Was passiert, wenn man in ein Haus kommt, in dem man früher gelebt hat und wo man auf ein Mal Geheimnisse vorfindet?

Es wird gruselig?
Frankreich in den 1920er Jahren: Guerlain ist 30 jähriger Restaurator, der mit seinem siebenjährigen Sohn Nisse in eine Villa zieht. Es handelt sich dabei um sein Elternhaus. Und schon bald fangen die Probleme an.
Zum einen sind da die drei Krähen, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen und sich nicht verscheuchen lassen. Dann sind da die Schlafprobleme, die Guerlain hat. Und zu guter letzt ist da noch die Tatsache, dass der Restaurator Erinnerungslücken an seine Kindheit hat. Was ist nur vorgefallen, dass er die Erinnerungen daran so tief in sich vergraben hat?
Bei dem Cover von Nach Mitternacht könnte man der Meinung sein, dass dies eine Gruselgeschichte ist. Dass es hier ein Horror nach viktorianischer Art präsentiert wird. Doch die dann entwickelt sich die Geschichte vollkommen anders als gedacht.
Schön langsam
Das Album stammt aus der Feder von Gaëlle Geniller. Es ist ihr erstes im Splitter-Verlag. Von der Künstlerin und Autorin ist jedoch schon bereits 2023 im Carlsen-Verlag das Album Die Blüte von Paris erschienen.
209 Seiten umfasst der Comic. Und der Umfang kommt nicht von ungefähr. Denn Gaëlle Geniller lässt sich Zeit. Ihre Geschichte entwickelt sich eher langsam fort. Ereignisse strecken sich über mehrere Seiten, ohne dass man das Gefühl hat, dass die Story platt gewalzt wird.
Im Zentrum der Erzählung steht Guerlain, den man mitsamt seiner Probleme nach und nach kennenlernt. Er ist ein liebevoller Vater, der sich rührend um seinen siebenjährigen Sohn Nisse kümmert. Was mit der Mutter los ist, erfährt man auch im Verlaufe der Geschichte. Doch im Fokus der Story stehen jetzt keine etwaigen Beziehungsprobleme oder andere Familiendramen. Im Zentrum steht eben Guerlain allein.
Fokus auf Guerlain
Nach und nach baut das Album ein Mysterium auf um ihn auf. Es fängt mit drei Krähen an. Dann hat er Schlafprobleme, irgendwann sehen er und sein Sohn einen Schatten im Haus herumirren und ihm fallen bei sich selber Erinnerungslücken auf. Denn er kann sich an Ereignisse seiner Kindheit nicht mehr erinnern.
Andere Autoren würden hieraus eine astreine Horrorerzählung machen. Eine, in der dunkle Geheimnisse oder uralte Flüche eine große Rolle spielen. Nicht so Gaëlle Geniller. Sie baut zwar übernatürliche Elemente in ihre Story ein. Aber die bleiben nur oberflächlich und gehen nicht in die Tiefe.
Stattdessen fokussiert sie sich einzig und allein auf Guerlain. Nach und nach baut sie ihn und seine Vergangenheit aus. Man lernt zunächst indirekt, später dann direkt, seine drei älteren Schwestern kennen. Und das, was er als Kind damals in der Villa erlebt hat.
Nett, aber betulich
Es ist eine nette Geschichte. Die allerdings das Problem hat, dass sie eher betulich wirkt. Das große Mysterium um die Probleme von Guerlain wird zwar weiterentwickelt. Aber man hat nie das Gefühl, dass die Story mal irgendwann Spannung aufbaut. Im Prinzip plätschert sie vor sich hin, ist ganz nett, jedoch fehlt es ihr an Pfeffer, an etwas, was wirklich dafür sorgt, dass diese Geschichte einen richtiggehend fesselt.
Was insofern schade ist, als die Illustrationen von Gaëlle Geniller wunderbar anzusehen sind. Sie hat einen wunderschön anzuschauenden Stil, der Elemente der Belle Epoque aufgreift. Gleichzeitig merkt man auch, dass sie sich Gedanken gemacht, beispielsweise um den Aufbau der Villa.
Am Ende ist dies einfach nur ein nettes Album, aber kein unbedingtes Must-Have.
Info
Autorin, Illustratorin: Gaëlle Geniller
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
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