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Mit In Memoriam 1 – Manon liegt jetzt der Auftakt zu einer interessanten Comicreihe vor.

In Memoriam 1 Manon
Cover © Splitter Verlag

Magie hat ihren Preis

Stell dir vor, eines Tages wird festgestellt, dass Magie existiert und dass man sie auch nutzen kann. Allerdings wird deren Einsatz von einer Gilde streng reguliert und hat seinen monetären Preis. Der natürlich immer weiter steigt, was für Unmut in der Bevölkerung sorgt. Klingt das interessant? Dann wäre In Memoriam 1 – Manon vielleicht einen Blick wert, in dem das die Grundprämisse der Geschichte ist.

Die Story spielt in einer alternativen Welt, in der man die Polizistin Manon kennenlernt. Sie und ihre Partnerin können sich eine gemeinsame Wohnung leisten, die sie mit Erweiterungszaubern ausweiten können, wenn diese mal funktionieren. Doch noch mehr wünschen sie sich ein gemeinsames Kind. Und die Magiergilde kann ihnen diesen Wunsch erfüllen. Dann wird jedoch ein Anschlag auf die Gilde verübt, und auf ein Mal ist alles anders.

Einige Zeit später ist die Gegend, in der die Gilde war, verstrahlt. Es gibt keine Magieanwendenden mehr, nur noch einige wenige Artefakte. Manon und ihre Partnerin haben sich auseinandergelebt. Doch dann tauchen auf ein Mal zwei mysteriöse Leute auf, die ein kleines Mädchen suchen und dafür vor Gewalt nicht zurückschrecken. Und dann ist da noch der Ex-Zauberer Adam, der mehr als nur ein zwielichtiges Geschäft am Laufen hat.

Eine Geschichte mit Sogwirkung

In Memoriam 1 – Manon ist das Werk von Autor Mathieu Salvia und dem Künstler Djet. Es ist für beide das erste Album, dass hierzulande erscheint, wobei sie auch noch jeweils an anderen Werken in Frankreich gearbeitet haben. Dies ist ihre erste Kooperation.

Man wird von Beginn an in die Geschichte hineingezogen. Es ist eine interessante Welt, der man hier begegnet. Eine, in der vieles gezeigt, aber nicht wirklich erklärt wird. Es gibt hier und da Brotkrümel, die auf das hinweisen, was im Hintergrund geschieht, was die Lore dieses Comics ist. Man erlebt die Wut der Bürger mit, die Liebe von Manon zu ihrer Partnerin und die Arbeit der Polizei. Doch dann werden einem auch Details vorgesetzt, die ohne Erklärung im Raum stehen, wie beispielsweise die Existenz der Katzenmafia, übergroße Feliden, die anscheinend Kinder adoptiert haben.

In anderen Werken würde dies zu großer Frustration führen. Schließlich will man nicht nur Brotkrumen haben, sondern mehr Wissen über die Welt, in der die Story stattfindet. Doch bei In Memoriam 1 – Manon funktioniert diese spärliche Wissensmitteilung perfekt. Eben weil das Kreativteam dafür die Figuren in den Vordergrund rückt.

Keine Helden vorhanden

Es gibt in diesem Comic keine strahlenden Helden. Jede und jeder der Protagonisten hat seine Macken. Manon kann aufbrausend und herablassend sein. Sie liebt ihre Freundin, selbst dann noch, als sie sich auseinandergelebt haben; derweil der geheimnisvolle Adam nichts und niemandem vertraut. Er ist zwar ein Spitzel für die Polizei, doch am Ende nutzt er dies nur für seine eigenen Zwecke.

Und in diese Situation kommen in Manon die mysteriösen Magier mit ihren Kräfte. Diese werden deutlich verrückt und durchgeknallt dargestellt. Sie sind sadistisch veranlagt und foltern gerne ihre Opfer zu Tode.

Kombiniert man all das mit dem verschwundenen Mädchen, hat man eine Story, die viel Potential besitzt. Allerdings tut der erste Band das absolute Minimum, um dieses zu nutzen. Stattdessen geschieht erstmal sehr viel Aufbauarbeit. Charaktere und Konzepte werden eingeführt, und erst am Ende geht es richtig los. Doch erneut: Was bei anderen Comics unter Umständen zu Kritik geführt hätte, funktioniert hier erstaunlicherweise. Eben weil man von dem wenigen, was man liest, gefangen genommen wird.

Energie auf Papier

Dazu tragen auch die Zeichnungen von Djet bei. Der Künstler wählt einen realistischen Stil, während er gleichzeitig seine Seiten mit jeder Menge Energie auflädt. Energie, der er dann in den Actionszenen freien Lauf lässt. Er lässt Gliedmaßen verschwimmen und wählt Perspektiven, die sich eindeutig von der Erzählweise Mangas beeinflusst zeigen. Ebenso hat er ein Händchen für Charakterdesigns. Seine Figuren wirken unverwechselbar. Man weiß auf einen Blick, wer wer ist.

In Memoriam 1 – Manon ist ein fantastischer Auftakt zu einer gelungenen Albenserie. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis der nächste Band herauskommt.

Autor: Mathieu Salvia
Zeichner/Farben: Djet
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite

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Götz Piesbergen

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