebwerke zu starten, um der (Abwärts-)Spirale Richtung Psi 2000 zu entkommen.

Der englische Titel „The Naked Time“ nimmt wiederum Bezug auf die Auswirkungen, welche das Virus bei den Infizierten hervorruft. Die verborgenen Geheimnisse der Crewmitglieder werden sichtbar. Ihre heimlichen Wünsche, Vorlieben, Denkweisen, Charaktereigenschaften kommen ans Licht, so dass ihr Seelenleben quasi nackt vor ihnen liegt.

Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.
Kirsten Pevestorf

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