Nach einem eher mittelmäßigen Vorgänger überrascht dieser Film dafür sehr positiv.
Große Versprechungen
Als Ant-Man damals in die Kinos kam, hatte er eine turbulente Entwicklungsphase hinter sich und war am Ende ein gerade überdurchschnittlicher Film. Der aber dennoch erfolgreich genug war, um die üblichen Reaktionen auszulösen. So betonte Regisseur Peyton Reed, dass er gerne für ein Sequel oder Prequel zurückkehren würde. Derweil Michael Douglas meinte, dass sein Vertrag nur einen Film umfasste, er sich aber freuen würde, wenn da mehr kommen würde und er sich seine Frau Catherine Zeta-Jones in der Rolle von Janet van Dyne vorstellen könnte. Evangeline Lilly, die seine Filmtochter darstellte, wünschte sich hingegen Michelle Pfeifer als Darstellerin.
Es war deshalb keine große Überraschung, als Marvel im Oktober 2015 ankündigte, dass das Sequel Ant-Man and the Wasp kommen würde, mit Erscheinungsdatum 6. Juli 2018. Die Verhandlungen mit Peyton Reed liefen zu der Zeit auch und sollten im November abgeschlossen sein. Der Regisseur, der bislang noch nie einer Fortsetzung gedreht hatte, freute sich auf die Dreharbeiten. Weil er dieses Mal den Film von Grund auf selber gestalten konnte, anders als beim Vorgänger, wo er auf der Vorarbeit von Edgar Wright aufbaute. Dabei versprach er, dass Hope van Dyne gleichberechtigt zu Ant-Man auftreten würde. Er setzte sich sogar sehr dafür ein, dass sie, die ja mit ihrem Superheldenname ebenfalls im Titel erwähnt wurde, genauso viel Publicity und Merchandise wie ihr männlicher Kollege kriegen würde.
Derweil verkündeten nach und nach viele Schauspieler des ersten Teils, dass sie wieder mit an Bord wären. Ebenso wurden die Autoren für das Drehbuch im wahrsten Sinne des Wortes versammelt. Das Skript war das Ergebnis eines Brainstormings zwischen Hauptdarsteller Paul Rudd, der gemeinsam mit den Produktionsautoren des ersten Films, Gabriel Ferrari und Andrew Barrer, sowie einem der Drehbuchautoren des vorigen Teils, Adam McKay. Die sich zusammen mit dem Regisseur Peyton Reed in einem Raum verkrochen und dort Gedanken austauschten. An dem Ergebnis war der Filmemacher zwar mit am fertigen Drehbuch beteiligt. Nahm dafür aber keine Nennung in den Credits in Anspruch.
Viele Rückkehrer
Einige Zeit später machte er außerdem klar, dass dieser Film dieses Mal kein Heist-Movie sein würde, sondern mehr eine Mischung aus Actionfilm und Romantischer Komödie. Gleichzeitig sagte er auch, dass er darüber enttäuscht war, das Giant-Man bereits in Civil War eingeführt worden war. Meinte aber ebenfalls, dass dies Entwicklungsmöglichkeiten zwischen Lang, Pym und Van Dyne ermöglichte. Am Ende war Hank Pym sauer, weil Scott Lang den Anzug auf Seiten der Avengers einsetzte, derweil Hope Van Dyne sich betrogen fühlte, weil er sie nicht informiert hatte.
Nach und nach kehrten nahezu alle Schauspieler des ersten Teils zurück. Paul Rudd und Evangeline Lilly hatten als erste ihrer Rückkehr zugesagt. Danach wurde nach und nach bekannt, das ebenso Michael Douglas, Michael Peña, David Dastmalchian, Tip „T.I.“ Harris, Judy Greer, Bobby Cannavale, Abby Ryder Fortson und Randall Park ihre jeweiligen Rollen wieder wahrnehmen sollten. Neu hinzu kamen Walton Goggins (Fallout) als der Kriminelle Sonny Burch, Hannah John-Kamen (Black Mirror) als Ava Starr aka The Ghost und Laurence Fishburne (The Matrix) als Bill Foster. Ebenso sollte auch Michelle Pfeifer die Rolle der Janet van Dyne übernehmen.
Der Film konnte am Ende pünktlich am 25. Juni 2018 seine Kinopremiere feiern, ehe er am 6. Juli desselben Jahres offiziell in alle Kinos kam.
Eine Nachricht von einer Tot Geglaubten
Seit zwei Jahren steckt Scott Lang wegen des Verstoßes gegen das Sokovia Abkommen in Hausarrest. Derweil sind Hank PYm und Hope van Dyne untergetaucht. Sie haben einen Quantentunnel gebaut, mit dem sie hoffen, eine Spur von Janet, der verschollenen Ehefrau und Mutter zu finden. Der Tunnel baut sich kurzfristig auf, bricht dann aber zusammen. Was allerdings lang genug ist, damit Scott eine Vision erhält, wegen der er Hank kontaktiert. Daraufhin wird er von Hope gekidnappt.
Gemeinsam will das Trio einen stabilen Quantentunnel bauen, brauchen dafür jedoch ein bestimmtes Bauteil. Das Hope von dem Kleinkriminellen Sonny Burch kaufen will. Doch der versucht sie reinzulegen, womit sie schon gerechnet hat und ihn und seine Leute entsprechend schnell erledigen kann. Allerdings taucht dann eine geisterhafte Frau auf, die am Ende das auf Koffergröße geschrumpfte Labor stiehlt. Da die Zeit dem Trio davon läuft, versuchen sie verzweifelt sie zu finden. Und am Ende führt die Spur zu einem alten Bekannten von Hank Pym, nämlich Bill Foster.
Ant-Man and the Wasp musste gewisse Erwartungen erfüllen. Der Film musste nicht nur besser sein, als der Vorgänger. Ebenso musste er auch Hope van Dyne gerecht werden, die im Vorgängerfilm zugunsten von Scott Langs Ant-Man etwas unterging.
Erwartungen erfüllt
Das Gute ist, dass dieser Film alle Erwartungen erfüllen konnte. Er ist nicht nur deutlich besser. Ebenso kann Hope van Dyne glänzen, die dieses Mal mehr zu tun kriegt, jetzt wo sie das Kostüm der Wasp trägt.
Auch was die Wahl der Antagonisten angeht, macht der Film alles richtig. Denn anders Corey Stoll bricht die Darstellung der Gegenspieler nicht im finalen Akt ein. Vielmehr wird hier alles getan, um ihre Charakterisierung auf Recht zu erhalten. Mit dem Ergebnis, dass diese am Ende des Films nicht den obligatorischen Filmtod sterben. Und außerdem zusätzlich noch sehr differenziert und dreidimensionaler dargestellt werden.
Kurz gesagt: Es wird hier alles richtig gemacht, was es richtig zu machen gilt. Und Peyton Redd hatte nicht zu viel versprochen: Es ist wirklich eine gelungene Mischung aus Action und (romantischer) Komödie.
Das Objekt der Begierde
Der große Dreh- und Angelpunkt ist natürlich das Quantenportal, mit dem Hank Pym und Hope van Dyne versuchen, Janet van Dyne wieder zu finden. Es ist der Ausgangspunkt, der für einen Großteil der Handlung zuständig ist. Entsprechend wird auch die nötige Zeit darauf verwendet, die emotionale Bedeutung klar zu machen. In dem man zunächst in einer Rückblende sieht, wie Janet van Dyne in der Quantenwelt verschwand derweil Scott, dem das Gleiche drohte, ja den Weg zurückfand. Und dann wird diese merkwürdige Vision eingebaut, in der Scott ein Ereignis aus der Vergangenheit von Hope aus der Sicht ihrer verschollenen Mutter nacherlebt.
Woraufhin dann das Labor, in dem sich das Portal befindet, zum Objekt der Begierde wird. Und es im Laufe der Handlung wiederholt den Besitzer wechselt. Die jeweils ihre eigenen Interessen haben.
Bei den Protagonisten ist es klar. Sie wollen es wiederhaben, um Janet zu retten. Sonny Burch hingegen ist auf Profit aus. Derweil Bill Foster und Ava Starr es haben wollen, um Letztere zu retten, ehe sie vergeht.
Dreidimensionale Antagonisten
Es sind vor allem die beiden letztgenannten, die die große Überraschung des Films sind. Weil sie keine Standardantagonisten sind, sondern wirklich dreidimensionale Figuren, deren Motivation glaubwürdig und nachvollziehbar ist. Laurence Fishburne spielt den väterlichen Mentor gekonnt, der Sorge um sein Ziehkind hat. Derweil Hannah John-Kamen ihren Charakter mit einer von Verzweiflung getriebenen Aggression darstellt. Es ist vor allem Letztere, die dafür sorgt, dass man viele ihrer Taten nachvollziehen kann. Sie sind sympathische Figuren, eben weil sie anders sind, als alle bisherigen Standardgegenspieler des MCUs. Was vielleicht auch der Grund ist, wieso Hannah John-Kamen ihren Charakter in Thunderbolts* wieder wahrnahm.
Man muss auch lange zurückblicken, um auf einen Antagonisten zu stoßen, der ähnlich großartig dargestellt war und das Ende des Films überlebte. Im Prinzip gibt es nur einen einzigen Antagonisten, dem das gelungen ist, und das ist Loki. (Thanos zählt nicht) über die Entwicklung dieses Trickstergottes im Laufe der Jahre muss man nicht großartig Worte verlieren.
Wobei die Protagonisten sich im Vergleich nicht zu verstecken brauchen. Es tut dem Film deutlich gut, dass man Hope van Dyne endlich als Wasp aktiv werden ließ. So ist sie deutlich aktiver und besser in die Handlung integriert beziehungsweise kann diese sogar mit bestimmen. Sie wird wirklich gleichberechtigt zu Scott Lang dargestellt, da sie mehrmals solo beweisen kann, was wie auf dem Kasten hat. Wobei sie auch dann glänzen kann, wenn sie mit Ant-Man gemeinsam arbeitet.
Eine stete Quelle des Humors
Scott Lang ist dabei eine stete Quelle von Humor. Einfach, weil ihm ständig Missgeschicke passieren. Wie etwa, als das Gerät, mit dem er die Größe wechseln kann, eine Fehlfunktion aufweist und er teilweise auf Kindsgröße geschrumpft feststeckt. Oder wenn es darum geht, dem FBI klar zu machen, dass er den Hausarrest nicht gebrochen hat. Was stellenweise zu diversen Verwicklungen und genialen Komplikationen führt.
Und Hank Pym? Michael Douglas spielt ihn wieder als ein großartiges Genie, das gleichzeitig ein ziemliches Arschloch sein kann. Der mit seinen Aktionen von seinem früheren Leben mehr Schaden angerichtet hat, als gut ist. Und der doch gleichzeitig eine sanfte Seite aufweist, die vor allem mit seiner Familie zu tun hat.
Wie das Trio miteinander agiert ist herrlich. Wie Hank Pym auf Scott Lang sauer ist, weil dieser angeblich den ersten Anzug zerstört hat. Nur um anschließend auf ihn wütend zu sein, weil er dies eben nicht getan hat. Oder wie Hope Scott mehrere Male den Arsch rettet, nur um sich dann über seine Probleme mit dem Gürtel seines Anzug lustig zu machen. Wobei ebenso noch klar ist, dass sie etwas für ihn empfindet. Auch wenn dies nicht so offensichtlich präsentiert wird.
Eine beeindruckende Präsenz
Sehr schön ist ebenfalls, wie dieses Mal mehr mit der Vergrößerungs- bzw. Verkleinerungstechnologie Pyms in die Handlung eingebaut wird. Hope beispielsweise hat diese in ihr Arsenal integriert und vergrößert so kurzerhand einen Salzstreuer, um einen Ganoven aufzuhalten. Derweil die Pyms eine ganze Garage an Autos im Spielzeugformat mit sich führen und bei passender Gelegenheit das entsprechende Vehikel vergrößern.
In Sachen Special Effects ist der Kinofilm sowieso genial. Allein schon, wie Michael Douglas und Michelle Pfeifer zu Beginn des Films digital verjüngert wurden, ist erstaunlich. Und auch die Szenen in der Quantenwelt, bzw. die Reise dorthin kann begeistern.
Michelle Pfeifer kriegt in diesem Film nicht so viel zu tun. Erst gegen Ende taucht sie offiziell auf. Und hat sofort eine beeindruckende Präsenz, mit der sie die Szenen bestimmt. Man kann sich jetzt schon darauf freuen, wenn sie in einem weiteren Kinofilm mehr Auftritte kriegt. Das dürfte eine Freude werden.
Großartig geschauspielert
Übrigens ist ebenso die Szene gut, in der Paul Rudds Charakter von Janet van Dyne übernommen wird. Hier zeigt der Schauspieler eine beeindruckende Wandlungsfähigkeit, die man ihm so nicht zugetraut hat. Auch wenn diese Szene mit einem Gag endet, bleibt sie einem dennoch positiv im Kopf hängen.
Gags gibt es in diesem Film jede Menge. Wie beispielsweise die Tatsache, dass eine Ameise als Ersatz für Scott Langs Bein herhalten muss und dessen Bodytracker trägt. Und es sich dabei in seinem zu Hause gemütlich macht. Oder die Szene, in der Michael Peña auf gewohnt gekonnte Art und Weise schildert, wie er im Gefängnis Scott Lang das erste Mal begegnet ist. Oder allgemein, wenn das Trio von Michael Peña, David Dastmalchian und Tip „T.I.“ Harris gemeinsam auftritt und sich gegenseitig die Bälle zu spielt.
Es ist ein fantastischer Film, dessen einziges Manko ist, dass man nicht Bill Fosters Goliath-Form in einer Rückblende sieht. Er wird zwar erwähnt, aber nie gezeigt, was schade ist. Aber ansonsten ist dies exzellente Unterhaltung.
Info
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Paul Rudd, Andrew Barrer, Gabriel Ferrari
Produktion: Kevin Feige, Stephen Broussard
Musik: Christophe Beck
Kamera: Dante Spinotti
Schnitt: Dan Lebental, Craig Wood
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