Dies war der Auftakt zu den Filmabenteuern eines der berühmtesten Geheimagenten Großbritanniens.
Anlaufschwierigkeiten
Es ist erstaunlich. Heutzutage ist James Bond aus dem Alltag der Menschen nicht mehr fortzudenken. Der britische Geheimagent hat seine Spuren in der Filmgeschichte verlassen. Heute kann man davon ausgehen, dass jeder neue Film des berühmten 00-Agenten garantiert ein Hit wird.
Und doch war das zu Beginn alles andere als sicher. Der Anfang, James Bond – 007 jagt Dr. No, stand unter keinem guten Stern. Er hatte mit Problemen zu kämpfen und das quasi schon von dem Augenblick an, wo die Verfilmung überhaupt angedacht war.
Alles fing damit an, dass Ian Fleming, Erfinder und Autor der James Bond-Romane, die Filmrechte nahezu sämtlicher Bond-Bücher an Harry Saltzman verkaufte. Allerdings hatte dieser Schwierigkeiten, die Finanzierung einer potenziellen Verfilmung auf die Beine zu stellen. Was sich erst dann änderte, als er auf Albert R. „Cubby“ Broccoli traf. Dieser wollte ursprünglich selber die Verfilmungsrechte haben, kriegte sie jedoch nicht. Also beschlossen die beiden Partner zu werden.
Es ist schwer, Personal zu finden
Was sich gut traf, denn nachdem eine ganze Reihe an Filmstudios einen potenziellen James Bond-Film als zu „britisch“ oder „zu offensichtlich sexuell“ ablehnten, entschloss sich United Artists, einzuspringen. Daraufhin gründeten die beiden zwei Firmen: Danjaq, welches die Filmrechte besaß. Und Eon Productions, dass sich um die Produktion kümmern sollte. James Bond – 007 jagt Dr. No sollte der erste Film sein, der 1962 in die Kinos kam.
Allerdings gab es von vorneherein ein riesiges Problem. United Artists war nur bereit ein Budget von eine Million US Dollar zur Verfügung zu stellen. Was selbst für damalige Zeiten nicht viel war. Entsprechend musste bei der Produktion an allen möglichen Stellen gespart werden, was man aber so beim Zuschauen nicht bemerkte.
Ebenso musste natürlich ein Regisseur gefunden werden. Ursprünglich wollten die Produzenten Phil Karlson (Der vierte Mann) anheuern, doch der verlangte zu viel Geld. Und nachdem viele andere Filmemacher absagten, fiel die Wahl schließlich auf Terence Young (Zu Heiß zum Anfassen). Was insofern die richtige Entscheidung war, als dass er diesem Film viele der Elemente einfügte, die die Filmreihe dann auf lange Sicht so besonders machen sollte. Darunter ebenfalls der Humor.
Die gewissen Unterschiede
Auch das Schreiben des Drehbuchs sollte sich als herausfordernder darstellen, als gedacht. Ursprünglich wurden Richard Maibaum und Wolf Mankowitz angeheuert. Ihr erster Entwurf wurde jedoch abgelehnt, weshalb Mankowitz das Projekt wieder verließ und seinen Namen später ebenfalls aus den Credits entfernen ließ. Maibaum blieb allerdings erhalten und schrieb eine zweite Fassung, die sich näher an der Romanvorlage orientierte. Johanna Harwood und Berkely Mather überarbeiteten schließlich diese Version. Vor allem Harwoods Arbeit wurde später gelobt. Sie wurde als die eines Skriptdoktors beschrieben, die mehr britische Elemente in die Story einbaute.
Dabei hielten sie sich zwar näher am Buch, aber andererseits nicht zu sehr. Es gab gewisse Elemente, die sich unterschieden. So wurde die Organisation SPECTRE zum Feind und nicht die Sowjets. Dies geschah, um nicht die aktuelle internationale politische Situation kommentieren zu müssen.
Auch die Wahl des Hauptdarstellers war alles andere als einfach. Ursprünglich wollten die Produzenten Cary Grant in der Hauptrolle. Doch dieser wollte nur für einen Film auftreten und es stand eigentlich von Anfang an fest, dass James Bond – 007 jagt Dr. No nur der Auftakt zu einer Filmreihe werden sollte. Nach diversen weiteren Kandidaten wurde schließlich der damals 31-jährige Sean Connery gecastet. Es war vor allem seine sorglose Attitüde, die den Ausschlag gab. Nach dem er die Rolle erhielt, wurde er von Terence Young in das süße Leben eingeführt, mit Frauen, Glücksspiel, guten Anzügen und guten Restaurants.

Bedeutende Debüts
Für die Rolle der Honey Ryder wurde schließlich Ursula Andres gecastet. Wobei die Schauspielerin einen schweren schweizerdeutschen Akzent hatte und die Figur deshalb im Film von Nikki van der Zyl synchronisiert wurde. Für den Charakter des Dr. No wollte Ian Fleming ursprünglich seinen Freund Noël Coward haben, doch der lehnte ab. Am Ende fiel die Wahl auf den Kanadier Joseph Wiseman (Die Legion der Verdammten), der für seinen Auftritt ein spezielles Make-up trug, um die chinesische Herkunft seiner Figur darzustellen. Felix Leiter wurde durch Jack Lord (Hawaii Five-O) dargestellt. Es sollte dessen einziger Auftritt in dieser Rolle sein, da er für einen weiteren später zu viel Geld verlangte. Weshalb die Rolle neu besetzt wurde.
James Bond – 007 jagt Dr. No sollte außerdem der erste Auftritt zweier Darsteller sein, die die Reihe lange Zeit begleiteten. Bernard Lee (Der dritte Mann) sollte in insgesamt zehn Filmen James Bond Vorgesetzten M darstellen. Derweil Lois Maxwell in den ersten 14 Filmen Miss Moneypenny war, die Sekretärin von M. Letztere nahm die Rolle an, weil ihr Mann damals einen schweren Herzinfarkt hatte und sie so die Familie finanziell über Wasser halten konnte.
Nicht unerwähnt bleiben sollten auch John Kitzmiller und Peter Burton. Kitzmiller sollte den Cayman Islander Quarrell darstellen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Peter Burton hingegen hatte einen kurzen Auftritt als Major Boothroyd, Leiter der Abteilung Q. Und auch wenn diese Funktion in späteren Filmen deutlich prominenter sein sollte, war dies sein einziger Auftritt im Bond-Franchise.
Ikonisch
John Strangways, der Leiter der British Secret Service Station in Jamaika wird von drei Attentätern umgebracht. Er hatte mit dem CIA zusammengearbeitet, um nach einem Gerät zu suchen, dass über Fernkontrolle den Start von Raketen in Cape Canaveral störte. M, Leiter des Secret Service, schickt James Bond los, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Und der stößt schon bald nach seiner Ankunft in Jamaika auf mehrere Merkwürdigkeiten. Ein Chauffeur, der nie bestellt wurde, soll ihn abholen, begeht allerdings, nachdem Bond ihn gestellt hat, Selbstmord. Das CIA ist ebenfalls vor Ort und unterstützt den Briten. Es scheint so, als ob ein gewisser Dr. No hinter allem steckt. Der außerdem seine Augen und Ohren überall hat. Und so wird dieser zur ersten großen Herausforderung Bonds.
Vieles an James Bond – 007 jagt Dr. No ist heutzutage ikonisch. Die erste Szene, in der man Sean Connery sieht, prägt die Figur gleich direkt. Die lockerlässige Art mit der sich vorstellt ist legendär. Auch spätere Momente, wie die Erstauftritte von M oder Moneypenny sind unvergessen. Wobei natürlich nichts den Augenblick schlägt, in dem Ursula Andres Honey Ryder im Bikini aus dem Wasser steigt.
Die Frisur sitzt
Doch der Film besteht nicht nur aus diesen Szenen. Diese existieren schließlich in keinem luftleeren Raum. Stattdessen sind sie selbstverständlich in eine Geschichte eingebettet. Die durchaus was hermacht.
Die Story selbst bietet Sean Connery jede Menge Möglichkeiten, zu glänzen. Schon bereits in diesem Film ist er jemand, der aus jeder nur erdenklichen Situation das Beste macht. Seine Haartolle scheint mit Beton gemacht zu sein, da sie nur selten die Form verliert. Und sein Humor ist mindestens ebenso schlagkräftig, wie er selbst. Der Film betont dabei nicht nur sein Charisma, dem vor allem die Frauenwelt erliegt. Sondern ebenso seine Intelligenz, mit der er vorgeht.
Wobei es aber ebenfalls genügend Szenen gibt, in denen man die kaltblütige Seite des Agenten sieht. Wie etwa der Moment, wo einen Räuber erschießt, als dieser nach seiner Waffe greift. Oder als er den Chauffeur zusammenschlägt, um herauszufinden, für wen er in Wahrheit arbeitet. Das zeigt, wie hart er ist, was er in seinem Berufsfeld auch sein muss.
Ein langsamer Aufbau mit Konsequenzen
Ansonsten lässt sich der Film Zeit, die eigentliche Bedrohung aufzubauen. Dr. No taucht in Persona erst im finalen Akt auf. So lange hat man es vor allem mit seinen Handlangern zu tun. Auch sein Plan wird erst gegen Ende komplett enthüllt.
Bis es soweit ist, füllt der Film die Zeit damit, langsam und behutsam die Figuren einzuführen. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf James Bond und den Leuten, mit denen er zu tun hat. Wovon vor allem Quarrell profitiert, der sich bis zum finalen Akt als ein unverzichtbarer Helfer von 007 entwickelt. Was dann sein Ableben umso tragischer macht.
Allerdings hat dieser langsame Aufbau auch Konsequenzen. So hätte der Mittelteil etwas gestrafft werden können. Weil ab dem Augenblick, wo James Bond in Jamaika landet bis zu dem Moment, wo er mit Quarrell zur Insel von Dr. No aufbricht, es einige Längen gibt. Jetzt nicht so sehr, dass der Film langweilig wird. Aber immer noch genügend, damit es einem auffällt und man es sich wünscht.
Alles, nur kein Chinese
Was die Frauen angeht: So merkt man dem Film sein Alter an. Er verzichtet zwar darauf, die Frauenfiguren zu sehr wie Abziehbilder erscheinen zu lassen. Im Prinzip kriegt jede weibliche Figur ein, oder mehrere Szenen, wo sie eine Charaktereigenschaft erhalten, die sie halbwegs glaubwürdig wirken lässt. Sei es, dass die Fotografin Annabel Chung sich als äußerst kratzbürstig erweist und so Quarrell sogar blutig kratzt. Oder dass Sylvia Trench sich als eine gewitzte Frau entpuppt, die James Bond scheinbar problemlos verführt. Aber am Ende sind es eben die Männer, die den Tag retten. Die auch Leben nehmen. Frauen sind dabei nur schmückendes Beiwerk, was sich vor allem bei Honey Ryder bemerkbar macht, bzw. bei ihrem Outfit. Praktisch die ganze Zeit tritt sie entweder in Klamotten auf, die für damalige Zeiten viel Haut zeigten. Oder die ihre Figur betonten. Sie ist da, damit James Bond im Finale eine Person hat, die er zu retten hat. Zum Glück bemüht sich der Film, ihr eine glaubwürdige Persönlichkeit anzugedeihen.
Joseph Wiseman ist natürlich trotz starkem Make-up eindeutig kein Chinese oder chinesischer Herkunft. Hier stellt sich der Film selber ein Bein. Trotzdem hat er eine gewisse Aura, die ihn unvergessen macht. Dieses Kühle und Berechnende, mit dem er alles beobachtet, analysiert und Befehle gibt, verleihen ihm etwas einzigartiges. Wobei es schade ist, dass er selbst erst im finalen Akt auftritt und da auch eher passiv wirkt.
Was die James Bond-Filme ansonsten immer auszeichnet, ist auch die Titelmusik. Aber hier merkt man, dass dies eben der allererste Teil ist. Denn es ist kein ikonischer Song vorhanden. Stattdessen wird zur Hälfte die legendäre Erkennungsmelodie von James Bond in einer gefühlten Schleife wiederholt. Nur um anschließend von generischer Tanzmusik abgelöst zu werden, ehe dann der Song „Three Blind Mice“ den Übergang in den eigentlichen Film markiert. Zum Glück wird das in künftigen Bond-Filmen besser gehandhabt.
Doch ist dies Meckern auf hohem Niveau. Es ist immerhin der allererste „James Bond“-Film. Die Saat, aus der schon bald andere grandiose Filme entstehen sollten. Dementsprechend kann man ihn auch bewerten.
Meine persönlichen Top 10 James Bond-Filme:
1. James Bond – 007 jagt Dr. No
2. …
3. …
4. …
5. …
6. …
7. …
8. …
9. …
10. …
Info
Regie: Terence Young
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather
Produktion: Albert R. Broccoli, Harry Saltzman
Musik: Monty Norman
Kamera: Ted Moore
Schnitt: Peter R. Hunt
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