In einem der einflussreichsten Filme aller Zeiten, arbeiteten zwei Filmtitanen miteinander.
Ein ikonischer Film von ikonischen Leuten
Es gibt viele Adjektive, mit denen man Jägers des verlorenen Schatzes bezeichnen kann. „Gigantisch“, „Einflussreich“ oder gar „Ikonisch“ sind da nur drei Begriffe, die da einem durch den Kopf schießen. Dabei kommt dies nicht von ungefähr. Der heute vor 45 Jahre in die Kinos gekommene Film hat Maßstäbe gesetzt. Und gleichzeitig einen ganzen Lattenzaun an unvergesslichen Momenten erschaffen.
Dabei lassen sich die Ursprünge bis ins Jahr 1973 verfolgen. George Lucas hatte damals mit American Graffitti einen großen Kinoerfolg gefilmt und überlegte, was sein nächstes Projekt sein könnte. Als riesiger Fan der seriellen Filme von Beginn des 20. Jahrhunderts schwebte ihm ein B-Movie vor, in dem es um einen wagemutigen Archäologen mit dem Namen Indiana Smith ging. Doch irgendwann verwarf er diese Idee, um sich auf Star Wars zu konzentrieren.
1975 traf sich George Lucas mit seinem Freund Philip Kaufman. Sie redeten über die Story und feilten an ihr. So schlug Kaufman die Bundeslade als zentrales Objekt vor und sorgte auch dafür, das Indiana Smith kein Patron eines Nachtclubs war. Er lehnte allerdings den Vorschlag von Lucas ab, Regie zu führen, womit der Film wieder ein Mal auf Eis lag.
Ein Team kommt zusammen
Bewegung kam erst 1977 in die Sache. Zu jener Zeit machte George Lucas mit seiner Frau Urlaub auf Hawaii, um etwaigen negativen Kritiken an Star Wars zu entkommen. Er lud damals Steven Spielberg ein und beide kamen ins Gespräch. Spielberg wollte ursprünglich den nächsten James Bond-Film drehen, doch Lucas redete ihm das aus. Und als einige Zeit später endgültig feststand, dass Philip Kaufman nicht Regie führen konnte, wurde Steven Spielberg offiziell der Macher des Films.
An dieser Stelle kam Lawrence Kasdan ins Spiel. Er war eine Entdeckung von Steven Spielberg, den George Lucas basierend auf dem Skript zu Zwei wie Katz und Maus anheuerte. Seine Funktion war es, die diversen Ideen von Spielberg und Lucas zu nehmen und im Jahr 1978 zu einem vernünftigen Drehbuch zu machen. Hierbei betrieb er mit den beiden anderen ein Brainstorming, wo er die verschiedenen Ideen niederschrieb und dabei gleichzeitig auch mit erreichte, dass der Nachname der Figur sich von Smith zu Jones änderte. Als Steven Spielberg 1979 1941 drehte, nutzte Kasdan die Gelegenheit und machte den ersten Entwurf des Drehbuchs fertig. Das war im August 1978.
Dieser Entwurf stieß auf viel Gegenliebe, war aber am Ende zu lang. Weshalb sich Kasdan und Lucas dran machten, das Skript zu überarbeiten und zu trimmen. Wodurch einige Szenen, die die Beziehung zwischen Indiana Jones und Marion vertieft hätte, unter dem Tisch fielen.
Woher soll das Geld kommen?
Die nächste Hürde war, den Film zu finanzieren. George Lucas wollte die Finanzierung ursprünglich selber stemmen, hatte aber am Ende nicht das nötige Geld dazu. Und diverse Hollywood Studios lehnten das Projekt ab, weil ihnen die Vertragskonditionen nicht gefielen, die Lucas wollte. Am Ende übernahm schließlich Paramount die Finanzierung und Produktion. Das Budget betrug 20 Millionen US Dollar und als Produzent wurde Frank Marshall angeheuert, der zuvor nur bei Independentproduktionen tätig war.
Seine Funktion war es, dass der Film innerhalb der vorgegebenen Zeit und des vorgegebenen Budgets fertig werden sollte. Denn Steven Spielbergs letzte Projekte rissen beides. Spielberg, Marshall und Lucas selbst gaben sich ein 73-Tage-Zeitfenster für die Dreharbeiten, noch kürzer als die 85 Drehtage, die das Studio vorgab.
In Sachen Casting wollte man auf eher unbekannte Schauspieler setzen. Dieser musste bereit sein, in einer Filmtrilogie aufzutreten. Die erste Wahl fiel auf Tom Sellek, der damals noch nicht für seine Titelrolle in der Serie „Magnum“ bekannt war. Die Reihe war allerdings schon in der Vorproduktion und CBS war nicht bereit, ihn aus einem Vertrag zu entlassen. Stattdessen gaben sie der Fernsehserie grünes Licht und mit dem Schauspielerstreik von 1980 erübrigte sich die Sache endgültig.
Alles, nur nicht unbekannt
Weshalb am Ende die Wahl auf Harrison Ford fiel. Der war zwar, bedingt durch seinen Auftritt in Star Wars ein bekannter Schauspieler. Doch das war am Ende egal. Harrison Ford sagte zu, verhandelte unter anderem, dass er seine Dialoge umschreiben durfte und trainierte den Umgang mit der Bullenpeitsche.
Für die weibliche Hauptrolle wollte Steven Spielberg eine Frau, wie aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, die gleichberechtigt an der Seite des menschlichen Heldens auftrat. Doch die ersten beiden Darsteller, die dafür angefragt wurden, sagten ab. Am Ende erhielt Karen Allen, bekannt aus Ich glaub’, mich tritt ein Pferd den Zuschlag, weil sie bei dem Vorsprechen mit ihrer Professionalität überzeugen konnte.
Für die Rolle des Belloq wurde ein Schauspieler gesucht, der die Kultiviertheit dieses Antagonisten gut rüberbringen konnte. Am Ende fiel die Wahl auf Paul Freeman, bekannt aus dem Dokudrama Death of a Princess, der vor allem durch seine stechenden Augen auffiel. Für die Rolle des Sallah wurde John Rhys-Davis ausgewählt, weil er dem Regisseur in der TV-Miniserie Shogun aufgefallen war. Und als Arnold Toht konnte man Ronald Lacey bewundern. Für die Figur wurde auch Klaus Kinski angesprochen, der jedoch für deutlich mehr Geld in Venom (1981) auftrat.
Wenn alles nach Plan läuft
Am Ende konnte Steven Spielberg das Budget und das Zeitfenster einhalten. So das am 12. Juni 1981 Jäger des verlorenen Schatzes in den amerikanischen Kinos seine Premiere feiern konnte. In Deutschland dauerte es etwas länger, bis ihn neugierige Kinogänger bewundern konnten.
1936 holt der amerikanische Archäologe Indiana Jones ein goldenes Idol aus einem mit Fallen abgesicherten, peruanischen Tempel. Nur, um dann mit zu erleben, wie sein Rivale René Beloq ihm eben jenes Artefakt abnimmt und die Einheimischen auf ihn hetzt. Mit Mühe und Not kann er entkommen und zurück in die USA reisen.
Dort angekommen wird er auf seiner Uni von zwei Agenten angesprochen, die ihm von einer Ausgrabung der Nazis in Ägypten berichten. Sie haben zwei Telegramme abgefangen und in einem ist die Rede von seinem früheren Mentor Abner Ravenhood. Indiana Jones kann herausfinden, dass die Nationalsozialisten hinter der Bundeslade her sind. Weshalb die Geheimagenten ihn anheuern, dies zu verhindern. Woraufhin der Archäologe als Erstes nach Nepal reist, um dort Abners Tochter Marion aufzusuchen, in der Hoffnung, dass sie ihm verraten kann, wo sich ihr Vater aufhält. Doch nicht nur er sucht sie auf. Auch die Nazis sind hinter ihr her. Und sie lassen sich durch nichts stoppen.

Die Rettung ist da
Als Jäger des verlorenen Schatzes 1981 in die Kinos kam, rettete der Film im Alleingang ein Kinojahr, bei dem die Prognose lautete, dass es ein schlechtes werden würde. Hinzu kam außerdem, dass der Kinofilm für neun Oscars nominiert wurde und fünf davon gewann, wenn auch „nur“ in technischen Bereichen. Dennoch: Der Film war ein Erfolg und der Auftakt zu einer Filmreihe, die vor allem in den 1980ern ein Garant für Blockbuster war.
Auch heutzutage ist der Film immer noch sehr unterhaltsam. Viele seiner Szenen wurden im Laufe der Jahre kopiert oder parodiert. Vor allem die Anfangssequenz mit dem goldenen Idol und der Riesenkugel, vor der Indiana Jones wegrennt, ist heute aus der Filmkultur nicht mehr wegzudenken.
Interessant ist hierbei, dass der Film eine Hommage an einfache Zeiten ist, wo gut und böse klar verteilt sind. Er jedoch dabei darauf verzichtet, auch die Charakterisierungen an jene Epoche anzupassen. Denn die Figurenzeichnungen sind erfreulich differenziert. Im Prinzip ist zwar eindeutig klar, wer auf welche Seite gehört. Doch gleichzeitig wird sich bemüht, sie nicht wie 08/15 Abziehbilder wirken zu lassen.
Ein widersprüchlicher Charakter
So ist Indiana Jones zwar der Held. Aber mehr als ein Mal beweist er, dass er im Zweifelsfall eine archäologische Entdeckung einer Damsel in Distress vorzieht. Nur um sich dann besinnungslos zu betrinken, als eben jene Dame scheinbar ums Leben kommt. Er ist wagemutig, risikofreudig und hat doch große Angst vor Schlangen. Eine Figur mit Widersprüchen. Die von Harrison Ford gewohnt charismatisch dargestellt wird.
Sein Gegenpart ist Karen Allens Marion Ravenhood. Die erste Szene, in der sie auftritt, ist, wo sie in ihrer Kneipe an einem Trinkspiel teilnimmt und ihren Kontrahenten im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Tisch säuft. Nur um dies wegzustecken, als ob sie nur Wasser getrunken hat. Sie ist kein einfaches Love Interest, sondern durchaus eine Frau, die sich zu wehren weiß. Das sieht man beispielsweise am Ende des zweiten Aktes, als sie in der Pilotenkapsel eines Nazifliegers eingeschlossen ist und nicht mehr rauskann. Sie ruft zwar Indy um Hilfe, nutzt allerdings die Gelegenheit auch dazu, um mit den Geschützen des Flugzeugs für jede Menge Chaos und Zerstörung zu sorgen.
Die Gegenstücke der Gruppe sind René Beloq und Arnold Toht. Beloq wird als skrupelloser Schöngeist dargestellt, der das gute Leben genießt und dafür keine Probleme hat, andere auszubeuten oder reinzulegen. Ebenso wird er als intelligent charakterisiert, auch wenn seine Intelligenz eine andere ist, als die von Indiana Jones. Er ist weniger ein Akademiker, als ein Räuber, der sich selber nicht die Hände schmutzig macht. Sondern dafür andere einsetzt.
Zum Hassen Gerne da
Und Arnold Toht muss man einfach hassen. Ein schleimiger, gnadenloser Nazi, der erst dann von einem Ziel ablässt, wenn sein Leben in Gefahr ist. Der dabei alle Ressourcen einsetzt, die er zur Verfügung hat. Und die sind beträchtlich.
John Rhys-Davis Sallah ist in diesem Ensemble der Lebensweise Sidekick von Indiana Jones. Der stets eine Idee hat, was man machen kann, um weiterzukommen. Und der im Prinzip in Ägypten alles und jeden kennt.
Das Figurenensemble ist grandios. Was aber ebenfalls für den Humor gilt. Weil stets etwas unerwartetes geschieht, was dann teilweise auch so inszeniert wird, dass man sich ein Lachen nicht verkneifen kann. Wie etwa, als in Ägypten ein Handlanger der Nazis Indiana Jones mit einem Riesenschwert bedroht. Und dieser ihn kurzerhand mit der Pistole niederstreckt. Oder die oben erwähnte Szene im Flugzeug, die ein Nebeneinander von eigentlich abstrusen Ereignissen ist, eine Kettenreaktion, die am Ende alles in der Nähe zerstört und vor der Indiana Jones und Marion knapp entkommen können.
Großartige Special Effects
Gleichzeitig ist der Film in Sachen Special Effects nicht von schlechten Eltern. Damit sind nicht nur Momente gemeint, wie eben die erwähnte Kugel. Sondern ebenso diverse Splatter-Elemente, die effektiv eingesetzt werden.
Und dann ist da noch der Score. Es wäre kein Indiana Jones ohne die ikonische Musik von John Williams. Das Theme des Films wird ebenso oft woanders eingesetzt und für Parodiezwecke genutzt.
Am Ende ist das einfach ein unglaublich genialer Film. Der mit Realismus nicht viel am Hut hat. Die Arbeit von Indiana Jones mag nicht der eines richtigen Archäologen entsprechen. Aber darum geht es in diesem Kinomeisterwerk auch nicht.
Definitiv einer der besten Filme der Kinogeschichte.
Info
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Lawrence Kasdan
Story: George Lucas, Philip Kaufman
Produktion: Frank Marshall
Musik: John Williams
Kamera: Douglas Slocombe
Schnitt: Michael Kahn
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- Cyberpunk: Edgerunners – 12 – Give Me Another Day - 29. Oktober 2026
- Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes (1981) - 29. Oktober 2026
- Ant-Man and the Wasp (2018) - 28. Oktober 2026

