Im Schweif des Halleyschen Kometen verbirgt sich ein außerirdisches Raumschiff, das Kurs auf die Erde nimmt.
Alien Vampire
Bei der Erforschung des Halleyschen Kometen entdeckt die ESA-Raumfähre Churchill in dessen Schweif ein außerirdisches Raumschiff. An Bord finden die Astronauten neben einigen toten Aliens Kälteschlafkammern mit nackten Menschen, die sie bergen. Wenig später treibt die Churchill steuerlos auf die Erde zu. Die Rettungsmannschaft der US-Raumfähre Columbia stellt den Tod der Crew fest. Nur Colonel Tom Carlsen (Steve Railsback) konnte sich zuvor mit einer Rettungskapsel absetzen.
Die drei Cryokapseln mit den Aliens werden zur Erde gebracht, wo die Fremden aufwachen und den Anwesenden die Lebensenergie aussaugen. Die toten Menschen erwachen nach einiger Zeit wieder zum Leben und beginnen ihrerseits, anderen Menschen die Lebensenergie auszusaugen. Wie eine Seuche verbreitet sich der eingeschleppte Energievampirismus. Obendrein können die Außerirdischen von Menschen Besitz ergreifen, weshalb es nichts bringt, sie zu erschießen.
Es gibt nur einen Weg, die Alien-Vampire zu töten – mit einem Eisenpfahl durchs Energiezentrum, was wie ein Blitzableiter wirkt. Tom Carlsen begibt sich ins abgesperrte London, wo die Seuche die ganze Stadt befallen hat. Von einer Kirche aus wird die abgesaugte Lebensenergie der Bevölkerung ans Mutterschiff gesendet. Colonel Carlsen, der wie magisch von dem weiblichen Alien-Vampir (Mathilda May) angezogen wird, opfert sich selbst, um die Invasion zu stoppen. Nachdem er die nackte Dame und sich selbst durchbohrt hat, werden ihre Körper zum Alien-Raumschiff im Orbit emporgehoben, welches sich daraufhin zurückzieht.
Interessantes Konzept mit Schwächen
Die Idee, dass der Vampirmythos auf Außerirdische zurückgeht, verbindet Dracula mit der Prä-Astronautik. Es wird sogar darauf hingewiesen, dass die Außerirdischen die Erde schon einmal besucht haben müssen und so den Grundstein für den Vampirmythos gelegt haben. Allerdings trinken sie kein Blut, sondern saugen den Menschen die Lebensenergie aus. Sie tragen auch keine schwarzen Capes, sondern rennen fast die ganze Zeit über nackt herum. Übernommen wurde wiederum das fledermausartige Aussehen im natürlichen Zustand und ebenso, dass ihre Opfer sich selbst in Vampire verwandeln. Es gibt jedoch einen Unterschied: Während die Aliens längere Zeit ohne Nahrung auskommen und sich für Jahrhunderte in Cryoschlaf begeben, überleben die infizierten Menschen nicht lange ohne Lebensenergie und zerfallen zu Staub, wenn sie keine Nahrung bekommen.

Die Abweichungen zum üblichen Vampirmythos haben einige Schwachstellen, die nicht ganz logisch erscheinen. So sind die Außerirdischen zwar physisch, ernähren sich aber von reiner Energie. Beim Entzug selbiger trocknen ihre Opfer aus, was eigentlich einem Entzug von Flüssigkeit entspräche. Etwas unlogisch ist auch, dass sich das außerirdische Raumschiff im Schweif des Halleyschen Kometen versteckt, der sich bekanntlich alle 75,3 Jahre der Erde nähert. Müssten die Aliens dann nicht in genau diesem zeitlichen Abstand regelmäßig über die Erde herfallen? In dem Fall wären sie aber kein längst verblasster Mythos, sondern hätten bereits Spuren in der jüngeren Geschichtsschreibung hinterlassen müssen. Und wo kommen sie überhaupt her? Bestimmt nicht aus dem Kometen selbst!
Hinzu kommen einige Plot Holes, aufgrund derer nicht ganz klar ist, wann und warum die Außerirdischen ihre Wirtskörper wechseln. Das liegt jedoch daran, dass aufgrund von Zeit- und Budgetüberschreitungen nicht alle Szenen des Drehbuchs abgefilmt werden konnten und weitere Szenen der Schere zum Opfer fielen. Wenn alles wie geplant umgesetzt worden wäre, hätte dies wohl erheblich zum besseren Verständnis der Handlung beigetragen. Der Autor der Romanvorlage, Colin Wilson, bezeichnete die Verfilmung nicht nur deswegen als schlechtesten Film, der je gedreht wurde.
So ganz schlecht ist er dabei gar nicht mal. Einige Fans betrachten ihn stattdessen sogar als Kultfilm, wobei der Ruhm jedoch erst spät einsetzte. An den Kinokassen ist der Streifen seinerzeit krachend gescheitert, denn er spielte von seinem 25 Millionen-Dollar-Budget gerade einmal 11,6 Mio. US-Dollar wieder ein. Ein weiterer Grund für das miserable Einspielergebnis war der irreführende Titel Lifeforce, auf dem das Studio Cannon bestand. Die Produzenten wollten ihr B-Movie-Image loswerden, weshalb ihnen der ursprüngliche Titel The Space Vampires zu trashig erschien. Nur hätte der ein perfektes Bild davon vermittelt, was die Kinobesucher erwartet.
Obwohl vieles falsch gemacht wurde, hat Lifeforce dennoch einige Pluspunkte zu bieten. Allen voran die hervorragenden Spezialeffekte von Oscargewinner John Dykstra, der für seine Arbeit an den Star Wars-Filmen berühmt ist. Die darstellerischen Leistungen sind ebenfalls solide und für die Regie zeichnete sich der damals angesagte Tobe Hooper (1943-2017) verantwortlich.

Für einige ein Karrierekiller
Während John Dykstra für die Spezialeffekte 1985 den Preis Caixa de Catalunya des Festival Internacional de Cinema Fantástic de Sitges gewann und 1986 für den Saturn Award nominiert wurde, entwickelte sich Lifeforce für Regisseur Tobe Hooper zum Desaster. Die Nominierung für den Saturn Award als bester Horrorfilm, konnte die Verluste nicht wieder wett machen. Zum Glück hatte er mit dem Studio Cannon Films noch einen Vertrag über zwei weitere Filme, sodass er noch beim ebenfalls an den Kinokassen gefloppten und später zum Kultfilm avancierten Remake zu Invasion vom Mars (1986) sowie Texas Chainsaw Massacre 2 (1986) auf dem Regiestuhl Platz nehmen konnte.
Cannon Films produzierte ab 1988 nur noch für den Videomarkt und musste wenig später Konkurs anmelden. Tobe Hooper führte unterdessen nur mehr sporadisch bei einer Handvoll Trash-Filmen wie der Stephen-King-Verfilmung The Mangler (1995) Regie und versuchte sich ab 2011 als Romanautor.
Hauptdarsteller Steve Railsbeck legte ebenfalls keine große Kinokarriere hin und war vor allem in kleineren Produktionen sowie TV-Serien zu sehen, darunter in zwei Episoden von Akte X. Der Alien-Vampirin Mathilda May erging es ähnlich, auch sie verabschiedete sich ins französische Fernsehen und versuchte sich als Jazz-Sängerin. Die Rolle in Lifeforce bekam sie, nachdem sich in ganz Großbritannien keine einzige Schauspielerin fand, die bereit war, komplett nackt durch den Film zu spazieren. Laut eigener Aussage hätte sich May später ebenfalls nicht noch einmal für so etwas hergegeben.
Ein Darsteller, dem Lifeforce absolut nicht geschadet hat, obwohl seine Rolle Dr. Armstrong darin einen hässlichen Tod stirbt, ist Patrick Stewart. Zu dessen bekanntesten Rollen zählen Captain Jean-Luc Picard aus Star Trek TNG und Prof. Charles Xavier aus den X-Men-Filmen. In Lifeforce musste er sich von Steve Railsbeck küssen lassen, der sich eigentlich auf einen Kuss mit Mathilda May gefreut hatte. Nur ist deren Erscheinung ein Trugbild, welches durch Dr. Armstrong spricht.
Fazit zu Lifeforce: Alles andere als blutleer
Es lässt sich nicht leugnen, dass Lifeforce einige Schwächen aufweist, die sich vor allem aus Produktionsschwierigkeiten und dem Schnitt ergeben haben. Dennoch bietet er ein interessantes Konzept, welches effektgewaltig umgesetzt worden ist. Vor allem das außerirdische Raumschiff kann sich sehen lassen und weist biomechanische Elemente auf, die an Hans Rudolf Gigers (†) Aliendesign erinnern. Heute gilt der Streifen als Kultfilm und ist als limitiertes Mediabook mit verschiedenen Variant-Covern erschienen.
Info
Drehbuch: Dan O’Bannon & Don Jakoby
Regie: Tobe Hooper
Musik: Henry Mancini & Michael Kamen
Kamera: Alan Hume
Schnitt: John Grover
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