Sie leben in einer sterbenden Stadt – sie sind die letzten Immunen

Inhalt
Der halbtote Simon sucht seinen Arzt Dr. Fingal. Dieser geht mit einer Gruppe Verdummter gegen Imperium Alpha los. Gleichzeitig versuchen die wenigen Immunen in eben diesem Imperium Alpha, einst Nervenzentrum des solaren Imperiums, die schlimmste Not zu lindern und die Wetterkontrolle wieder herzustellen.
Rezension
Der halbtote Simon. Halbtot, weil er als legitimierter Dieb nicht ganz in die Gesellschaft passt. Er ist verdummt, aber nicht ganz von Sinnen. Durch einen Unfall erblindet, sucht er in der sterbenden Stadt Terrania seinen Arzt, Dr. Fingal.
Dieser ist durch einen Unfall und dem dadurch notwendigen Apparat auf seinem Kopf Immun und hegt Hass gegen das solare Imperium und insbesondere dessen Führungskräfte, haben diese ihn doch bei illegalen Machenschaften erwischt. Dr. Fingal will Imperium Alpha mit Bomben zerstören.
Gleichzeitig versuchen einige Immune, die außer Kontrolle geratene Wettersteuerung wieder aktiv zu bekommen, um Millionen Leben zu retten.
In KEINEM Heft des Schwarmzyklus wurde so realistisch geschildert, wie Verdummung wirklich wirken würde, wie am Beispiel von Simon. Verdummte sind hier keine spielenden Kleinkinder, sondern einfach zurückgeblieben, sprunghaft in ihren Handlungen, aber durchaus zur Verfolgung von Zielen fähig – auch wenn diese sinnlos sind.
Gerne hätten die Schilderungen aus Simons Sicht statt der hier vorliegenden 30% des Heften gut 90% ausmachen dürfen.
Wie sich Simon gegen Ende dem Titel Halbtoter tatsächlich auch physisch immer weiter annähert – beklemmend.
Ein wenig fragwürdig die Schilderung über Terrania. Eine Milliardenstadt und dann recht Menschenleer? Würden Verdummte wirklich so in derartiger Masse fliehen?
Auf jeden Fall beschlich mich beim Lesen eher ein Zombie-Film-Feeling. So erwarte ich eine Stadt, in der nach einer Zombieapokalypse Menschen umherirren und nach Ressourcen suchen. Als sei man in den ersten 2-3 Folgen The Walking Dead. Nur eben keine Zombies, nur Banden verdummter Menschen auf Nahrungssuche.
Und das 1971, als man solche Filme noch gar nicht so kannte. Meisterhaft von William Voltz.
Die Handlung um Dr. Fingal war so lala, aus dem Versatzkasten für Standard-Irre, die ihre persönlichen Fehler auf andere projizieren. Vor einigen Jahren hätte ich dies als komplett unglaubwürdig abgehakt, aber wie uns gewisse Wähler tiefbrauner Parteien täglich beweisen, leider bei einer Menge Menschen verbreitet. Dennoch hätten auch hier einige Seiten mehr für die Motivation und Charakterschilderung des Bösewichts gut getan.
Insgesamt hätte ich diesen Roman gerne mit der Länge eines NEO-Heftes gehabt.
Und dann kommt eine Seite im letzten Drittel, die einem BÄMM eine mitten ins Gesicht verpasst. Nüchtern wird aufgelistet, was alles am 06 April 3441 auf der Erde passiert. So kalt, so derart nüchtern listet WiVo dort Auswirkungen der aktuellen Situation auf die Menschheit auf. Und die Todesopfer, die jedes kleine Ereignis fordert.
SO fühlt sich Beklemmung an!
Das traurige Ende des Heftes wirkt dann auch final wie eine Resignation – eben das, was Simon auch macht.
Liest man oben heraus, wie begeistert ich bin? Super. Mit heutiger Sprache und Stilmitteln wäre dies Heft 10/10 Sterne wert. Leider muss ich doch einen abziehen. Zu sehr sind Stil und Sprache aus der Zeit gefallen. Zu sehr schmerzt der Umstand, dass man beim Charakterbuilding zu flach blieb oder bleiben musste, um den Heftumfang nicht zu sprengen. Also bleiben hervorragende und wirklich sehr sehr selten vergebene 9/10 Sternchen auf der Warp-Skala
Info
Autor: William Voltz
Titelbild: Johnny Bruck
Erschienen: Freitag, 02 April 1971
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