[Review] WandaVision 1 – Mit einem Live-Publikum gefilmt

Lesezeit circa: 7 Minuten

Wanda und Vision beziehen in der ersten Episode ihr neues Heim und haben Visions Boss zu Besuch.

Die Miniserie WandaVision besteht aus neun Episoden. In der ersten Folge bezieht das Paar ein Haus in der Vorstadt Westview. Die beiden rätseln darüber, was das Herz in ihrem Kalender bedeutet.

WandaVision Folge 1

Missverständnisse

Wir haben es hier mit einer Art Sitcom zu tun. Von daher werden typische Elemente auch bedient. Während Wanda (Elizabeth Olsen), befeuert von ihrer Nachbarin Agnes, davon ausgeht, dass es sich hier nur um einen Jahrestag handeln kann, findet Vision (Paul Bettany) den wahren Grund heraus. Sein Boss Mr. Hart kommt zum Essen. Als er seiner Frau davon berichten will, wiegelt diese direkt ab und teilt ihm mit, dass sie alles unter Kontrolle hat. Und so wird der Abend selbstverständlich voll von kleinen Pannen sein.

Ja, das ist ein typisches Muster und ich würde es einer richtigen Sitcom einfach übelnehmen, wenn man es so vorhersehbar und regelrecht plump präsentiert. Es ist natürlich alten Sitcoms angepasst, sogar das Format ist auf 4:3, aber das zieht heute nicht mehr. Viel mehr steckt hier alles im Detail.

WandaVision Folge 1

Wie kommen die beiden da überhaupt hin?

Zeitlich spielt die Serie nach dem letzten MCU-Kinofilm Spider-Man: Far from Home. Wer wenigstens die beiden Avengers-Filme Infinity War und Endgame gesehen hat, weiß, dass Vision diese nicht überlebt hat. Wie kann er hier also rumlaufen? Visions Boss sagt es auch deutlich: “Was machen Sie hier? Wie lange sind Sie schon ein Paar? Wie haben Sie sich kennengelernt?” Darauf hat keiner eine Antwort, also erschaffen sie sich einfach all dies.

Es deutet schon in der ersten Folge doch recht deutlich auf eine Art alternative Realität hin. Wer die Comics kennt, der kennt auch das Potential der Scarlet Witch (früher in Deutschland: Scharlachrote Hexe) und weiß, dass sie mächtig ist. Sie ist immerhin die Tochter von Magneto, was im MCU aber noch nicht thematisiert wurde.

WandaVision Folge 1

Muss man die Comics kennen?

Meine Frau kennt die MCU-Filme, aber auch nur grob, ich musste ihr erzählen, wer die beiden überhaupt sind. Sie hatte trotzdem ihren Spaß an der Episode, sie fand die Idee mit dem Trip durch alte Sitcoms und den ganzen Stil herzlich erfrischend. Ich kenne die Comics und habe bereits eine Ahnung, wo sich das Ganze hier hin entwickeln wird. Im Comic-Zyklus House of M erschafft Wanda nach einem Nervenzusammenbruch eine alternative Realität und dies ist auch nicht das erste Mal, dass sie die Realität beeinflusst hat.

Dass die Serie quasi eine 50er-Jahre-Sitcom innerhalb einer Serie ist, deutet sehr darauf hin, dass sich Wanda nach Visions Tod eine Welt geschaffen hat, um die Realität nicht ertragen zu müssen. Auch TV ist eine Form von Realitätsflucht. Dazu passt auch die Aussage von MCU-Mastermind Kevin Feige, dass die Serie direkten Bezug zum kommenden Doctor Strange Film haben soll. Dieser hat bekanntlich den Titel Multiverse of Madness.

Es wäre nicht das erste Mal, dass man sich bei der Story im MCU grob an den Comics orientiert und keine komplett eigenständige Geschichte schreibt, in der Regel sind dies aber abgespeckte Versionen, also könnte dies auch hier der Fall sein.

WandaVision Folge 1

Noch eine Hexe?

Die Nachbarin Agnes wird eine größere Bedeutung haben. Zum einen ist sie offenbar in sieben von neun Episoden zu sehen (laut IMDb),  ihr Name könnte auch auf Agatha Harkness hindeuten. Die Brosche am Kragen ist eine weitere Gemeinsamkeit. In den Comics ist Agatha für Wanda auch ziemlich wichtig, vor allem hat sie Bedeutung beim Grund für das “House of M”. Ich möchte da nicht zu sehr drauf eingehen, da ich kommende Episoden spoilern könnte, wenn ich zu viel über die Comics rede.

Ein Easter Egg möchte ich mal kurz ansprechen. Wir sehen Werbung für einen Toaster von Stark Industries. Das ist für manche Zuschauer schon Easter Egg genug, aber hinter diesem versteckt sich noch ein anderes. Vision wird aus Ultron und J.A.R.V.I.S. erschaffen. Beides hat Tony Stark entwickelt. Und in den Comics nennt Wanda ihren Partner gelegentlich Toaster, so wie auch die Zylonen in Battlestar Galactica ab und zu Toaster genannt werden.

Diese Werbung an sich ist auch ein weiterer Hinweis auf die alternative Realität. “Forget your past, this is your future” ist der Slogan der Werbung. Sogar die Weinmarke “Maison du Mépris” deutet auf das “House of M” hin, Haus der Verachtung wäre die Übersetzung.

Die Laufzeit ist recht kurz gehalten, aber es steckt viel mehr drin, als ich euch hier erzählen kann. Ein Beispiel noch: Regie der Werbung in der Serie führte Abe Brown. Dieser ist auch bekannt als Black Tiger.

Am Ende wird dann auch einmal das Logo von S.W.O.R.D. eingeblendet. Dies ist eigentlich die Weltraumabteilung von S.H.I.E.L.D.
Im MCU wurde die Bedeutung des Namens von Sentient World Observation and Response Department zu Sentient Weapon Observation and Response Department geändert und damit wohl auch die Aufgabe der Organisation. Soll sie in den Comics die Erde vor Aliens schützen, geht es hier wohl um “lebende Waffen” – das könnten starke Mutanten wie Wanda oder KIs wie Vision oder Ultron sein.

I assure you, I’m married. To a man. A human one and tall.
-Wanda

Fazit zur ersten Folge WandaVision

Ein merkwürdiges Format. Nicht merkwürdig schlecht, einfach nur merkwürdig und definitiv etwas anderes. Die vielen kleinen Andeutungen weisen daraufhin, dass die Serie wahrscheinlich nicht so bleiben wird. Wer hier eine Serie im Stil der Netflix-Serien oder der MCU-Filme erwartet hat, wird sicher enttäuscht sein, aber ich denke, da steckt Potential drin. Und ich denke, am Ende der Serie werden wir eine große Überraschung sehen.

Ich befürchte nur leider, dass das Konzept für den 08/15-Zuschauer zu extravagant sein könnte.


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Marco Golüke
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